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Auch immer wieder in Arbeit:
Stand: 20.02.2011
Ich werde hier einige bewährte interessante Methoden aus meinen Trainings als Anregung zur Verfügung stellen. Auch aktualisiert, da gesellschaftlich gesehen wir allen Veränderungen unterliegen und entsprechend
beeinflusst werden.
Beispiele derzeit
Haus,
Auto, Hund (nonverbale Übung)
Fesseln
Stühle
stapeln
Informationsfluss
"Aggressionen - Fünf
Sinnesperspektiven"
Konflikttypologie,
Geschichte: "Wie entstehen
Vorurteile?",
Kontrolltabelle "Torte"
Anregungen
Zivilcourage:
Was jeder im Alltag gegen Gewalt und Rassismus tun
kann.
Viel
Spaß bei der Umsetzung der Methoden!
Haus,
Auto, Hund (nonverbale Übung)
Material:
Stifte, Zettel
Die
Teilnehmer und Teilnehmerinnen sollen Paare bilden.
Jedes Paar erhält einen Kugelschreiber und ein
Blatt Papier. Die Aufgabe besteht darin ein Haus,
ein Auto und einen Hund nonverbal und ohne Gestik
gemeinsam zu malen. Dazu müssen bei TN zeitgleich
den Kuli anfassen. Wer fasst oben bzw. unten an? Wie
wurde sich die Paare einig? Zur Steigerung der Übung
sollen die TN-Paare dem gesamten Kunstwerk eine
Schulnote ebenfalls nonverbal und ohne Gestik geben.
Wer führte
den Kuli, oben oder unten? Wurde gewechselt? Ist ein
Kuli gebrochen? Sind Konflikte vorgekommen? Wurden
kurz nach Beendigung der Übung auch unangenehme Gefühle
angesprochen?
Fesseln
Material:
Seile mit Schlaufen an den Enden
TN-Paare
erhalten vom Trainer jeweils zwei sechzig Zentimeter
lange Seile. Jedes Seil hat an jedem Ende eine
Schlaufe. Ein TN legt sich beide Schlaufen um die
Handgelenke. Er ist nun gefesselt. Der zweite TN
legt zunächst eine Schlaufe um ein Handgelenk. Die
zweite Schlaufe führt dieser zwischen seinem
Partner und dem Seil hindurch. Beide TN sind nun
miteinander verbunden, jeder TN für sich aber auch
gefesselt. Aufgabe: Lösen der Fesselung, so dass
beide TN voneinander gelöst sind. Allerdings dürfen
hierzu weder Hilfsmittel noch Knoten gelöst werden.
Auch ein dauerhaftes Reiben der Bänder aneinander
ist untersagt.
Lösung:
Ein Seil wird mittig angefasst. Diese Stelle wird
nun an der Handinnenfläche des Partners hindurchgeführt.
Über die Finger geführt und an der Handrückseite
unter seinem Seil hindurchgeführt. Nicht entmutigen
lassen, wenn es nicht im ersten Anlauf klappt. Diese
Auflösung schriftlich zu beschreiben ist recht
schwer.
Fragen:
War blinder Aktionismus anfangs? Wer gab den Ton an?
Wurde gemeinsam überlegt und anschl. gehandelt? Ist
jemand aus der Übung ausgestiegen?
Diese Übung lohnt sich auch abends beim informellen
Treffen. Jeder TN erhält erst sein Getränk nach
Bestehen dieser Übung ;-)
Stühle
stapeln
Material:
Stühle entsprechend der TN-Anzahl
Zwei
Gruppen von TN werden gebildet. Dazu halbiere ich
die Gesamtgruppe. Ich erkläre diese Übung nicht im
Vorfeld. Ich sage lediglich, dass ich für die nächste
Übung die Gruppe teilen muss. Allein an dieser
Stelle ist feststellbar, dass viele TN später äußern
an einen Wettbewerb, Wettkampf zu denken und sich
entsprechend innerlich einstellen.
Die
Gruppe im Raum erhält die folgende Aufgabe:
Bitte
mit allen vorhanden Stühlen des Stuhlkreises eine
quadratische Pyramide zu bauen, innerhalb kürzester
Zeit.
Die
Gruppe außerhalb des Raumes erhält folgende
Aufgabe:
Bitte
mit allen vorhanden Stühlen des Stuhlkreises
Quadrate zu bauen, innerhalb kürzester Zeit.
