Über uns

 

 

Die Augen

 

Mathias Neumann / Thomas Jusek

 

Britta Rensing (Zeichnerin)

 

 

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Mathias Neumann

  Begann mit ca. 12 Jahren, erste Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben, was aber erst mit 14 halbwegs ordentlich gelingen wollte (grandioses Frühwerk: "Der Obdachlose").

Mit 15 dann die folgerichtige Entscheidung: Ein Roman muss geschrieben werden. Erste Ansätze, die sich am Horror-Genre orientierten, wurden wegen Lächerlichkeit schnell wieder aufgegeben.
Nach der Lektüre von Helge Schneiders Roman "Zieh dich aus, du alte Hippe!" folgte dann die Idee, diesen Stil zu kopieren. So entstanden über die Jahre die ersten 25 Kapitel des Romans "Axel, der Telefonmörder", der sich stilistisch Gott sei dank doch immer weiter vom Vorbild entfernte. Wegen fehlender Ideen und zunehmender Zweifel am Sinn des Unterfangens dann die Kapitulation mitten im 26. Kapitel nach dem Wort "Aspirin".

Zahlreiche Kurzgeschichten dieser Zeit zeugen von der Unfähigkeit, längere Texte zu schreiben ("Das Flugzeug" und "Das Konzert" sind Paradebeispiele der ersten Klasse). Die Versetzung in die Oberstufe brachte dann aber eine schlagartige Verbesserung der lyrischen Qualitäten mit sich. Es entstanden Unmengen von sehr guten Gedichten, die sich hauptsächlich am Unterrichtsstoff orientierten, ohne diesen jedoch wirklich ernsthaft zu thematisieren (Exzellent: "Der Ritter"). Leider sind 95% dieser Werke nicht mehr erhalten.

Bis heute schreibt Neumann seine Gedichte größtenteils in den überwiegend als langweilig empfundenen Uni-seminaren, wobei sich die inhaltliche Thematik sehr stark auf die Bereiche Liebe, Tod und Religion beschränkt, ohne aber andere Themen auszuschließen.

Neumann studiert im Hauptfach Deutsche Sprache und Literatur, dazu Medienwissenschaft und Psychologie. Das Studium plätschert momentan allerdings sehr unspektakulär vor sich hin. Die fehlende Motivation führt zu chronischer Schein-Armut, was mit Studium nicht unter 6 Jahren bestraft wird...

Ist aber alles nicht so wichtig, Hauptsache "Die Augen" leben, und man findet Gefallen an der eigenen Existenz!!!

 

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Thomas Jusek

  Begann schon mit 11 Jahren, Abenteuer-Kurzgeschichten zu schreiben ("Die heldenhaften Vier" - in den Hauptrollen Jusek und drei damalige Schulfreunde). Dies endete aber bald, nachdem Musik einen immer höheren Stellenwert in seinem Leben gewann.

Mit 15 begann seine musische Phase, der er sich aber erst ab 18 richtig intensiv widmen konnte, da er vorher zwar schon beträchtlich Melodien geschrieben, jedoch noch keinen einzigen Song-Text zustande gebracht hat. Eben erst mit 18 entstand das erste Lied "Opfer meiner selbst". Darauf folgten 16 weitere grandiose, mitreißende, sehr eingängige, der Volksmasse aber wahrscheinlich zu "uncoole" Stücke.
(Auszug aus "Endorphin")

Leider ist seine Liedtextkreativität seit dem Zeitpunkt seines ersten lyrischen Gedichtes Ende 1999 nahe null gesunken. Jusek hofft jedoch neben seinen Gedichten auch auf ein musisches Revival irgendwann, da er sich nach wie vor sehr gern seiner Gitarre widmet und dabei Perlen seines früheren Schaffens sowie Lieder von Funny van Dannen oder (...) leider viel zu oft lediglich sich selbst vorträgt.
Seine Gedichte werden von Außenstehenden oft als Auswüchse eines chronisch unzufriedenen Geistes beschrieben, welcher sich nicht mit den Konventionen des bestehenden Systems abfinden will und immer etwas am oberflächlichen und unkritischen Schleim des modernen Party-Menschen kratzt.

Jusek studiert gemäß seines großen Interesses am verbalen Ausdruck Deutsche Sprache und Literatur im Hauptfach, Psychologie (siehe Gedichte) und Politik (Fehlentscheidung) im Nebenfach. Im Grunde jedoch alles Fehlentscheidungen, da er keinen rechten Gefallen am studieren bzw. am Studium findet (Zitat: "Hat doch alles keinen Zweck!") und die Priorität auf das "Augen"-Projekt bzw. auf den Gefallen am Leben gelegt hat (Zitat: "Man hat letztendlich nichts zu verlieren").

Quintessenz: Die eigene Kreativität (Zitat: "Welche Kreativität?") gut (gewinnbringend?) zu vermarkten.

 

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Britta Rensing (Zeichnerin)

Britta Rensing, geboren 1972 in Köln, aufgewachsen in Dormagen. Jetzt wohnhaft in Düsseldorf.

Studium zum Lehramt der Sekundarstufe II für die Fächer Englisch und Evangelische Religion, Staatsexamen im Sommer 1998.

Seit ca. 3 Jahren begeisterte Amateurkünstlerin, malt in Öl und Guache auf Leinwand, seit etwa 2 Jahren auch Kohle- und Pastellarbeiten. Bevorzugt "gothische" Motive wie Gedenksteine, Ruinen u.ä., besonders aus der Marburger Umgebung.

Ein Bild von ihr finden Sie hier

 

 

 

 

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Die Augen

 

I.

Wie alles anfing... (als "die Augen" noch "die Särge" waren)

II.

Wie würden SIE sich beim ersten öffentlichen Auftritt fühlen?

III.

Potenzierte Katastrophe und nachhaltige Rufschädigung

IV.

Hätten Sie kein Autogramm von den Augen gewollt?

V.

Die erste Chance auf bundesweiten Ruhm knapp verpaßt

VI.

Was werden Sie sehen, wenn Sie "Die Augen" aufschlagen?

VII.

Was ist geplant?

IIX.

Obligatorische Homepage

IX.

Und wieder kam alles anders: Der zweite Auftritt

X.

Von besoffenen Augen, stümperhaften Aufklebern und einem miesmuffeligen Zeitgenossen

XI.

