Wiederauferstehung zu glauben
2.5.5. an die Wiederauferstehung zu glauben
2.5.5. Warum es so wichtig ist, an die Wiederauferstehung zu glauben
Nach dem Glauben an Gott dient vor allem der Glaube an die Wiederauferstehung der Sicherung einer friedlichen sozialen Ordnung. Wer nicht daran glaubt, dass er eines Tages für das, was er in dieser Welt
getan hat, zur Rechenschaft gezogen wird, wird sich wahrscheinlich auch nicht darum bemühen, ein ehrenhaftes, aufrechtes Leben zu fuhren. Wer jedoch stets in der Überzeugung handelt, dass er sich in der anderen Welt vor Gott für sein Leben verantworten muss, wird sich mit Sicherheit um eine disziplinierte und rechtschaffene Lebensweise bemühen (vgl. 10:61). An dieser Stelle ist jedoch zu betonen, dass man sich keinesfalls nur deshalb wohl verhalten sollte, weil man sich davon im Jenseits eine Belohnung verspricht.
Wer nun aber auch nur eines Stäubchens Gewicht Gutes tut, wird es sehen, und wer auch nur eines Stäubchens Gewicht Böses tut, wird es sehen. (99:7-8)
Was auch immer wir tun - der Islam sagt, dass alles von den Engeln aufgezeichnet wird. Und über euch sind wahrlich Hüter, edle Schreibende, die wissen, was ihr tut. (82:11-12) Gott ist sich also in vollem Maße all unserer Taten, Absichten, Gedanken und Vorstellungen bewusst. Ein Individuum, dass dies verinnerlicht, wird in beiden Welten wahren Frieden und wahre Glückseligkeit finden.
Der Glaube an die Wiederauferstehung bewahrt junge Leute vor einem zu ausschweifenden Leben und ist alten Menschen, die sich dem Grab nähern, ein Quell der Hoffnung. Der Glaube an die Wiederauferstehung hilft uns darüber hinaus, den Tod von uns nahe stehenden Menschen zu ertragen. Ein Kind, das der Überzeugung ist, seine verstorbenen Angehörigen in einer anderen Welt wieder zu treffen, wird im Glauben an die Wiederauferstehung wahren Trost finden.
Kinder sind sehr sensibel und feinfühlig. Wenn ihnen und ihren Familien etwas zustößt, trifft sie das sehr hart. Wenn sie Familienangehörige verlieren, oder zu Waisen werden, wird sich ihre Welt verdunkeln und Kummer und Verzweiflung wird sie überkommen. Wenn ein Kind daran glaubt, dass seine Lieben im Paradies sind und dort auf es warten, wird es den Trost finden, der die Wunde der Trennung schließen kann.
Alte und kranke Menschen dagegen haben bereits viele Verluste erlitten. Sie wissen, dass sich ihr Leben dem Ende zuneigt. Das Leben hat ihnen nicht mehr viel zu bieten und die meisten empfinden dem Tod gegenüber Furcht. Nur wenn sie fest daran glauben, dass Tod und Grab nicht ihr Ende bedeuten, sondern im Gegenteil ein neuer Anfang sind - die Türen zu einer anderen, weitaus besseren Welt - werden sie ihrem Schicksal mutig entgegentreten.
In seinem unnachahmlichen Stil bringt der Koran auf den Punkt, was der Glaube alten Menschen zu bieten hat. Er lässt den Propheten Zacharias sprechen:
Das Erwähnen der Barmherzigkeit deines Herrn für Seinen Diener Zacharias. Als er seinen Herrn mit einem heimlichen Ruf anrief, sprach er: "Mein Herr, fürwahr, schwach ist das Gebein von mir geworden und weißlohend das Haupt. Und ich bin im Bittgebet zu Dir, mein Herr, nicht unglücklich gewesen. (19:2-4)
Die Angst, das ganze Leben könnte umsonst gewesen sein, teilen im Prinzip alle Menschen mit dem Propheten Zacharias. Der Glaube an Gott und an die Wiederauferstehung vermittelt uns jedoch die gute Nachricht: Fürchtet euch nicht vor dem Tod, denn er ist kein ewiges Verlöschen. Ihr tretet lediglich von einer Welt in die andere über und werdet aus den belastenden Pflichten des weltlichen Lebens entlassen. Euch wird ein "Reisepass" für eine ewige Welt ausgestellt, in der alle möglichen Schönheiten und Gunstbeweise euch erwarten. Der Barmherzige, der euch in diese Welt sandte und euch in ihr über eine so lange Zeit hinweg am Leben erhielt, wird euch nicht in der Finsternis des Grabes und in den dunklen Korridoren warten lassen, die die Tore in die andere Welt bilden. Er wird euch in Seine Gegenwart holen und euch ein ewiges, immer glückliches Leben gewähren. Er wird euch mit den Wohltaten des Paradieses segnen. In dieser frohen Botschaft finden alte und kranke Menschen wahren Trost; mit ihr erwarten sie den Tod mit einem Lächeln.