Beide
Gruppen begegnen sich im Tagungsraum, ohne von der
Aufgabe der jeweiligen anderen Gruppe zu wissen.
Anschl. dürfen die Gruppen ihre jeweilige Aufgabe
erledigen.
Was
passiert? Häufig ist ein wildes Durcheinander, bis
hin zum wegzerren von Stühlen der vermeidlichen
gegnerischen Gruppe. Verletzungen nicht
ausgeschlossen.
Schaut
man sich die Aufgabenstellung genauer an, stellt man
fest, dass die Aufgaben sich ähneln, da eine
quadratische Pyramide mindestens als Basis ein
Quadrat hat, aber sicherlich auch auf den weiteren
Ebenen. Die Gruppen hätten daher sich darauf verständigen können
gemeinsam eine quadratische Pyramide zu bauen.
Mathematiker höre ich aufschreien, ja ihr habt
Recht. Ist nicht das Gleiche. Dennoch der Prozess
innerhalb der jeweiligen Gruppe ist der selbe. Die
anderen sollen uns die Stühle nicht geben, es sind
Feinde, Abwehr, Konkurrenz....
Diese
Prozesse gilt es in der Reflexion genauer sich
anzusehen. Warum sind wir Menschen nicht in der Lage
unsere Sprache einzusetzen, so dass Konflikte
vermieden werden können oder aber frühzeitig
entsprechend so deeskalieren?
Informationsfluss
-Präsent
sein-
Gut
geeignet nach einer Mittagspause
Material:
Bälle unterschiedlicher Größe und Härte
Wie
ist es in Situationen in denen Informationen
weitergeben werden. Kommen diese beim Gesprächspartner
auch an? Dazu wird ein Ball zu einem TN geworfen.
Dieser wirft ihn weiter bis alle TN den Ball einmal hatten.
Der letzte TN wirft den Ball dem Trainer zurück.
Diese Runde klappt zumeist einwandfrei. Im Alltag
gibt es aber nicht nur eine Information, sondern häufig
sind verschiedene Informationen, unterschiedlicher
Wichtigkeit, im Umlauf. Hierzu werden Bälle oder
sonstige Materialien unterschiedlicher Größe und Härte in die Runde
geworfen, ohne abzuwarten, dass die erste
Information bereits wieder am Ausgangsort angekommen
ist. Des weiteren soll der Informationslauf
beibehalten werden, sprich dem gleichen Partner den
Ball wie zuvor zugeworfen werden.
Vorab
die Frage an die TN: Wie viele Informationen kommen
durch, ohne dabei verloren zu gehen, sprich den
Boden berühren oder nicht gefangen werden? Wie kann
die Aufmerksamkeit und Konzentration gefördert
werden?
Das Ergebnis ist meistens erstaunlich, da nur
sehr wenige Informationen unbeschadet überkommen.
Aggressionen
-
Fünf Sinnesperspektiven -
„ .....der Praktiker müsse
sich fragen: Was wollen mir die sexistischen Ausdrücke,
die handgreiflichen Übergriffe usw. sagen? Was
haben sie mit mir zu tun? Man müsse sich bewusst
sein: „In jeder Faust schlägt ein wimmerndes
Herz“.“
Fünf Sinnesperspektiven stehen hinter kindlicher und
jugendlicher Aggression:
1.
Aggression als spielerischer Kampf
Ziel: eigene Stärke ausprobieren
Gefahr: aus Spaß wird Ernst
2.
Aggression als Abwehr einer Bedrohung
Ziel: Angst beseitigen, Verletzung
vermeiden
Gefahr: der Gegner wird vernichtet
3.
Aggression als Reaktion auf Frustration
Ziel: Niederlage ausgleichen
Gefahr: man lernt, sich mit
Ersatzbefriedigungen zufrieden zu geben
4.
Aggression als Auskundschaften
Ziel: Terrain abstecken
Gefahr: egoistisches Machtstreben
5.
Aggression als entstellte Liebessehnsucht
Ziel: Aufmerksamkeit, Zuwendung
gewinnen
Gefahr: es wird gelernt,
Befriedigungen durch negative Zuwendung zu erhalten
Prof. Winkel verweist darauf,
dass Aggressionen weder gut noch böse seien. Man müsse
sich der lateinischen Worte besinnen: lat. adgredi: Herangehen an Menschen und Dinge.
