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Die Kharidschiten

14.3.2. Die Kharidschiten

14.3.2. Die Kharidschiten

Die Kharidschiten sind eine abtrünnige Gruppe von Unzufriedenen,die sich während des Kalifats des Uthman von der muslimischen Gemeinschaft trennte. Später kündigten sie Ali die Gefolgschaft und ermordeten ihn, dann stellten sie sich auch gegen Mu'awiya. Diese fanatischen und extremistischen Beduinengruppe sorgten dafür, die ca. 100 Jahre nach dem Tod des vierten Kalifen Ali zu einem Schandfleck in der islamischen Geschichte zu machen. Die Kharidschiten bezeichneten sich als Muslime, ihr Tun verstieß jedoch vollkommen gegen die Grundlagen des Islam. Sie nahmen den Islam als eine Stammesreligion wahr. Denn sie führten die vorislamischen beduinischen Traditionen weiter und ergänzten sie nur punktuell durch islamische Prinzipien. Auch in unserer heutigen Zeit gibt es in der islamischen Welt militante Gruppierungen, die in ihren Äußerungen und ihren Handlungen Ähnlichkeiten zu den Kharidschiten aufweisen. Diese finden jedoch zumeist nicht die Unterstützung der breiten Öffentlichkeit.

14.3.3. Die Umayyaden (661-750)

14.3.3. Die Umayyaden (661-750)

Der erste Kalif der Dynastie der Umayyaden war Mu'awiya. Mit ihm wurde Damaskus 661 zum Zentrum der islamischen Welt. In seiner Herrschaftszeit wurden Nordafrika und das Gebiet des heutigen Afghanistan und Usbekistan erobert. Das Kalifat entwickelte sich zu einer Herrschaftsform der Erbfolge; die Macht wurde fortan vom Vater auf den Sohn vererbt. Weitere Umayyadenkalifen waren u.a. Yazid und Marwan. Da die Umayyaden Muslime nicht-arabischer Abstammung ungerecht behandelten, herrschte in den islamischen Gebieten schon bald Unzufriedenheit. Ein Aufstand, von Abu Muslim in Khorasan initiiert, griff schnell auf den Iran und den Irak über. Im Verlaufe dieser Auseinandersetzungen wurden die Umayyaden besiegt. Abu 1-Abbas Abdullah, der von den Stämmen des Onkels des Propheten Abbas abstammte, wurde zum Kalif ausgerufen, womit das Kalifat auf die Dynastie der Abbasiden überging. Im Jahre 711 war Andalusien von Tariq ibn Ziyad erobert worden. Es entwickelte sich dort fortan eine hoch zivilisierte islamisch-andalusische Kultur, die einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Wissenschaften in Europa leistete. Hier wurde die Herrschaft der Umayyaden erst im Jahre 1492 durch Ferdinand beendet. Nur die Alhambra von Granada blieb uns als Zeuge dieser Zivilisation erhalten.

14.3.4. Die Abbasiden (750-1258)

14.3.4. Die Abbasiden (750-1258)

Unter den Abbasiden wurde die Stadt Bagdad zur Hauptstadt des Reichs. Türken bekleideten nun wichtige Ämter. Die Glanzzeit der Abbasiden war die Zeit des Kalifen Harun ar-Raschid. Erstmals wurden in dieser Epoche die Staatsangelegenheiten in einem beratenden Ausschuss namens "Diwan" behandelt. Al-Ma'mun, ein Sohn des Harun ar-Raschid, gründete in Bagdad das "Haus der Weisheit", eine Institution, die aus Bibliotheken, einer Akademie und Übersetzungsbüros bestand. Die Söhne des Harun ar-Raschid, Mu'tasim und Ma'mun, folgten ihrem Vater als Kalifen nach.

Die Grenzen des Staates hatten sich inzwischen sehr weit ausgedehnt und die Zentralregierung verlor zunehmend die Kontrolle über die weit entfernt liegenden Provinzen. So entstanden dort unabhängige Fürstentümer. Mit den Angriffen und Verwüstungen der Mongolen endete schließlich die Ära der Abbasiden im Jahre 1258.

14.3.5. Fatimiden, Ayyubiden, Mamluken

14.3.5. Fatimiden, Ayyubiden, Mamluken

Die Fatimiden eroberten von Tunesien aus ganz Nordafrika, gründeten im Jahre 969 in Ägypten ein Kalifat im Namen des schiitischen Imams der Ismailiya und eroberten von dort aus Damaskus, Jerusalem, Mekka und Medina. Auch Bagdad wurde von ihnen bedroht. Die Seld-schuken, die zuvor Bagdad erobert hatten, verdrängten die Fatimiden schließlich aus Syrien. Doch erst der berühmte General Saladin (1171-93) bereitete der Herrschaft der Fatimiden in Kairo 1171 ein Ende. Er begründete an ihrer Stelle die autonome Dynastie der Ayyubiden und erhob sich damit zum Herrscher von Kairo und Damaskus. 1187 eroberte er in der entscheidenden Schlacht von Hittin Jerusalem von den Kreuzfahrern zurück. Seine gerechte Haltung anderen Religionen gegenüber wird von Lessing in seinem Werk "Nathan der Weise" gerühmt.

