GFHändel Mail an Mich!      
(Welches er zum Tod seines Vaters schrieb)


Ach Herzleid! Mein liebstes Vaterherze

Ist durch den Tod von mir gerissen hin.

Ach Traurigkeit! Ach welcher große Schmerze

Trifft mich itzund, da ich ein Waise bin.


Mein alles liegt, mein Hoffen ist verschwunden,

Mein Rat und Schutz steht mir nicht ferner bei!

Ach! O Verlust! Ach O der Schmerzenwunden!

Sagt, ob ein Schmerz wie der zu finden sei.


Wann sich verhüllt der Sonnen güldne Kerze,

Das Licht der Welt, erschricket Feld und Land, -

So wird ein Kind, wann ihm das Vaterherze

So früh entweicht, gesetzt in Trauerstand.


Man liebt den Baum, der Schatten uns gegeben,

Der uns erfrischt mit seiner grünen Nacht,

Viel mehr ein Kind den, der es erst ans Leben

Und dann mit Sorg‘ kaum auf die Beine bracht.


Ein Wald erhebt, wann hohe Cedern fallen ,

Die Tanne heult, die schlanke Birk erblaßt,

Und sollt‘ bei mir kein Angstgeschrei erschallen,

Weil’s Vaters Haupt die Todessichel faßt?


Ob aber gleich ich wollte ganz verderben

Mein Augenlicht durch steten Thränenguß,

So könnt‘ ich doch nicht wiederum erwerben,

Ach! Den Verlust, den ich empfinden muß.


Gott lebet noch, der itzt mir hat entrissen

Das Vaterherz durch einen sel’gen Tod,

Der wird hinfort vor mich zu sorgen wissen

Und helfen mir aus aller Angst und Noth.


Also bethränte den zwar seligen, doch, ihm allzu frühen Hinritt seines herzlich geliebten Herrn Vaters


Georg Friedrich Händel,

    der freien Künste ergebener.