Wir sind Kirche, Diözesangruppe Augsburg
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26. 07. 05
Doku zu Bischof Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller, Regensburg
(basierend auf Berichten der SZ vom 08.07., 12. 07., 17. 07. und
16. 07. 05, sowie dem
Original-Briefwechsel zwischen Prof. Meyer und Bischof Müller).
Prof. f. Dogmatik an der Uni München.
Nov. 2002 Ernennung zum Bischof von Regensburg.
Von Anfang an ständig Querelen mit fortschrittlichen
Theologen und Laien; Lokalverbot für Wir-sind-
Kirche in katholischen Räumlichkeiten; Querelen mit dem
(romkritischen) Aktionskreis Regensburg.
2003 Amtsenthebung des Vorsitzenden des Dekanatsrates
Deggendorf, Prof. Grabmeier. Entlassung von
Pfarrer Trimpel (Oberaltaich, Mitarbeiter des
Aktionskreises) und Entzug der Lehrbefugnis von
Prof. Dr. theol. August Jilek (Uni Regensburg).
Karfreitag 2003 schreibt Fritz Wallner (Pfarrgemeinderat in
Schierling/Regensburg) an Kardinal
Ratzinger, dass Unfriede herrsche in der Kirche von Regensburg.
Ob Ratzinger mit Müller
nicht einmal ein offenes Wort reden könne. Eine Kopie des
Briefes landet bei Müller.
Dort heisst es, Wallner beabsichtige die Absetzung des Bischofs.
11. 04. 05: Müller teilt mit, dass er die Satzung der
Laiengremien von sich aus und ohne Rücksprache
mit den Laienvertretern geändert hat: Die freie Ausübung der
dem Bischof nach göttlichem Recht zustehenden
geistlichen Gewalt müsse gewahrt bleiben ... der Bischof kann
Pfarrgemeinderäte,
die sich (aus seiner Sicht) nicht entsprechend der Lehre ... der
Kirche verhalten, ausschliessen
(vergl. Ermächtigungsgesetz!).
April 05: Wallner, inzwischen Vorsitzender des Diözesanrates,
schreibt an Müller, dass solche
Statutenänderungen nur mit 2/3-Mehrheit des Diözesanrates
beschlossen werden können. Der Generalvikar,
Wilh. Gegenfurtner, antwortet, es seien nur
Selbstverständlichkeiten formuliert worden. Müller: Er habe von
der
Freisinger Bischofskonferenz den Auftrag, eine neue Satzung (ohne
Beteiligung eines Mitglieds des Diözesanrates)
zu erarbeiten. Tatsache ist: Er hatte den Auftrag, die Satzungen
der bayerischen Räte theologisch zu überprüfen.
Ein Treffen der Diözesanräte Regensburg, wo auch
immer, wird untersagt!
April 05: Das Treffen fand dennoch statt. Gegenfurtner: Wallner
habe dadurch einen Streit vom Zaun
gebrochen! Der Bischof sei in der Handhabung der Satzungen
völlig autonom!
14. 06. 05: Der Präsident des ZdK, Prof. Hans Joachim Meyer
kritisiert Müller scharf, sein Verhalten sei
beispiellos; eine einseitige Bewertung einer kritischen
Auffassung von Katholiken habe das
II. Vatikan. Konzil ausdrücklich verworfen.
Der Chef des Landeskomitees, Mangold, erklärt sich mit dem
Diözesanrat solidarisch, distanziert
sich aber vom harschen Ton der Kritik des ZdK.
20. 06. 05 Müller antwortet Meyer sehr knapp. U.a. unter
Berufung auf das II. Vaticanum und seine
einschlägige Umsetzung im CIC von 1983.
30. 06. 05 Meyer antwortet Müller: Im CIC seien lediglich Normen
für die Pastoralräte festgelegt, nicht
aber für Räte, die als Folge der Synode der Bistümer von
Würzburg 1975 entstanden seien
(Pfarrgemeinderäte und Diözesanräte). Die Beschlüsse und
Dokumente dieser Synode seien
von Papst Paul VI. ausdrücklich gutgeheissen worden. Müller sei
auf Meyers Argumente nicht
eingegangen, deshalb sei eine öffentliche Debatte über sein
Vorgehen und seine Position
unumgänglich.
14. 07. 05: Gegenfurtner: Der Bischof denke derzeit über neue
Formen der Mitwirkung von Laien nach.
Gegenfurtner schimpfte über die Laienvertretung, Wallner, das
ZdK und Prof. Meyer. Wallner
wolle Anteil haben am Hirtenamt des Bischofs. Wallners Renitenz
werfe die Frage auf, in welcher
Form ein Diözesan- oder Dekanatsrat weiter bestehe. Beim ZdK
habe man Heidenangst, dass
Müller in ein Wespennest stosse, denn er gewinne Aufgaben
zurück, die sich das ZdK im Laufe
der Jahre raffiniert unter die Nägel gerissen habe.
(Tatsache ist, dass die deutschen Vertretungen des Kirchenvolks
durch die Würzburger Synode
unabhängiger sind als sonst weltweit die Pastoralräte. Die
Beschlüsse der Synode wurden
tatsächlich von Paul VI. gutgeheissen , aber nicht in den
weltweiten CIC aufgenommen. -
Der Diözesanrat ist das höchste Laienorgan eines Bistums; es
besteht aus Vertretern der
Dekanatsräte, Verbände und weiteren Persönlichkeiten. Er
wählt seine Vertreter für das Landes-
und Zentralkomitee).