Schon zur Herrschaftszeit der Enkel Saladins wurde die Dynastie von wirtschaftlichen und innenpolitischen Problemen bedroht. Die Generäle der Ayyubiden waren so genannte Mamluken (tscherkessische und kiptschakische Militärsklaven). Sie übernahmen schließlich die Macht und traten das Erbe der Ayyubiden an. Mit starker Hand verwalteten sie die Macht und brachten die Invasion der Mongolen im südlichen Palästina zum Stillstand Außerdem verdrängten sie die Kreuzfahrer endgültig aus Nordsyrien. Der Mamluk Izzaddin war der erste Herrscher der Mamluken, die von 1250-1517 in Ägypten und Syrien ihre Macht verteidigten.

14.3.6. Karahaniden

14.3.6. Karahaniden

Im Jahre 840 wurde der Staat der Karahaniden gegründet, der erste Staat, dessen offizielle Sprache Türkisch war. Sie traten ab dem Jahr 950 (zur Herrschaftszeit des Satuk Bugra Khan [gest. 955]) zum Islam über. Die Karahaniden lebten zwischen 992 und 1124 in Bukhara und Ostturkistan. Im Jahre 1212 wurden sie von den Ghaznawiden besiegt und ihr Reich zerfiel.

14.3.7. Ghaznawiden

14.3.7. Ghaznawiden

Das ghaznawitische Reich wurde im Jahre 999 in Nordwestindien (Pandschab) von Mahmud von Ghazna als zweiter Staat von zum Islam übergetretenen Türken gegründet. Mahmud eroberte Khorasan (999), Khwarasm (1017) und Westpersien (1029). Die Glanzzeit der ghaznawidischen Dynastie, deren Ursprünge in Afghanistan, Khorasan und Indien zu suchen sind, erlebte das neue Reich schon zu Zeiten seines Gründers, der sich intensiv dafür einsetzte, den Islam in Indien zu verbreiten.

Die Seldschuken besiegten Mas'ud, der 1030 zum Sultan von Ghazna gekrönt worden war, bei der Schlacht von Dandanakan (1040). Mit ihm ging die ghaznawidische Hoheit in Khorasan und Westiran zu Ende. Vollständig zerfiel der ghaznawidische Staat, dessen Verkehrsprache Arabisch war, jedoch erst im Jahre 1186.

14.3.8. Groß-Seldschuken

14.3.8. Groß-Seldschuken

Die Turkmenenstämme der Seldschuken drangen von der kirgisischen Steppe nach Bukhara und Khorasan vor. Dem berühmten Feldherrn Selçuk Beg gelang es dabei, die türkischen Stämme zu vereinigen und so eine große Macht unter seiner Hoheit zu versammeln. Nach der bereits erwähnten Schlacht von Dandankan entstand ein groß-seld-schukisches Reich, das bis zum Jahre 1157 überdauerte. 1041 verleibte man sich Khorasan, 1051 Isfahan ein. Um 1051 drangen turkmenische Stämme nach Aserbaidschan und ins obere Mesopotamien vor. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eroberten die Seldschuken nach dem Irak (1055) auch Syrien und Palästina. Bagdad wurde 1091 zur Hauptstadt der Groß-Seldschuken.

Nach dem Tode des berühmten ersten Herrschers Togril Beg wurde Alp Arslan (1063-72) zum Sultan der Seldschuken. Er stellte sich dem Heer von Byzanz (Istanbul) bei Malazgirt entgegen, vernichtete dort dessen Armee und nahm den Kaiser Romanos Diogenes gefangen. So öffnete er Anatolien für das türkische Volk (1071).

Nizamulmulk, der persische Wesir von Alp Arslan, gründete 1067 die Madrasa an-Nizamiya, eine bedeutende Schule des schafiitischen Rechts in Bagdad.

14.3.9. Die anatolischen Seldschuken

14.3.9. Die anatolischen Seldschuken

Sulaiman Beg begründete 1077 in Iznik die Herrschaft einer Linie der Seldschuken (Rum-Seldschuken). Zu jener Zeit verbreitete sich der Islam durch die Türken in Antolien immer schneller. Damals waren die Muslime unter Kilic Arslan I. mit dem ersten Kreuzzug nach Jerusalem konfrontiert, der von Papst Urban II. veranlasst wurde (1096). Nach dem Sieg der Kreuzfahrer über Kilic Arslan I. wurde Konya zur Hauptstadt der anatolischen Seldschuken. Die anatolischen Seldschuken begründeten besonders in Konya und Kayseri eine glänzende Zivilisation. Die Herrschaftszeit von Alaaddin Kaykubat wird im Allgemeinen als eine Goldene Ära bezeichnet. Infolge der Invasion der Mongolen mussten die anatolischen Seldschuken im Jahre 1243 am Köse Dag eine schwere Niederlage hinnehmen. Ihr Reich zerfiel in 14 selbstständige Emirate (beylik), die bis zum Jahre 1308 unter mongolischer Hoheit standen.