"Die Augen" kratzen am Boden des Fasses

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I. Wie alles anfing... (als "die Augen" noch "die Särge" waren)

Eigentlich fing alles eher zufällig an.
Wir saßen, wie so oft im 5. Semester, am Mittag des 18. Januars nach dem Essen in der Mensa-Cafeteria, tranken einen Kaffee und lachten hier und dort über vergangene Seminarstundenereignisse, als ein junger Lyriker an unseren Tisch kam und sich zu uns gesellte. Er hatte vor einiger Zeit ein Buch veröffentlicht und beklagte sich, daß es wie Feldspat in den Regalen der Marburger Buchhandlungen läge. Wie sollte es sich aber auch verkaufen, wenn er selbst keine Initiative ergreift, um sein (Zitat von ihm: "großartiges") Buch zu vermarkten.
Da wir selber auch schon seit einiger Zeit dichterisch tätig waren, kam uns nun die Idee, gemeinsam, allerdings mit einer etwas anderen Strategie, ebenfalls einen Gedichtband zu veröffentlichen, um zu beweisen, daß man damit sehr wohl erfolgreich sein kann, wenn man es nur richtig anpackt.
Wir machten uns zunächst Gedanken über einen möglichen Titel des frisch geplanten Werkes. Die erste Idee "Der Bergsteiger" war zwar ungewöhnlich und gut, mußte dann aber doch dem späteren Einfall "Zweifältig" weichen. "Zweifältig" als ein Synonym für zwei Menschen, zwei Schreibstile sowie als Gegensatz zur "einfältigen" Gegenwartsliteratur.
Visionen stiegen in uns auf. Visionen vom Erfolg und vom Ruhm. Das ging soweit, daß Thomas gegen Ende des Treffens allen Ernstes fragte, ob es denn noch weitere berühmte Schriftsteller aus Marburg gäbe...

Zu Beginn des neuen Semesters war die Idee glücklicherweise immer noch am Leben. Mit dazu beigetragen hat auch Thomas (damals) großartiger Einfall, "Buch-Singles" zu veröffentlichen. Ganz im Stile der Musikindustrie sollte einigen Vorab-Singles schließlich das Album ("Zweifältig") folgen. Für die Singles waren neben zwei Album-Stücken (A-Seiten) auch die typischen B-Seiten geplant: Non-Album-Tracks, Alternate Versions, Extended Versions, Remixes. Als erste A-Seiten hatten wir uns die Stücke "Unter den Linden" und "Nacht-Gedanken" ausgesucht (als B-Seiten waren geplant: "Hier steh ich da" und "Der Bergsteiger" (eigentlich auch potentielle A-Seiten) sowie zwei Remixe (Webübersetzungen)).
Diese, in unserem Glauben noch nie dagewesene Buch-Singles-Idee sollte uns in die Presse und somit auch in die Wohnzimmerschränke katapultieren. Kurzes, schmerzvolles Ende dieser Projektphase: es kam uns zu Ohren, Popliterat Stuckrad-Barre hätte die gleiche Idee vor uns gehabt und wenn auch nicht verwirklicht so doch in seinen Büchern beschrieben. Das war niederschmetternd, schließlich wollten wir alles sein, nur keine Popliteraten. Die Singles wurden dann zu Grabe getragen, das Projekt allerdings nicht aufgegeben. Schließlich hatten wir uns schon über einen Projektnamen geeinigt und erste Flugblätter (damals noch mit den Singles-Verweisen) gedruckt und verteilt.

Der Projektname entstand bei einem weiteren Kaffee in der Mensa (der schon erwähnte junge Literat war erneut anwesend). Wir waren für alles offen, nur eins stand fest: der Name mußte kurz und einprägsam sein. Die Überlegungen führten zu den abstrusesten Resultaten: so kamen wir von "die Pilze" über "die Gräber" zu den "Sargnägeln" oder den "Särgen" (man stelle sich das vor: "Die Särge lesen heute im Cafe Vetter." - unter diesem Namen wäre das wohl utopisch gewesen). Auch Projektnamen wie "Salz" oder "Margarethe" waren uns zu grotesk. Letztendlich einigten wir uns auf den vielsagenden, einprägsamen und werbewirksamen Namen "Die Augen" (die Werbetauglichkeit ist in unseren Flugblatt-Sprüchen sicher recht gut zu erkennen).

Mit dem Namen in der Tasche mußte die bislang nur in unseren Köpfen bestehende Idee erstmals öffentlich gemacht werden (man kann ja nie früh genug anfangen, den eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen). Und wie geht man nun in die Öffentlichkeit, wenn man keine Mittel für Werbespots im Fernsehen hat (und auch nicht unbedingt auf das dort herrschende Niveau sinken will)? Die bereits erwähnten Flugblätter waren die Antwort. So nahmen wir uns vor, wöchentlich 1-2 Flugblätter in der Mensa zu verteilen, um in Studentenkreisen zumindest schon mal im Auge hängengeblieben zu sein. Konstanz und Originalität waren die Parameter für diese Aktionen. Unbeirrt die Essenden mit immer neuen Kommentaren "erfreuen".
Während wir ein neues Augen-Flugblatt entwarfen, kam uns eines Tages die Idee, einige unserer Gedichte im Internet durch den Webübersetzer zu jagen. Wir ließen sie zunächst ins Englische übersetzen, von dort ins Französische, dann ins Italienische und schließlich ins Spanische. Von hier aus zurück ins Englische und letztendlich wieder ins Deutsche. Die Resultate fanden wir teilweise sehr köstlich. Sie werden hoffentlich auch auf zukünftigen Lesungen zu allgemeiner Freude beitragen (Zitat: "vom Happ vom Happ vom Wurm der Unschuld...").

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II. Wie würden SIE sich beim ersten öffentlichen Auftritt fühlen?

