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Magnesium
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"die heiße Sieben"
Kaum
ein Salz hat so viele Menschen zu Anhängern der
Biochemie gemacht, wie die "heiße
Sieben", Magnesium phosphoricum, die Nummer
7 im Reigen der Biochemie. Und "heiße
Sieben", weil 10 Tabletten in heißem
Wasser aufgelöst, eine wirklich "heiße"
Wirkung als Spasmolytikum haben.
Die krampflösende Wirkung kommt dadurch
zustande, dass Magnesium als physiologischer Calcium-Antagonist die Umsetzung eines
Nervenimpulses in eine Muskelkontraktion an der
glatten Muskulatur verhindert. Glatte Muskulatur
sind die Hohlorgane, also Blutgefäße,
Gallengang, Harnleiter. Krampfartige Schmerzen
und Koliken an diesen Organen lassen sich durch
Magnesium lösen. Daraus resultieren die
klassischen biochemischen Anwendungen, wie Migräne,
Angina pectoris, Gallen- und Nierenkolik, wenn
nicht ein Stein in den Wegen sitzt.
In jede Hausapotheke gehört ein Döschen mit
der biochemischen Tablette Nr. 7, Magnesium
phosphoricum. Hat jemand im Hause eine Migräne,
eine Gallen- oder Nierenkolik, einen
Angina-pectoris-Anfall, dann rufen Sie getrost
den Notarzt. Aber bis er kommt, versuchen Sie es
mit der "heißen Sieben". Nicht immer,
aber mit etwas Glück können Sie dem Notarzt,
wenn er denn nach einer Stunde kommt, sagen,
dass er seine Spasmo-Cibalgin-Spritze stecken
lassen kann.
Die schmerzlindernde Wirkung an der
Skelettmuskulatur kommt indirekt zustande, weil
Magnesium die Durchblutung fördert und den
Effekt von Analgetika verstärkt.
Ursprünglich
ist man durch die Weidetetanie der Rinder in der
Veterinärmedizin auf den Magnesiummangel
aufmerksam geworden. Die Rinder auf den frühlingsfrischen
eiweißreichen Weiden erlitten immer wieder Krämpfe,
bis man die Ursache erkannt und durch eine
vermehrte Magnesiumdüngung in den Griff
bekommen hat. Die Bäuerin mit ihrer eiweißreichen
mitteleuropäischen Mischkost leidet genauso am
Magnesiummangel. Aber da ihr Wert nicht nach
Milch- oder Eierleistung bemessen wird, dauert
es eben etwas länger, bis man ihr statt des
Psychopharmakons endlich Magnesium verordnet.
Im Blute von schlaflosen Patienten findet man
oft einen erniedrigten Magnesium-Spiegel. Und
die höchste Herzinfarkt-Rate haben nicht etwa
die Industrieländer, sondern jene Länder mit
magnesiumarmen Böden, wie Schottland und Irland
Alkoholmißbrauch,
Abführmittel und Entwässerung verstärken den
Mangel. Wichtig: während Magnesiumgaben die
Calciumaufnahme verbessern, wird umgekehrt die
Magnesiumaufnahme durch Calcium gehemmt. Eine zu
einseitige Osteoporose-Prophylaxe mit massiven
Calcium-Überdosierungen kann also zu einem
indirekten Magnesiummangel führen. Die
Biochemie lehrt darum sinnvollerweise,
verschiedene Mineralsalze nie zusammen, sondern
im Stundenabstand zu nehmen. Zwar entsteht durch
die Mischung weder Schießpulver, noch wird die
Wirkung völlig zunichte gemacht, wohl aber
gemindert, zumindest bei einigen Salzen.
Das Ruhepotential an den Nervenzellen wird durch
Magnesium begünstigt, weil Magnesium den Motor
antreibt, der Kalium in die Nervenzelle
hineinpumpt. Dort muss Kalium aber sein, damit
es die Stabilität der neuromuskulären
Erregbarkeit sichern kann.
Ganz wichtig ist aber eine ausreichende
Magnesium-Versorgung in der Herz- und Kreislauftherapie.
Neben der bereits erwähnten Stabilisierung des
Reizleitungssystems, z.B. bei Rhythmusstörungen
des Herzens, und neben der krampflösenden
Wirkung hemmt Magnesium die Blutgerinnung und
die Thrombozytenverklumpung und fördert die
Auflösung von Gerinnseln. Es muss also nicht
immer der Cumarinabkömmling Marcurmar, der
zugleich als Rattengift im Stall ausgestreut
wird, sein, oder die zum "Blutverdünnungsmittel"
aufgemotzten Schmerztabletten. Magnesium tut es
auch. Und - last but not least - Magnesium senkt
den Cholesterinspiegel, wenn Sie sich dieser
Phobie nicht entziehen können.
(Quelle: Oldenburger Bio-Bote 6/98 Verfasser HP
H.-H. Jörgensen)
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