15. 07. 05: Müllers Sprecher, Dominik Wanner, erklärt: Eine
Abschaffung des Diözesanrates sei zu
keiner Zeit zur Debatte gestanden. Es tage eine Kommission, die
die Arbeit des Diözesanrates evaluiere,
die Mitarbeit eines Mitglieds des Diözesanrates sei nicht
notwendig. Wallner habe
allerdings ein falsches Kirchenverständnis, er solle öffentlich
sein schiefes Kirchenbild gerade
rücken , dann könne er wieder um ein Gespräch bitten.
(erstellt von Dr. Johannes Förg, Neuburg)
01.03.05
Kirchenvolksbegehren 10 Jahre - Was hat es
gebracht?
Wer vor 10 Jahren das Kirchenvolksbegehren unterstützt hat und
vor allem wer diese Zeit über seine Anliegen weiterhin im Rahmen
von Wir sind Kirche
aktiv vertreten hat, sollte sich hier kritisch nach dem Wert der
ganzen Aktion fragen. Verschiedene Aspekte möchte ich hier
ansprechen
Was hat sich in der Kirche verändert?
Man muss klar sagen, im Grunde (noch) nichts. Die Verunsicherung
unserer Kirchenleitungen ist so groß, dass sie zu Reformen nicht
mehr in der Lage sind.
Mit bürokratischen und disziplinären Maßnahmen versucht man
dringenden Fragen auszuweichen. Mit Rückzugsstrategien entfernt
man sich von den
Problemen der Gesellschaft und der Menschen weg. Verkündigung
und Frohbotschaft fallen aus. Es geht nur noch um Festigung und
Ausbau fest gefügter Strukturen. Das Beharren ist aber nicht ein
Zeichen von Stärke sondern von innerer Schwäche. Beispiele
dafür erlebten wir in unserer jüngsten Geschichte
zuhauf.
Wer von den Kirchenvolksbegehrern aktionistisch eingestellt ist
findet diese Lage deprimierend und nicht wenige von unseren
Mitstreitern haben
aufgegeben leider.
Kirche in der Gesellschaft
Die Aufgabe aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil sich den Fragen
der Zeit und den Erkenntnissen der Wissenschaft zu stellen fällt
unseren Kirchenleitungen
zunehmend schwerer, vor allem im Bereich der Anthropologie. Zum
Widerspruch zwischen Evangelium und Glaubensgrundsätzen auf der
einen Seite und
kirchlichen Anordnungen auf der anderen kommen noch die
Widersprüche zu neuen Erkenntnissen der Anthropologie. Die
Widersprüche werden von den
Kirchenleitungen entweder nicht wahrgenommen oder einfach
ignoriert. Wenn man die Themen kirchlicher Bildungseinrichtungen
untersucht, so sieht man eine
Flucht in Ästhetik, Folklore, Historie und Schöngeisterei.
Einfach absurd sind zum Beispiel die Anstrengungen des
Regensburger Bischofs jetzt die Theresia von
Konnersreuth selig zu sprechen. Er meint allen Ernstes, hiermit
den Glauben der Menschen unserer Zeit zu fördern.
Uns fehlt die Jugend
Die Hauptaktivisten des Kirchenvolksbegehrens sind Leute, die das
Konzil und die folgenden Neuansätze in unserer Kirche mit
Begeisterung aufgenommen
haben und weiterhin für unsere Kirche für absolut notwendig
halten. Dazu kamen aber viele Jüngere, die aus Gemeinden kommen
in denen der Aufbruchsgeist
des Konzils zum Tragen kam oder immer noch wirkt. Viele Jüngere
sind dann weggeblieben als wir uns nach der Unterschriftenaktion
organisierten. Ich habe
kein Problem mit der Vorstellung dass unsere Kirchenvolksbewegung
eines Tages selig entschläft und in der Kirchengeschichte als
Beweis dafür gilt, dass die
Kirche um die Jahrtausendwende sich nicht nur auf dem Rückzug
befunden hat. Ich rechne aber auch stark mit der Möglichkeit
dass neue Reformbestrebungen
entstehen und wir dann mit dabei sind. Jüngere Generationen
suchen sich erfahrungsgemäß immer eigene Formen. Die Zeichen
der Zeit kann man nur erkennen,
wenn man die Augen aufmacht.
Zeugnis geben und den eigenen Glauben stärken
Mit unserem Engagement, uns für die menschenfreundliche Kirche
des Zweiten Vatikanischen Konzils einzusetzen, setzen wir uns ja
nicht nur für irgendeine
äußere Kirchenreform ein sondern demonstrieren auch unseren
Glauben an einen menschenfreundlichen Gott. Dies ist nicht nur
für die Kirche von Bedeutung
sondern auch für die Gesellschaft. Sie braucht Beispiele dafür,
dass Religion nicht in fundamentalistischen Mauern verharren
muss, sondern selbstkritisch und
reformierbar sein kann.
Wolfgang Peter
01.03.05
Burg Rothenfels
An dieser Stelle möchte ich Burg Rothenfels vorstellen, eine
unabhängige katholische Bildungsstätte. Im Jahre 1919 hat der
Quickborn, eine
katholische Jugendbewegung diese Burg zwischen Marktheidenfeld
und Lohr am Main als zentralen Treffpunkt gekauft. In weiser
Voraussicht
wurde ein eV gegründet, der die wirtschaftliche und rechtliche
Sicherheit von Burg Rothenfels sicherstellen sollte. Dieser
Trägerverein ist immer
noch Besitzer und lädt zu seinen eigenen Tagungen ein (jährlich
über 50). Daneben wird es von verschiedenen Gruppen zu eigenen
Tagungen und
von Schulklassen als Schullandheim genützt. Das erstaunliche
ist, dass die Burg ohne Zuschüsse auskommt. Das ist ein
unschätzbarer Vorteil, denn
so ist sie völlig frei in der Themen und Referentenwahl. Eugen
Drewermann zB hat hier seine ersten Tagungen veranstaltet und
kommt jeden
Sommer wieder.
