Drevsjø2004
Wie
alles Begann: Seit meinen Fotos von Grønland mit
Huskywelpen ging mir Korinna auf die Nerven:
"Micha ich will
Hundeschlitten fahren. Kümmer dich!"
Dann las sie auch
noch das Buch "Das Schneekind" von Nicolas Vanier ->
"Micha! Hast du schon was?".
Nach vielen Stunden im
Internet hab ich dann einen Anbieter
gefunden, und einige Telefonate später war gebucht. Bei den
Reiseunterlagen war das Buch "Outdoor Handbuch Mushing"
bei. Das Nerven kam wieder:
"Micha wie ist das mit dem
Einschirren?"
"Ich weiß es nicht!"
"Micha,
was ist mit der Kälte"
"Ich weiß es
nicht!"
"Micha wie kommen wir nach Kiel?"
"Ich
weiß es nicht!...? mist!!"
5.März
2004: 7:00 Bahnhof Berlin Ostbahnhof. Mir ist kalt, ich bin müde,
und warte mit Korinna auf den Zug nach Hamburg-Kiel. Tage voller
Diskussionen haben hoffentlich ein Ende. Die Rucksäcke brechen
fast auseinander (welcher Mann braucht beim Schlitten fahren eine
Föhn?).
Die Zugfahrt klappt wunderbar und wir sind 11:00 in
Kiel. Eine Stunde Zeit bis zum Treffen am Fährterminal, das
glücklicherweise nur 5 min zu Fuß vom Bahnhof entfernt
ist. Auf der Fähre war ein erstes Kennenlernen der anderen
Teilnehmer. 6 Leute, davon 5 das erste Mal schlittenfahren.
6.März
2004: Ankunft 10:00 in Oslo. Für einen Berliner liegt hier
schon Schnee, aber für Winterurlaub doch etwas wenig. Hier
treffen wir Peter unseren Reiseleiter, der uns mit dem Bus nach
Drevsjø fährt. Auf der Fahrt nach Norden wird der Schnee
dann mehr, und meine Befürchtungen ob März nicht schon zu
spät ist, waren komplett grundlos.
15:00 sind wir im Camp und
dann gings gleich zum Hundehof. Die Hunde sind doch erst mal etwas
ernüchternd. Ja gut wenn ein Hund jeden Tag arbeitet, setzt er
nicht so viel Fett an. Und so richtig Hunde-Modelhaft sahen nur sehr
wenige aus. Und auch so klein? Die sollen mich ziehen?
Dicht bei
war ein Schlittenrennen, und die Hunde dort sahen schon eher so aus
wie in meiner Vorstellung. OK das waren alles reinrassige Hunde. Und
wenn ich in meiner Fantasie die verschiedenen Rassen mische, dann
sehen unsere Hunde gar nicht so untypisch aus.
Nach dem Abendbrot
bekamen wir eine erste Einweisung über die Hunde die Schlitten
und die allgemeine Sicherheit.
7.März
2004: Als erstes bekamen wir jeder eine Thermokombi, und ein Paar
Winterstiefel. Dann ab zu den Hunden.
Nachdem jeder Hund genügend
gekrault wurde konnte die praktische Einweisung losgehen. 3 Leute
vorne an den Schlitten ziehen, einer hinten drauf und dann versuchen
dem Baum auszuweichen. Der Spaßfaktor war recht groß.
Jetzt
bekam jeder einen Hund und ein Geschirr und versuchte das Geschirr
mit dem Hund zusammenzubringen. Glücklicherweise haben wir fürs
erste üben recht ruhige Hunde bekommen, so das es doch irgendwie
klappte.
Nun hängte Peter einen Schlitten an seinen Bus und
zog jeweils einen von uns hinterher. Bremsen, schleudern,
ausweichen!!, bremsen! Nach vorne schauen!.
Die
meisten schafften es ohne Sturz, und hinterher hatte jeder ein
breites Grinsen im Gesicht. Korinna freut sich: der Urlaub ist
gerettet!
Noch schnell die Schlitten für morgen aufgestellt
und kontrolliert, und der Rest des Nachmittags war zu freien
Verfügung.
Wir haben einen längeren Waldspaziergang zum
Schlittenrennen gemacht. Beim Einschlafen ging das Nerven wieder
los:
"Micha, wie ist das mit dem Einspannen?"
"Micha,
was ist wenn ich vom Schlitten falle? ..."
8.März
2004: Nach dem Frühstück bekamen wir als letzten
Ausrüstungsgegenstand noch einen Rettungsgürtel (einfaches
Funkgerät, Signalpistole). Auf dem Hundehof war die Hölle
los. Ein Krach von ca 80 Hunden, die alle mitteilten, das sie
unbedingt mit wollen.
Rucksäcke auf dem Schlitten verstauen,
einige bekamen noch eine Kiste mit Lebensmittel dazu. Von Tonja (der
Hundebeitzerin/Leiterin) bekam jeder einen Zettel mit 6 Hundenamen
und Geschirrgrößen. Das Chaos war perfekt. Wo ist die
Hütte von meinem Hund, und wie kriege ich ihn durch die anderen
Hunde zu meinem Schlitten?
Ein permanentes gejaule, gekläffe,
rumhüpfen und zerren. Kaum zu glauben, als alle Hunde
eingespannt sind, steigert sich der Lärm noch dramatisch. Auf
einmal geht's los. Schlitten nach hinten ziehen, Bremse treten, Anker
lösen, wieder von der Bremse runter und schlagartig Ruhe.