Eine Freundin erzählte uns irgendwann, dass in Kürze (27.5.2001) im Marburger Kulturladen KFZ eine Open-Stage veranstaltet wird. Das sei doch etwas, um zum ersten Mal die Allgemeinheit an unserem künstlerischen Schaffen teilhaben zu lassen. Schnell war der spontane Entschluß gefaßt: Diesen "Marburger Abend" mußten wir nutzen. Leider blieben uns nur wenige Tage zur Vorbereitung. Um nicht völlig unvorbereitet und planlos beim Auftritt zu wirken, überlegten wir uns ein Grundkonzept. Wir planten, Anekdoten von vergangenen Lesungen (die es natürlich nie gegeben hat) zu erzählen, um die Zeit zwischen den Gedichten zu füllen. Auch organisierte Thomas Frauen, welche BHs auf die Bühne werfen sollten. Hierzu war der geplante Kommentar: "Was wollen wir denn damit? Wir sind doch ‚die Augen' und nicht ‚die Brüste'". Natürlich lief alles anders.....
Am Tag des Auftritts plagte Mathias kaum erträglicher Heuschnupfen. Verklebte Augen, Kopfschmerzen und enorme Müdigkeit gefährdeten die Aktion und Mathias war drauf und dran abzusagen. Hat er nicht getan, dafür jedoch die BH-Werferinnen. Mathias gab allerdings unmißverständlich zu verstehen, er werde an diesem Abend NUR Gedichte lesen und keinerlei zusätzliche Performance bieten, was das Grundkonzept der Lesung zerstörte. Da standen wir nun - völlig ohne Konzept und Thomas suchte fieberhaft nach neuen Ideen, die er dann natürlich allein umzusetzen hatte. Das gab ihm ein furchtbares Unwohlgefühl, aber ganz ohne Show durfte das Ganze nicht über die Bühne gehen.
Vor dem Auftritt versuchten wir, unsere Nerven mit einem leckeren Milchkaffee zu beruhigen, was Mathias auch halbwegs gelang, Thomas jedoch nicht (zu groß war der Druck). Hierzu ist zu erwähnen, daß Mathias generell von Kaffee eher müde wird...
Als wir das KFZ erreichten, wartete bereits eine Horde gröhlender Freunde auf uns, die uns schreiend und kreischend empfingen, was uns fast schon unangenehm war.
Die letzte halbe Stunde vor dem Auftritt konnte Thomas keinen klaren Gedanken mehr fassen, zumal das KFZ langsam derartig voll wurde, daß einige Zuschauer keinen Sitzplatz mehr bekamen. Mathias war das alles relativ egal, er wurde zunehmend ruhiger und freute sich auf seinen ersten Auftritt.
Dieser wurde letztendlich nicht unerfolgreich und bestach überwiegend durch Spontaneität. Der Applaus des Publikums stimmte Mathias euphorisch, zumal anschließend eine Vertreterin der örtlichen Presse um ein Foto und ein obligatorisches kurzes Interview bat. Außerdem zeigte sich eine Zuschauerin so begeistert, daß sie gleich alle unsere Gedichte kaufen wollte.
Thomas war während der 15-20 minütigen Performance weitaus weniger euphorisch, zu groß der Druck, die Stimmungen des Publikums aufzufassen und spontan umzusetzen, damit die "Qualität" nicht abflachte (Zitat: "Es war harte Arbeit!"). Als wir uns nach dem Abend mit Freunden in einem Biergarten niederließen, wurden wir nochmals positiv auf unsere Show angesprochen. Dies, und die langsam wiederkehrende Fähigkeit, Gefühle zu empfinden, stimmte schließlich auch Thomas nahezu extatisch.
Die folgenden Tage waren bestimmt von der Vorfreude auf den kommenden Pressebericht. Als dieser dann endlich erschien, war jedoch jegliche Freude dahin. Schon der Text war in unseren Augen unzureichend, wir wurden lediglich am Rande erwähnt und kamen eher neutral als positiv weg, was im direkten Gegensatz zur Publikumsreaktion während des Auftritts stand. Aber nicht jeder (Reporter) teilt wahrscheinlich unsere Auffassung von Niveau...
Unglaublich auch die Vorstellung, ein Gedicht wie "Muttermund" könnte ernsthaft im Cafe Vetter Gefallen finden.
Eine regelrechte Unverschämtheit stellte allerdings das von uns abgedruckte Foto dar. Mathias war darauf derartig unvorteilhaft getroffen, daß er wie ein kompletter Volltrottel aussah. Das Verwerfliche an diesem Foto war die Tatsache, daß sich die Fotografin das Bild auf ihrer Digitalkamera ansah, lachte und sagte :"Ja, das ist ein tolles Foto!". Wir rechneten also mit einer gelungenen Aufnahme, nicht mit so einer Farce!
Mathias hatte in den nächsten Tagen Hemmungen, sich in der Marburger Öffentlichkeit zu zeigen, zu groß war die Scham wegen des Fotos.

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III. Potenzierte Katastrophe und nachhaltige Rufschädigung

Um weiterhin die Werbetrommel für unser Projekt zu rühren und den Effekt der Mensa-Flugblätter zu verstärken, hatten wir schon vor dem Auftritt einige Anzeigen, unter anderem auch im Marburger Magazin EXPRESS, in Auftrag gegeben. Sie sollten einige unserer markantesten Sprüche beinhalten, um den Wiedererkennungseffekt zu stärken.
Am 1.6.2001 erschien dann tatsächlich (schließlich hatten wir dafür bezahlt) unsere Anzeige im EXPRESS.
Sind Sie genauso sprachlos wie wir? Wir hatten die Legastheniker-Quote in Marburg geringer eingeschätzt. So ging das natürlich nicht! Und da man nicht alles frißt, was einem vorgesetzt wird, mußten wir reagieren. Lesen Sie selbst!
Zwei Wochen später erschien die Anzeige dann endlich in korrekter Form (leider aber kein zweites Mal - aber vielleicht hatten wir da auch etwas zu viel verlangt)...

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IV. Hätten Sie kein Autogramm von den Augen gewollt?

