Presse:

 

Über „Gesten“

„Die "Gesten" für Flöte, Violine, Violoncello, Klavier und Gitarre von Benjamin Scheuer verzichteten nicht auf traditionell verstandene Schönheit etwa des Streicher- und Flötenklangs und waren dabei von gläserner, kristallklar funkelnder Durchsichtigkeit. Klänge und Rhythmen verdichteten sich, ekstatische Geräusche fielen in die Stille ein und führten während der Generalpausen ihr schillerndes Eigenleben im Nachhall fort. Auch das also ein Werk, das das Gefühl des Hörers an der richtigen Stelle packte - nicht zuletzt dank der tief lotenden Musikalität der ausgezeichneten Flötistin Elisavetha Birjukova.“

Thüringer Allgemeine, Volkenroda den 4. 7. 2007.

 

 

Folklore-Helfer aus Deutschland

Benjamin Scheuer, ein Hamburger Kompositionsstudent, gewinnt in Oensingen einen Alphorn-Wettbewerb. […]Von Martin Helg

Zu den Grundbedingungen der Heimat gehört der richtige Ton. Schweizer reden Mundart, spielen Alphorn und lieben Emil Steinberger. Norddeutsche lieben Steinberger, reden Hochdeutsch und spielen Schifferklavier. Alphörner kannten sie bisher nur vom Hörensagen. Dass der deutsche Jung-Komponist Benjamin Scheuer vergangene Woche eines nach Hamburg brachte, ist deshalb weit mehr als eine beachtliche Transportleistung. Es ist ein Beitrag zur Völkerverständigung.

Benjamin Scheuer ist ein dunkelblonder 19-Jähriger, der demnächst ein Studium der Kompositionslehre beginnen wird. In Jeans und Turnschuhen sitzt er auf einem Mäuerchen an der Aussenalster und erzählt zum x-ten Mal seine Erfolgsgeschichte. Täglich wollen wieder andere Reporter wissen, wie es zu der Schlagzeile im Schweizer Pressecommuniqué kam: «Genie aus Hamburg (D) gewinnt den internationalen Alphorn-Wettbewerb 2006».

Scheuer sagt, alles habe in seinem siebten Lebensjahr begonnen. Damals sei er im Blockflötenunterricht so quälend unterfordert gewesen, dass er begonnen habe, selber schwierigere Stücke zu schreiben. Später komponierte er für Geige, Klavier und Blasinstrumente, nahm an Workshops teil und war zweimal Preisträger des «Bundeswettbewerbs Komposition».

Auf den Schweizer Alphorn-Wettbewerb stieß er im Internet. Scheuer informierte sich über das Instrument und seine Naturtöne, liess seine Vorstellungskraft spielen und schickte schliesslich eine «Kleine Alphornsuite» von sechseinhalb Minuten in die Schweiz. Richtig spannend wurde das Crossover aber erst, als Scheuer seinem Stück in Oensingen wieder begegnete. Es war inzwischen abgeschrieben und auf die Maximal-Spieldauer von 5 Minuten gekürzt worden. «Ich wusste nicht, dass man in der Volksmusik ganze Takte weglassen darf», sagt der Komponist, der bis dahin nur im klassischen Fach gearbeitet hatte. In der Hauptprobe konnte er ein paar verlorengegangene Noten wieder einsetzten und die Dynamik zurechtrücken.

Das Publikum im Oensinger Bienken-Saal setzte die «Kleine Alphornsuite» auf Platz eins - klar vor der «Waldwurzle» von Theres Linder aus Säriswil und dem «Echo us dr Heimat» von Pius Egli aus Horw. «Scheuers Stück ist speziell, aber eingängig und auch für mittelmässige Bläser spielbar», sagt der Folklore-Experte Martin Sebastian. Wenn man bedenkt, dass die Zahl der Schweizer Alphornbläser seit einigen Jahren zunimmt und mittlerweile bei 2000 liegen dürfte, so kann man der «Kleinen Alphornsuite» eine noch lange anhaltende, weittragende Wirkung prognostizieren. Scheuers Werk hat alle Chancen, nach Schillers «Wilhelm Tell» und der Invasion des deutschen Fernsehens als ein weiteres Beispiel nachbarschaftlicher Kulturhilfe in die Annalen einzugehen.