Die Bandbreite der Themen entspricht den traditionellen Themen
des Quickborn. Musische Tagungen befassen sich mit Tanzen,
Instrumentenbau,
Singen. Daneben stehen Literatur, Theologie, Philosophie,
Gesellschaft und Politik im Vordergrund. Eine Besonderheit sind
Veranstaltungen in denen
verschiedene Themen miteinander verbunden werden.
Die Krise der Akademien ist an Burg Rothenfels weitgehend
vorbeigegangen. Das liegt mit Sicherheit an den Veranstaltungen
die auch Themen aufgreifen
die nicht (oder noch nicht) im Trend der Zeit liegen. Ein
weiterer Pluspunkt sind der eigene Bildungsreferent und das
Engagement der Vereinsmitglieder.
In den siebziger Jahren wurde begonnen die Burg grundlegend zu
renovieren, was damals nur mit Hilfe erheblicher staatlicher
Zuschüsse möglich war. Die
Renovierung ist heute im Großen und Ganzen abgeschlossen. Die
romantische Umgebung und die reizvolle Landschaft sind natürlich
ein zusätzliches Plus.
Wer sich für das Programm interessiert wende sich an :
Verwaltung Burg Rothenfels, 97851 Rothenfels, Tel. 09393/99999,
e-mail: Verwaltung@burg-rothenfels.de
Wolfgang Peter
09.09.04
Reflexionen zum 2. Jahrzehnt der KirchenVolksBewegung.
Gründung
und Programm der KVB vor 10 Jahren waren eine überfällige
Aktion von katholischen Christen mit gesundem
Menschenverstand. Den Leuten der ersten Stunde und der ersten 10
Jahre gehört uneingeschränkt höchste Anerkennung.
Die KVB hat vielleicht noch keine zählbaren Erfolge errungen,
aber doch eine grundlegende Bewusstseinsveränderung in
der katholischen Kirche bewirkt.
Klugerweise beschränkte sich die Kritik der KVB an der
institutionalen Kirchenführung zunächst auf 5 besonders
brennende Einzelprobleme:
"Frohbotschaft
statt Drohbotschaft"
"Aufbau einer
geschwisterlichen Kirche",
"volle Gleichberechtigung der Frauen"
"freie Wahl
zwischen zölibatärer und nichtzölibatärer Lebensform
(der Priester)"
"positive
Bewertung der Sexualität"
Es gäbe m.E. noch viele andere Einzelpunkte, fossile
Denkstrukturen in der "etablierten"
Kirche anzugreifen.
Was mir aber
über diese Punkte
hinaus noch nicht so deutlich erscheint, ist ein Gesamtkonzept
(wenn man vielleicht von der
Formel Frohbotschaft statt Drohbotschaft absieht, die
aber doch sehr verwaschen klingt).
Wir wissen, was uns kritischen Christen an der katholischen Kirche n i c h t passt, wir haben aber m.E. noch zu wenig klar definiert, was wir denn s t a t t d e s s e n a n d e r s haben wollen. Meckern allein genügt nicht, wir brauchen ein klares Gegenkonzept.
Ich meine, dass uns Paulus im Korintherbrief ein Idealbild der Kirche anschaulich geschildert hat:
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist......Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie a n d e r e n n ü t z t . Denn wie
der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber e i n e n
e i n z i g e n L e i b bilden..... alle wurden mit dem einen Geist getränkt-
Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib, so gehört er doch zum Leib...- So aber gibt es viele Glieder und doch nur e i n e n L e i b.
In Christus sind wir alle Schwestern und Brüder, Glieder an einem Leib,
mit ganz unterschiedlichen Gnadengaben versehen. Hier ist Raum, damit eines der köstlichsten Geschenke Gottes, unser persönliches Charisma, unser ganzes kreatives Potential, sich entfalten kann - als Gegengeschenk an Gott und unsere Mitbrüder und schwestern . Damit nähren wir den Leib und werden gleichzeitig vom Leib ernährt. Kein Glied ist berechtigt, sich wichtiger als die anderen vorzukommen und sich über sie zu erheben; vielmehr ergänzen die Glieder einander und respektieren einander, wie es sich für die gleichwertigen Geschwister eines Vaters gehört. Sie alle hat der Vater ja gewollt. Wer sich über den Leib erhebt, schliesst sich selbst aus dieser Gemeinschaft aus.
Ihr aber sollt euch nicht Meister nennen lassen, denn nur einer ist euer Meister; ihr alle aber seid Brüder (Mt. 23/8). Und Jesus wird noch deutlicher: Was ihr dem geringsten meiner Brüder ( nicht) getan habt, habt ihr mir (nicht) getan. Das ist unsere Messlatte!
Wie genau es unsere Kirchenführung mit dieser Maxime genommen hat (und noch nimmt) , dazu muss man nicht erst an muslimische (Kreuzzüge) oder protestantische (Mischehe etc.) Geschwister Jesu erinnern; der Alltag liefert Beispiele genug.
