Titel: Weltgeschichte

 

 

Kalter Krieg, Zusammenschluss Europas, Dekolonisierung

1945
Vom 4. bis 11. findet in dem Seebad Jalta auf der Krim jene Konferenz statt, in der die Staatschefs der führenden alliierten Mächte, Roosevelt, Stalin und Churchill, die UNO-Gründung, das sowjetische Vorgehen in Asien und die Behandlung Deutschlands und der von ihm besetzten Gebiete nach Beendigung des 2. Weltkriegs besprechen und in Grundzügen festlegen.
 
Am 26. Juni wird in San Franzisko die UNO gegründet, indem die Gründungsmitglieder die Charta unterzeichnen, die nach der Ratifizierung im Oktober in Kraft tritt. Die Vorgängerorganisation Völkerbund wird 1946 aufgelöst; seine Funktionen gehen auf die UNO über.
 
Das 1944 in Bretton Woods (NewHampshire, USA) beschlossene internationale Währungssystem, das die UdSSR nicht unterzeichnete und dem sich die anderen sozialistischen Staaten auch später nicht anschließen, tritt in Kraft. Es wird gestützt durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie die Weltbank und bleibt bis 1973 gültig.
Das Ziel der Vereinbarungen ist der Abbau der durch den Krieg hervorgerufenen Not. Es soll erreicht werden, dass die Weltwirtschaft wieder in Gang gebracht und durch Liberalisierung des Handels eine internationale Arbeitsteilung ermöglicht wird, die allen zugute kommt.
Eine Voraussetzung dafür ist die Konvertibilität möglichst vieler Währungen. Nach und nach soll der Wert jeder Währung in bezug auf den Dollar festgelegt werden soll, dessen Wert wiederum in einer bestimmten Goldmenge ausgedrückt ist und der jederzeit von der Notenbank der USA in diese Goldmenge umgetauscht werden kann. Die meisten west-europäischen Länder treten in den fünfziger Jahren dem System fester Wechselkurse bei, Japan 1964.
Um den seit der Weltwirtschaftskrise 1929 stark zurückgegangenen internationalen Handel überhaupt wieder möglich zu machen, ist es außerdem nötig, auch die übrigen Handelsbarrieren abzubauen. Die dazu nötigen Vereinbarungen sollen in einer noch zu gründenden internationalen Handelsorganisation (ITO) getroffen werden.
Die Gründungsversammlung einigt sich 1947 in Havanna auf eine gleichnamige Charta, die jedoch nie in Kraft treten wird, und auf ein allgemeines Zoll- und Handelsabkommen (GATT), das ursprünglich Teil der ITO hatte werden sollen. In acht GATT-Verhandlungsrunden werden in den folgenden Jahrzehnten massive Senkungen vor allem der Zölle auf Industriegüter erreicht, die nicht nur in Europa zu einem nicht dagewesenen Wohlstand führen. ("Goldenes Zeitalter", ca. 1949 - 1974)
 
Am 16. 7. erfolgt in den USA der erste Atomwaffentest der Geschichte, der us-amerikanische Präsident Truman erhofft sich davon auf der am nächsten Tag beginnenden Konferenz in Potsdam auch eine Stärkung seiner Position gegenüber Stalin.
 
