Gedichte

 

Eine gute Art, sich mit Problemen auseinander zu setzen, oder sich über deren tatsächliches Ausmaß klar zu werden, ist sie in ein Gedicht zu packen. das habe ich hier ein wenig versucht.

 

Stolz

Ich war dein Stolz, deine Hoffnung
Du hast mich all die Jahre lang getragen,
Ich sollte perfekt werden
Aber ich schaffte es nicht
Nun bin ich nicht mehr dein Stolz, bin nicht mehr deine Hoffnung
Du hast mich fallengelassen und ich schlug hart auf
Immer wieder versuche ich aufzustehen,
doch jedes Mal trittst du mich wieder zu Boden
Und mit jedem Tritt zerbricht ein Teil von mir, ein Teil meiner Liebe zu dir
Doch du wirst niemals wissen, welchen Schmerz ich empfinde,
und ich werde mich immer wieder erheben,
bis ich über deine Tritte nur noch lache
Denn ein kleiner Teil von dir wird ewig in mir bleiben - dein Stolz


Mein ärgster Freund

Du warst mein ärgster Konkurrent,
und doch mein bester Freund
Du hast mir oft widersprochen,
und doch waren wir immer einer Meinung
Du warst immer stärker als ich,
und doch konntest du mich nie besiegen
Du hast immer nur dir selbst gedient,
und doch bist du mir stets gefolgt
Du hast mich vor die Wahl gestellt und mir nun den Rücken gekehrt,
und doch sehe ich dich immer noch vor mir
Du bist noch immer voller Leben,
und doch ist mein ärgster Freund und bester Feind nicht mehr da,
nur eine tote Erinnerung, mehr ist mir nicht geblieben,
und so liege ich immer wieder mit offenen Augen im Bett und denke nach,
was wohl aus dir geworden ist und was aus mir geworden wäre, wäre ich dir gefolgt.


Dunkelheit

Die meisten fürchten sie, weil sie sie nicht kennen
Wer vor ihr davon läuft, den verfolgt sie,
denn sie hat Angst davor, Fremden ihr wahres Gesicht zu zeigen,
sie versteckt sich in ihrer eigenen, unergründlichen Tiefe
und straft alle Neugierigen mit Blindheit
Und doch gibt sie dir, wenn du dich einsam fühlst und dich an sie wendest, Geborgenheit, verhüllt dich vor dem Rest der Welt und schenkt dir Trost,
denn niemand ist einsamer und versteht dich besser, als die Dunkelheit selbst
nur wenn du dich ihr anvertraust, wird sie sich dir anvertrauen
und du wirst sehen, dass sie auch ein Teil von dir ist: geheimnisvoll, unergründlich und einsam


Lebewohl

Du warst kein Mensch,
doch warst du mir vertrauter und wichtiger als die meisten Menschen
Du warst kein Mensch,
und doch hattest du eine Aura, die dich würdevoller als jeden König erstrahlen ließ
Du warst kein Mensch,
aber du lebtest, wie ein guter Mensch eigentlich leben sollte
Du warst kein Mensch,
und trotzdem warst du oft mein Lehrer, mein Vorbild, mein Freund
Du warst kein Mensch,
sondern Etwas Größeres, Weiseres, Ehrenhafteres, in Gestalt eines Katers
Ich hatte viele Seiten deiner Seele kennen gelernt
und dennoch weiß ich nicht, warum und wohin du eines Tages gingst
Es ist nun schon lange her und ich habe mich damit abgefunden, dass du nicht zurückkommen wirst, aber trotzdem schaue ich mir jeden deiner Art noch immer ganz genau an, und hoffe ins Geheim, dich noch einmal wieder zusehen und dir Lebewohl sagen zu können


