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Silvester-Boofen im Elbsandstein 2005/2006


KarteKurz vor Weihnachten die Frage: Wann geht's das nächste mal wandern? Warum nicht Silvester? Nach kurzer Diskussion war die einzigste Bedingung, das es deutlich unter 0°C sein muß: im Tauwetter und Schneematsch ist die Übernachtung grauenhaft. Lieber kalt und dafür trocken.
Etwas im Internet gesucht, und voller Entsetzen festgestellt, das wir absolut nicht die einzigen sind, die auf solche beknackten Ideen kommen. Hoffentlich wird es nicht zu voll.
28.12. Die Wetterprognose: -5°C, leichter Schneefall. Telefonate Richtung Pirna - 30cm Schnee. Wir (Gregor und ich) fahren!

Samstag 31.Dezember 2005: 11:00 in Bad Schandau kurz gegessen weiter ins Kirnitschtal. Einen Plan haben wir noch nicht, mal sehen wo wir Parken, und wie die Verhältnisse auf den Wegen sind. Davon wollen wir unsere Strecke abhängig machen. Zur Nacht wollen wir lediglich einen ruhigen Platz, möglichst ohne andere Wanderer haben.
Die Parkplätze sie überraschend voll. Zwar nicht so schlimm wie im Sommer, aber im Winter gibts ja auch deutlich weniger gute Boofen.
Kurz hinter der Buschmühle geparkt, und startfertig gemacht. Es fängt an zu schneien.
Bei einer Bushaltestelle werden wir von recht durch gefrorenen Wanderern gefragt, ob wir unsere Nacht noch vor uns haben. Morgen werden wir jedenfalls nicht so fertig aussehen!
Am Zeughaus vorbei und hoch Richtung Winterberg. Irgendwie läuft es sich im Neuschnee recht anstrengend, so das wir schnell anfangen zu schwitzen. Da mit jedem Meter Höhe der Wind stark zunimmt, und es deutlich kälter wird, beschließen wir weiter unten an eine windschattigen Stelle zu übernachten. Ein älterer Spaziergänger wünscht uns, halb Mitleid halb Neid: "kommt gut durch".

FotoAbzweig in den Goldsteig. Die wenigen Spuren sind meist vom Wind verweht, so das alles unberührt aussieht. Ich hatte nur meinen Pullover an und fror im Wind, Gregor hatte seine Jacke an und schwitzte im Windschatten.
Das schlimmste an den Pausen ist das Weitergehen. Der Rucksack kommt beim Wieder aufsetzen gegen den nasskalten Rücken des Pullovers.
Irgend ein Naturgesetz besagt: kleine Brüder (egal wie alt sie sind!) müssen bei Schnee die vor ihnen Gehenden bewerfen. Es rieselt so schon genug Schnee von den Bäumen in den Halsausschnitt.

FotoIm Winter sind die Richerschlüchte doch recht rutschig und glücklicherweise gehts für uns runter.
Wir beschließen in den WeberSchlüchten zu übernachten. Letzten Sommer waren wir schon mal da, aber da war alles recht sumpfig, was jetzt hoffentlich gefroren ist. Kurz nach 15:00 sind wir an der Webergrotte, und da es gegen 16:30 dunkel wird bleiben wir da.
Der hintere Teil der Grotte ist komplett mit Eiszapfen voll, und es tropft permanent. Nichts für schwache Blasen. In größeren Abständen knallt es, ein großer Eiszapfen fällt scheppernd runter und zerspringt. Es ist vorne genug Platz um sicher vor den Zapfen zu liegen und es trotzdem wind- und schneesicher zu haben.
Zum Abendbrot gabs China Nudelsuppe (ist meiner Meinung nach bei Kälte besser als Tee), Stullen und Würstchen.
Foto17:00 ist es komplett dunkel. Wir versuchen nur mit Taschenlampe mal duch den Wald zu gehen. Mit Reflektionen vom Schnee gibts dabei eigentlich keine Probleme, so das es durchaus möglich ist.
Anlässlich von Silvester teilen wir und eine winzige Flasche Rum für Grog. Heiß Wasser drauf und Zucker dazu. Irgendwie kommt der Zitronengrassgeschmack von der Thaisuppe durch.
Die Temperatur sinkt. Ich habe mittlerweile 2 Pullover, eine Fleece-Jacke, eine Jacke, 2 gefütterte Jogginghosen, 1 Wanderhose, Fellmütze und Handschuhe an. Nur an den Füßen lässt sich recht wenig machen. 3 Paar Socken passen einfach nicht in die Schuhe. Kalt ist mir eigentlich nicht.
Für interessante Abwechslung sorgen 2 Taschenöfen. Wir haben uns ewig mit ihnen beschäftigt mal funktionieren sie, meistens nicht.
20:00 verkriechen wir uns in unsere Schlafsäcke. Den größten Teil der Klamotten wieder ausziehen. Schon dabei wird mir warm. Zur besseren Isolation nach unten liege ich auf 2 Isomatten, die mit Klebeband zusammengeklebt sind.
Warnung an den Mitreisenden: Sollte es jemand wagen mich Mitternacht zu wecken, und ich anschließend vor Kälte nicht mehr einschlafen können, dann gibt es Ärger!

FotoSonntag 1.1.2006: In der Nacht nur 2 mal kurz aufgewacht, kühle aber keine kalten Füße, weiter geschlafen. 9:30 aufgestanden. 13 Stunden Schlaf sollten genügen
Zur Frühstücks-China-Suppe Schnee geschmolzen. Geht mit dem Benzinkocher besser als erwartet. Gregor bringt seine gefrorenen Stullen auf dem Wassertopf in essbaren Zustand. Noch die Thermoskanne mit heißem Tee für unterwegs gefüllt.
Wieder Richtung Zeughaus unterwegs und wieder hoch. Gestern was der Anstieg hier deutlich leichter. Eine Gruppe von 50-60 Jährigen getroffen, die anscheinend auch draußen übernachtet haben.
An der Goldsteigaussicht Pause gemacht. Eiskalter Wind und alles mit Reif überzogen. War doch eine gute Entscheidung im Tal zu übernachten.

FotoIm kleinen Kuhstall können wir eine längere angenehme Pause machen. Es geht Richtung Auto. Da die Karte im Rucksack ist, den ich nicht extra absetzen will (durchgeschwitzter Rücken siehe oben), nehmen wir einen alternativen Weg. An der Felsenmühle kommen wir zurück auf die Straße, der wir ca. 15min folgen. Endlich am Auto Rucksack runter und ab in die nächste Gaststätte heißen Kakao geordert.
Insgesamt haben wir im Vergleich zum Sommer sehr wenig Strecke geschafft, was teils am zeitigen Sonnenuntergang und teils am gehen im Schnee lag. Für's nächste mal ein Paar Gamaschen besorgen. Ist doch recht unangenehm, wenn Schnee im Schuh schmilzt.




So, wer jetzt noch Fragen zum boofen hat, muß mal bei Wikipedia oder hier nachsehen.



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