Hintergrundinformationen

oder

Was ist ein Rennofen?

 

Abb. aus: Meyer, R.K.F und Schmidt-Kahler, H.: Wanderungen durch die Erdgeschichte. Bd. 6. Unteres Altmühltal und Weltenburger Enge. München 1994. S. 116.

Rennöfen sind aus Lehm gemauerte, schornsteinähnliche Röhren mit ca. 40 cm Innendurchmesser und 100 cm Höhe, in denen durch Einblasen von Luft und die Verwendung von Holzkohle Eisenerz zu Eisen reduziert wird. Dabei rinnt Schlacke auf den Ofengrund.

Diese Art der Eisenherstellung betrieben bereits die Kelten. Sie blieb bis in die Neuzeit (bis zur Entdeckung des Hochofenverfahrens) erhalten.

 

 

Chemie/Technik

Chemische Reaktion im Schaubild

Abb. aus: Bachmann, Hans-Gert: Vom Erz zum Metall (Kupfer, Silber, Eisen) - Die chemischen Prozesse im Schaubild. In: Steuer und Zimmermann. S. 35 - 40.

 

 

Die Rennofentechnik

 

Abb. aus: Jöns, H.:: Eisengewinnung im norddeutschen Flachland. In: Steuer und Zimmermann. S. 63-69.

Die Reduktion des Eisenerzes zu Eisen im Rennofenverfahren unterscheidet sich gravierend von der Eisengewinnung um Hochofen:

Der Schmelzpunkt des kohlenstoffreinen Alpha-Eisens liegt bei 1535°C. Diese hohe Temperatur wird in Rennöfen nicht erreicht. Die Bildung von Eisen im Rennfeuer ist folglich eine Feststoffreaktion. Nicht das Eisen wird flüssig (wie im Hochofen), sondern die Schlacke!

 

 

Geschichte

1. Allgemeine Informationen
  •  Die Kelten haben keine eigenen schriftlichen Zeugnisse hinterlassen, wir sind auf Beschreibungen der Griechen und Römer und auf die archäologischen Funde angewiesen. Sie waren Meister der Eisenverarbeitung und lebten von ca. 800 v. Chr. (Beginn der Hallstattzeit) bis ca. 15 v. Chr. (Ende der Latènezeit) in Bayern.
  •  Die Verbreitung der Kelten in Europa reichte von der iberischen Halbinsel (Kelt-Iberer) über Frankreich (Gallier), die britischen Inseln (Wales, Schottland, Irland), das nördliche Alpen- und Alpenvorland, bis nach Norditalien (Etrusker), den mittleren Donaubereich (Thraker) und in die heutige Türkei (Galater).
  •  Reste keltischer Kultur und Sprache haben sich im Bretonischen der franz. Bretagne, dem Kymrischen in Wales oder dem Gälischen in Schottland erhalten.

Von den Kelten erhaltene, heute noch sichtbare Bauwerke sind:

Grabhügel

Wallanlagen und Mauerreste der Keltenstädte (Oppidum)

Viereckschanzen

Umwehrte Herrenhöfe

 

Bilder und Informationen aus: Schußmann, M.: Die Kelten in Bayern. Mit Bodendenkmälern und Museen. 2. Aufl. Donauwörth 2000. (Reihe Gelbe Taschenbuch-Führer)

 

 

2. Exkursion zu den keltische Siedlungsreste im Raum Ingolstadt-Kelheim

Der Raum zwischen Ingolstadt und Kelheim besitzt eine Vielzahl von heute noch oberflächlich sichtbaren keltischen Siedlungsresten und weist mit dem Michelsberg bei Kelheim eine bedeutende Eisenschürfstelle der Kelten auf. Nicht zufällig befinden sich zwei bedeutende Überreste keltischer Stadtanlagen (Oppidum Manching, Oppidum Alkmoenis) in diesem Gebiet.

a. Viereckschanzen bei Böhmfeld 

 

Lagekarte der Viereckschanzen

Abb. aus: Schußmann, M.: Die Kelten in Bayern. Mit Bodendenkmälern und Museen. 2. Aufl. Donauwörth 2000. (Reihe Gelbe Taschenbuch-Führer)

Die Funktion der keltischen Viereckschanzen ist umstritten. Erläuterungen im pdf-Format.