Sich auf unkonventionelle Art und Weise weiteres Gehör zu verschaffen, war Ziel unserer nächsten Aktion. Oder halten Sie es für üblich, nach dem ersten Auftritt bereits eine Autogrammstunde zu geben? Wir hielten das für eine originelle Möglichkeit, a) erneut in die Presse zu kommen und b) mit einer etwas verrückten Aktion weitere Leute auf uns aufmerksam zu machen. Wir schrieben eine Pressemitteilung und planten Fotosessions. Niemals hätten wir gedacht, daß diese abstruse Idee tatsächlich einer Zeitung eine Meldung wert wäre. Irrtum! Die Marburger Neue Zeitung ließ uns schließlich jenen Ruhm zukommen, den wir unter Umständen in unserem ersten Pressebericht schon verdient gehabt hätten. Der Bericht sprach sogar von Fans...
Einige Tage vor der Autogrammstunde entwarfen wir Flyer (Nr.6) und Plakate, um die PR weiter voranzutreiben. Diese verteilten wir wie gewohnt in der Mensa und an anderen markanten Stellen Marburgs.
Des weiteren schrieben wir noch einige ausgewählte Verlage an, um sie zur Autogrammstunde einzuladen. Hierbei berücksichtigten wir sowohl die kleinen örtlichen Verlage als auch Großverlage wie Eichborn und Fischer. Die beiden letztgenannten faßten unsere Einladung als Aufforderung auf, unser Buch zu verlegen. Wie nicht anders zu erwarten, schickten beide eine Absage, was uns aber nicht weiter weh tat.
Im Gegenteil, wir wollten ohnehin eigentlich lieber unabhängig bleiben und beschlossen deshalb im September einen eigenen Verlag zu gründen, den Neusek Verlag Marburg.
Aber erstmal weiter in der Biografie: Die Autogrammstunde an sich fand dann am 7.6.2001 in der Mensa am Marburger Erlenring statt. Zwei Stunden lang saßen wir an einem schön dekorierten Tisch im Foyer, hatten unsere Fotos vor uns ausgebreitet und auch etwas Lesestoff von uns mitgebracht.
Die ersten "Autogrammjäger" waren natürlich wieder Freunde von uns. Ihrem Interesse ist es zu verdanken, daß auch andere Studenten auf uns aufmerksam wurden und unser Tisch nur selten unbesucht blieb. Außer der Studentenschaft (Standortwahl) erschien jedoch leider niemand. Auch Presse und Verlage ignorierten die Veranstaltung. Aber was kann man schon erwarten? Immerhin zeigten auch zahlreiche Studenten ihr Interesse, die uns bis dahin unbekannt waren. Deshalb kann man die Aktion im Nachhinein zwar nicht als durchschlagenden Erfolg, aber doch als positiv bewerten (immerhin war man in der Presse und somit wieder mal im Gespräch).
Dieser neue Gang in die Öffentlichkeit war uns, trotz seiner in diesem Stadium doch etwas abgedrehten Art, weder peinlich noch unangenehm.

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V. Die erste Chance auf bundesweiten Ruhm knapp verpaßt

Beim mehr oder minder ziellosen Stöbern im Internet stieß Thomas eines Tages auf den Literaturwettbewerb des LESERKREIS DAHEIM. Ohne sich genauer über Preise und Teilnahmebedingungen zu informieren, schickte er per E-mail die Gedichte "Der Reygen der Coerpertheyle" und "Unter den Linden" an die Verantwortlichen.
"Unter den Linden" kam dort allerdings zunächst nicht an, weshalb Mathias das Stück erneut einreichte, ebenfalls ohne sich über den Sinn und Zweck dieser Aktion zu informieren.
Der Wettbewerb geriet dann mit zunehmender Zeit in Vergessenheit. Sie kennen das bestimmt auch: Im Supermarkt fällt Ihnen zufällig eine Gewinnspielkarte in die Hände, Sie nehmen sie mit, füllen sie zu Hause aus und werfen sie in den Briefkasten. Schon am nächsten Tag haben Sie das vergessen, denn niemand rechnet ernsthaft mit einem Gewinn. Auch wir taten das nicht.
Einige Wochen später erreichte Mathias dann eine E-mail: "Unter den Linden" hat den Wettbewerb gewonnen! Und da meistens bei Wettbewerben diverse Preise für die Erstplatzierten ausgeschrieben werden, bekamen wir die Chance, bundesweit auf den Umschlägen der Privatkunden des Leserkreises abgedruckt zu werden. Unser erster Gedanke war: eine Kontaktadresse und ein Hinweis auf das kommende Buch müssen drauf, sonst hat das alles keinen Zweck. Was bringt es uns, wenn jemand in München liest: "Unter den Linden" von "Die Augen", ohne zu wissen, wer dahintersteckt. Dies erschien uns um so wichtiger, da wir "Zweifältig" ja selbst verlegen und vertreiben wollten (dies geschieht ja nun über unseren Neusek Verlag Marburg). Hier war unsere große Chance, ganz Deutschland konnte von unserem Projekt erfahren!
Natürlich fragten wir sofort an, ob es möglich sei, jene Informationen auf den Umschlag zu bringen. Lange Zeit kam keine Antwort, jedoch an jenem Tag, an welchem Mathias in den Urlaub flog, kam die schicksalsträchtige Mail, die eine Woche nicht abgerufen werden konnte. Die Verantwortlichen baten um sofortige Zusendung unserer Daten, dann sei das alles kein Problem. Tja...wir schrieben aus den oben erwähnten Gründen erst eine Woche später und hofften, daß es noch nicht zu spät war...
Leider war es genau das! Aus der Traum! Vorbei! Das Gedicht wird zwar erscheinen, aber leider ohne jegliche Zusatzinformation. So zerstörte ein Urlaub den Beginn einer "großen Karriere". Allerdings hätte man sich auch früher bei uns melden oder zumindest jene E-mail-Adresse als Kontaktmöglichkeit angeben können, unter der wir die Anfrage eingereicht hatten.
Um die Katastrophe etwas abzuschwächen, setzten wir die örtliche Presse von unserem Erfolg in Kenntnis. Und siehe da, diesmal waren wir schon in mindestens zwei Zeitungen vertreten, denn es erschienen mehr oder minder zufriedenstellende Artikel in der Oberhessischen Presse und im Sonntag-Morgenmagazin. Gestört haben uns diesmal lediglich die fehlende Kontakt-E-mail im SM und der fehlende Hinweis der OP, daß wir einen Wettbewerb gewonnen haben.

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VI. Was werden Sie sehen, wenn Sie "Die Augen" aufschlagen?

