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Der Koran

12.1. Der Koran

12.1. Der Koran

Der Koran ist das heilige Buch des Islam und bedeutet wörtlich "das oft Gelesene" oder "Rezitation". Der Koran gilt als das authentische Wort Gottes, das dem Propheten Muhammed in arabischer Sprache Wort für Wort erstmalig in der "Nacht der Vollmacht Gottes" im Monat Ramadan, dem neunten Monat des Mondjahres, durch den Engel Gabriel offenbart wurde. Alljährlich rief sich der Prophet den Wortlaut und die Reihenfolge der offenbarten Verse im Monat Ramadan erneut ins Gedächtnis, indem er sie vor dem Engel Gabriel noch einmal rezitierte. In dem Jahr, in dem er starb, rezitierte Muhammed den gesamten Koran sogar zweimal. Für die Originalität und die Bewahrung des Koran spielt dieser Vorgang eine bedeutende Rolle. Der Koran erhebt ausdrücklich den Anspruch, das Wort Gottes zu sein. Er stellt ausschließlich das Wort Gottes dar und ist nicht mit Aussprüchen oder Grundsätzen des Propheten vermischt.

Zu Lebzeiten Muhammeds pflegten seine Begleiter die verkündeten



Offenbarungen auswendig zu lernen, sorgfältig im Gedächtnis zu behalten oder auch schriftlich festzuhalten. Ausnahmslos alle Gefährten des Propheten kannten zumindest Teile des Koran, da diese während der gemeinsamen Gebete ständig rezitiert wurden. Auch vollständige Gesamtabschriften des Korantextes sind noch zu Lebzeiten des Propheten Muhammed entstanden. Zahlreiche Gefährten des Propheten fertigten diese an und trugen sie dem Propheten vor, damit er sich von der Richtigkeit der Niederschriften überzeugen konnte. Zur Zeit des ersten Kalifen Abu Bakr wurden die einzelnen Suren gesammelt, geordnet und in die abschließende Form eines Buches (mushaj) gebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Suren u.a. auf Papyrus-Blätter niedergeschrieben worden und hatten sich an unterschiedlichen Orten befunden. Der dritte Kalif Uthman ließ den Koran sieben Mal vervielfältigen und in die Zentren des Islam schicken. Zwei der Original-Ausgaben befinden sich noch heute in Istanbul und in Taschkent.

Der Koran setzt sich aus 114 Suren (Kapiteln, Abschnitten) zusammen, die jeweils in Verse oder ayat (Zeichen) unterteilt sind. Der Koran behandelt im Wesentlichen die Themen Einheit (Gottes), Prophetentum, Auferstehung, Gerechtigkeit und Gebete. Der Koran ist nicht auf einmal, sondern ab 610 n. Chr. innerhalb von 23 Jahren offenbart worden. Dies geschah oft situationsadäquat, d. h. entsprechend den jeweiligen Notwendigkeiten und Offenbarungsanlässen (asbâbun-nuzûl). Die ersten 86 Suren, ca. zwei Drittel des Koran, wurden in Mekka (über 13 Jahre), die 86. bis 114. Sure in Medina (über 10 Jahre) offenbart. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Reihenfolge der Suren im Koran nicht der Reihenfolge der Offenbarung dieser Suren entspricht. (Eine Aufstellung der Koransuren nach ihrer Offenbarung befindet sich im Anhang dieses Buchs.) Schwerpunktthemen der mekkanischen Suren sind vor allem Glaubensfragen und ethische Werte. Die in Medina offenbarten Suren beschäftigen sich hingegen insbesondere mit dem Gebet, den zwischenmenschlichen Beziehungen, gesellschaftlichen Handlungen, dem Umgang der Menschen untereinander und Krieg und Frieden. Im Allgemeinen werden in den Offenbarungen die psycho-sozialen



Bedingungen der individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungen berücksichtigt. Die Gemeinschaft der Muslime unterlag insofern einem Enrwicklungsprozess. So wurde z. B. das Fasten im Monat Ramadan im Jahre 624 ( zwei Jahre nach der Hidschra) zur Pflicht. Die Regeln des Erbrechts wurden im Jahre 625 (drei Jahre nach der Hidschra) und die Pilgerfahrt im Jahre 631 (neun Jahre nach der Hidschra) eingeführt. Für die allmähliche Erziehung der Individuen und der Gesellschaft ist das khamr-Verbot (Alkoholverbot) beispielhaft: Khamr war zur damaligen Zeit sehr weit verbreitet. Darum beschäftigen sich vier Koranverse mit diesem Thema: Zunächst wird gesagt: Und von den Früchten der Dattelpalmen und den Beeren macht ihr euch Rauschtrank und gute Speise. Wahrlich, darin liegt ein Zeichen für Leute, die einen Verstand haben. (16:67) In Vers 2:219 heißt es dann: Sie befragen dich über Berauschendes und Glücksspiel. Sprich: "In beiden liegt ein großes Übel." Diese Verurteilung des Alkohols wird in Vers 4:43 noch einmal wiederholt: O ihr, die ihr glaubt, nahet nicht dem Gebet, wenn ihr betrunken seid, bis ihr versteht, was ihr sprecht. Schließlich wird der Genuss von Alkohol in Sure 5:90 endgültig verboten: O ihr, die ihr glaubt! Berauschendes, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind ein Greuel, das Werk Satans.