Erst die Art der Ausübung
mache die Aggression konstruktiv oder destruktiv.
Prof. Dr. Rainer Winkel, Berlin – Ordinarius für
Erziehungswissenschaften,:
„Gewalt in Schule und Gesellschaft“
Referat gehalten am 10.03.1994 im Schulzentrum Münster-Wolbeck
(verbale) Sprache:
Gespräch / Diskussion / Konflikt
Das Gespräch ist ein
teilnehmerbezogener Erfahrungsaustausch, indem alle
Erfahrungen gleichwertig nebeneinander stehen.
Die Diskussion beinhaltet die Klärung
einer Fragestellung oder eines Problems, sie ist
themenbezogen und meint den Austausch von
Argumenten.
Hingegen ist ein Konflikt auf die
Beziehung der Konfliktpartner untereinander bezogen.
Der emotionale Anteil überwiegt die Sachebene, die
Konfliktpartner fühlen sich nicht akzeptiert. Häufig
geht es um hierarchisches Machtgefälle und um
Recht/ Unrecht oder Schuldfrage. Die Schuldfrage
gibt den Zündstoff im Konflikt, weil jede
betroffene Person Angst hat, zum Schuldigen zu
werden. So entsteht eine Angriff-
Abwehr-Kommunikation, die sowohl direkt verbal
deutlich werden kann als auch in der Körpersprache
sichtbar wird.
Konflikt:
- Unvereinbarkeit im Denken, Vorstellen,
Wahrnehmen, Fühlen, Wollen
- Von mindestens einem Beteiligten wird dies so
empfunden
- Die Verwirklichung der eigenen Ziele,
Interessen, Gefühle oder Vorstellungen wird von
den anderen Beteiligten beeinträchtigt und /
oder verhindert
Wozu ist ein Konflikt gut, der konstruktiv gelöst
wird?
·
Konflikte fördern das
Problembewusstsein
- Konflikte stärken den Willen zur Veränderung
- Konflikte erzeugen den notwendigen Druck,
Probleme aktiv anzugehen
- Konflikte vertiefen die zwischenmenschlichen
Beziehungen
- Konflikte festigen den Zusammenhalt
- Konflikte machen das Leben interessanter
- Konflikte geben den Anstoß, Fähigkeiten und
Kenntnisse zu vertiefen
- Konflikte fördern Kreativität
- Konflikte lassen uns und andere besser
kennen lernen
- Konflikte führen zu besseren Entscheidungen
- Konflikte fördern Persönlichkeitsentwicklungen
- Konflikte können Spaß machen
Konflikttypologie (
nach: B.M. Wittschier, 2000, S. 45)
Zielkonflikt:
Uneinigkeit über Ziele
Beurteilungs-/
Uneinigkeit über Werte und Normen der
Zusammenarbeit
Rollen-/
Machtkonflikte: Uneinigkeit über Positionen und Kompetenzen
Ressourcenkonflikte:
Uneinigkeit über die Zuteilung von Personal,
Material und Finanzen
Beziehungskonflikte:
Uneinigkeit in der Beziehung und Zusammenarbeit zwischen Menschen
Strategie-/
Machtkonflikte Uneinigkeit
über Wahl und Einsatz von Methode
Wie entstehen Vorurteile?
Kaufhausgeschichte
Wie entstehen Vorurteile?
In einer Stadt wie ......... geht eine Frau um die
Mittagszeit in ein Kaufhausrestaurant. Sie hat
Hunger und kauft sich eine Suppe. Sie stellt den
vollen Teller auf einen Tisch und hängt ihre
Handtasche darunter. Dann holt sie noch einen Löffel.
Als sie zurückkehrt, steht ein Afrikaner dort und löffelt
die Suppe aus.
Erst kriegt die Frau einen Schreck. Aber dann fasst sie sich
ein Herz und löffelt mit ihm zusammen aus dem
Teller. Freundlich lächelt der Afrikaner zurück.
Nach der gemeinsamen Mahlzeit spendiert ihr der
junge Mann noch einen Kaffee, dann verabschiedet er
sich höflich. Das waren die einzigen Worte, die
zwischen den beiden fielen. Dann will die Frau gehen
und greift zu ihrer Handtasche. Die ist nicht mehr
da! „Also, doch ein gemeiner Schuft“ denkt sie.
