Forschungsthemen
Darstellung der Bereiche
Drei Themenbereiche
wurden ausgewählt, da sie für die französische und die
deutsche Seite von besonderem Interesse sind: erstens der Themenbereich
"Europäische Integration und Staatsmodernisierung", zweitens
der Themenbereich "Gerichtliche Verfassungs- und Verwaltungskontrolle"
und drittens der Themenbereich "Grundrechtsschutz". Insgesamt
bieten die drei Themenbereiche eine ausgezeichnete Basis für rechtsvergleichende
Untersuchungen des öffentlichen Rechts in Frankreich und Deutschland
und seiner Entwicklungsdynamik im Hinblick auf die Herausbildung gemeineuropäischer
Standards.
Modul 1 : Europäische Integration und Staatsmodernisierung
Was den Themenbereich "Europäische Integration und Staatsmodernisierung"
betrifft, so speisen sich viele Forschungsfragen aus der Beobachtung,
dass einerseits durch direkte (imperative) und indirekte (freiwillige)
Europäisierung Konvergenzbewegungen in den materiellen Rechtsordnungen,
aber auch in der Staatsorganisation und in den Entscheidungsverfahren
stattfinden und dass andererseits wegen sog. "Pfadabhängigkeiten"
der Rechts- und Verwaltungskulturen bestimmte Europäisierungsimpulse
sehr unterschiedlich verarbeitet werden.
Insbesondere dieser Themenschwerpunkt ist für interdisziplinäre
Fragestellungen offen, da die rechtlichen Regelungen hier in der Regel
nicht nur positivistisch, in ihrer dogmatischen Einordnung untersucht
werden, sondern auch als Phänomene einer bestimmten kulturellen,
politischen oder wirtschaftlichen Grundorientierung. Rechtsreformen
liegen im übrigen oft übergreifende Konzepte der Staatsmodernisierung
zu Grunde, die sich ihrerseits im internationalen Austausch entwickeln.
Seminar
2006:
Benedikt SPEER: Theoretische Annahmen und praktische Probleme
dezentralisierter grenzüberschreitender Zusammenarbeit
Yoan VILAIN: Die Anwendung neuer Technologien in den Beziehungen
zwischen Staat und Gebietskörperschaften in Deutschland und Frankreich
Carolin TEGELER: Die Föderalismusreform aus der Sicht der
Kommunen
Jean-Philippe DÉROSIER: Das Spannungsverhältnis Zentralisierung
/ Dezentralisierung : ein Weg zum Subsidiaritätsprinzip
Conrad SEIFERTH: Hauptstädte und kommunale Selbstverwaltung
: Berlin und Paris im Vergleich
Seminar
2007:
Aurélien RACCAH: Les effets de l'application directe du
droit communautaire par les autorités régionales et locales
européennes sur l'ordonnancement juridique des États membres
Barbara ROTH: Aktuelle Fragen des Staatsaufbaus in Deutschland
und Frankreich - Europa der Regionen?
Nils OTTER: Föderalismusreform und Reform der Finanzverfassung
Seminar
2008:
Emmanuelle MATHIEU: L'impact du multinationalisme sur la relation
entre les régions et l'Etat en matière de politique européenne
dans les pays fédéraux. Une comparaison entre l'Allemagne
et l'Espagne
Simon LANG: Die Offene Methode der Koordinierung als Zukunft
des Regierens im europäischen Mehrebenensystem?