Viele Monde sind vergangen, seit wir die Idee mit der Buchveröffentlichung hatten, viele Liter Wasser die Lahn entlanggeflossen, viele Worte in der Welt sinnlos einhergeredet (viele Bücher (und Filme) für den Scheiterhaufen entstanden).
Nun ist es aber soweit, "Zweifältig", nimmt langsam aber sicher die Gestalt eines Buches an. Eines Buches mit viel Herzblut, Sehnsüchten, Aufschreien, sowie Verbalakrobatik (danke Johannes Kühnle), Witz und Groteske. Aber entscheiden Sie selbst!
Genug der Werbung...zurück zur Biographie. Fünfzehn Gedichte von jedem von uns war das strukturelle Minimum (mehr wollten wir auch nicht produzieren, um die Qualität halbwegs hoch zu halten). Ergibt also dreißig Gedichte. Nun füllt sich ein Buch mit dreißig Gedichten nicht so gut wie eines mit sechzig. Warum jetzt nicht unsere Gedichte mit stimmungsvollen Zeichnungen ergänzen? Noch was fürs Auge sozusagen. Da wir allerdings beide selbst wenig zeichnerisch talentiert sind, mußte ein Fremd-Maler her. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen (oder kennen)? Wir klebten Aushänge mit Zeichnergesuchen, hauptsächlich natürlich in der Uni und darüber heraus auch in Supermärkten und Waschsalons. Da wir u.a. die Fronttüren der philosophischen Fakultät vielleicht doch etwas zu markant beklebten, bekam Thomas eines Morgens um halb acht einen Anruf vom Hausmeister, welcher seine Freude über die Aktion doch etwas im Zaum hielt und stattdessen bat bzw. befahl, die Plakatierung in Zukunft zu unterlassen. Letztendlich bekamen wir nur wenig Resonanz und entschieden uns schließlich für Britta Rensing aus Düsseldorf, was sich als absoluter Glücksgriff entpuppen sollte. Ihre Illustrationen harmonieren unserer Meinung nach dermaßen gut mit unseren Gedichten, daß die Qualität des Buches sich dadurch nahezu verdoppelt. Danke Britta!
Anfang Oktober wird "Zweifältig" vom Neusek Verlag Marburg veröffentlicht. Es wird dann auf dieser Homepage, über unsere e-mail-Adresse (dieaugen@gmx.de), bei unseren Performances und Aktionen und natürlich auch in jeder Buchhandlung zu erhalten sein.

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VII. Was ist geplant?

Bereits kurze Zeit nach der Autogrammstunde wurde uns klar, daß wir es bei dieser einen ungewöhnlichen Aktion nicht belassen konnten. Weitere Ideen mußten her, die in unserem Bekanntheitsstadium eher unüblich sind. Nach langem Überlegen kamen wir auf den Gedanken, eine Wohltätigkeitsveranstaltung zu organisieren. Das sollte uns endgültig ins Visier der Presse katapultieren und für positive Schlagzeilen sorgen.
Uns war jedoch klar, daß "Die Augen" allein in dieser Hinsicht wenig bewirken können - schließlich kannte uns noch so gut wie niemand. Wie viele Leute würden wohl zu einer 2stündigen Lesung eines nahezu unbekannten Lyrikduos kommen und dafür auch noch Eintritt bezahlen?
Nein, allein konnten wir das nicht packen, namhafte Unterstützung mußte helfen. Aber wen sollte man fragen? Mathias kam auf die völlig abstruse Idee, die Marburger Band "Overback" um Unterstützung zu bitten. Die Jungs genießen in Marburg schon fast Kultstatus und füllen dort allein jede Halle. Deshalb rechneten wir auch fest mit einer Absage, als wir zwei Bandmitgliedern per E-mail die Zusammenarbeit mit uns anboten.
Grandioserweise kam es anders, denn Robert Oberbeck, der Schlagzeuger und Namensgeber der Truppe, zeigte sich interessiert und war prinzipiell bereit, mit uns zusammen aufzutreten. Er hatte nämlich unserem ersten Auftritt am "Marburger Abend" beigewohnt und war von unserer Performance recht angetan. Er stellte sogar in Aussicht, daß an einem geeigneten Termin möglicherweise noch weitere Bandmitglieder teilnehmen könnten. Das alles müßte aber noch näher besprochen werden...
Ein Treffen auf dem Uni-Sommerfest, wo "Overback" wieder einmal die Massen begeisterte, besiegelte den Entschluß zur Zusammenarbeit. Hierzu muß gesagt werden, daß wir vor dem Treffen mit Robert schon ganz schön Bammel hatten. Was, wenn er doch noch absagen würde? Aber er tat es nicht.
Wir waren begeistert! Wir sahen uns zusammen mit "Overback" auf der Bühne, und das in einer ausverkauften Halle.
Ursprünglich war geplant, die Veranstaltung in der Aula der Bettina-von-Arnim-Schule in Marburg durchzuführen, an die auch der komplette Erlös gehen sollte.
Wir besuchten die Schule, an der Mathias seinen Zivildienst absolviert hatte, um unsere Idee vorzustellen und stießen durchweg auf begeisterte Reaktionen. Die Aula erwies sich jedoch als akkustisch unzureichend, weshalb wir entschlossen, das Projekt ins KFZ zu verlegen. Um dort einen Termin zu bekommen, muß man erst zur Teambesprechung und seine Idee enthusiastisch vortragen. Diese Aufgabe blieb an Thomas hängen, da Mathias lieber einen Urlaub in der sonnigen Türkei vorzog... Es war furchtbar, ich (Thomas) im Sitzkreis des KFZ-Teams und wurde skeptisch und evaluierend von allen Seiten beobachtet. Ich schaffte es dann wohl aber doch, das Projekt recht packend darzustellen, wobei der Großteil des Interesses wohl aber eher darauf beruhte, daß Mitglieder von "Overback" als eine zugkräftige Komponente vertreten waren. Insgesamt fiel die Terminsuche dann aber schwierig aus, da vier Seiten unter einen Hut gebracht werden mußten: Schule, "Overback", KFZ und die Augen. Nach langen hin und her steht nun der 31.10.2001 als Veranstaltungstag der "Augen-Overback-Split-Performance", genannt auch: DAS EXPERIMENT, fest. Und es verspricht grandios zu werden, da Robert sehr gespannt darauf und guter Dinge ist. Wir hoffen auf eine reichbesuchte und gelungene Veranstaltung.

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IIX. Obligatorische Homepage

Dito...

