Pilgerfahrt
4.5. Die Pilgerfahrt (hadsch)
4.5. Die Pilgerfahrt (hadsch)
Die Pilgerfahrt ist als eine körperliche und finanzielle Anbetung zu verstehen. Jeder geistig und körperlich gesunde erwachsene Muslim, ob Mann oder Frau, ist verpflichtet, einmal im Leben die Pilgerfahrt zu den ehrwürdigen Stätten von Mekka zu vollziehen und dort die vorgeschriebenen gottesdienstlichen Handlungen vorzunehmen. Diese Verpflichtung gilt aber nur für den, der finanziell abgesichert ist. D.h., wer die Pilgerfahrt antritt, muss für den Lebensunterhalt von Familienangehörigen gesorgt haben, die in der Heimat zurückbleiben und für die er unterhaltspflichtig ist. Im heiligen Stadtgebiet von Mekka beginnt der Pilger mit dem siebenmaligen Umschreiten der Ka'ba, das von bestimmten Gebeten begleitet wird. Dann wandert er zwischen den zwei Hügeln Safa und Marwa dreimal hin und her und ein weiteres mal hin. In Gruppen ziehen die Pilger nun in Richtung des Bergs Arafat. Sie erreichen die Stadt Mina und schließlich auch den Berg. Dort zu stehen bildet den Höhepunkt der Pilgerfahrt. Der Gläubige tritt vor Gott, bekundet vor Ihm seine völlige Ergebenheit und seinen totalen Gehorsam. Dann verlassen die Pilger Arafat wieder und ziehen nach Muzdalifa und von dort zurück nach Mina. Dort steinigen sie symbolisch den Teufel, indem sie siebzig bzw. neunundvierzig Steinchen auf drei bekannte Säulen werfen. Dann erfolgt die Schlachtung von Opfertieren (Kamel, Rind, Schaf, Ziege) und das Opferfest wird gefeiert. Zum Schluss wird das Haar des Pilgers geschoren oder gestutzt und ein erneutes siebenmaliges Umschreiten der Ka'ba unternommen. Damit ist der Weihezustand aufgehoben und die offizielle Pflichtpilgerfahrt beendet. Die Pilger bleiben jedoch meistens noch ein paar Tage in Mekka, um Gottes zu gedenken. Es wird auch empfohlen, auf der Rückreise noch Medina und das Grab des Propheten Muhammed zu besuchen.
Einige Begriffe und Bittgebete, die bei der Pilgerfahrt von Bedeutung sind:
Begriffe:
ihram: ihram ist die Bezeichnung für den Weihezustand des Pilgers, den Männer mit dem besonderen, aus zwei ungesäumten Tüchern bestehenden Pilgergewand und Frauen durch gewöhnliche Kleidung, jedoch ohne Bedeckung des Gesichts, äußerlich kundtun. Der ihram muss mit Beginn der Pilgerfahrt angelegt sein und wird am 10. Tag teilweise, nach Vollzug von tawäf und sa'y völlig aufgehoben. Während des ihram sind untersagt:
Jagen, Töten, Haare und Nägel schneiden, geschlechtliche Beziehungen, Füße, Kopf (Männer) und Gesicht bedecken, genähte Kleidung tragen (Männer), Parfüm benutzen.
Tawaf: Tawaf bezeichnet das Umschreiten der Ka'ba. Dieses beginnt gegenüber dem Schwarzen Stein, der in einer Ecke eingelassen ist, und bewegt sich gegen den Uhrzeigersinn. Nach der siebten Umschreitung betet man 2 rak'a am Platz Abrahams (maqam Ibrahim) vor der Ka'ba. Bei der kleinen Pilgerfahrt (umra), die nur aus tawafund sä 'y besteht und zu jeder Jahreszeit vollzogen werden kann, werden die ersten drei Umschreitungen in schnellerem Schritt durchgeführt.
Sa'y: Sa'y bezeichnet das siebenmalige Zurücklegen der Entfernung zwischen den Hügeln Safa und Marwa nahe der Ka'ba. Dieser Lauf beginnt auf dem Hügel Safa und endet auf Marwa. In der Mitte der Wegstrecke beschleunigt man für ein Stück den Schritt.
Miqat: Miqat ist der Name für die Grenzlinien um den heiligen Bezirk von Mekka, an denen der Muslim den ihram spätestens anlegt.