Auf der Potsdamer Konferenz beschließen die Staatschefs der USA, der UdSSR und Englands nach Beendigung des 2. Weltkrieges im atlantisch-europäischen Raum die Nachkriegsordnung für Mittel- und Osteuropa. Wie auf der Konferenz in Jalta beschlossen, verleibt sich die UdSSR die baltischen Länder, Ost-Polen, den Norden Ostpreußens sowie weitere kleinere Gebiete ein. Außerdem bleiben Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien in ihrem Einflussbereich.
Die dominierenden Mächte dieser Konferenz sind die USA und die UdSSR. Europa hat seine fünfhundert Jahre währende weltpolitische Vorherrschaft durch den Weltkrieg verloren. Es wird nun beherrscht von seinen beiden Flügelmächten.
1946
Sowjetisierung Osteuropas.
Stalins Ziel nach Beendigung des 2. Weltkriegs ist der Erhalt der im Krieg gewonnenen Macht einschließlich der nach dem 1. Weltkrieg verlorenen und wiedergewonnen sowie der seit 1944 annektierten Gebiete und ihre Sicherung nach Westen. (Dies ist übrigens keine Zielsetzung, die aus einem verstärkten Sicherheitsbedürfnis der UdSSR infolge der Erfahrungen im 2. Weltkrieg resultiert. Mit den jetzt verwirklichten territorialen Forderungen hatte Molotow den deutschen Verbündeten schon im November 1940 konfrontiert.) Das erreicht er dadurch, dass er die kleinen westlichen Nachbarstaaten von Finnland bis Jugoslawien so an die Sowjetunion bindet, dass sie die Funktion eines Sicherheitsgürtels (der bis 1989 bestehen bleiben wird) übernehmen können. Darüberhinaus richtet Stalin Politik und Wirtschaft dieser Länder außer Finnland und Jugaoslawien so an den Interessen der UdSSR aus, dass im Laufe der Jahre ein quasi imperialistisches Abhängigkeitsverhältnis entsteht.
Dabei geht er folgendermaßen von:
1) Unter dem Schutz der sowjetischen Truppen bringt er mit repressiven Mitteln und der Volksfronttaktik aus dem Spanischen Bürgerkrieg, später kombiniert mit der Einheitfrontpolitik, in allen Ländern, Finnland und Jugoslawien immer ausgenommen, bis 1948 kommunistische Parteien in eine absolute Machtstellung. (Erst 1989 werden sie diese "führende Rolle" wieder abgeben, als die UdSSR deren militärischen Schutz nicht mehr aufrecht erhalten kann.) Diese Parteien sind ähnlich strukturiert wie die KPdSU und von dieser abhängig. Sie leiten auch die wirtschaftliche Entwicklung.
2) Die politischen Strukturen werden denen der Sowjetunion angepasst. So erhalten die Länder neben der kommunistischen Partei vor allem eine Verfassung nach sowjetischem Muster und einen entsprechen Sicherheitsapparat.
3) Ähnliches gilt für die Wirtschaft. Sie wird mit Hilfe von Fünfjahresplänen gelenkt. Landwirtschaft und Industrie müssen ohne Rücksicht auf die Besonderheiten des jeweiligen Landes einen ähnlichen Prozess durchlaufen wie in der Sowjetunion der zwanziger und dreißiger Jahre. Polen darf einen eigenen Weg gehen.
Größere landwirtschaftliche Komplexe werden zunächst, wohl um die Landbevölkerung zu gewinnen, in Parzellen für landlose Bauern aufgeteilt, die man später jedoch mit Gewalt wieder zu landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zusammenführt.
Industrie, Handel und sonstiges Dienstleistungsgewerbe werden bis auf mittelständische Reste enteignet, verstaatlicht und zentral verwaltet. In allen Ländern, unabhängig von ihrem Entwicklungsstand und ihren Ressourcen wird Schwerindustrie gefördert oder aus dem Boden gestampft und die Konsumgüterindustrie zunächst vernächlassigt. Für hochindustrialisierte Länder, wie Ost-Deutschland, Tschechien und Ungarn, bedeutet dies einen katasprophalen Entwicklungsrückschritt.
Die Einrichtung des "Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe", 1949, der die Produktion der einzelnen Länder mit Hilfe bilateraler Verträge auf die Bedürfnisse der UdSSR ausrichtet, schließt das Sicherungswerk Stalins ab.
1947
Auf die sowjetische Machtübernahme in Ost-Europa und um eine weitere Expansion der Sowjetunion etwa richtung Griechenland oder Türkei zu verhindern, reagieren die USA am 12. 3. mit der Verkündung der Truman-Doktrin (Eindämmung des sowjetischen Einflusses). Am 5. 6. folgt US-Außenminister Marshall mit der Bekanntgabe des Marshallplans (Stärkung der nichtsozialistischen Länder durch Wirtschaftshilfe). Außerdem verfestigt sich bei bei Westmächten der Plan, einen separaten westdeutschen Staat zu gründen.
 