Der Fremde ist weg. Hilflos blickt sie um sich. Da
sieht sie am Nachbartisch einen vollen Teller Suppe
und darunter ihre Handtasche.
(Verfasser unbekannt)
Ich denke diese Geschichte spricht für sich und
kann daher zum Abschluss oder Beginn eines Seminars auch so
stehen bleiben.
Auswertung:
Kontrolltabelle
„Torte“
Eine Flipchart mit einem großen Kreis steht an der
Ausgangtür, zum Ausgang zeigend.. Dieser Kreis ist
wie eine Torte bspw. geviertelt. Über jedem Drittel
steht die Überschrift eines jeden Kapitels (
Einleitung und Gewaltdefinition, Körperwahrnehmung
und Krisensituationen/
Deeskalationsübungen, das Seminar hat meinen
Handlungsspielraum erweitert)
Bedingt durch die Viertelung ergibt sich eine
Mitte. Ausgehend von der Mitte werden innerhalb der
Tortenumrandung innerhalb nun weitere 5 Kreise
gezogen. Jeder Kreis erhält eine Schulnote.
Die TN werden gebeten beim Verlassen des Raumes wie
bei einer Wahl Punkte innerhalb der einzelnen
Tortenstücke zu setzen.
Hierdurch ergibt sich ein Gesamtergebnis, welches
auf einem Blick erkennbar ist. Unterhalb der Torte
kann man noch „Kommentare, Reste“ schreiben für
den Fall das noch persönliche Anmerkungen gewünscht
sind.
(siehe
auch unter dem Button "Foto")
Zivilcourage
Was
jeder im Alltag gegen Gewalt und Rassismus tun
kann
Gewalt und rassistische Übergriffe können tagtäglich
in der Schule, am Arbeitsplatz, auf der Straße,
in der Bahn, in der Kneipe usw. stattfinden.
Viele Menschen reagieren verunsichert und
schauen oder hören einfach weg. Sie merken
kaum, dass sie damit selbst ein Klima von Gewalt
fördern und verstärken.
Im Umgang mit Gewalt und Rassismus liegen heute
viele Erfahrungen vor, die zeigen, wie Gewalttäter/innen
und Rassist/innen in die Schranken verwiesen
werden können. Sie zeigen auch, was jeder tun
kann, damit Gewalt und Rassismus erst gar nicht
entstehen. Es ist immer richtig, den Notruf der
Polizei (Tel. 110) zu verständigen und
Straftaten bei der örtlichen
Polizeidienststelle anzuzeigen.
Einige grundsätzliche
Gedanken:
Es gibt keine richtigen Rezepte, Tipps oder
Verhaltensregeln.
Richten Sie sich nach Ihren persönlichen Fähigkeiten
und spielen Sie nicht den Helden. Jede Situation
ist anders und abhängig vom Täter, vom Opfer,
anderen Beteiligten und natürlich von der Örtlichkeit.
Verwenden Sie keine Abwehrwaffen oder -geräte,
wie z.B. Messer. Alle bisherigen Erfahrungen
deuten daraufhin, dass die damit von Ihnen
ausgehenden Signale die Wut und die Gewalt der
Angreifer/innen verstärken oder sogar scheinbar
legitimieren. Außerdem werden Sie nie sicher
sein können, dass sich Ihre Waffe nicht plötzlich
gegen Sie selber richtet. Als Alternative gibt
es Signalgeräte wie z.B. Trillerpfeifen oder
kleine Alarmgeräte: Damit können Sie
Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit herstellen
und Täter/innen für eine erste Schrecksekunde
stoppen.
Gewalttäter/innen schrecken oft von ihrem
Vorhaben zurück, wenn sie Angst haben müssen, wieder erkannt
zu werden.
Was Sie tun können!
In
der Bahn, im Bus:
In der Bahn, im Bus usw. wird jemand
angegriffen, erniedrigt, verletzt. Oft sind die
Mitfahrenden schockiert oder eingeschüchtert,
sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen.
Folgendes können Sie tun:
Sie können den/die Fahrer/in auffordern, die
Polizei zu rufen. Er/sie ist verpflichtet, dies
zu tun. Sonst kann er/sie wegen unterlassener
Hilfeleistung belangt werden.
