Wohlgefallen
11.4. Wohlgefallen (ridâ)
11.4. Wohlgefallen (ridâ)
Wohlgefallen oder auch Zufriedenheit (ridâ) drückt aus, dass das Herz des Menschen von schlimmen Ereignissen nicht erschüttert wird und den Erscheinungen des Schicksals nicht unglücklich gegenüber steht. Ridâ bedeutet auch, dass man im Vertrauen auf die göttliche Fügung, den Ratschluss und das Handeln Gottes Bitterkeit, Härte und Unverständliches auf sich nimmt und alles genügsam im Herzen aufnimmt. Einige Rechtschaffene betrachten das Wohlgefallen als höchste Stufe nach dem Gottvertrauen (tawakkul) und dem Sich-Ergeben in Gottes Willen (taşlım).
Der Ursprung des Wohlgefallens, seine Ursache, ist vom Willen des Menschen abhängig. Das Erreichen eines Endpunkts des Wohlgefallens liegt hingegen im Ermessen Gottes. Gott allein entscheidet, ob der Mensch diesen Endpunkt erreicht. Darauf deutet insbesondere der folgende Hadith hin: Derjenige, der Gott als Herrn, den Islam als Religion und Muhammed als Propheten annimmt und mit ihnen zufrieden ist, erlebt den seelischen (innerlichen) Genuss des Glaubens. Zufrieden sein mit der Göttlichkeit des Erhabenen heißt, Ihn zu lieben, Ihm gegenüber ehrerbietig zu sein, sich Ihm zuzuwenden und Erwartungen nur von Ihm zu hegen. Mit der Herrschaft Gottes zufrieden zu sein impliziert, alles, was Er für uns vorherbestimmt hat, demütig anzunehmen. Mit der Gesandtschaft des Propheten zufrieden zu sein erfordert, dass man sich ihm ohne jeden Vorbehalt ergibt. Mit dem Islam zufrieden zu sein verlangt von uns, dass wir die Religion im individuellen, familiären, gesellschaftlichen und politischen Leben praktizieren. Dabei soll sich der Muslim vom Koranvers Wer eine andere Religion als den Islam begehrt, nimmer soll sie von ihm angenommen werden leiten lassen. (3:85) Ridâ, Wohlgefallen, ist daher sowohl im Diesseits als auch im Jenseits eine bedeutende Quelle des glücklichen Lebens. Andererseits bedeutet das aber nicht, dass derjenige, der Wohlgefallen erlangt hat, von Leiden und Unruhen befreit wird.