Nur
das leise Knirschen der Kufen auf dem Schnee und leises Atmen der
Hunde ist zu hören. Nach ca 500m ein erstes Anhalten. Ja! alle
sind gut weggekommen. Weiterfahren.
Nach etwa 3 Stunden ist eine
längere Pause. Die Hunde schnell gesichert und dann gibt's Tee
aus der Thermoskanne und geschmierte Brote.
Gegen
16:00 erreichen wir die Hütte. Kurze Einweisung von Peter wie
die Hunde für die Nacht anzuleinen sind und zum weiteren
Ablauf.
Hunde abschirren, Wasser aus dem Bach holen, Tonja beim
beim Futter machen für die Hunde helfen (auch die Hunde brauchen
Wasser), Feuerholz holen. Noch schnell ein Feuerchen angezündet,
und dann gibts für den ersten Hunger Bratwurst und Brötchen
gegrillt. In der Zeit hat Peter in der Hütte den Ofen
angeheitzt, und Abendbrot gemacht (Reiseintopf).
Nach dem
Abendbrot noch abwaschen und dann gemütliches beisammensitzten.
Von Peter gabs noch etwas Kritik: Achtet auf die Abstände zum
Hintermann.
Gute Nacht!
9.;10.;11.März
2004: Die Tage sind alle recht ähnlich. Aufstehen gegen
8:30, Frühstücken, Sachen packen, Hütte etwas
aufräumen, Schlitten packen, Hunde einspannen und los. Als erste
fährt Tonja, dann wir Gäste, und zum Schluss Peter.
Langsam
kommt etwas Sicherheit auf dem Schlitten, so das ich mir in Ruhe die
Landschaft ansehen kann. Zugefrorene Sümpfe, Seen, Wälder
wechseln sich ab. Ich werde nie wieder wandern! Hin und wieder mussen
wir unsere Schlitten bergauf schieben, und so die Hunde entlasten.
Das ist aber recht willkommen, da einem sonst duch das Rumstehen auf
dem Schlitten kühl wird. Ich versuche Fotos während der
Fahrt zu machen.
Gegen Mittag eine Pause, an die sich auch
mittlerweile auch die Hunde gewöhnt haben und ruhig
sind.
Langsam prägen sich auch die Namen und Eigenheiten der
Hunde einzuprägen.
Tinta
kann nicht bellen, nur wie ein Wolf jaulen (das aber sehr
gut).
Jameson hat beim Abschirren einen Teleskophals, und wird
immer länger.
Und Jutta der Leithund von Korinna hat eine
psychischen Knacks.
An der Hütte ankommen, Wasser und Holz
holen, grillen, leckeres Abendbrot von Peter und spätestens
21:00 im Schlafsack liegen und bis zum nächsten Morgen
schlafen.
Eine Nacht übernachten wir in einem Ferienhaus in
Schweden. So mit richtiger Heizung und warmer Toilette und Dusche!
Sonst in Holzhütten ohne Strom und fließend
Wasser.
Korinna hat ihre eigene Trinktechnik entwickelt. Früh
keinen Kaffee (unterwegs ist keine Toilette), unterwegs Tee (aber
keinen Pfefferminztee), direkt an der Hütte aber nicht zu spät
einen kleinen Kaffee sonst muß sie Nachts raus auf Plumpsklo.
12.März
2004: Der letzte Tag. Inzwischen hat sich etwas Routine
eingestellt und alles läuft ruhig ab, was sich auch auf die
Hunde überträgt.
15:00 wir sind wieder auf dem Hundehof.
Abschirren. Wo waren noch mal die Hütten von meinen Hunden?
Kurz
in den Ort gefahren mit Souveniershop und Supermarkt (lecker Eis),
dann die Klamotten abgeben.
Endlich in Ruhe duschen. Korinna föhnt
mit großer Begeisterung.
13.März
2004: 5:00 Es geht Richtung Oslo. Im Auto dösen alle vor
sich hin. Unterwegs Frühstück an einer Autobahnraststätte.
In Oslo haben wir noch einige Stunden Zeit, und so gehen wir ins
Kontiki-Museum (Südsee, wer will das schon hin?) und noch kurz
in Fram Museum (Polarexpeditionen, schon besser). 14:00 Abfahrt der
Fähre. Abends treffen wir uns an Board noch auf Caipirinia und
Bier.
14.März
2004: 7:00 ein letztes gemeinsames Frühstück an Bord.
10:00 wir sind in Kiel. Allgemeines verabschieden. Es ist etwas
gedrückte Stimmung.
Auf der Zugfahrt nach Berlin sind einige
kleine Schneefelder zu sehen. Meine Urlaubsenddepression macht sich
breit. Im Berliner Ostbahnhof sind Menschenmassen. Warum sind alle so
hektisch?
Fazit:
Es ist nicht so kalt wie alle glauben. Unter der Thermokombi hatte
ich nur einen normalen Pullover und eine Wanderhose an. Wichtiger
sind da schon eine winddichte Mütze, winddichter Gesichtsschutz
und gute Handschuhe. Falls es kälter geworden wäre hatte
ich noch eine gefütterte Jogginghose und noch einen dicken
Pullover bei. Ein Paar Badelatschen als Hüttenschuhe sind
ideal.
Vom Schlitten fallen ist nicht schlimm, man muß sich
nur festhalten und hinterher schleifen lassen.
Der Umgang mit den
Hunden war deutlich einfacher als erwartet. Nur meinen Rücken
hab nach dem Ausspannen von 6 Hunden gespürt.
Mal sehen
irgendwann wollen wir noch mal Hundeschlitten fahren.