Hoffnung

Ich griff in den Himmel, als ich drohte unterzugehen
und bekam etwas zu packen
Es war die Hoffnung
Sie ergriff meine Hand und rettete mich
Auch andere schafften es, sich festzuhalten
Doch für viele war es zu spät
Sie hatten die Hoffnung aus den Augen verloren
Nun versuchen sie mich und die anderen zu sich hinunter zu ziehen
Ich halte mich fest, doch viele können das Gewicht nicht halten und verlieren die Hoffnung
Wer sie verliert, vergisst schnell, dass es sie gibt und versucht nicht mehr nach ihr zu greifen
Ich weiß nicht, wie lange ich das Gewicht noch aushalten kann,
weiß nicht, wie lange ich mich noch festklammern kann
manchmal jedoch, taucht neben mir eine hand auf und ich merke, dass ich nicht allein bin


blutendes Herz

mein Herz blutet,
denn ich habe das Wertvollste verloren, was ich nie besaß
es waren die Dornen der schönsten aller Rosen, welche mich verletzten
und doch war es nicht ihre Schuld
ich wusste, dass sie Dornen hatte
und ich wusste, dass sie sich in mein Herz bohren würden
ich wusste, dass man sie mir bald wieder entreißen würde
und dass ihre Dornen mein Herz verwunden würden
und doch ließ ich sie so nah wie nur möglich an mich heran kommen
nun ist sie fort und mein Herz weint blutige Tränen,
aber hätten ihre Dornen sich nicht in mein Herz gebohrt,
so hätte ich nie das Glück erlebt, sie gekannt zu haben
und dennoch bin ich traurig
doch es ist nicht, weil sie nicht mehr bei mir ist
ich trauere, weil ich weiß, dass sich diese Wunden eines Tages wieder schließen werden
und ich werde mich nicht mehr daran erinnern, dass es da draußen eine Rose gibt,
schöner als alle anderen


Missbraucht

sie versuchte ihre Kinder festzuhalten, die man ihr entriss, und alle sahen es,
doch sie blieben regungslos
sie schrie, als das Blut ihrer toten Kinder auf ihr Kleid spritzte, und alle hörten es,
doch sie blieben regungslos
sie weinte bittere Tränen, als man in sie eindrang und sie beraubte, und alle fühlten es,
doch sie blieben regungslos
sie brach zusammen, als man sie vergiftete und alle schmeckten es,
doch sie blieben regungslos
sie atmete zum letzten Mal die verpestete Luft aus ihren Lungen, und alle rochen es,
doch sie blieben regungslos
sie erhob sich und sah, was man ihr und ihren Kindern angetan hatte, und alle wussten es, doch alle waren regungslos geblieben
Nach all dieser Schande regte sie sich schließlich
und alle bekamen ihren Zorn zu spüren
aber niemand verstand, warum sie sich plötzlich zur Wehr gesetzt hatte


Warten

Ich bin wieder allein,
obwohl ich von Menschen umgeben bin
Ich lebe wieder in einer anderen Welt,
obwohl ich auf dieser Erde geblieben bin
Ich sitze wieder in der Dunkelheit,
obwohl die Sonne auf mich herab scheint
Ich weine wieder vor Traurigkeit und Ratlosigkeit,
obwohl mein Gesicht von einem Lächeln geziert wird
Ich habe die Hoffnung wieder aus den Augen verloren,
obwohl ich weiß, dass sie ganz in der nähe sein muss
Ich habe die Liebe wieder vergessen,
obwohl ich immer noch in ihrem Namen Kämpfe
Und ich warte wieder auf ein Wunder, welches mich hier rausholt,
obwohl keines in Sicht ist


Kämpfen

Ich kämpfe
Nicht weil ich es kann,
sondern weil ich es will, weil ich es muss
wer sich entschließt zu kämpfen, der wird ewig kämpfen
wer nie gekämpft hat, wird nie wissen, warum andere kämpfen
manche kämpfen für Ruhm und Reichtum
manche kämpfen aus Hass
manche kämpfen für ihr Ego
doch ich kämpfe für und gegen mich,
kämpfe gegen einen Teil von mir, damit der andere glücklich wird
und ich werde gegen jeden kämpfen, der sich diesem Teil in mir in den Weg stellt