Deutscher sein


Ich: (rumänisch) „Guten Tag!“

Anderer: (auch rumänisch) „Guten Tag! Du bist aber nicht von hier?“

Ich: (rumänisch) „Nein, ich bin aus Deutschland.“

Anderer: (grinsend, deutsch) „Guten Tag, Herr Obersturmbandführer!“ (lacht ob seines guten Witzes)

Ich: (würde lieber woanders her kommen)

Oder

Wieder ein Anderer: „Schau mal, du interessierst dich doch für so was. Die wichtigen Stellen hab ich angestrichen.“

Ich: (lese) Überschriften wie „Die jüdische Weltverschwörung“, „Der so genannte Holocaust“, „Das wahre Auschwitz“, mit Bleistift unterstrichene Sätze wie „… die Mauern der so genannten Gaskammern können folglich nicht vor 1950 errichtet worden sein…“ oder „… was beweist, das zwischen 1933 und 1945 nicht mehr als 20000 Juden umgekommen sein können…“

Anderer: (erwartungsvoll) „Und?“

Ich: finde harte Worte, rede mich in Rage, kann nicht überzeugen, werde nicht verstanden

Anderer: (besänftigend) „Schau mal, freu dich doch für die Juden. Mir geht es jedenfalls besser, seit ich weiß, dass das mit den Gaskammern alles nicht wahr ist. Ist doch schön, dass es nicht so viele waren, oder?“

Ich: stehe da, wütend, verzweifelt, aber ich weiß jetzt besser, was es heute bedeutet ein Deutscher zu sein. Ich werde stärker