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IX. Und wieder kam alles anders: Der zweite Auftritt

Monate sind inzwischen vergangen. Monate ohne Auftritt. Monate des "in-vergessenheit-geratens". Unser nächster Auftritt mit Robert Oberbeck liegt noch in weiter Ferne und der letzte am Marburger Abend in noch weiterer Ferne zurück. Da kommt uns ein neuer Marburger Abend nicht ganz unrecht, könnte man meinen.
Naja, fast. Mathias fuhr nämlich just an jenem Abend in den Urlaub. Nach langem Überlegen kamen wir dann allerdings schließlich doch zu dem Entschluß aufzutreten, einfach, um mal wieder was von uns hören zu lassen (und etwas Werbung für Homepage, Buch und Oberbeck-Auftritt zu machen).
Mathias war der Gedanke, daß ich allein auf der Bühne stehe, nicht ganz recht und wir beschlossen, ihn doch mitzunehmen, und zwar per Videoeinspielung. Dieser netten und noblen Idee stellten sich aber zunehmend größere Probleme in den Weg, die ich jetzt mal ansprechen will: Natürlich das Problem der Technik. Einen Fernseher (alter und deshalb schwerer Art) vor oder während des Auftritts auf die Bühne zu schleppen, ist kein Zuckerschlecken (mutmaße ich mal - ich habs letztendlich ja nicht machen müssen). Dann die Lautstärke. Füllt ein alter Fernseher soundtechnisch einen größeren Raum wie das KFZ? Vielleicht mit dem Lautstärkeregler bis zum Anschlag - dann wachsen aber auch die Nebengeräusche ins Unerträgliche. Des weiteren stelle man sich vor, die Bedienung hätte nicht auf Anhieb geklappt (ein jeder kennt die Situation, wenn die ehemalige Lehrerin oder der Professor eine Viertelstunde versucht, den richtigen Kanal einzustellen oder die Verkabelung zu richten). Peinliche Situation vorprogrammiert, die ich zwar spontan hätte abwenden können, aber Video-Mathias dann doch nicht zum Tragen gekommen wäre.
Das größte Problem war allerdings das Filmen selbst: Wir hatten vor, Mathias komplett die ganze Show über nebenher laufen zu lassen, ohne ihn immer wieder abzuschalten (so wäre er immer anwesend gewesen und nicht zerhackt und zerstückelt). Er sollte dann in regelmäßigen Abständen seine Gedichte lesen und in den Zwischenzeiten, in denen ich (Thomas) dran war, in der Gegend rumgucken, ab und zu mal zustimmend mit dem Kopf nicken oder grinsen. So der Plan, welcher, wenn er aufgegangen wäre, eine ganz gute Performance geliefert hätte, die sicher auch grandios angekommen wäre.
Zurück zur Situation und den Problemen: Ich - mit der Kamera auf der Schulter auf einem Stuhl, Mathias - vor einer weißen Wand, wir - uns gegenüber. Lachte, grinste oder schaute einer auch bloß schief, eskalierte alles. Der nötige Ernst fehlte oder besser, er war da, es ging aber nicht anders. Es war unmöglich 15 Minuten durchzufilmen, ohne irgendwann (meistens in den ersten zwei Minuten) vor Lachen zu platzen. Auch währenddessen essen und trinken half nichts. Nunja, wir pausierten und schauten uns die kläglichen Versuche an, bis ich (nachdem die Nebengeräusche schon im Wohnzimmer unerträglich waren) auf die Idee kam, den Ton in den Zwischenzeiten einfach auszuschalten. Dann haben wir a) keine Nebengeräusche und b) Mathias oder ich können beim Dreh auch mal etwas lachen, ohne daß man es gleich hört. Der Nachteil der Geschichte war allerdings, daß ich nun nicht mehr wußte, wann Mathias seine Gedichte zu lesen anfängt. Neue Idee (außerdem interaktiv mit dem Publikum): Wenn Mathias' Zeit gekommen ist, hebt er ein Schild mit der Aufschrift "ICH WILL LESEN!!!" in die Kamera. Das Publikum soll mir dann Bescheid geben, wann ich zu reden aufhören und den Ton vom Fernseher wieder anstellen muß. Hätte wahrscheinlich geklappt...
Vom letzten Problem, dem des Timings, will ich jetzt garnicht groß sprechen. Aber stellen Sie sich vor, sie haben exakt 2:30 Minuten für Gedicht und Ansage. Ist es zu lang, muß Mathias ausgeschaltet werden, ist es zu kurz, muß ich improvisieren. Wäre schon irgendwie gegangen, hätte mich aber extrem unter Druck gesetzt.
Letztendlich haben wir es dann doch geschafft, alles, aber mehr schlecht als recht, aufzunehmen. Mathias war es dann letztendlich doch zu albern und - langer (viel zu langer) Rede - kurzer Sinn: Wir haben es schließlich gelassen!
Jetzt aber zum Marburger Abend an sich. Ich war alles andere als begeistert von der Idee, allein auf der Bühne stehen zu müssen - ohne Konzept, ohne Mathias-Interaktion. Aber es mußte sein, so lang wie wir nichts mehr gemacht haben. Außerdem hätte es mich geärgert, wenn ich es nicht geschafft hätte. Ich hätte an mir und am gesamten Projekt gezweifelt.
Als "einzigstes" Auftritts-Konzept kam in letzter Minute eigentlich nur noch Spontanität in Frage, die ich mir auch zutraute. Einfach auf die Bühne und alle Unsicherheit, Angst, Aufgeregtheit mit lockerem Geschwätz überspielen. So war es dann auch. Selten so gelitten wie vor diesem Auftritt (am ersten Auftritt vielleicht). Ich war zu nichts mehr imstande. Als ich dann allerdings loslegen mußte und es kein Zurück mehr gab, war es ganz locker, wenn auch harte Arbeit: an alles zu denken, die Überleitungen hinzukriegen, die Stimmungen des Publikums einzufangen und zu verarbeiten, das Programm nicht abflachen zu lassen, aufpassen, daß man nicht zu schnell liest (nicht gelungen), die Werbung nicht zu aufdringlich gestalten...
Man hat gar keine Zeit nachzudenken und zu fühlen, es muß einfach alles hintereinanderweg klappen. Nicht der große Höhenflug, aber vielleicht kommt dieser mit wachsender Routine (wobei es furchtbar wäre, wenn es zur Routine wird - dann geht die Spontanität und die Natürlichkeit verloren).
Wieder langer Rede - kurzer Sinn: es hat funktioniert! Ich hatte das Gefühl, dem Publikum hätte es gefallen, es gab viele Lacher (die Gedichtauswahl war darauf abgestimmt) und reichlichst Applaus. Ich denke, ich bin in positiver Erinnerung geblieben. Der nachträglich erwartete Endorphinausstoß blieb diesmal allerdings aus - der enorme Druck aber endlich weg.
Da Lyrik immer ein eher trockenes und unnahbares Thema ist, ist es eben wichtig, daß uns die Leute beim Live-Auftritt unseretwegen und unserer Gesamtperformance wegen sehen wollen. Die Gedichte allein reichen wahrscheinlich nicht aus.

