Wir über uns


Spielschar Waggum

Ihre ersten Anfänge gehen zurück ins Jahr 1960, als in der Gemeinde Waggum im Nordosten Braunschweigs die kombinierte 3. /4. Klasse der dreiklässigen Volksschule von Gerhard Siefert übernommen wurde. Gleich nach den Sommerferien richtete er einen Blockflötenkurs ein. Das Interesse der Kinder wurde im Lauf der Zeit so groß, dass die regulären Musikunterrichtsstunden nicht mehr ausreichten. Die 9 bis 10- jährigen Mädchen und Jungen trafen sich regelmäßig am Samstagnachmittag im Klassenraum, Kirchblick 1 zum Üben. Die eifrigen Flöter nannten sich zuerst „Flötengruppe“, gaben sich jedoch später den Namen „Spielschar“.

Die Kinder hatten so viel Freude am Musizieren, dass bald auch ein Altblockflöten- und ein Gitarrenkurs eingerichtet und nach und nach Orff-Instrumente angeschafft wurden. Ein geschickter Vater, Hans Höhne, fing an, Streichpsalter zu bauen. Die „Spielschar“-Aktivitäten begannen sich mit der Zeit immer mehr auszuweiten: bei mehrtägigen Aufenthalten im Schullandheim des Landkreises in Braunlage wurde nicht nur intensiv musiziert, sondern es wurde außerdem gewandert, getanzt, gespielt, geschwommen, Schlittschuh gelaufen und der Bau von Handpuppen in Angriff genommen. Nach und nach gab es in Waggum feste musikalische Angebote im Jahreslauf, z.B. Mai- bzw. Muttertagskonzerte im Bevenroder Pfarrgarten, Herbstmusizieren, Ausgestalten von Seniorenfeiern und als Jahreshöhepunkt Advents- und Weihnachtsmusik in der Waggumer Kirche.
Die Mitwirkung der Spielschar bei zahlreichen Feiern wurde hin und wieder mit einem Geldschein belohnt, was zum Ankauf von Perkussionsinstrumenten verwendet wurde.

Ein erster Höhepunkt für die Spielschar wurde im Sommer 1965 die Teilnahme an der <<Colonie Musicale>> in Prades (Südfrankreich), was als Besonderheit ein Ständchen für den berühmten Pablo Casals einschloss. Bei diesem Aufenthalt entwickelte sich die Freundschaft zwischen dem Musikpädagogen und späteren Direktor der Städtischen Musikschule Cachan, Michel Vergnault, und Gerhard Siefert, was ab 1966 die ersten gegenseitigen Besuche von Jugendgruppen zwischen Cachan und Waggum zur Folge hatte.
Im Jahr 1969 gründeten die Stadt Cachan unter der Leitung von Bürgermeister Jacques Carat und der Landkreis Braunschweig unter Landrat Carl Lauenstein eine offizielle Partnerschaft – ein wichtiger Beitrag zur deutsch-französischen Aussöhnung. Der Austausch dauerte bis 1983.

Im Jahr 1977 ergab sich für die Spielschar Waggum eine neue Beziehung mit Braunschweigs Partnerstadt Bath in England. Vermittler des Austausches mit der „Bath Society of Young Musicians“ war Ludwig Bley vom Jugendamt der Stadt Braunschweig. In dem musikalischen Leiter des englischen Jugendorchesters George Odam begegnete die Spielschar einem Menschen, der besonderes Geschick im Umgang mit jungen Menschen aufwies und der jede Gelegenheit nutzte, um in unseren jungen Musikanten das geschichtliche Bewusstsein für die Probleme unserer beiden Völker zu wecken.

Das Instrumentarium der „Spielschar“ war inzwischen immer mehr erweitert worden: Drum Sets, Congas, Bongos, Timbales, afrikanische Zanzas, Sistern, Plastikrohr-Querflöten, u.v.m. Mancher dieser Instrumente entstanden in Waggum selbst, nämlich in der Werkstatt von Walter Sievers, auch einem Spielschar Vater. Die Spieler durften selber dabei mithelfen.
Ab 1980 wurde das Instrumentarium der Spielschar um historische Blasinstrumente, wie Krummhörner und Pommer, erweitert. Während einer Freizeit in Helmershausen, der Stadt der Entstehung des Evangeliars Heinrich des Löwen, wurden Gemshörner gebaut. Mit diesem vielfältigen Instrumentarium wurden ganz unterschiedliche Musikrichtungen erarbeitet: z.B. irische Folklore, lateinamerikanische Musik, Kompositionen für Percussion, Musik des Mittelalters und der Rennaissance. Zusätzlich zu den Kinder- und Musiziergruppen entstanden im Lauf der Zeit ein „Erwachsenensemble“, eine „Rentnerband“ und ein „Mutti oder Omi lernt mit-Kurs“. Zuletzt bildete sich noch eine Gruppe der Dudelsackspieler, die häufig auftrat, nicht nur, wenn beim alljährlichen Krippenspiel Hirtenmusik gebraucht wurde.

Mit Gerhard Sieferts Tod am 25.Juli 1999 schien „seine“ Spielschar in Frage gestellt zu sein. Britta Kannengießer-Kindschuß erklärte sich jedoch bereit, die Nachfolge als Leiterin der Spielschar Waggum zu übernehmen. Sie brachte die Spielschar auf den neuen Weg Verein zu werden. Am 29.10.2003 war Gründungsversammlung und der Verein „Spielschar Waggum e.V.“ kann nun den Weg seines Gründungsvaters Gerhard Siefert weitergehen. Die Gruppen werden nun von vielen Übungsleitern übernommen und es ist schön, dass die Spielschar Waggum e.V. nach wie vor auf so viel Interesse stößt. So gibt es nun drei Gruppen der „musikalischen Früherziehung“, drei Gitarrengruppen, drei Blockflötengruppen, ein Orff-Jugendgruppe, eine mittelalterliche Gruppe „Freudenschrey“, ein Erwachsenenensemble und eine Rentnerband.

Marita Siefert