Quellen:

Schußmann, Burger-Segl Bd.2

b. Grabhügel bei Buch (Riedenburg)

 

Das Grabhügelfeld in Buch (bei Riedenburg) besteht aus 45 Grabhügeln.

 

Erläuterungen zu den Grabhügeln im pdf-Format.

Quellen:

Burger-Segel Bd.1, Schussmann

c. Oppidum Alkmoenis (bei Kelheim)
Lageplan des Oppiddum Alkmoenis auf dem Michlsberg bei Kelheim.

Abb. aus:Schußmann, M.: Die Kelten in Bayern. Mit Bodendenkmälern und Museen. 2. Aufl. Donauwörth 2000. (Reihe Gelbe Taschenbuch-Führer)

Erläuterungen zum Oppidum Alkmoenis im pdf-Format

Quellen:

Schussmann, Burger-Segl Bd.1, Engelhardt, Kaulich

Diese Überreste wurden auf einer Exkursion zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte mit der Kasse 11a besichtigt.

Hier eine Karte des Exkursionsgebietes.

  • 1  Keltenschanzen bei Böhmfeld

  • 2  Keltische Grabhügel bei Buch (nähe Riedenburg)

  • 3  Keltisches Oppidum Alkmoenis (bei Kelheim)

 

 

 

Erdkunde

 

Geologie

Vorgeschichtlicher Überblick

Die Geologie des unteren Altmühltals ist in erster Linie nicht wegen der heute wirtschaftlich völlig unbedeutenden Eisenerzvorkommen interessant, sondern aufgrund seiner Kalksteinformationen.

Abb. aus: Meyer, R.K.F und Schmidt-Kahler, H.: Wanderungen durch die Erdgeschichte. Bd. 6. Unteres Altmühltal und Weltenburger Enge. München 1994.

 Im ehemaligen Übergangsbereich zwischen Land und Meer entstanden Kalkriffe und Hohlformen, die mit Plattenkalken aufgefüllt wurden.

Abb. aus: Meyer, R.K.F und Schmidt-Kahler, H.: Wanderungen durch die Erdgeschichte. Bd. 6. Unteres Altmühltal und Weltenburger Enge. München 1994.

  • Das untere Altmühltal ist eines der bedeutendsten Fundstellen für steinzeitliche Siedlungen in Deutschland. Hier findet man eine fast ununterbrochene Besiedlung seit der Altsteinzeit
Die nebenstehende Übersicht führt die wichtigsten Stadien menschlicher Entwicklung am Beispiel von Funden aus dem unteren Altmühltal auf.

Quelle: Vereinfacht nach  Kaulich

 

Die Entstehung des Eisenerzes

Das Eisenerz, das die Kelten auf dem Michelsberg bei Kelheim finden konnten, war sog. Bohnerz. Dieses Erz ist als Rest einer Verwitterungsdecke zu sehen, die sich während des Tertiärs über dem Kalkgestein der heutigen Fränkischen Alb abgelagert hatte. Im Lauf der Jahrtausende bildeten sich auf der Oberfläche des durch saures Wasser löslichen Kalksteins unregelmäßige Höhlen und Vertiefungen (Karst), in denen das Wasser zusammenlief. Das Wasser wiederum transportierte gelöste Fe-Ionen an. Auf diese Weise konnte sich in den Karsttaschen eisenhaltige Bohnerze entwickeln (Eisengehalt: max. 40-60%) . 

Einen groben Überblick über die Landschaftsentwicklung im unteren Altmühltal gibt folgendes pdf-Dokument.