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X. Von besoffenen Augen, stümperhaften Aufklebern und einem miesmuffeligen Zeitgenossen

Bis zu unserem Oberbeck-Auftritt sollte noch ein wenig Zeit vergehen und deshalb schieben wir jetzt ein paar Begebenheiten ein, die während dieser Zwischenzeit geschahen und in unseren Augen ganz erzählenswert sind.
Bei einem Treffen versprachen wir Robert Oberbeck, am 1.10. zu einem "Overback"-Konzert in den Irish Pub "Molly Malones" zu kommen. Am besagten Tag standen wir im Publikum und taten nichts anderes als unser Bier zu trinken und den Klängen der Band zu lauschen. Unverhofft stand uns eine wohlbekannte Person gegenüber: Die Reporterin von Marburg Extra. Sie erinnern sich sicher an den unzureichenden Artikel und das schlechte Foto nach unserem ersten Auftritt...
Sie fragte nach dem Grund unseres Erscheinens, nach Zukunftsplänen und ob sie ein Foto von uns machen dürfe.
Wir gaben bereitwillig Auskunft und waren natürlich damit einverstanden, als Gäste des Konzerts in ihrem Artikel erwähnt zu werden. Das Foto schauten wir uns diesmal jedoch vorher an, um eine neuerliche Enttäuschung auszuschließen. Es war in Ordnung, wenn auch kein Reißer - wir sahen beide ziemlich besoffen aus.
Wie von der Presse nicht anders zu erwarten, erschien der Artikel in vollkommen anderer Form als wir vermutet hatten. Im Prinzip können wir uns nicht beschweren, da diesmal ausführlicher über uns berichtet wurde. Bloß war das diesmal gar nicht angemessen. "Overback", die den Abend schließlich gestalteten, wurden nur beiläufig erwähnt, Fotos der Band fehlten ganz! Unser Foto wurde jedoch veröffentlicht. Der Hammer schlechthin war die Bildunterschrift: "Die Augen unterhielten die Gäste im Mollys."
Man stelle sich das mal vor! Wir hatten durch pures Rumstehen und Biertrinken die Gäste unterhalten! Ob die das mitbekommen haben? Jeder, der den Artikel gelesen hatte, mußte jetzt denken, wir hätten uns absichtlich in den Vordergrund gespielt. Im Text behauptete die Reporterin zudem, daß wir in Kürze mit "Roland Overback" auftreten würden - kennt den jemand?
Trotz allem wollen wir uns nicht beschweren, immerhin meinte es die Pressefrau ja gut - wenn auch zu gut.

Eine kostspielige Enttäuschung hatten wir einige Tage später zu verkraften. Bei einer Werbeagentur gaben wir Werbeaufkleber für die Homepage in Auftrag. Wie wir auf diese Schnapsidee gekommen sind, ist uns im Rückblick völlig unerklärlich, zumal sowas schweineteuer ist. Wir vereinbarten einen Preis von 200,- DM für 85 kleine Aufkleber (verrückt!!!). Wir hätten uns mit dem Preis auch abgefunden, wenn letztendlich die Qualität zufriedenstellend gewesen wäre. War sie aber nicht! Leider war der Druck an vielen Stellen äußerst unsauber und ungenau. Man versuchte uns mit 14! zusätzlichen Aufklebern bei Laune zu halten. Und sie schafften es aus zweierlei Gründen: Zunächst einmal hatte Thomas die schlechte Qualität nicht auf Anhieb bemerkt, und Mathias war einfach zu feige, gegen diese Stümperei zu rebellieren. Wir bezahlten wortlos und verließen den Laden. Erst dann begann Mathias über die Aufkleber zu schimpfen. Zu spät, schließlich hatten wir gerade bezahlt, das Geschäft war abgeschlossen. Wir nahmen uns vor, wenigstens in den folgenden Tagen noch einmal persönlich in der Werbeagentur zu erscheinen, um ein wenig Dampf abzulassen. Jedoch sank unser Interesse an dieser Aktion sehr schnell, bis es letztendlich gegen Null tendierte und wir auf 99 überwiegend miserablen Aufklebern saßen.

Nun mal wieder etwas positives! Durch Vitamin B arrangierte Thomas ein Treffen mit einer Mitarbeiterin der "Frankfurter Rundschau", die einen Artikel über uns schreiben wollte. Dieser sollte im Lokalteil Main-Kinzig-Kreis erscheinen. Was für eine Freude! "Die Augen" in der Weltpresse!
Guten Mutes fuhren wir zum ausgemachten Zeitpunkt nach Hanau, wo zunächst ein professioneller Pressefotograf in einem malerischen Park gute Fotos von uns machen sollte. Unsere Erwartungen waren dementsprechend hoch. Jedoch empfing uns ein miesmuffeliger Zeitgenosse mit einem Fotoapparat, der uns lieblos an den nächstbesten Baum stellte und uns befahl, einen Papierausdruck unseres Buchcovers ins Objektiv zu halten. Da hätten wir auch zu Hause vor die Tür gehen und uns von einem dahergelaufenen Passanten, einem Selbstauslöser (der wäre zumindest freundlicher gewesen) oder der Marburg Extra - Reporterin ablichten lassen können. Der gesamte Termin dauerte nur zwei Minuten.
Das Interview selbst lief vollkommen zufriedenstellend. Wir rechneten mit einem guten Bericht kontrastiert von einem furchtbaren Foto. Bis zum letztendlichen Erscheinen sollte noch viel Zeit vergehen und wird wahrscheinlich auch noch vergehen.