Das Grundübel der Kirche ist m.E., dass unsere geistlichen Führer im Lauf der Zeit dieses geschwisterliche Prinzip mehr und mehr vergessen haben und sich zu
Theokraten entwickelten, die sich als Stellvertreter Gottes und somit als pseudounfehlbare Besserwisser verstanden und so eine Zweiklassenkirche schufen, um uns dummen Laien den angeblich allein seligmachenden Weg zu Gott zu weisen. Dabei kochten doch auch sie nur mit Wasser und begingen Fehler über Fehler, wie wir alle. Glaube wurde gleichgesetzt mit bedingungslosem Gehorsam gegenüber ihren Lehren. Christus hat euch zur Freiheit frei gemacht, ermuntert Paulus dagegen die Galater. Die Theokraten aber haben uns in ihrer Hybris erneut versklavt und bedienten sich dazu eines altbewährten Mittels: Der Angst.
Folgerichtig verkam das Anliegen Jesu, das Reich Gottes zu verkünden und die Menschen spirituell zu führen, zum blanken Konfessionalismus.
Fast 2 Jahrtausende hindurch wurde
unserer Spiritualität dieses Zwangsgeschirr übergestülpt,
verkam Frohbotschaft zu Drohbotschaft. D.h.: Die Botschaft
Jesu
wurde uns verfälscht übermittelt :
Abba war ein Gott, vor dem wir Angst zu haben hatten,
und nicht ein Gott, zu dem wir Vertrauen haben dürfen.
Kirchliche
Neubesinnung beinhaltet daher ein fundamentales
religiöses Umdenken. Sie
muss von einer Religion der Angst zur Religion des Vertrauens zurückfinden, muss den Menschen wieder spirituelle Heimat und Führung in ihren Grund-fragen anbieten. Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird gar nicht sein (Rahner).Wir müssen vom Gehorsamsglauben zum Überzeugungs-glauben zurückkehren (E. Biser). Wir dürfen Überzeugungen nicht mehr einfach gehorsam nachplappern, sondern müssen uns mit ihnen identifizieren können.
(Ratzinger verlangt in Dominus Jesus noch 2002 kindlichen Gehorsam!). Die Kirche darf nicht länger eine Institution sein, in der die Hirten die dummen Schäflein in den allein seligmachenden Pferch keilen, sondern die, wie der Herr, versucht, das einzelne Schäflein beim Namen zu rufen , persönlich anzusprechen, zu verstehen, anzunehmen und zu motivieren, in seinen spirituellen Nöten und Stärken. Zu nähren - und sich nähren zu lassen. Dies ist sicherlich nur möglich, wenn wir zur
geschwisterlichen Kirche zurückkehren, in der das Zweiklassendenken durch weit-
gehende Demokratisierung der kirchlichen Strukturen (etwa nach dem Vorbild
der altkatholischen Kirche) abgeschafft ist. Die grösste Stärke der Kirche ist ihre
Schwäche, aber umgekehrt ist auch ihre grösste Schwäche ihre Stärke.
Gemäss der Definition , die im Dokument Sensus fidelium des II. Vatikanums niedergelegt ist, kann das Volk Gottes i n s e i n e r G e s a m t
h e i t nicht irren, bringt etwa der Papst bei der Verkündigung eines Dogmas lediglich die Einsicht des gesamten Gottesvolkes zum Ausdruck. Wann aber ist das gesamte Volk Gottes schon einmal befragt worden? Wer kommt etwa auf Synoden schon zusammen? Doch nicht das gesamte Volk! So bleibt es oft bei gedanklicher Inzucht und verschrobenen Lehrmeinungen. In der altkatholischen Kirche wird bei Synoden das gesamte Volk einbezogen, und ein Bischof hat ebenso nur 1 Stimme, wie jeder Laie!
Wir sollten nicht übersehen, dass die Menschen draussen für die speziellen Auseinander-
setzungen der KVB mit der Kurie überwiegend kaum Verständnis haben. Was sie suchen, ist nicht Streit (sollen die doch erst einmal ihr eigenes Haus in Ordnung bringen), sondern spirituelle Heimat. Zwar dürfen wir die Kurie aus dem Clinch, in welchen wir sie mit unserer 5-Punkte-Einzelkritik gezwungen haben, nicht mehr entkommen lassen, aber diese Einzelkritik darf nur ein Teilaspekt eines umfassenden Konzepts sein: Rückkehr zum ursprünglichen Geist der Botschaft : Nicht Angst vor Gott, sondern Vertrauen zu Gott als unserem Vater; Jesus als unser Bruder und Begleiter; der Hl. Geist als unser Lenker; unser jetziges Leben als unfassbares Geschenk und Vorbereitung auf das vollkommene Glück; unser Leben als Antwort auf Gottes Geschenk; die Mitmenschen als Schwestern und Brüder, die sich gegenseitig begleiten, stabilisieren und ermutigen, auch dann, wenn es um Fragen geht, die uns auch die Botschaft nicht beantwortet (wie z. B., warum es Leid und Tod gibt).
Man muss anerkennen, dass seitens der Verkündigung durch den Klerus , etwa in der Form der Predigten, in den letzten 40 Jahren ein deutlicher Trend zu mehr Spiritualität zu erkennen ist. Zweifellos gibt es auch im Lager der Laien Bemühungen in dieser Richtung.
Im Bereich Augsburg gibt es z.B. erfreulicherweise mindestens 2 sehr ermutigende Initiativen : Das Montagsgebet (von Laien für Laien) und die theologische Reihe des kath. Frauenbundes (Vortragsreihe namhafter aufgeschlossener Theologen ).
Ich meine, dass ein Erfahrungsaustausch auf Bundesebene dem Anliegen sehr förderlich
wäre, diesen neuen Geist zu beleben.