Die Welt besteht aus Gegensätzen. Gutes und Böses, Richtiges und Falsches, Schönes und Hässliches, Unterdrücker und Unterdrückter -sie alle existieren nebeneinander. Der Mensch ist dazu aufgerufen, selbst Gerechtigkeit zu schaffen. Viele Fälle von Unrecht bleiben dennoch ungesühnt, zahllose ungerecht behandelte Menschen erhalten in dieser Welt kein Recht. Der Glaube an die Wiederauferstehung in einer anderen Welt, in der absolute Gerechtigkeit herrschen wird, tröstet die Unterprivilegierten. Nur dieser Glaube hält sie davon ab, sich an ihren Peinigern zu rächen. Andererseits finden auch Menschen, die von Schicksalsschlägen heimgesucht werden, im Glauben an die Wiederauferstehung Trost. Denn sie dürfen glauben, dass alle Schicksalsschläge, die sie einstecken mussten, zur Tilgung ihrer Sünden beitragen und dass ihnen alles Hab und Gut, das sie im Laufe ihres Lebens verloren haben, im Jenseits zurückgegeben wird, ganz als hätten sie es sich als Almosen selbst geschenkt.
Der Glaube an die Wiederauferstehung wird Häuser in Paradiesgärten verwandeln. In Häusern, in denen junge Leute ausschließlich ihren Vergnügungen nachgehen, in denen Kinder sich nicht mit religiösen Gefühlen und Praktiken auseinander setzen, in denen sich Eltern nur darum kümmern, egoistisch die eigenen Ziele zu verwirklichen und in denen die ältere Generation in Altersheime geschickt oder sich selbst überlassen wird, ist die Bürde des Lebens nur schwer zu ertragen. Der Glaube an die Wiederauferstehung erinnert jeden einzelnen Menschen an die Verantwortung, die er den anderen Familienmitgliedern gegenüber trägt.
Auch Eheleute werden eine intensivere Liebe und einen tieferen Respekt voreinander empfinden, wenn sie an die Wiederauferstehung glauben. Denn jede Liebe, die auf äußerer Schönheit basiert und auf ein kurzes, flüchtiges Leben in dieser Welt begrenzt ist, hat einen geringen Wert und endet oft schon nach kurzer Zeit. Wenn die Eheleute jedoch glauben, dass ihre Ehe in der anderen Welt, in der sie ewig jung sein und nicht an Schönheit einbüßen werden, für immer fortbestehen wird, dann wird ihre Liebe zueinander auch dann nicht
schwinden, wenn die äußere Schönheit allmählich vergeht und der Alterungsprozess einsetzt.
Weil Gott aus Sich Selbst heraus existiert, weil Er ewig barmherzig, mitleidig und vergebend ist, ist Er auch für alle Zeiten mächtig, gerecht und würdevoll. Obwohl Seine Barmherzigkeit alle Dinge einschließt (siehe 7:156) und - wie in einem Hadith berichtet wird - Seinen Zorn übersteigt, gibt es Menschen, die so schwere Verbrechen und Sünden begehen, dass ihnen eine ewige Bestrafung zu Teil wird. Obwohl uns Gott versichert, dass jeder, der einen Menschen zu Unrecht tötet, so beurteilt wird, als habe er die ganze Menschheit getötet (siehe 5:32), werden fast täglich Tausende von unschuldigen Menschen getötet. Es gilt das "Recht des Stärkeren", und so werden immer wieder viele Menschen der grundlegenden Menschenrechte beraubt. Selbst die widerwärtigsten Sünden und Ungerechtigkeiten bleiben - was noch schlimmer ist - oft ungestraft. Der Tod macht keinen Unterschied zwischen Unterdrückten und Unterdrückern, zwischen Unschuldigen und Verbrechern, zwischen rechtschaffenen Menschen und Sündern. Während es in dieser Welt zumindest in einigen Ländern Gesetze und Gerichte gibt, die bestimmte Arten von Verbrechen ahnden, bleibt die Bestrafung schwerer Vergehen und Sünden (wie z. B. Unglaube oder Glaube an mehrere Götter) dem Tag des Jüngsten Gerichts vorbehalten.
