Sie nennen sie Alice. Sie, das sind die weißen Australier. Die Aboriginis lungern auch in der Stadt rum, aber es ist nicht ihre Stadt.
Sie kommen nur in die Stadt, um zu betteln. “Give me water”. Die Aboriginis leben in anderen Orten, die für andere meist
verboten sind. Selbst als ein Aborigini eine Panne hatte und ich ihn in seinen Ort fahren wollte, um ihm zu helfen, sagte
er, das geht nicht. Lieber wartete er stundenlang in der prallen Sonne.
Alice ist aber eine liebenswerte Stadt. Hierher kommen Menschen, die das Leben genießen wollen und das heißt, abends auf
der Terrasse sitzen und einige Biere zu trinken. Tagsüber wird leicht gearbeitet, “No worries”. Und am Wochenende fährt man
mit dem 4WD in die Wüste zum Grillen, immer mit einem Esky voller eiskaltem Bier.
Und die Touristen kommen auch nach Alice, weil Alice genau am richtig liegt. Vielleicht auch, weil man von hier den kürzesten Weg
zu allen australischen Stränden hat.
Alice hat eine gute Mall mit BI-LO Supermarkt,
in dem man auch Cash out* kriegt (und Fly Buys-Punkte sammeln kann bzw. -Sonderpreise bekommt), Internet-Cafes, hier kann man Autos mieten, sich mit Proviant eindecken und ausrüsten.
Und hier gibt es eine Visitor Information. Diese Visitor Information ist sehr wertvoll, sie gibt Auskunft für schwer zugängliche Gegenden, erklärt, ob das Modell des Jeeps,
mit dem fährt, durch die Simpson Desert fahren kann. Mein Nissan Terrano konnte es nicht.
Dafür hat aber John einen 4WD-Truck-Bus, mit dem er seit Jahren Touristen zum Chambers Pillar fährt. Er hat sich auch die Genehmigung
von Landbesitzern geholt, ihre private roads zu benutzen, als Abkürzung.
In der Visitor Information bekommt man auch jede Menge Broschüren. Auch wenn darin Karten sind, sollte man sich sehr detaillierte
Karten dazu kaufen, auf denen alle Roads und Tracks eingezeichnet sind und die man mit GPS benutzen kann.
Das Pioneer YHA ist auch ein großartiger Treffpunkt. Man trifft Leute
von überall her. Ein junger Friseur aus Deutschland wohnte und arbeitete seit längerem hier, er schneidet die Aboriginis nicht, weil sie
stinken und Läuse haben. Mit ihm und einer Schweizerin wollte ich zum nächsten Sonnenaufgang auf den Anzac Hill.
Der Friseur, dessen Vorname Klaus-Martin den Aussies zu schwierig ist (sie nennen ihn Kahem), war die ganze Nacht aufgeblieben, als wir loswollten, fiel er ins Bett.
Also gehen wir zu zweit auf den Hügel. Dort sitzt schon ein betrunkener alter Mann mit Gitarre, der uns gleich volllabert. Weil wir ihn ignorieren,
zieht er bald von dannen. Die Sonne geht auf, aber die Rauchschwaden von den Buschbränden verdecken sie lange.
Im YHA kriegt man für 19 A$ ein Bett im 8-Betten-Raum. Der Pool im Zentrum der Anlage erfrischt, auch wenn man nicht hineingeht.
Im großen Gemeinschaftshaus kann man sein Essen in den Kühlschrank stellen. Man muß es aber unbedingt beschriften, mit dem Namen und
Tag der Abreise. Dann kommt es automatisch in das Community board. Dort steht es allen frei zur Verfügung.
Im YHA kann man auch Touren buchen, die Veranstalter kommen dann morgens zur Abfahrt zum YHA und bringen einen dorthin zurück.
Olive Pink war auch eine Pionierin, die ins Outback kam. Sie eröffnete einen Botanischen Garten, vom YHA nicht weit weg auf der anderen
Seite des Todd River. Der Olive Pink Botanic Garden ist ein einfacher Park mit Pflanzen aus der Gegend und einem Hügel, dem Annie Meyers Hill.
Von ihm kann man Alice gut überblicken, besser als vom Anzac Hill.
Um die Pflanzen- und Tierwelt des Outback kennenzulernen, fährt man besser zum Desert Park,
etwas außerhalb von Alice. Um 7:30 Uhr macht er auf, der Eintritt kostete 15 A$ mit YHA-Mitglieds-Discount. Mit der Eintrittskarte kann man den ganzen Tag im
Park verbringen. Mindestens einen halben Tag sollte man sich dafür auch vornehmen. Besonders faszinierend ist das Noctural House. Es ist dunkel drin, so daß man die
nachtaktiven Wüstentiere beobachten kann. Jeden Tag finden auch Vorträge statt, z.B. “Birds of the Prey”. Eine Rangerin demonstriert da die
Flug- und Fangfähigkeiten des Falken.
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Morgens in den Park zu gehen lohnt sich auch deshalb, weil dann nur wenige Leute da sind.
Weil der Todd River fast nie Wasser führt, sehen die traditionellen Bootrennen hier etwas anders aus. Die Wettkämpfer rennen wirklich.
Die Bäume im Todd River sind übrigens zurückgebliebene Wesen aus der Dreamtime, als die Creators übers Land zogen und alles erschufen.
Wenn man den Stuart Highway ein Stück nach Süden fährt, kommt man nach etwa 25 km zur einer Abfahrt zum Pine Gap. Das ist Sperrgebiet,
jedoch stößt man vorher noch auf das Kuyunba Conservation Reservat. Hier haben bzw. hatten
die Aboriginis die “Konfirmation” ihrer Söhne durchgeführt. Den kurzen Wanderweg dürfen Frauen und Kinder nur bis zu einer bestimmten Stelle
laufen, dann gelangt man zu einer umfangreichen Felsmalerei, die die alten Aboriginis nur ihren gerade “instantiierten” Söhnen zeigen.
Das Fotografieren ist deshalb auch untersagt.
120 Kilometer nördlich von Alice liegt das Native Gap. Diese Stelle ist auch als “von religiöser Bedeutung” für die Aboriginis
gekennzeichnet, man darf sich hier aber frei bewegen. Das Native Gap ist für Radtouristen meistens die erste Übernachtungsstelle auf der Tour
Alice Springs - Darwin. Es gibt keinen richtigen Weg, man muß etwas mühevoll den Hügel über Felsen erklettern und wird dafür mit einem schönen
Blick über die Landschaft belohnt.
Nicht zu vergessen ist der Bojangles Saloon in der Todd Street. Ein uriger Pub mit einem Krokodil an der Decke, in dem meistens gute Rockmusik nach Wünschen live gespielt wird und man Erdnüsse bis zum Abwinken zum Bier essen kann. Die Musik wird vom Radiosender SunFM übertragen. Abseits von Zentren wie Alice oder Uluru ist übrigens Radioempfang praktisch nicht möglich.
* Cash out heißt, daß man beim Bezahlen mit Karte gleichzeitig Bargeld abheben kann. Um Geldautomaten zu finden, bitte hier klicken.
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