Die Sowjetunion reagiert mit der Zwei-Lager-Theorie Schdanows (die unversöhnliche Konfrontation des "imperialistisch-antidemokratischen" Westens und des "antiimperialistisch-demokratischen" Ostens) und der Gründung des Kommunistischen Informationsbüro (Kominform), das die Politik aller kommunistischen Parteien steuern und koordinieren soll.
Das ist der Beginn des Kalten Krieges zwischen den Supermächten USA und UdSSR, der bis 1989 dauern und drei große Kriege hervorbringen wird, aber keinen gegen einander: Korea 1950 -1953, Vietnam 1965 - 1975, Afghanistan 1979 - 1988.
 
Indien und Pakistan werden von Groß Britannien unabhängig. Die europäischen Kolonialmächte, vor allem Groß Britannien, Frankreich, die Niederlande und Belgien sind durch den 2. Weltkrieg so geschwächt, dass sie ihre Kolonialreiche in Afrika und Asien nicht mehr halten können. In zum Teil langwierigen Freiheitskriegen lösen sich zunächst asiatische Kolonien (Indien, Vietnam, Indonesien). In den fünfziger und sechziger Jahren folgt fast ganz Afrika. Dieser Prozess der Dekolonisierung zieht sich bis in die siebziger Jahre hin.
1948
1.Berlin-Krise. Die UdSSR isoliert die westlichen Sektoren Berlins von seinem Umland, um die Westmächte zur Aufgabe ihrer Sektoren und zum Verzicht auf die Gründung eines Weststaats zu zwingen. Dieser Plan misslingt, weil die Westmächte Berlin aus der Luft versorgen.
1949
Die Gründung zweier deutscher Staaten. Unter der Regie der jeweiligen Besatzungsmächte werden die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Repuplik (DDR) ins Leben gerufen.
 
Im gleichen Jahr wird die NATO als gegen die UdSSR gerichteter Militärpakt des Westens gegründet. Innerhalb des Ostblocks erfolgt die Gründung des "Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe" (vgl. oben). Die Fronten zwischen Ost und West erstarren auf allen Gebieten.
 
In China endet der Bürgerkrieg. Mao Tse-Tung gründet die Volksrepublik China und führt die sozialistischen Revolution durch. Sein Gegner Tschiang Kai-Tscheck flüchtet nach Taiwan, richtet dort einen Separatstaat ein und nimmt den UNO-Sitz Chinas sozusagen mit.
Mao Tse-Tung steht innen- und außenpolitisch der UdSSR nahe. Das ist ein starker Zugewinn für das sozialistische Lager, welches nun von Mitteleuropa bis zum Pazifik reicht. Diese Stärkung ermutigt die Führung Nord-Korea im folgenden Jahr zu einem Angriff auf das mit den USA verbündete Süd-Korea.
 
Die Zündung der ersten sowjetischen Atombombe. Damit holt die UdSSR den seit 1945 bestehenden waffentechnischen Vorsprung der USA auf.
 
Durchführung der ersten großen Schauprozesse im sozialistischen Lager gegen Mitglieder kommunistischer Parteien in Ungarn und Bulgarien.
Angesichts der Verschärfung der außenpolitischen Gegensätze zwischen den Blöcken betreibt Stalin in Innern des Sowjetblocks eine verstärkte Abgrenzungspolitik gegenüber dem Westen und eine brutale Absicherung seiner Machtposition. Eingeleitet wird diese Phase der Verhaftungen, Säuberungen und Schauprozesse durch den 1948 erfolgten Bruch zwischen Tito und Stalin. Sie endet nach Stalins Tod 1953.
Vorbild für die Verfolgungen ist der Terror in der Sowjetunion der 30er Jahre, allerdings wird die Rolle Trotzkis jetzt mit Tito besetzt. Ziel ist die Säuberung der kommunistischen Parteien von Leuten, die in irgendeiner Weise Stalins Macht bedrohen könnten. Die Schauprozesse dienen darüberhinaus der Machtdemonstration, der Abschreckung, der Vorführung von Sündenböcken bei politischen und wirtschaftlichen Misserfolgen, der Verkündung dessen, was erlaubt und was unerlaubt ist, der Vorbereitung von Konfrontationen. Sie sind keine juristischen, sondern pädagogische Veranstaltungen und folgen in Moskau festgelegten Inszenierungen mit vorgeschriebenen Texten und werden im Rundfunk übertragen. Der Aderlass der Parteien ist zum Teil erheblich. In Ungarn werden 2000 Führungskräfte zum Tode verurteilt, außerdem gibt es 150 000 Verhaftungen und 350 000 Parteiausschlüsse.
1950
Korea-Krieg. Er wird geführt mit Billigung der UdSSR und unter Beteiligung Chinas. Da der Krieg durch den kommunistischen Norden Koreas ausgelöst wird und sich gegen den westlich orientierten Süden des Landes richtet, unterstellen die Westmächte der UdSSR ähnliche Absichten in Europa. Das führt zu einer massiven Aufrüstung im Westen unter Einschluss der Bundesrepublik Deutschland, verbunden mit einem wirtschaftlichen Aufschwung, dem sogenannten Koreaboom.
 