Ein Wort noch zum Thema Gleichberechtigung/Frauenordination: Wir wissen aus der Apostelgeschichte , dass der Hl. Geist an Pfingsten auch auf die anwesenden Frauen herabkam; er machte da wohl keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Sicherlich haben auch diese Frauen damals in fremden Sprachen gesprochen (gepredigt!). Später lange, bevor sich ein Priesterstand etabliert hatte- leiteten sie Gottesdienste, spendeten Sakramente, legten Hände auf (apostolische Succession durch Frauen!). Sollten wir nicht, wie Petrus anlässlich der Taufe des Heiden Cornelius, einsehen, dass wir nicht unrein nennen dürfen, was Gott für rein erklärt hat? Wie ist es zu rechtfertigen, dass wir dem Hl. Geist, der durch berufene Frauen (Priesterinnen) zu uns sprechen will, den Mund verbieten? Was ihr der geringsten meiner Schwestern verweigert habt.....
(Dr. Johannes Förg, Neuburg)
Ich
träume Kirche
von Eleonore Beck
Ich träume Gemeinschaft in der freie Menschen
einander als Freie begegnen, unverstellt,
offen, - ohne Furcht voreinander - Worte
sagen, die von Herzen kommen.
Ich träume Gemeinschaft,in der jeder die eigene
Geschichte erzählen kann,
Irrtum und Versagen, getanes
Unrecht und erlittenes,
offen und ungeschönt geschwisterlich
im Aufeinander-Hören.
Ich träume Gemeinschaft in der
einer dem anderen
Hilfe anbietet und gewährt.
Geteilte Last ist halb so schwer.
Von Gemeinschaft träume ich, in der der Erste bei
den Letzten sitzt, die Schnellste mit dem Lahmen
geht, die Kinder lustig und laut
sein dürfen, die
Jungen auf die Alten achten und
die Alten auf die
Jungen: Gemeinschaft, die
Hoffnung teilt wie Brot
....... Ich träume Kirche.
15.08.04
Eberhard Gottsmann (Priester und Religionslehrer) verstarb am 23.
August 2000 in
Eschenbach i.d. Opf. im Alter von 52 Jahren
Hier ist sein eindrucksvolles geistliches Testament:
Zum Abschied an Euch alle!
Am 1. August 2000 habe ich ärztlicherseits erfahren, daß ich
einen fortgeschrittenen
Lebertumor habe. Von Anfang an habe ich diese Tatsache akzeptiert
und den weiteren
Verlauf vertrauensvoll in die Hände Gottes gegeben. Dadurch habe
ich keine sinnlosen
Energien aufbringen müssen für inneres Aufbegehren oder für
die Suche nach Strohhalmen,
an die ich mich noch hätte klammern können. Dieses Geschenk des
inneren Friedens
habe ich täglich sehr, sehr dankbar erfahren. Die verbleibende
Kraft diente der Ordnung
meiner Angelegenheiten, der Ausarbeitung meines "Geistlichen
Testaments" einschließlich
meiner Beerdigungsliturgie und dem Trost, den ich vielen Freunden
geben konnte, die
weitaus belasteter durch mein "Todesurteil" waren als
ich selbst.
Von allen meinen "Internetfreunden" verabschiede ich
mich hiermit und wünsche Ihnen,
daß Sie ebenfalls das Gottvertrauen aufbringen können und
einmal dasselbe Geschenk
des inneren Friedens erhalten, wie ich in meinen letzten Wochen.
Anstelle einer Predigt: Mein Geistliches Testament
Liebe Festgemeinde!
Sie haben sich nicht verhört, und es ist auch kein makabrer
Scherz von mir: dieser
gemeinsame Gottesdienst ist eine Feier, ein Fest. Denn jetzt, da
dieser Brief verlesen
wird, bin ich an meinem Ziel angekommen: bei Gott, meiner
Erfüllung und meinem ewigen
Glück. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Die weiße Farbe der
Meßgewänder, die
frohen Lieder und Texte, und das fröhliche anschließende
Beisammensein sollen das zum
Ausdruck bringen.
In den Tagen seit meiner sicheren Diagnose hatte ich viele
Gespräche, telefonisch und von
Angesicht. Die meisten waren verwundert oder verunsichert über
meine Gelassenheit, ja über
meinen Humor - trotz des sicheren "Todesurteils". Daher
möchte ich Ihnen sagen, was der
Grund für diese Haltung war.
Jahrelang habe ich im Unterricht, in Vorträgen oder Bibelstunden
begeistert von der Frohen
Botschaft gesprochen. Ich habe meiner sicheren Zuversicht
Ausdruck gegeben, daß unser
Gott die absolute, unverlierbare, bedingungslose und stets
verzeihende Liebe ist, die uns
Menschen niemals schaden wird, sondern im Gegenteil heilen und
glücklich machen möchte,
und der man nur völlig und uneingeschränkt vertrauen kann. Wer
mich kennt, weiß, daß das
keine leeren Worte waren, sondern aus innerster Überzeugung kam.
Und trotzdem waren das nur "Trockenübungen". Denn ich
hatte keine Ahnung, ob ich diese
Überzeugung, dieses Gottvertrauen auch durchhalten könnte, wenn
es mich einmal selbst
trifft - und zwar endgültig. Heute kann ich Ihnen sagen: es hat
durchgehalten und mich getragen,
und nicht nur mich: auch meine unmittelbare Umgebung, die Freunde
um mich.
Es tut mir leid, es Ihnen sagen zu müssen: kein einziger
Lehrsatz, kein einziges Dogma, keine
einzige Moralvorschrift oder kein einziges Lehrschreiben konnte
mir diesen Halt und diese
freudige Gelassenheit vermitteln. Es war einzig und allein die
Frohe Botschaft Jesu, die Botschaft
von der unendlichen Liebe Gottes!
