Ausländer sein


 



Ja, in Rumänien war ich Ausländer, und es war ein tolles Gefühl! Der Begriff „Ausländer“ stand für mich vor meinem Rumänenaufenthalt für Asylbewerber, Folteropfer, Arme und Gestrandete, die in unserer Überflussgesellschaft Schutz oder ein besseres Leben suchen, und deswegen hier diskriminiert, gehasst und sogar verfolgt werden, Leute eben, die unseres Schutzes und unseres Mitgefühle bedürfen. Auch in Rumänien gibt es diese Sorte von Ausländern, die aus noch ärmeren Ländern kommen und deswegen von nicht wenigen als Parasiten betrachtet werden. Aber es gibt noch eine zweite Sorte, zu denen auch ich gehörte: die Verrückten, die Interessanten, die das Wohlstandsgefälle heruntergerutscht kommen anstatt es mit aller Gewalt erklimmen zu wollen.

Es war so wunderbar einfach dort, in den Augen anderer ein interessanter Mensch zu sein. Es genügte einfach die Tatsache, aus dem ach so reichen Deutschland in das doch so arme und gottverlassene Rumänien gekommen zu sein. Wie bitte, und noch nicht mal, um Geld zu machen? Wie viel hast du vorher verdient? Und alles nur, um Erfahrungen zu sammeln und die Sprache zu lernen? – Cooler Typ!

Zurück in Deutschland gibt’s diesen Ausländerbonus nicht mehr für mich, eigentlich schade.