Beginn des "Goldenen Zeitalters" in der Wirtschaftsentwicklung der westlichen Industrienationen und Japans, eine fast 25 Jahre dauernde kontinuierliche Wachstums- und Wohlstandsphase, die etwa mit der ersten Ölkrise 1973 endet. Gründe sind u. a. das Bevölkerungswachstum nach dem Krieg (Babyboom 1947/49), die Zunahme der Frauenarbeit, die steigende Produktivität, die Deregulierung des internationalen Handels, der ungleiche Austausch mit den Entwicklungsländern, der endgültige Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft.
1952
Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, EGKS, auch Montanunion genannt. Das Wirtschaftspotential West-Deutschlands wird gebraucht, um die durch den Korea-Krieg angestoßene Wiederaufrüstung wirtschaftlich zu bewältigen. Andererseits haben die westeuropäischen Nachbarn Angst davor, dass Deutschland die Kapazitäten des Ruhrgebiets noch einmal nutzen könnte, um seine Nachbarn militärisch zu bedrohen. Man löst das Problem, indem man die deutsche Kohle- und Stahlindustrie mit derjenigen Belgiens, Hollands, Luxemburgs, Italiens und Frankreichs so zusammenbindet, dass sie ihre Produktionsmöglichkeiten entfalten, aber nicht mehr unabhängig handeln kann. Diese Montanunion entwickelt sich so gut, dass sie zum Kern der späteren EU wird.
1953
Tod Stalins. Ende der Säuberungen und Schauprozesse im Ostblock. Das Nachlassen des politischen Drucks aus Moskau führt in der DDR zum Aufstand des 17. Juni, der mit Waffengewalt erstickt wird, und in der Tschechoslowakei zu Massendemonstrationen. Beide Ereignisse gehören zu einer dreijährigen Übergangsphase, die in die Ära Chruschtschow mündet.
 
Waffenstillstand in Korea.
1955
Als Reaktion auf den NATO-Beitritt der BRD gründet der Ostblock den Warschauer Pakt als Gegenstück zur NATO.
 
Die beiden deutschen Staaten erhalten eine eingeschränkte Souveränität, werden in die Militärblöcke des Kalten Krieges eingeordnet und rüsten wieder auf. Mit Österreich schließen die Alliierten einen Friedensvertrag. Damit hat Europa seine vorläufig endgültige Nachkriegsordnung, und die Frage der deutschen Wiedervereinigung verschwindet von der weltpolitischen Tagesordnung. Berlin, das als Tor des Ostblocks zum Westen den Aufbau des sozialistischen Systems in Ost-Deutschland stört, bleibt als Konfliktherd allerdings noch bis 1961(Mauerbau) bestehen.
 
Die Genfer Konferenz auf höchster Ebene (Staatschefs der USA, der UdSSR, Englands und Frankreichs), die erste ihrer Art seit Potsdam, markiert das Ende des zehnjährigen Kampfes der Großmächte um die Sicherung der jeweils eigenen Einfluss-Sphäre in und außerhalb Europas.
 