Jérôme GERMAIN: Le Conseil des Ministres franco-allemand,
une institution en voie d'affirmation
Amaya UBEDA / Sébastien MÜLLER: La Cour de Strasbourg
en tant que levier de réforme nationale en France et en Allemagne
Seminar
2009:
Anna Katharina MANGOLD: Der Wandel der deutschen Staatlichkeit
- Historische und empirische Perspektiven
Emilie CHEVALIER: Réflexions sur les fondements de la
prise en compte nationale des développements internationaux et
communautaires relatifs à la réforme de l'État
Carsten GIERSCH: Soft-law als Steuerungsinstrument der internationalen
Zusammenarbeit
Seminar
2010:
Hanna SCHRÖDER (FÖV Speyer/Univ. Strasbourg): Die Europäisierung
des Verwaltungsvertragsrechts
Markus GLASER (Univ. Heidelberg, IEP Paris): Die rechtsvergleichende
Verwaltung
Nikolaus MARSCH (Univ. Osnabrück / ENA Strasbourg): Subjektivierung
des Verwaltungsrechts und der gerichtlichen Verwaltungskontrolle in
Deutschland und Frankreich
Laurent DECHÂTRE (Univ. Paris II): Étude comparée
de l'effectivité de la "clause de nécessité"
allemande et du principe de subsidiarité européen
Seminar
2011:
Stefanie SAGHY: Der Einfluss Deutschlands und Frankreichs auf
die Methode der Verfassungsvergleichung beim Europäischen Gerichtshof
Philippe GERARD: Vorrangige Verfassungsfragen in Frankreich und
Belgien
Maja WALTER: Integrationsgrenze Verfassungsidentität
Basile RIDARD: Le temps de parole réservé à
l'opposition parlementaire à l'Assemblée nationale et
au Bundestag
Modul 2 : Gerichtliche Verfassungs- und Verwaltungskontrolle
Der Themenbereich "Gerichtliche Verfassungs- und Verwaltungskontrolle"
ist zunächst deshalb von besonderem Interesse, weil sowohl die
Systeme der Verfassungsgerichtsbarkeit als auch die der Verwaltungsgerichtsbarkeit
auf unterschiedlichen konzeptionellen Grundlagen aufbauen. Beispielhaft
erwähnt sei nur die Gegenüberstellung der Leitprinzipien präventiver
und nachträglicher Normenkontrolle oder objektiver Rechtskontrolle
und subjektivem Rechtsschutz.
Vor diesem Hintergrund spielt die Suche nach funktionalen Äquivalenten
eine wichtige Rolle, um gleichwertige Schutz- und Kontrollstandards
identifizieren zu können. Dies kann wiederum bei der Beantwortung
der Frage nach einer gleichermaßen wirksamen Implementierung des
Gemeinschaftsrechts und nach der Herausbildung gemeineuropäischer
Standards helfen.
Seminar
2006:
Athur DHYÈVRE: Die Rolle des Conseil constitutionnel
und des Bundesverfassungsgerichts bei der Normsetzung: Aktivismus der
Judikative in Deutschland und Frankreich
Natalia BERNAL CANO: Die strikte Trennung der Verfassungsgerichtsbarkeitsmodelle
zum Schutz der Grundrechte in Deutschland und Frankreich: kritische
Analyse
Annette SCHORR: Verfassungsgerichtsbarkeit im demokratischen
System
Lippold Frhr. von BREDOW: Nationale Souveränitätsreserven
in der Rechtsprechung von Conseil Constitutionnel und Bundesverfassungsgericht
Seminar
2007:
Lippold Frhr. von BREDOW: Effektiver Verwaltungsrechtsschutz
und der Vorrang des Primärrechtsschutzes
Aurore GAILLET: Le recours constitutionnel en droit allemand
: étude historique, dogmatique et comparative
Rhita BOUSTA: Le contrôle de proportionnalité dans
les jurisprudences constitutionnelles allemande et française
- Intérêt et enjeux de l'approche comparative
Seminar
2008:
Andréa LINNE-BALDASSARI: La proportionnalité dans
les relations d'autorité. Une étude comparative des ordres
juridiques français, allemand et anglais
Francois-Xavier MILLET: Chose jugée ou chose interprétée
par les juridictions constitutionnelles?
Olivia SEIFERT: Bedeutung der Empfehlungen nach Art. 15 Abs.