Der Tod bereitet allem ein Ende und lässt alles verblassen, als habe es niemals existiert. Wenn es die Wiederauferstehung nicht gäbe, wäre dieses Leben auf ein bedeutungsloses Spielzeug reduziert, das Leiden und Schmerzen hinter sich zurückließe. In Wirklichkeit ist diese Welt jedoch eine Miniaturausgabe der anderen, ewigen Welt. Einige Dinge, die es dort gibt, sind hier bereits angedeutet. Die Wohltaten, die Gott in dieser Welt für uns bereithält, warten im Jenseits in vollendeter Form auf uns. Gott gewährt sie uns schon hier, um uns auf diese Weise dazu aufzufordern, sie uns zu verdienen. Im Koran heißt es:
Und verheiße denen, die glauben und gute Werke verrichten,
dass Gärten für sie sind, durch die Flüsse eilen. Sooft ihnen von den Früchten daraus als Lebensunterhalt geschenkt wird, sprechen sie: "Das ist, was uns zuvor geschenkt wurde". Und Ähnliches wird ihnen gegeben. Und in ihnen sind für sie reine Partner. Und sie sind darin ewig Verweilende. (2:25)
Die Toten werden sowohl körperlich als auch geistig wieder erweckt werden. Dem jeweiligen Zusammenhang entsprechend erwähnt der Koran beide Formen. Zum Beispiel:
O du Seele in Ruhe! Kehre zurück zu deinem Herrn wohl zufrieden und wohl zufrieden stellend! So tritt ein unter Meine Diener und tritt ein in Mein Paradies! (89:27-30)
Dieser Vers berichtet von der Rückkehr der Seele zu ihrem Herrn. In vielen anderen relevanten Versen beschreibt der Koran jedoch die Wiederauferstehung und die Welt des Jenseits in materiellen und physischen Ausdrücken, die dem Muslim nahe legen, auch die körperliche Wiederauferstehung zu akzeptieren. An insgesamt einhundertzwanzig Stellen beschäftigt er sich mit der Beschreibung des Paradieses und der Hölle - detailliert oder auch in Kürze. Indem er das Paradies, die Hölle und die Taten von Menschen, die entweder dem Paradies oder der Hölle überantwortet werden, schildert, betont er die Einheit von Körper und Seele. So werden zum Beispiel die Gesichter der Paradiesbewohner vor Glück strahlen, denn sie werden alles, was sie sich erhoffen, dort vorfinden. Im Paradies werden wir mit unseren Liebsten wieder vereinigt werden, sofern auch jene sich das Paradies verdient haben. Prächtige Paläste mit Gärten voller Bäume, zwischen denen Flüsse aus Honig, reinem Wasser, purer Milch und anderen Getränken fließen, werden uns beherbergen. Wer dagegen aber in die Hölle kommt, wird tiefe Reue empfinden und die ganze Härte Gottes zu spüren bekommen.
Die Hölle wird im Koran in all ihren schrecklichen Details geschildert. So werden alle Menschen davor gewarnt, sich von Sünden fern zu
halten. Die Beschreibung des Paradieses als einen Ort, an dem alle Hoffnungen des Menschen erfüllt werden, soll uns dagegen anspornen, Gutes zu tun und Gott zu dienen:
Das ist die Hölle, die die Übeltäter leugnen. Sie laufen zwischen ihr und einem siedend heißen Wasser hin und her. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide da leugnen? Und für den, der das Stehen vor seinem Herrn fürchtet, sind zwei Gärten. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide da leugnen? (55:43-47)