Im gleichen Jahr findet die Konferenz von Bandung (Indonesien) statt: 29 afro-asiatische Länder formieren sich als Dritte-Welt-Bewegung. Es sind vor allem ehemalige europäische Kolonien, aber auch China und Jugoslawien. Ziele sind Antikolonialismus und Blockfreiheit, d. h. die Unabhängigkeit vom West- oder Ostblock. Zu dieser Bewegung gehören die großen Männer der kolonialen Unabhängigkeitskampfes: Nehru aus Indien, Sukarno aus Indonesien, Nasser aus Ägypten und außerdem Tito aus Jugoslawien.
1956
Auf dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, KPdSU, übt Chruschtschow zum ersten Mal öffentlich Kritik am Stalinismus. Die Kominform wird aufgelöst. Ähnlich wie 1953 ist die anschließende "Tauwetter"-Periode mitverantwortlich für die im Verlauf des Jahres folgenden Anfstände im Ostblock.
 
In Polen kommt es zu einem Arbeiteraufstand; er wird bei Zurückhaltung der UdSSR von Polen selbst beendet. Der Volksaufstand in Ungarn dagegen wird von der sowjetischen Armee niedergeschlagen.
Mit dem nun folgenden "Gulaschkommunismus", vermehrter Konsumgüterproduktion, unter Chruschtschow und Breschnew, außenpolitisch abgesichert durch das Prinzip der "friedlichen Koexistenz", beginnt, unterbrochen von einer letztlich erfolglosen Reformphase in den 60er Jahren, eine dreißig Jahre dauernde Stagnation und der schließliche Niedergang der sozialistischen Staaten. In Ost und West verliert der Kommunismus seine revolutionär-zukunftsweisende Attraktivität.
 
Während die sowjetische Armee den Aufstand in Ungarn niederschlägt, greifen Israel, Frankreich und England Ägypten an (Suez-Krise). Dieser Angriff ist von englisch-französischer Seite auch eine Reaktion auf die zunehmende Rolle des ägyptischen Staatspräsidenten Nasser in der Dritte-Welt-Bewegung. Man fürchtet einen antikolonialen Einfluss Ägyptens auf die nordafrikanischen Kolonien, z. B. Algerien. Dieser Angriff misslingt, weil England und Frankreich zu schwach sind und die USA diesen Krieg nicht unterstützten. Damit endet die seit 1918 bestehende britische Herrschaft in Nordafrika und dem Nahen Osten. Dieser Krieg war der einzige Versuch europäischer Mächte nach dem 2. Weltkrieg, weltpolisch selbständig zu handeln.
1957
Der Verlust ihrer Kolonialreiche bzw. die Aussichtslosigkeit, sie zu halten (Niederlande: Indonesien; Frankreich: Vietnam, Algerien; GB: Indien, Ägypten), führen die alten Kolonialmächte über kurz oder lang dazu, sich Europa als Ersatzperspektive zuzuwenden. Das gilt vor allem für England und Frankreich nach ihrer demütigenden Niederlage während der Suez-Krise 1956. Die neue Perspektive begünstigt wohl auch schon die Gründung von Europäischer Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und Europäischer Atomgemeinschaft (EURATOM). Sie treten neben die Montanunion (EGKS), mit der sie 1965 durch Bildung eines gemeinsamen Rates und einer gemeinsamen Kommission zu den Europäischen Gemeinschaften (EG) fusionieren. Der Rat bildet heute einen Teil der Legislative, die Kommission die Exekutive der Europäischen Union (EU). Ziel der Europäischen Gemeinschaften ist die Herstellung eines gemeinsamen Marktes mit einheitlichem Außenzoll und freiem Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeit im Innern.
 
Sputnik-Schock. Der überraschend erfolgreiche Schuss einer sowjetischen Raumkapsel zum Mond löst im Westen einen Schock und in dessen Gefolge eine Bildungs- und Forschungsinitiative aus.
1958
Der deutsche Bundestag beschließt, die Bundeswehr im Rahmen der NATO mit Atomraketen auszurüsten, sofern keine entsprechende internationale Abrüstungsvereinbarung getroffen werde.
 
2. Berlin-Krise. Die UdSSR sucht nach einer Möglichkeit, die Massenflucht der DDR-Bevölkerung über Berlin in den Westen zu stoppen, weil dadurch die Lebensfähigkeit des ostdeutschen Staates gefährdet ist. Im Berlin-Ultimatum vom 27. 11. 1958 fordert sie die Umwandlung West-Berlins in eine entmilitarisierte "freie Stadt".
 