Scheuer sagt, die Schweizer hätten ihm den Sieg herzlich gegönnt. Trotzdem wäre es falsch, das Verdikt von Oensingen als Zeichen der Öffnung gegen Europa zu verstehen - Identität und Nationalität der Wettbewerbsteilnehmer wurden nämlich erst im Nachhinein offengelegt. Dass die Veranstalter ihren Sieger dann gleich in den Rang eines «Genies» erhoben, das sein Werk ohne kompositorische Schulung «nach seinem persönlichen Gefühl» in die Welt geschleudert habe, lässt im Gegenteil vermuten, dass ihnen der Spezialfall Scheuer zu schaffen machte. Mit Wasser kann dieser Neuling jedenfalls nicht gekocht haben.

Die Wahrheit ist, dass Scheuer schon seit einigen Jahren Kompositionsunterricht nimmt. Er träumt davon, einen eigenen Stil zu finden. Seit Schönberg und den Neutönern sei es immer schwieriger geworden, mit Bilderstürmen auf sich aufmerksam zu machen; heute seien die meisten Tabus gebrochen. Sich deswegen in der Dachkammer einzuschliessen und nur noch für Fachkollegen zu komponieren, ist aber nicht Benjamin Scheuers Stil. Er will, dass seine Werke aufgeführt werden und ist zu Zugeständnissen bereit.

So war es auch beim Alphorn. «Ich wusste, dass das Instrument nicht sehr mobil ist und nicht superschnell bei Tonsprüngen.» Zudem sei experimentelle Musik in Oensingen unerwünscht gewesen, dem habe er Rechnung getragen. […]

Neue Zürcher Zeitung, 24. 9. 2006

 

 

Uraufführung Neuer Musik , 18. Juni 2003, Studiosaal der JMS-Zentrale

Bach-Abend? Mozart-Abend? Brahms-Abend? Nein, Scheuer-Abend!

Nicht, dass wir Benjamin Scheuer auf einen Sockel heben wollen mit oben genannten Genies, doch ein ganzes Konzert mit Werken eines Komponisten, das ist schon etwas Besonderes. Benjamin Scheuer, geb. 1987, begann mit sechs Jahren den Blockflötenunterricht an der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg. Und da er die ihm zugedachten Stücke zum Teil als zu leicht empfand, unternahm er seine ersten Kompositionsversuche. In der Grundschulzeit kamen Klavier- und Geigenunterricht dazu, und auch das Komponieren wurde zu einem festen Hobby. Es entstanden Blockflötenkonzerte, Werke für Violine und Klavier, für Ensembles und zwei kurze Singspiele. 1998 wurde Benjamin in die Förderklasse der JMS aufgenommen, nach deren Ende er mit Kompositionsunterricht weiter machte. Benjamins Kompositionsstil begann sich zu entwickeln. Für viele seiner Stücke holt er sich Anregungen aus der Umwelt, und auch von Reisen kommt Benjamin immer mit vielen Ideen und neuen Kompositionen zurück. Ildiko Urban-Schmidt erarbeitete, organisierte und leitete einen Konzertabend nur mit Werken dieses jungen Musikers: Solostücke, Duos, ein Streichquartett, ein Quintett für Horn, zwei Violinen, Violoncello und Kontrabass und das Werk »Ins Zentrum, zurück und was sonst noch dazwischen geschah« für Streichorchester, Soloklarinette und Solotrompete. Dargeboten wurden sie bis auf die Hornstimme (Thilo Jaques) meist von Schülern der Jugendmusikschule und von Benjamins Bruder Julian, Trompete. Benjamin führte sehr unterhaltend durch das gemischte Programm, und man kann nur sagen, wer nicht da war, hat was verpasst!

Benjamin hat Unterricht bei Arvid Ong, Komposition, Gabriele Oelker, Klavier und Ildiko Urban-Schmidt, Violine. Zur Zeit verlebt er ein Auslandjahr in Amerika. Aber im kommenden Sommer wird er wieder einsteigen, mal sehen, was er dann alles im Gepäck hat.

 Ursula Maiwald Tonart 16/2003 (Zeitung der Hamburger Jugendmusikschule).