Bittgebete:
Bittgebete:
1.
Die Absicht für die Pilgerfahrt:
Labbaik allahumma hadschan.
Ich bin hier, Dir zu Diensten, o Allah, zur Pilgerfahrt.
2.
Beim Anlegen des ihram:
Allahumma innî urîdul-hadscha fa yassirhu lî wa taqabbalhu minnî.
O Allah, ich will die Pilgerfahrt (vollbringen), darum mache sie leicht für mich und nimm sie von mir an.
3.
Talbiya (Befolgung) so oft wie möglich zu sprechen:
labbaik allahumma labbaik, labbaika la scharîka laka labbaik,
Ich bin hier, Dir zu Diensten, o Allah. Ich bin hier, Dir zu Diensten. Ich bin hier, Dir zu Diensten, du hast keinen Gefährten. Ich bin hier, Dir zu Diensten. Lob und Segen sind Dein und Dein ist die Herrschaft. Du hast keinen Gefährten.
4.
Beim Erblicken der Ka'ba:
Allâhu akbar la ilâha illâ-llâh
Allah ist der Größte. Es gibt keine Gottheit außer Allah.
5.
Vor dem tawâf.
Allahumma innî urîdu tawafa baitikal-harâmi fa yassirhu lî.. minnî
sab'ata aschwatin li-llâhi ta'âlâ 'azza wa dschall.
O Allah, ich will die Umschreitung Deines heiligen Hauses (vollbringen), mach es leicht für mich und nimm es von mir an, sieben Umrundungen für Allah den Erhabenen, den Mächtigen, Gewaltigen.
6.
Während des tawäf, vor Erreichen des Schwarzen Steins:
Rabbanâ âtinâ fîd-dunyâ hasanatan wa fil-âkhirati hasanatan wa qina
'adhâban-nâr
Unser Herr, gewähre uns Gutes in dieser Welt und Gutes im Jenseits und errette uns vor der Strafe des Feuers.
7.
Während des tawäf:
Qanni'ni bimâ razaqtani wa bârik lî fîhi wa-khlif âlâ külli ghaibatin lî
bi-khairin la ilâha illâ-llâhu wahdahu la scharîka lah lahul-mulku wa
lahul-hamdu wa huwa âlâ külli schai-in qadîr.
O Allah, lass mich zufrieden sein mit dem, womit Du mich versorgt
hast und segne mich damit und gewähre mir für alles Vergehende Besseres. Es gibt keinen Gott außer Allah, Er ist allein und nichts ist Ihm beigesellt. Sein sind die Herrschaft und die Lobpreisungen und Er hat Macht über alle Dinge.
8.
Vor dem sa'y
Allahumma innî urîdu an as'â mâ bainas-safâ wal-marwati sab'ata
aschwat.
O Allah, ich möchte die Läufe zwischen Safa und Marwa sieben Mal vollbringen.
9.
Auf dem Hügel Safa und Marwa:
Bismi-llâh Allâhu akbar Allâhu akbar Allâhu akbar wa lillahil-hamd
Im Namen Allahs. Allah ist der Größte. Allah ist der Größte. Allah ist der Größte und Ihm sei Preis.
10.
Am Berge Arafat:
la ilâha illâ-llâhu wahdahu la scharîka Iah lahul-mulku wa lahul-hamd
allahumma-hdinî bil-hudâ wa naqini bit-taqwa wa-ghfir lî fîl-âkhirati
wal-ûlâ.
Es ist kein Gott außer Allah. Er ist allein und nichts ist Ihm beigesellt. Sein sind die Herrschaft und die Lobpreisungen. O Allah, leite mich mit Deiner Rechtleitung und reinige mich durch die Furcht (vor) Dir und vergib mir im Jenseits und Diesseits.
11.
In Mina, beim Werfen der Steine:
Bismi-llâh Allâhu akbar radschman lisch-schaitâni wa hizbih.
Im Namen Allahs. Allah ist der Größte. Das Steinigen ist gegen den Satan und seine Gefolgschaft.
12.
In Mina, vor dem Opfern:
Bismillah.
Im Namen Allahs.
Nachstehend soll der historische Ursprung des Opferns als eine Form der Anbetung, seine Durchführung und einige Besonderheiten des Opferfestes erläutert werden.