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Hudaibiya

18.1. Friedensabkommen in Hudaibiya

18.1. Friedensabkommen in Hudaibiya

Der Prophet Muhammed zeigte beim Thema Versöhnung und Dialog große Opferbereitschaft und war bereit, Kompromisse einzugehen, die niemand außer ihm auf sich genommen hätte. Als Beispiel hierfür möchten wir das berühmte historische Abkommen von Hudaibiya genauer anführen. Der Koran sagt dazu in der Fath-Sure: Wahrlich, Allah bewahrheitete Seinem Gesandten das Gesicht. (48:27)

Der Prophet Muhammed hatte in seinem Traum gesehen, dass ihm und seinen Gefährten die Haare abgeschnitten wurden - wie es das Gesetz über die Pilgerfahrt traditionell vorschreibt - und sie Mekka im Frieden erreichten. Von dem Traum, den später auch der eben genannte Koranvers bestätigte, erzählte er sodann seinen Gefährten. Daraufhin machte sich der Prophet mit ihnen auf den Weg nach Mekka, das damals in der Hand von Götzenanbetern war, um das Ritual der Umschreitung der Ka'ba durchzuführen. Die Mekkaner jedoch stellten sich ihnen in der Ortschaft Hudaibiya entgegen und verhinderten ihre Weiterreise. Der Prophet Muhammed wollte verhandeln, aber die Götzenanbeter stellten kaum annehmbare Bedingungen. Im Abkommen, das schließlich getroffen werden sollte, fand sich folgender Satz: "Dies sind die Bedingungen des Abkommens zwischen dem Propheten Gottes Muhammed und den Mekkanern". Dem widersprachen die Mekkaner und sagten: "Wenn wir dich als Propheten Gottes anerkennen würden, könnten wir sowieso nicht verhindern, dass du nach Mekka gelangst. Wir fordern deshalb, dass der Ausdruck ,Prophet Gottes Muhammed' durch den Namen Muhammed ibn Abdullah ersetzt wird." Diese Bedingung war für den Propheten nahezu inakzeptabel, denn der Islam beruht auf der Basis der Formel: Es gibt keine Gottheit außer Gott und Muhammed ist der Gesandte Gottes.

Ausschließlich des Dialogs und der Versöhnung willen billigte der Prophet Muhammed den Wunsch der Mekkaner nach einer Umformulierung dieses Satzes, obwohl Ali und alle anderen Gefährten Widerspruch einlegten. Die Mekkaner sagten weiter: "Kehrt nun nach



Hause zurück, die Pilgerfahrt nach Mekka dürft ihr erst im nächsten Jahr unternehmen. Dieser Punkt soll auch im Abkommen festgehalten werden." Auch diese Bedingung war unerträglich, denn sie hatten Mekka schon fast erreicht. Außerdem spielte nun der Traum Muhammeds eine große Rolle. Besonders Umar, einer seiner engsten Gefährten, fühlte sich dadurch verletzt, dass der Traum nicht Wirklichkeit werden sollte. Trotz dieser schwierigen Situation akzeptierte Muhammed, um Frieden und Versöhnung zu schaffen, auch diese zweite Forderung der Mekkaner. Der Abgesandte aus Mekka, Suhail, stellte daraufhin noch eine weitere Bedingung für das Zustandekommen des Abkommens: "Wenn jemand von uns zu dir kommt, musst du ihn auch dann zu uns zurück schicken, wenn er deine Religion angenommen hat." Auch dies akzeptierte der Prophet.

Abu Dschandal, der Sohn von Suhail, hatte sich schon zuvor zum Islam bekehrt und war deshalb in Mekka angekettet worden. Er konnte sich jedoch befreien und kam mit Ketten an den Füßen während der Verhandlungen in Hudaibiya an und warf sich auf die Seite der Muslime. Sein Vater Suhail sagte starrsinnig: "O Muhammed, zunächst möchte ich, dass du mir meinen Sohn zurückgibst!" Der Prophet bat daraufhin Suhail: "Lass ihn bei uns, er hat für sich selbst entschieden." Suhail willigte trotzdem nicht ein. Der Prophet beharrte auf seinem Wunsch, Suhail änderte aber seine Meinung nicht. Abu Cendel sagte: "Ihr Muslime, wenn ich als Muslim zu euch komme, werde ich also den Götzenanbetern ausgeliefert. Seht ihr denn nicht, in welcher Lage ich mich befinde?" Auf dem Weg zu Gott hatte man ihm viel Leid angetan. Nun platze Umar der Kragen, er ging zum Propheten und fragte ihn: "Sind wir nicht im Recht?" Der Prophet Muhammed bejahte das. Umar insistierte weiter: "Warum lassen wir uns also so erniedrigen?" Der Prophet entgegnete: "Ich bin der Gesandte Gottes. Ich darf mich nicht gegen Gott auflehnen. Er ist mein Helfer." Umar fragte: "Hattest du uns aber denn nicht gesagt, dass wir die Ka'ba, das Haus Gottes, erreichen und sie umschreiten?" Der Prophet antwortete: "Das stimmt, aber habe ich auch gesagt, dass wir das in diesem Jahr tun?" Umar verneinte. Der Prophet weiter: "Du wirst noch einmal dorthin



gehen und die Ka'ba umschreiten." (Sammlungen Bukhari, Muslim)

Unter den gegebenen unerträglichen Bedingungen bemühte sich der Prophet Muhammed, sich über alle, auch seine eigenen, Bedenken hinwegzusetzen. Warum dieses Nachgeben? Um für zehn Jahre (die Gültigkeitsdauer dieses Abkommens) Frieden zu schaffen; denn zuvor hatten sich die Muslime in den Kriegen mit den Mekkanern in den Ortschaften Badr, Uhud und Handak im Kampf gegenüber gestanden, und auf beiden Seiten wurden viele Menschen getötet. Durch einen Frieden sollten die Anstrengungen des Kampfes, die Spannungen der Feindschaft und der Druck abgebaut werden. Die Menschen, die von einer solch angespannten Atmosphäre entlastet würden, würden in Ruhe nachdenken können und sich bemühen, sich einander näher kennen zu lernen. Um eine Auflockerung der Stimmung vorzubereiten, sollte sich jeder der Kriegspsychologie entziehen können. Die Zeit für einen Frieden war reif.

Trotz aller Bedenken nahm der Prophet Muhammed das Abkommen an. Seine Haltung, um des Friedens willen auch Kompromisse zu schließen, ist ein ausgezeichnetes Vorbild für die ganze Menschheit. Auch in der Welt von heute, mehr als 1300 Jahre nach dem Tod des Propheten, braucht die Menschheit - vielleicht sogar dringlicher denn je - von Toleranz geprägtes Verhalten.

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