Wenn Sie nicht direkt zum Fahrer/zur Fahrerin
gelangen können, können Sie zu denen, die
vorne sitzen, laut rufen: "Der Fahrer soll
die Polizei informieren."
Sie können andere Mitfahrende auffordern, mit
Ihnen laut zu pfeifen und zu rufen: "Hört
auf, hört auf!" Anfangs machen dabei
wenige, dann in der Regel immer mehr mit. Jetzt
wird die Situation für Gewalttäter/innen
riskant, weil sie unüberschaubar und
unberechenbar ist. Sie scheuen das Risiko und
versuchen wahrscheinlich, sich vom Ort des
Geschehens zu entfernen.
Je nach Sachlage und Situation können Sie auch
den Fahrer/die Fahrerin auffordern, die Türen
abzusperren, so dass sich die Täter/innen nicht
entfernen können, bis die Polizei kommt.
Es ist wichtig, möglichst viele Mitfahrende
direkt anzusprechen und in die Verantwortung zu
nehmen - um so stärker ist die Wirkung gegenüber
den Angreifer/innen!
In der Kneipe:
Sie bekommen mit, wie einige über andere Gäste
herziehen, sie beleidigen oder angreifen. Oder
sie fangen an, rassistische Sprüche und Witze
abzulassen. Wenn jemand versucht, die Leute zur
Vernunft zu bringen, zeigen sie möglicherweise
mit einem zackig gebrüllten "Heil
Hitler", wer in dieser Kneipe das Sagen
hat. Möglicherweise werden sie sogar gewalttätig
und fangen an, Gäste von denen sie glauben es
seien Ausländer/innen, anzupöbeln.
Holen Sie Hilfe! Bitten Sie andere Gäste,
gleichzeitig mit mehreren aufzustehen. Stellen
Sie sich, wenn Sie eine deutliche Mehrheit sind,
zwischen oder um die Randalierenden und fordern
Sie sie gemeinsam auf, aufzuhören.
Gehen Sie zum Wirt/zur Wirtin oder zu Gästen
mit Handy und fordern Sie dazu auf, die Polizei
anzurufen. Der Wirt/die Wirtin hat die Pflicht,
Straftaten im Lokal zu verhindern. Wenn er/sie
dieses Verhalten seiner/ihrer Gäste duldet,
kann ihn/sie das die Lizenz kosten.
Sie können die Polizei selber anrufen und vor
der Gaststätte auf sie warten. Da können Sie
in Ruhe erklären, was passiert ist.
In der Fußgängerzone:
Lassen Sie sich in rassistischen oder gewalttätigen
Situationen nicht provozieren! Gewalt entsteht
oft, weil ein Wort das andere gibt.
Duzen Sie die Angreifer/in nicht. Andere
Passanten könnten leicht einen rein privaten
Konflikt vermuten.
Übernehmen Sie die "Regie", sprechen
Sie andere Anwesende direkt und persönlich an:
"Hallo, Sie da im grünen Mantel, bitte
helfen Sie mir, rufen Sie sofort die
Polizei!" Wenn dieser Passant/diese
Passantin darauf reagiert, dann ist meist der
Knoten geplatzt und der so genannte
Schneeballeffekt tritt ein. Jetzt können Sie
auch andere Passant/innen aktivieren.
Für die Randalierenden wird die Situation jetzt
schwierig. Sie sind überrascht, denn bisher war
ihre Erfahrung, dass die Menschen gleichgültig
oder verschüchtert reagieren.
! Wichtig: Eine
Anzeige, polizeiliche Ermittlungen und
Gerichtsverfahren bringen den Täter/innen
erhebliche Unannehmlichkeiten und zusätzliche
Schwierigkeiten. Gewalttäter/innen müssen
wissen, dass sie für ihre Untaten zur
Rechenschaft gezogen werden. Die Polizei ist
rund um die Uhr da: am schnellsten über den
Notruf 110.
Bei Schlägereien:
Wenn Kinder, Jugendliche oder Erwachsene sich
schlagen, schlagen Sie Alarm, machen Sie Krach,
stellen Sie Öffentlichkeit (aus sicherer
Entfernung) her. Machen Sie andere auf die Schlägerei
aufmerksam und schicken Sie sie los, um Hilfe
oder die Polizei zu holen.