Und noch etwas habe ich in den letzten Tagen meines Lebens klar
erkannt: diese Botschaft,
die wirklich leben läßt - selbst im Angesicht des Todes - wurde
jahrhundertelang in ihr Gegenteil
verzerrt. Die Angst vor Gott und vor der Hölle war das Ziel von
Predigten, Schuldgefühle wurden
erzeugt und das Gewissen manipuliert, die Freiheit der Menschen
wurde geknebelt - und das alles
im Namen des liebenden Gottes! Wieviele Menschen haben dadurch
ein verkrüppeltes Leben
geführt, wie viele sind mit angsterfüllten Augen gestorben! Und
das alles unter dem großartigen
Titel: Frohbotschaft!
Ich will mich jetzt wirklich nicht über die Gründe für solch
gotteslästerliche Lehren auslassen.
Aber Ängste, Verdrängungen, unbewußte oder bewußte Machtgier
der Verkündiger haben da
sicher eine entscheidende Rolle gespielt.
Nein, das soll jetzt kein Thema sein, obwohl ich oft genug Wut
und Zorn darüber empfunden habe.
Ich möchte Ihnen vielmehr die Summe meiner Lebenserkenntnis
sagen - in der Hoffnung, daß auch
Ihr Leben so glücklich werden kann, wie es meines war, und in
der Hoffnung, daß auch Sie einmal
Ihrem Tod so vertrauensvoll entgegensehen können, wie ich es
geschenkt bekam.
Die allerwichtigste Erkenntnis habe ich bereits erwähnt. Es ist
die Botschaft, daß Gott kein
rachsüchtiger, kleinlicher Tyrann ist - so wie wir es oft selbst
sind - sondern die reine, pure Liebe.
Und zwar eine Liebe, die keinerlei Bedingungen kennt, die man
niemals verlieren kann (wenn man
sich nicht selbst dagegen sperrt), und die unendlich groß ist.
Das Gleichnis vom Guten Vater - über
das ich immer wieder meditiert habe - bestätigt dieses
Gottesbild nur.
Wichtig ist aber, daß diese Gottesvorstellung nicht immer wieder
von menschlichen Vorstellungen
verfälscht wird. Denn in uns allen steckt gleichsam eine
natürliche Furcht von einem unheimlichen,
gefährlichen Wesen, das man mit Geschenken (also Opfern) oder
schönem Reden (also
ellenlangen Gebeten) beschwichtigen muß. Aber Jesus hat ein für
alle Mal klargestellt: das sind
rein menschliche Vorstellungen. Und die haben mit dem wirklichen,
wahren Gott nicht das
geringste zu tun!
Dazu kommt, daß wir all unsere kleinlichen Rachegedanken (wir
nennen es "Gerechtigkeit")
auf diesen Gott projizieren. Daher können wir es einfach nicht
fassen, daß dieser Gott eine
ganz andere Art von Gerechtigkeit übt. Würden wir endlich
einmal die Vorstellung vom
liebenden Gott konsequent weiterdenken, kämen wir von selbst
drauf: Liebe rächt sich nie!
Liebe beschränkt niemals die Freiheit! Liebe zwingt nie! Liebe
gebraucht nie Gewalt! Seine
"Gerechtigkeit" ist ein Rechtmachen, ein
In-Ordnung-bringen. Seine "Strafe" ist eine
Straffung dessen, was egoistisch verkrümmt ist. Und seine
"Vergeltung" ist ein Geltenlassen
dessen, was wir in Freiheit tun.
Natürlich müssen wir da mitmachen - wie gesagt, Liebe kann
nicht zwingen. Und genau
da beginnt meine zweite Erkenntnis, die mir vor allem die Tage
vor meinem Tod so
geholfen hat. Und die lautet:
Wenn Gott, wie Jesus sagt, die pure Liebe ist, dann will und wird
er uns nie etwas Böses.
Dann wird immer zum Heil und Glück führen, was immer er an uns
tut. Nur: seine Liebe
setzt sich in unserer Freiheit ihre Grenze. Wollen wir nicht
mitmachen, kann uns Gott
auch nicht in Ordnung bringen, heil machen. Ein Vergleich: wie
kann ein Zahnarzt
meine kariösen Zähne sanieren, wenn ich das Maul nicht
aufmache? Und darum habe
ich schon viele Jahre versucht, die einzig passende Antwort auf
seine Liebe einzuüben:
ihm immer mehr zu vertrauen und ihn nur machen zu lassen, in der
Gewißheit, daß es
zu meinem Besten ist, auch wenn ich es ganz anders haben möchte
oder noch nicht
einsehen kann. Das war oft gar nicht einfach, und in schweren
Fällen habe ich
viele Monate gebraucht, Ja zu sagen und seinen Willen restlos
anzunehmen. Und
wenn ich geglaubt habe: "Jetzt kann ich es!", dann hat
mich Gott in eine neue
Situation gestellt, in der ich erkannt habe, wie wenig weit mein
Gottvertrauen gediehen war.
Ich bin am Ende meines Lebens zur Überzeugung gekommen, daß der
Hauptsinn
meines - und wahrscheinlich auch Ihres - Lebens darin besteht,
dieses Vertrauen
immer stärker einzuüben.
Nebenbei: Ist es nicht interessant, daß "Glaube" im
Sprachgebrauch der Kirche meist
"Fürwahrhalten von Lehrsätzen" bedeutet, in der
Sprache Jesu dagegen immer "Vertrauen"?
Paßt sehr gut zur Kritik von vorhin. Immer wieder ermuntert uns
Jesus, diesem liebenden
Gott Vertrauen entgegenzubringen: "Vertraut auf Gott -
vertraut auf mich" - "Wenn ihr
nur Vertrauen so groß wie ein Sandkorn hättet, ihr könntet
Berge versetzen" - "Habt ihr
denn so wenig Vertrauen?"