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XI. "Die Augen" kratzen am Boden des Fasses

Kommen wir nun wieder zurück zum ofterwähnten "Oberbeck-Auftritt". Erst jetzt wurde uns klar, welch grausamen Termin wir vereinbart hatten: der 31.10. war nicht, wie wir glaubten, ein Tag wie jeder andere. Nein, die Amerikanisierung sollte uns einen Strich durch die Rechnung machen. Denn dank der Menschen auf der anderen Seite der Welt überrollte nun auch Marburg die "Halloween-Welle". Dutzende von kleineren Partys sowie drei hochwertigere Kulturveranstaltungen waren unser Konkurrenz. Wir hatten nun die Wahl uns zu erschießen oder die Herausforderung anzunehmen. Wir entschieden uns für letzteres, immerhin waren wir im Programmheft des KFZ schon ankündigt.
Deshalb pflasterten wir bereits Wochen vorher Marburg mit Auftrittsplakaten zu. Wir entschieden uns jedoch auf den Halloween-Zug aufzuspringen und deklarierten "Das Experiment" als "die etwas andere Halloween-Party".
Allerdings revidierten wir die erhofften Zuschauerzahlen in unseren Köpfen auf ein Minimum (von 350 auf 30).
Natürlich legte uns die Presse einen weiteren Stein in den Weg. In unseren Augen der katastrophalere, der uns die verbleibenden 30 Zuschauer auch noch rauben würde. Eine Woche vor dem Auftritt erschien nämlich im Marburger Magazin "EXPRESS" - sie erinnern sich sicher an die verhunzte Anzeige - der Vergeltungsschlag für unseren Beschwerdebrief. In der Vorankündigung unserer Veranstaltung leistete sich der EXPRESS eine lächerliche, unprofessionelle und im Prinzip für ihn peinliche, jedoch für uns im ersten Augenblick erschütternde Aktion: er nahm Bezug auf unsere Pressemitteilung zur Gründung des Neusek-Verlages, die bedauerlicherweise einen! kleinen grammatischen Fehler enthielt (ein Wort war versehentlich im Word-Programm an die falsche Stelle gerutscht). Daran zog sich er sich hoch und denunzierte uns in aller Öffentlichkeit. Aber lesen Sie selbst.
Einschub Thomas: Etwa 23:00 Uhr rief mich Mathias völlig aufgelöst an und sagte, daß alles aus und vorbei wäre. Der Auftritt, zu dem nunmehr gar keine Leute mehr kämen und die Karriere, da die Augen und der Verlag völlig kompromittiert wären. Ich verstand zunächst gar nichts, wußte nicht, worum es ging. Schließlich erzählte Mathias mir, was passiert war, las den Artikel vor und fragte, ob wir wirklich den grammatischen Fehler begangen hätten oder ob es der EXPRESS selbst verantwortlich wäre. Ich mußte zugestehen, daß wir im Unrecht waren. Wir jammerten noch ein wenig rum und entschieden uns am nächsten Tag zu treffen, um eine Krisensitzung einzuberaumen, in der ein weiteres Handeln unsererseits besprochen werden sollte. Ich muß gestehen, ich fing mich ziemlich schnell wieder und überlegte, wie man aus der Not eine Tugend machen könnte. Schließlich waren wir in der Presse und man mußte nur gekonnt reagieren, um dieses Ereignis als positive und interessante Werbung zu verwenden. Einschub beendet.
Aber langer Rede kurzer Sinn: Am nächsten Tag verbesserte sich auch Mathias´ Stimmung und wir fassten den Entschluß, noch einmal durch Marburg zu laufen, um die bereits aufgehängten Plakate etwas zu modifizieren. Wir überklebten unser Foto mit dem folgenden Text: "Wie kam es zur öffentlichen Diffamierung der "Augen" in der Vorankündigung des EXPRESS. Die unglaubliche Hintergrundstory erfahren Sie auf der Veranstaltung."
Vielleicht hatten wir das ganze etwas zu ernst genommen, denn schon bald schob sich der Zweifel ein, ob sich der ganze Aufwand für eine Richtigstellung eines Artikels, den eh kein Außenstehender versteht, eigentlich lohne. In den folgenden Tagen nahmen wir auch in dieser Sache immer größeren geistigen Abstand, zumal uns auch Robert beruhigen konnte. Überhaupt wurde Robert von Treffen zu Treffen immer enthusiastischer, was uns sehr viel Auftrieb in einer Zeit voller Zweifel gab. Er schien sich wirklich auf den Auftritt zu freuen.

Um die Veranstaltung in die Presse zu bringen, brachten wir die nötigen Infos diesmal selbst bei den örtlichen Zeitungsredaktionen vorbei. Wir dachten, die ganze Sache in einem persönlichen Gespräch noch interessanter darstellen zu können. Zudem waren wir überzeugt, daß der Benefizgedanke eine Vorankündigung garantiere.
Wieder einmal kam es anders. In einer der Redaktionen erlebten wir den ungeheuerlichsten Auswuchs von Ignoranz. Wir stellten unser Vorhaben zunächst an der Anmeldung vor. Die durchaus freundliche Mitarbeiterin zeigte unsere Unterlagen daraufhin einem scheinbar wichtigen Redakteur, welcher sie sofort wutentbrannt anfuhr: "Für so einen Scheiß haben wir in unserer Zeitung keinen Platz! Das quetschen wir rechts unten in irgend'ne Ecke, wenn wir's überhaupt bringen!". Die freundliche Mitarbeiterin erklärte uns, sie habe unsere Unterlagen weitergereicht, nicht ahnend, daß Mathias die Reaktion des Redakteurs mitbekommen hatte.

Wir rechneten nun endgültig nicht mehr damit, Vertreter der Presse zu unserem Auftritt locken zu können. In unserer Not verfielen wir auf den Gedanken, die bereits mehrfach erwähnte Marburg Extra - Reporterin zu kontaktieren, die es ja trotz aller Komplikationen immer recht gut mit uns gemeint hatte. Da bis zum Auftritt nur noch zwei Tage verblieben, schrieben wir nicht an die Redaktion, sondern versuchten die Reporterin, nennen wir sie aufgrund ihres doch recht alltäglichen Namens mal Sabine Müller, direkt zu erreichen. Hierzu mußten wir zunächst ihre Adresse herausfinden. Wir schlugen im Telefonbuch unter Müller nach (taten wir natürlich nicht, aber wenn wir sie schon so nennen, müssen wir das eben so schreiben) und fanden tatsächlich zu unserem Glück genau eine Sabine Müller. Wir entschieden, sie nicht anzurufen, sondern ihr einen Brief mit allen wichtigen Infos in den Briefkasten zu werfen. Gesagt, getan!
Einen Tag später fand Thomas auf seinem Anrufbeantworter eine Nachricht von Sabine Müller. Sie sagte, daß sie nicht die Sabine Müller sei, für die wir sie wohl gehalten hätten, sie arbeite nämlich gar nicht bei der Presse. Somit hatte auch unser letzter Trumpf nicht gestochen!
Vielleicht können Sie sich vorstellen, wie wir uns gefühlt haben:
a) 200,- DM zum Fenster rausgeschmissen, b) Halloween als Auftrittstermin gewählt, c) vom EXPRESS fertiggemacht, d) auch sonst keine Presseaufmerksamkeit und e) Sabine Müller verwechselt.

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