Gewalttäter/innen haben Angst, wieder erkannt und zur Rechenschaft gezogen zu werden. Also
sprechen Sie sie direkt an (wenn Sie einen Namen
gehört haben) oder benennen Sie deutliche
Wiedererkennungsmerkmale: "Sie mit der
Stirnglatze, wir kennen Sie, - hören Sie auf
... wir haben schon die Polizei angerufen
..."
Viele Kinder und Jugendliche behaupten, zur Rede
gestellt, "alles wäre nur ein Spaß"
gewesen. Sie werden schnell nachdenklich, wenn
Sie die vorausgegangene „Gewalt" beim
Namen nennen können: "Dann lassen Sie mal
den Arm sehen, den roten Fleck (die blutende
Lippe, das blaue Auge, die zerrissene Hose
usw.), nennen Sie das einen Spaß? Ich nenne das
Körperverletzung ..." (und schon sind Sie
in der Offensive).
In der Öffentlichkeit:
Reagieren Sie, wenn
Sie Zeuge von rassistischen Beschimpfungen und
erniedrigenden Witzen werden. Widersprechen Sie
laut und deutlich. Lassen Sie nicht zu, dass in
Gesprächen über Ausländer/innen oder Flüchtlinge
eine verhetzende Sprache gebraucht wird.
Weisen Sie darauf hin, dass niemand ohne Not
seine Heimat verlässt und die Fluchtursachen
sehr vielfältig sind.
Lassen Sie Leute aus Zuwandererfamilien und Flüchtlinge
zu Wort kommen und schaffen Sie Gelegenheiten,
in denen Deutsche und diese sich begegnen und
verständigen können.
Wenden Sie sich mit Leserbriefen gegen
rassistische Aktionen und diskriminierende
Berichterstattungen in der Zeitung. Setzen Sie
sich in solchen Briefen für ein friedliches
Zusammenleben der Bevölkerung ein.
Fordern Sie die Abgeordneten Ihres Wahlkreises
auf, sich eindeutig gegen Gewalt und Rassismus
zu wenden. Politiker/innen haben
Vorbildfunktion.
Wenden Sie sich an die Medien, wenn diese eine
Sprache oder Bilder verwenden, die
Diskriminierung fördern, erzeugen oder
billigen.
Tun Sie die Ängste und Probleme, die Menschen
in Ihrer Nähe mit "Ausländer/innen"
haben, nicht einfach ab. Greifen Sie die Ängste
und Probleme auf und versuchen Sie, diese mit
Sachargumenten zu entkräften. Jemand, der
Angst, Bedenken oder Probleme hat, verhält sich
deswegen noch nicht zwangsläufig rassistisch.
Stellen Sie Strafanzeige oder wenden Sie sich an
Antidiskriminierungsbüros, wenn Sie
mitbekommen, dass in Ihrer Umgebung
rechtsextremistische Lieder, Computerspiele,
Zeitschriften, Propaganda usw. kursieren.
Informieren Sie über Ihre Beobachtungen die
verantwortlichen Parteien und Politiker/innen in
Ihrer Stadt.
Wenn Sie selber
bedroht oder angegriffen werden:
Vorbereiten!
Bereiten Sie sich auf mögliche
Bedrohungssituationen seelisch vor: Spielen Sie
Situationen für sich allein und im Gespräch
mit anderen durch. Werden Sie sich grundsätzlich
klar darüber, zu welchem persönlichen Risiko
Sie bereit sind. Es ist besser, sofort die
Polizei (Tel. 110) zu alarmieren und Hilfe
herbeizuholen, als sich nicht für oder gegen
das Eingreifen entscheiden zu können und gar
nichts zu tun.
Ruhig bleiben!
Panik und Hektik vermeiden und möglichst keine
hastigen Bewegungen machen, die reflexartige
Reaktionen herausfordern könnten. Wer "in
sich ruht", ist kreativer in seinen
Handlungen und wirkt meist auch auf andere
Beteiligte beruhigend!
Aktiv werden!
Wichtig ist, sich von der Angst nicht lähmen zu
lassen. Eine Kleinigkeit zu tun ist besser, als
über große Heldentaten nachzudenken. Wenn Sie
Zeuge/in von Gewalt sind: Zeigen, dass Sie
bereit sind, gemäß Ihren Möglichkeiten
einzugreifen. Ein einziger Schritt, ein kurzes
Ansprechen, jede Aktion verändert die Situation
und kann andere dazu anregen, ihrerseits
einzugreifen.