Der berühmte türkische Volksdichter Yunus Emre (1240-1320) und der große türkische Mystiker Mewlana (1207-1273) lebten zur Zeit der Seldschuken. Sowohl zu Zeiten der Groß-Seldschuken als auch der anatolischen Seldschuken wurden wertvolle Beiträge zur islamischen Zivilisation geleistet. Unzählige Gasthäuser, Moscheen, Brunnen, Medresen und Krankenhäuser wurden gegründet, Brücken wurden gebaut. Der islamische Sufismus organisierte sich in unterschiedlichen Orden und entwickelte sich weiter. Er fand in allen Gesellschaftsschichten großen Zulauf. Naturwissenschaften und religiöse Wissenschaften wurden besonders stark gefördert.

14.3.10. Die Kreuzzüge

14.3.10. Die Kreuzzüge

An dieser Stelle möchte ich kurz auf die Kreuzzüge eingehen, die zur Zeit der Seldschukenherrschaft unternommen wurden und die zur Festigung des "Feindbildes Islam" in Europa beigetragen haben. Unter Kreuzzug verstand man ursprünglich einen Kriegszug, den die Kirche im Mittelalter gegen Ungläubige (Preußen, Esten) und Ketzer (Albi-genser) unternahm, um den katholischen Glauben zu stärken. Spätere Kreuzzüge bezeichnen jedoch die kriegerischen Unternehmungen der abendländischen Christenheit zur Rückeroberung des Heiligen Landes in den Jahren 1095-1289 und die Pilgerfahrt in Zusammenhang mit dem Kampf gegen die "Heiden". In einem Zeitraum von 200 Jahren fanden insgesamt acht Kreuzzüge aus diesem Anlass statt. Trotz aller negativen Aspekte der Kreuzzüge wurde durch sie griechisch-orientalisches Geistesgut erstmals im Abendland bekannt.

Kämpfe gegen die Araber in Spanien und Sizilien

Kämpfe gegen die Araber in Spanien und Sizilien

Gregor VII. plante 1074 einen Kriegszug zur Befreiung des Heiligen Grabes. Auf der Synode von Clermont rief Papst Urban II. am 27.11.1095 die Christenheit zum Kampf gegen den Islam auf. Hilferufe des byzantinischen Kaisers, der seine Macht von den türkischen Seldschuken gefährdet sah, veranlassten den Papst einzugreifen und Stellung gegen den Islam zu beziehen. Viele Menschen setzten sich ohne Vorbereitungen zu treffen in Richtung Heiliges Land in Bewegung und kamen schon unterwegs um.

Der europäische Lehnsadel, insbesondere die französische Ritterschaft und die süditalienischen Normannen, unternahmen 1096 den 1. organisierten Kreuzzug und konnten 1099 Jerusalem erobern. Ein islamischer Gegenstoß führte 1144 zur Eroberung von Edessa. Daraufhin begann der 2. Kreuzzug (l 147-1149; unter Ludwig VII. von Frankreich und dem römisch-deutschen Kaiser Konrad III.); er endete in einer militärischen Katast-rophe und im politischen Zerwürfnis der beteiligten Mächte. 1187 wurde Jerusalem von Saladin zurückerobert, was 1189 den 3. Kreuzzug (Friedrich Barbarossa) auslöste. Der 4. Kreuzzug (1202-1204), bei dem die Venezianer die Hauptrolle spielten, richtete sich entgegen dem Willen von Papst Innozenz III. gegen Konstantinopel. Im Jahre 1212 fand der Kinderkreuzzug statt und führte Tausende von Kindern aus Frankreich und vom Niederrhein ins Verderben. Ein gegen die islamische Hauptmacht in Ägypten gerichteter Angriff endete 1221 in einem Debakel. Friedrich II. lobte zwar die Idee des Kreuzzuges, verzögerte ihn aber und wurde deshalb von Papst Gregor IX. verbannt. Trotzdem brach er aber 1228 zum 5. Kreuzzug auf und erreichte durch Verhandlungen mit dem ägyptischen Sultan die Freigabe christlicher Pilgerstätten und krönte sich 1229 zum König von Jerusalem, das 1244 aber wieder aufgegeben wurde. Ludwig IX. von Frankreich unternahm 1248-1254 den 6. Kreuzzug, scheiterte aber bei diesem Unternehmen ebenso wie später der 7. Kreuzzug gegen Tunis (1270). 1291 ging in Palästina mit Akka die letzte Bastion der Kreuzritter verloren.