b der Satzung des Europarates als Rechtserkenntnisquelle im europäischen
Recht
Seminar
2009:
Giorgio GIULIANO: Les pouvoirs des autorités administratives
indépendantes économiques et les droits de procédure
des particuliers
Kaspar LUGINBÜHL: Europäische Vereinheitlichungsbestrebungen
bei vergaberechtlichen Nachprüfungsverfahren - Überblick und
Auswirkungen auf das französische Recht
Anne JACQUEMET: La responsabilité pour risque en droit
public français et allemand
Seminar
2010:
Céline VINTZEL (Univ. Paris I): Les armes du Gouvernement
dans la procédure législative : Etude comparée
: Allemagne, France, Italie, Royaume-Uni
Arthur DYEVRE (CEPC Madrid / Univ. Paris I): Agents ou Trustees
? Deux modèles de justification de la justice constitutionnelle
à l'épreuve des faits
Mattias WENDEL (Univ. Humboldt, Berlin): Die Lissabon-Rechtsprechung
von Conseil Constitutionnel und Bundesverfassungsgericht in verfassungsvergleichender
Perspektive
Seminar
2011:
Arun BOLKENSTEYN: Le contrôle abstrait des actes normatifs
des Länder allemands et des cantons suisses
Maria KORDEVA: Le principe de séparation des pouvoirs
en France et en Allemagne
Modul 3 : Grundrechtsschutz im europäischen Vergleich und im europäischen
Recht
Der Themenbereich "Grundrechtsschutz im europäischen Vergleich
und im europäischen Recht" bezieht sein übergreifendes
Erkenntnisinteresse daraus, dass für die berufliche und soziale
Entfaltung der Unionsbürger in einem integrierten Europa ein vergleichbarer
Grundrechtsstatus von wesentlicher Bedeutung ist. Zudem macht der soziale,
wirtschaftliche und technologische Wandel eine Weiterentwicklung der
Konkretisierung der Grundrechte und ihrer Dogmatik erforderlich. Vielfältig
sind dabei die Einwirkungen der Europäischen Menschenrechtskonvention
sowie des europäischen Gemeinschaftsrechts.
Analysen der deutschen und französischen Grundrechte und Grundrechtsdiskurse
erweitern nicht nur die argumentative Basis bei der Lösung von
Grundrechtsfragen, sondern helfen zugleich, die konzeptionellen Grundlagen
der nationalen und europäischen Grundrechte besser zu verstehen
und abzugleichen.
Seminar
2006:
Silke LÖHR: Grundrechtsbegriff in Deutschland und Frankreich.
Céline FERCOT: Die Quellen der Grundrechte in den föderalen
Staaten und im Europarecht.
Elaine MAK: Die verfassungsrechtlichen Möglichkeiten des
Abweichens von der örtlichen Aufteilung der richterlichen Zuständigkeiten.
Petra KEMPF: Das Recht auf gute Verwaltung aus deutscher und
französischer Perspektive.
Caroline NÄGERL: Die EG-Gleichbehandlungsrichtlinien 2000/2002
und ihre Umsetzung in das deutsche und das französische Recht.
Marion WESCHKA: Der verfassungsrechtliche Status des menschlichen
Embryos angesichts der Fortschritte im Bereich der Biomedizin.
Vanessa BARBÉ: Die Rolle des Parlaments beim Schutz der
Grundrechte in Frankreich, Großbritannien und in Deutschland.
Andreas GROSCHE: Der Einfluss der Europäischen Menschenrechtskonvention
und des Rechts der Europäischen Union auf den nationalen Rechtsschutz.
Seminar
2007:
Thomas HOCHMANN: Les limites à la liberté de l'historien
en Allemagne et en France.
Stéphanie DAGRON: Le rôle en démocratie des
comités nationaux d'éthique.
Reine WAKOTE: Les conséquences de la notion d'acte administratif
dans l'étude du pouvoir d'appréciation de l'administration
en droit interne et droit allemand.
Seminar
2008:
Vasiliki VOULELI: Propos relatifs à la dignité
humaine.
Emilie DEBAETS: Les enjeux de l'utilisation des données
personnelles au regard des droits fondamentaux.
Iris BENÖHR: L'impact des droits sociaux fondamentaux sur
le consommateur européen : comparaison du droit allemand, français
et anglais.
Seminar
2009:
Claire MONGOUACHOU: Liberté d'entreprendre et intervention
économique des personnes publiques en France et en Allemagne.
Tasoula CHARB: Vidéosurveillance et protection des données
personnelles ; rapprochement et différences en France, en Allemagne
et en Suisse.
Mathias MÖSCHEL: Aktuelle verfassungsrechtliche und gesetzliche
Entwicklungen in Frankreich rund um die problematischen Begriffe "Rasse",
"ethnische Herkunft" und ihrer Klassifizierung.
Seminar
2010:
Florian HOEPFNER (Univ. Paris I): La Cour européenne des
droits de l'homme et le contentieux des demandeurs d'asile débouté.
Katharina BRAIG (Univ. Bâle / Univ. Strasbourg): Umweltschutz
durch die Europäische Menschenrechtskonvention.
Seminar
2011:
Matthias WEIDEN : Deutsches Kooperationsmodell und französische
Laizität im Spannungsfeld europäischer Integration.
Harald WEISS: Vorläufige Freiheitsentziehungen als Instrument zur
Terrorismusbekämpfung. Das Beispiel der französischen garde
à vue.