Es ist aber nicht so, als würde Gott verlangen, einfach in den
Nebel hinein zu vertrauen.
Fast immer hat er mich - aber immer erst nach einem solchen Test
- einen Sinn erkennen
lassen, der mir während der "Katastrophe" völlig
verborgen geblieben ist. Wenn man das
immer und immer wieder erlebt, muß man schon ein ganz mieses
Gedächtnis haben, wenn
man nicht allmählich ein großes, tragendes Sinngefüge im Leben
erkennen kann.
Dieses Vertrauen habe ich lebenslang einüben können, und habe
es auch getan. Es wäre
wirklich zu spät gewesen, hätte ich erst im Moment der
Todesdiagnose zu üben begonnen.
Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: übt man dieses
Vertrauen immer wieder in
kleinen "Schicksalsschlägen", dann trägt es auch beim
letzten "Schicksal", dem Tod!
Ich bin Gott unendlich dankbar, daß er mir das Geschenk dieses
Vertrauens gemacht
hat und mir ermöglicht hat, damit auch andere anzustecken. Mein
Anteil war ja nur,
mich ihm immer wieder zu öffnen - denn im Grunde ist alles seine
Gnade: das Leben
selbst, die Erkenntnisse, die man gewinnt - und vor allem dieses
Gottvertrauen, das
auch in schwersten Stunden in wunderbarer Weise trägt und hält.
Daher gilt mein Dank auch ihm allein, wenn ich jetzt
zusammenfasse, durch wen er
mir Zeit meines Lebens Liebe und Vertrauen vermittelt hat:
- durch meine Eltern und Geschwister,
- durch manche meiner Lehrer und Schüler,
- durch einige meiner Mitbrüder,
- durch viele meiner Freunde, ganz besonders durch ganz bestimmte
Engel, auf
die ich mich immer bombenfest verlassen konnte und die mich in
den letzten Tagen
und Wochen meines Lebens so liebevoll gepflegt haben.
Vielleicht verstehen Sie nun, warum ich diesen Gottesdienst als
Freudenfest betrachte:
ich habe es nun geschafft, ich bin am Ziel, geborgen in der
unendlichen Liebe, der
mich nichts und niemand mehr entreißen kann. Dafür hat es sich
gelohnt zu leben,
und dafür hat es sich gelohnt, oft hart zu lernen.
Mein Wunsch für Sie alle:
- daß auch Sie erfahren, daß dieses Gottvertrauen auch in
schwersten Zeiten trägt und hält,
- daß Sie sich nicht vergiften lassen von einer falschen
Gotteslehre, und käme sie aus
höchsten kirchlichen Kreisen,
- daß Sie ihre gottgeschenkte Freiheit bewahren und sich von
keiner totalitären Hierarchie,
von keinem noch so "wohlmeinenden" Freund oder
Verwandten vom als richtig erkannten
Weg abbringen lassen,
- daß Sie stets einzig und allein Ihrem eigenen Gewissen und
Ihrem eigenen Verant-
wortungsgefühl verpflichtet fühlen - und beides niemals durch
einen anderen Menschen,
auch durch keine "Autorität" ersetzen lassen,
und schließlich:
- daß Sie die Liebe und Vergebung, die Sie täglich von Gott
empfangen, als "Engel" an
andere weitergeben.
Denken Sie daran: ich kann Ihnen nun näher sein als jemals im
Leben - und es ist nur
noch eine Frage der Zeit, wann wir uns wiedersehen. Ich freu mich
drauf!
AMEN
Aus der Diskussionsliste von "Wir sind Kirche":
Sieben Argumente gegen Männer im Pfarramt
1.Es ist für Frauen einfach nicht möglich, Männer in
Kleidern wie dem Talar zu akzeptieren.
2.Manche Männer sehen so gut aus, dass sie Frauen nur vom Beten
ablenken würden.
3.Männer sind zu emotional, um Pastoren zu sein.
Ihr Benehmen beim Fußball zeigt das deutlich
4.Der Platz eines Mannes ist in der Armee.
5.Männer sind zu sehr gefährdet, gewalttätig zu werden. Kein
wirklich männlicher Mann will einen Streit ohne einen
körperlichen Kampf beenden. Das zeigt schon, dass sie schlechte
Rollenvorbilder wären und auch in Leitungspositionen gefährlich
unstabil wären.
6.Allein schon der Körperbau eines Mannes zeigt, dass er viel
eher zu Aufgaben wie Bäume fällen oder Nahkampf mit Berglöwen
geeignet ist. Es wäre einfach unnatürlich für ihn, andere
Arbeiten zu verrichten.
7.Im Bericht des Neuen Testaments ist es ein Mann, der Jesus
verraten hat. So sind der mangelnde Glaube und die darauf
folgende Strafe zu einem Symbol der untergeordneten Rolle des
Mannes geworden, die er auch einnehmen sollte.
Gott im Computer
Unter den Texten, die ich für den Religionsunterricht in
meinen Computer gespeichert habe, befand sich eine Datei mit
Texten zu einer Unterrichtseinheit
"Gottesglaube-Atheismus". Im neuen Lehrplan für die
gymnasiale Oberstufe heißt diese Unterrichteinheit nun schlicht
"Gott". Diese Umbenennung hatte ungeahnte Folgen.
Nach den jüngsten Texteingaben in Gott will ich die Datei wieder
schließen. Dabei entspinnt sich ein tiefsinniger Dialog mit
meinem Computer.