In Frankreich scheitert die IV. Republik im Zusammenhang mit dem Kolonialkrieg in Algerien. De Gaulle wird zum Staatspräsidenten gewählt, u. a. um die Algerienkrise zu bewältigen. (Der Krieg eindet 1962 mit der Unabhängigkeit Algeriens.)
1959
Kubanische Revolution am 1. Januar. Fidel Castro übernimmt die Macht von dem Diktator Fulgencio Batista, der nach Siegen der kleinen Rebellenarmee im vorhergehenden Jahr jede Unterstüzung verloren hat. Die sozialrevolutionären Tenden im eigenen Land, die Gegnerschaft der USA im Kalten Krieg und das unverzichtbare Knowhow der kommunistischen Partei drängen Castro und seine Mitkämpfer, die dem Kommunismus ursprünglich eher fern standen, allmählich in diese Richtung.
1960
Viele afrikanische Kolonien werden unabhängig: Togo, Senegal, Mali, Madagasgar, belgisch Kongo (Zaire), Somalia, Dahomey, Niger, Obervolta, Elfenbeinküste, Tschad, Zentralafrikanische Republik, französisch Kongo, Gabun, Nigeria, Mauretanien. Auch Zypern wird in diesem Jahr unabhängig.
 
Die Bürgerrechtsbewegung in den USA ist so stark geworden, dass die schwarze Bevölkerung in den Präsidentschaftswahlkampf mit einbezogen wird; Kennedy gewinnt ihn schließlich mit den Stimmen der Schwarzen in den Nordstaaten.
1961
Der neue amerikanische Präsident Kennedy verkündet die "Three Essentials" zur Verteidigung West-Berlins. Damit ändern die USA ihre bisher auf ganz Berlin gerichtete Politik und garantieren nur noch die Anwesenheit westlicher Truppen in West-Berlin, den freien Zugang nach West-Berlin und die Freiheit und Lebensfähigkeit West-Berlins.
 
Am 13. 8. wird der Fluchtweg der DDR-Bürger in den Westen von der DDR-Regierung durch die Berliner Mauer geschlossen. Damit verzichtet die UdSSR auf die Entmilitarisierung West-Berlins. Dieses Entgegenkommen beantworten die USA mit dem Veto gegen die west-deutsche Atomrüstung: Die Sprengköpfe bleiben unter amerikanischer Kontrolle. Damit ist die 2. Berlin-Krise beendet.
Mit der Teilung Berlins und der allmählichen Übergabe der Verwaltung an die beiden deutschen Staaten ist die Teilung Rest-Deutschlands, die 1947 begann, vollendet und die Wiedervereinigung verschwindet endgültig von der Agenda der Weltpolitik. Berlin verliert seine Rolle als internationaler Krisenherd und damit überhaupt an politischer Bedeutung.
 
Nachdem die Probleme zwischen den USA und der UdSSR in Europa einvernehmlich geregelt sind, verlagert sich der Kalte Krieg in die Dritte Welt: Die USA brechen zwar die Schweinebucht-Invasion, aber auch die diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab und erhöhen die Zahl der Militärberater in Vietnam. Die Kuba-Krise, 1962, und der 2. (amerikanische) Vietnamkrieg, 1964 - 1975, (den ersten hatte Frankreich 1954 verloren) zeichnen sich ab.
 
In diesem Jahr hat die UNO 104 Mitglieder, davon sind etwa 40 ehemalige Kolonien europäischer Mächte.
   
 

Lektüre-Empfehlung:
• Tony Judt: Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart. München 2006
• Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München 1995

 

 

1945
UNO
Bretton Woods
Potsdam
1946
Osteuropa
1947
Kalter Krieg
Dekolonisierung
1948
1. Berlinkrise
1949
BRD /DDR
NATO
China
UdSSR /Säuberungen
1950
Korea-Krieg
Goldenes Zeitalter
1952
Europ. Gemeinschaft
1953
Stalins Tod
1955
Warschauer Pakt
Genfer Konferenz
Bandung
1956
20.Parteitag
Ungarnaufstand
Suez-Krise
1957
EWG
1958
2. Berlinkrise
Algerien
1959
Kuba
1960
Kennedy
1961
Berliner Mauer

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