Verlassen Sie die
Ihnen zugewiesene Opferrolle!
Wenn Sie angegriffen werden: Flehen Sie nicht
und verhalten Sie sich nicht unterwürfig. Seien
Sie sich über Ihre Prioritäten im Klaren und
zeigen Sie deutlich, was Sie wollen. Ergreifen
Sie die Initiative, um die Situation in Ihrem
Sinne zu prägen: Schreiben Sie Ihr eigenes
Drehbuch!
Kontakt halten zum/r
Angreifer/in!
Stellen Sie Blickkontakt her und versuchen Sie,
Kommunikation herzustellen bzw.
aufrechtzuerhalten.
Reden und zuhören!
Teilen Sie das Offensichtliche mit, sprechen Sie
ruhig, laut und deutlich. Hören Sie zu, was
Ihr/e Gegner/in bzw. Angreifer/in sagt. Aus
seinen/ihren Antworten können Sie Ihre nächsten
Schritte ableiten.
Nicht drohen oder
beleidigen!
Machen Sie keine geringschätzigen Äußerungen
über den/die Angreifer/in. Versuchen sie nicht,
ihn/sie einzuschüchtern, ihm/ihr zu drohen oder
Angst zu machen. Kritisieren Sie das Verhalten,
aber werten Sie ihn/sie persönlich nicht ab
(Klar in der Sprache - mäßigend im Ton).
Hilfe holen!
Sprechen Sie nicht eine anonyme Masse an,
sondern einzelne Personen. Dies gilt sowohl für
Opfer als auch für Zuschauer/innen. Sie sind
bereit zu helfen, wenn jemand anderes den ersten
Schritt macht oder sie persönlich angesprochen
werden.
Unerwartetes tun!
Fallen Sie aus der Rolle, seien Sie kreativ und
nutzen Sie den Überraschungseffekt zu Ihrem
Vorteil aus.
Körperkontakt
vermeiden!
Wenn Sie jemandem zu Hilfe kommen, vermeiden sie
es möglichst, den/die Angreifer/in anzufassen,
es sei denn, Sie sind in der Überzahl, sodass
Sie jemanden beruhigend festhalten können. Körperkontakt
ist in der Regel eine Grenzüberschreitung, die
zu weiterer Gewalt führen kann. Wenn nötig,
nehmen Sie lieber direkten Kontakt zum Opfer
auf.
Aktives gewaltfreies
Verhalten ist erlernbar!
Indem wir uns unsere Ängste und
Handlungsgrenzen bewusst machen, erfahren wir
gleichzeitig auch mehr über den Bereich, der
zwischen diesen Grenzen liegt. Oft unterschätzen
wir die Vielfalt unserer Möglichkeiten. In
Rollenspielen und konkreten Übungen zum Umfang
mit direkter Gewalt kann man neue kreative
Antworten auf Konfliktsituationen entdecken.
Gewalt- und Rassismus-Deeskalations-Trainings*
bieten die Chance, bisher ungewohntes Verhalten
auszuprobieren, einzuüben und auf seine
Wirkungen hin zu überprüfen.
Im Kindergarten
und in der Schule:
Sie können
Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und
Lehrer fragen, wie sie sich für Verständigung
einsetzen und was sie gegen Gewalt und Rassismus
unternehmen. Gleiches gilt für Elternbeiräte,
Klassenpflegschaften, Schulkonferenzen und Schüler/innenvertretungen.
Im Betrieb und bei der
Arbeit:
Diskutieren Sie mit Kollegen/innen, ob und wie
sie bei Vorhaben zur Verständigung helfen können.
Sie können Betriebsvereinbarungen gegen
Diskriminierung im Betrieb durchzusetzen oder
nutzen Sie die Betriebszeitung, um über das
Leben und die Geschichte von Leuten aus
Zuwandererfamilien und Flüchtlingen zu
berichten. Sie können Solidaritätsaktionen
unterstützten und darüber berichten.
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Das Innenministerium NRW bedankt sich bei
SOS-Rassismus-NRW (Gewalt Akademie Villigst) für die Unterstützung,
Beratung und die Überlassung von Textvorlagen.
Faltblatt unter:
http://www.im.nrw.de/sch/doks/vs/Zivilcourage.pdf
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Ende -
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