Er fragt mich: "Möchten Sie die Änderungen in Gott
speichern?" (Mein Computer redet mich immer respektvoll mit
"Sie" an.)
Tapfer antworte ich "Ja" - den Gedanken an die
"Wandlungen Gottes" im Hinterkopf.
Der Computer erwidert: "Gott kann nicht geändert werden,
Gott ist schreibgeschützt."
Gott ist also schreibgeschützt. Ich weiß, was in diesem Fall zu
tun ist. Man muss nach den Eigenschaften Gottes suchen. Ich
klicke also <Datei>, dann <Eigenschaften> und
erfahre, dass Gott folgende Eigenschaften habe: Gott sei eine
Microsoft-Word-Datei. Er sei tatsächlich schreibgeschützt, aber
man könne den Schreibschutz auch aufheben, ihn also veränderbar
machen, was ich auch tue. Außerdem verrät mir mein Computer, wo
Gott zu finden sei, nämlich auf der Festplatte D. Mein Computer
sagt mir auch, dass er eine Statistik über Gott führe. Die will
ich sehen und erfahre: Gott besteht aus 76.863 Wörtern. Das
kommt mehr angemessen vor; es ist etwas weniger als "die
heilige Tora", die aus 119.985 Wörtern besteht (wie ich
ebenfalls von meinem Computer erfahre). Des Weiteren beanspruche
Gott 895 KB Raum. Eine weitere Eigenschaft Gottes sei, dass man
Gott auch ins Archiv aufnehmen können, was sich sehr beruhigend
anhört und was ich auch veranlasse. Außerdem könne man, wenn
man wolle, Gott auch verbergen, sodass in meinem Computer außer
mir niemand mehr Gott finden könne. Einerseits wäre das dem
"Deus absconditus" durchaus angemessen, aber wenn ich
dies täte, wäre das vermessen. Also lasse ich es bleiben.
Der Computer bietet mir auch an, Gott mit einem Passwort zu
schützen, sodass niemand zu ihm Zutritt hätte außer mir. Auch
diese Vermessenheit lasse ich lieber bleiben.
Ich weiß nicht, welche falsche Taste ich jetzt gedrückt habe.
Jedenfalls teilt mir mein Computer mit, dass er die soeben
geschehene Anwendung Gottes für ungültig halte und sie deshalb
geschlossen habe.
Ich hätte, sagt er mir vorwurfsvoll, einen schweren
Ausnahmefehler begangen. Es ist also endgültig geschehen: Gott
ist abgestürzt. Der Bildschirm wird grün.
Ob Gott noch zu retten ist? Ich starte erneut, voll banger
Hoffnung. Manchmal geschieht das Wunder. Und tatsächlich: Gott
erscheint! Nichts ist verloren gegangen und mein Computer meldet
beruhigend: Gott wiederhergestellt! Jetzt darf Gott nicht mehr
verloren gehen, also muss er sofort gespeichert werden. Ich
versuche also "Gott (wiederhergestellt)" unter
Gott zu speichern. Aber da hat mein Computer
offensichtlich theologische Bedenken und meint: "Gott
existiert bereits. Wollen Sie Gott, erstellt am 14. September
1998, durch Gott, zuletzt geändert am 17. Juni 2002, ersetzen?
" Es hat mich tief getroffen. Ich denke nach: Darf man Gott
durch eine geänderte Fassung seiner selbst ersetzen? Das ist
eine ganz schwere Frage.
Ich fälle schließlich die schwere Entscheidung, zuerst die alte
Datei zu entfernen. Also gebe ich meinem Computer den
blasphemischen Befehl, Gott zu löschen. Mein Computer wehrt sich
ein letztes Mal und fragt resignierend: "Soll Gott wirklich
in den Papierkorb verschoben werden?" Es ist mir nicht wohl
dabei, aber dann tu ich es. Denn ich weiß: Wenn Gott im
Papierkorb ist, dann ist er immer noch ein bisschen da. Mein
Computer bewahrt ihn dort solange für mich auf, bis ich ihn
wiederhaben will. Nur eines darf ich nicht tun: den Papierkorb
leeren.
Das mein Computer heimlich Theologie treibt, dessen bin ich mir
seit diesem Erlebnis sicher. Kann er womöglich auch glauben?
Brief von Annegret Laakmann vom 9. Juni 2003
Liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Liste,
aus Solidarität mit Pfarrer Bernhard Kroll haben wir - mein Mann
Heiner und ich - uns heute beim zuständigen Ortsbischof mit
folgendem Brief selber angezeigt: An den Bischof von Münster Dr.
Reinhard Lettmann 48135 Münster Haltern,
9. Juni 2003 Sehr geehrter Herr Bischof, da das
Kirchenrecht nicht nur für Kleriker sondern auch für Laien
Gültigkeit besitzt, setzen wir Sie als unseren zuständigen
Diözesanbischof davon in Kenntnis, dass wir uns am 31. Mai 2003
bei einer Abendmahlsfeier in der evangelischen Gethsemane Kirche
in Berlin, wie auch bei anderen, vorausgegangenen
Abendmahlsfeiern, durch Teilnahme am Abendmahl der verbotenen
Gottesdienstgemeinschaft schuldig gemacht haben. Wir
erwarten laut Can. 1365 CIC die Belegung mit einer gerechten
Strafe. Mit freundlichen Grüßen Annegret
Laakmann Heinrich
Laakmann Vielleicht können sich
einige mit ähnlichen Aktionen bei Ihrem Ortsbischof
anschließen.
Annegret Laakmann E-Mail: laakmann@ic-marl.de
Stand: 07. Dezember 2005
Der Webmaster Norbert Woletz ist
dankbar für Anregungen und Kritik