Vorüberlegungen und Kauf
Vor der Anschaffung eines Tieres sollte man sich immer über seine Haltung sowie seine Bedürfnisse informieren. Die
nachfolgenden Punkte sollen Euch daher darauf vorbereiten, was auf Euch zukommen kann und vor allem was Ihr beachten müsst,
wenn Ihr Euch Nymphensittiche als Haustiere anschaffen wollt.
1. Alter
Nymphensittiche leben im Durchschnitt 15 - 20 Jahre, sie können jedoch bei guter Haltung sehr viel älter werden.
Könnt Ihr so lange im Voraus planen und wollt Ihr die Verantwortung für so eine lange Zeit übernehmen?
2. Behausung und Kosten
Für Nymphensittiche sind die im Handel zu kaufenden Käfige viel zu klein. Sie können sich darin kaum bewegen und gehen sich darin
gegenseitig auch schnell auf die Nerven, streiten sich oder fangen an zu schreien, weil sie nicht ausgelastet sind.
Sie brauchen daher am besten eine Zimmervoliere in der sie auch einige Flügelschläge machen können, wenn sie drin sein müssen
und keinen Freiflug haben. Eine gute und ausreichend große Voliere kann gut 300 EUR oder mehr kosten.
Auch das Einstreu, Zubehör und Spielzeug kann auf Dauer recht teuer werden.
Hier kann allerdings nicht gespart werden, da Eure Nymphensittiche entsprechend mit Futter, Ergänzungsfuttermitteln, Einstreu
und Spielsachen versorgt werden müssen. Rechnet pro Monat mit gut 15 EUR, ohne größere Anschaffungen von Spielsachen.
3. Zeitfaktor
Natürlich muss auch bei Nymphensittichen täglich das Futter und Wasser erneuert und die Näpfe gereinigt werden. Auch Obst,
Gemüse und/oder Grünfutter in Form von Gräsern etc. sollte auf ihrem Speiseplan stehen.
Beachtet auch, dass Nymphensittiche sehr gewandte Flieger sind und täglich im Zimmer für
einige Stunden ihre Runden drehen müssen. Könnt Ihr diese Zeit einplanen?
4. Artgleicher Partner
Nymphensittiche sind, wie viele Vögel, Schwarmtiere und brauchen artgleiche Gesellschaft. Ein einzelner Nymphensittich wird
nicht glücklich bei Euch sein, da Ihr nicht rund um die Uhr bei ihm sein könnt. Artgleich ist zudem wichtig, weil z. B.
Wellensittiche und Nymphensittiche unterschiedliche Sprachen sprechen, es kann sich allenfalls eine Freundschaft entwickeln,
die allerdings nicht artgerecht sein wird. Daher plant bei der Anschaffung gleich zwei Nymphensittiche ein!
5. Schmutz und Zerstörung
Wie die meisten Haustiere machen auch Nymphensittiche eine Menge Dreck und vor ihren Schnäbeln ist kein Holz, keine Tapete
und kein Putz sicher. Daher sind giftige Pflanzen ebenso zu entfernen wie freiliegende Kabel, Menschenessen und sonstige
Gefahrenquellen. Mehr über mögliche Gefahrenquellen erfahrt Ihr im obigen Link. Aufgrund ihrer Puderdunen stauben Nymphensittiche
übrigens deutlich mehr als andere Sitticharten, so dass die Anschaffung eines Luftreinigers sinnvoll sein kann.
6. Urlaubszeit
Mit Nymphensittichen kann man durchaus auch in den Urlaub fahren. Doch wer wird sich um sie kümmern, wenn dies nicht möglich ist?
Gibt es entsprechende Tierpensionen in Eurer Umgebung oder versorgen Freunde/Verwandte die Tiere?
7. Krankheiten
Jedes Tier wird auch einmal krank. Einige bekommen nur selten etwas, andere sind Dauerbesucher beim Tierarzt. Und
Tierarztbesuche sind oft mit langen Fahrten verbunden, da es noch immer sehr wenige vogelkundige Tierärzte in den Städten gibt.
Die Kosten für Untersuchungen und Medikamente können schnell mehrere hundert Euro betragen. Könnt und wollt Ihr das für Eure
Nymphensittiche ausgeben?
8. Andere Haustiere
Nymphensittiche sind recht friedliche Vögel, sie sind aber auch sehr ängstlich Neuem gegenüber. Daher sind nachtaktive
Nager, Katzen oder hektische kleine Hunde keine geeigneten Haustiere neben ihnen. Eure Nymphensittiche sollten daher möglichst
in einem Zimmer stehen, wo diese Tiere sich nicht aufhalten. Zudem ist es immer sehr gefährlich Vögel in einem Zimmer mit Hund
oder Katze frei fliegen zu lassen. Auch wenn jahrelang nichts passiert ist, wäre ein Versuch sie
zusammenzulassen, sehr gefährlich, da Vögel in ihr Beuteschema gehören.
Auch eine Vergesellschaftung mit großen Sittich- oder gar Papageienarten ist nicht anzuraten, da diese die Nymphensittiche
verletzen oder sogar töten könnten, wenn sie in Brutstimmung sind und ihr Revier verteidigen wollen.
9. Allergien, Lärmempfindlichkeit
Wie schon eingangs erwähnt, stauben Nymphensittiche sehr stark, daher sollten Allergien vorab bei einem Allergologen abgeklärt
werden, vor allem dann, wenn schon Allergien bestehen und in der Familie jemand an Asthma erkrankt ist. Zudem sollte der guten
Nachbarschaft wegen geklärt werden, ob etwas gegen die Haltung spricht, denn auch wenn Nymphensittiche zu den Kleintieren zählen
und nicht vom Vermieter verboten werden können (zumindest dann nicht, wenn es sich um eine kleine Anzahl von Nymphensittichen
handelt), möchte man es sich ja nicht schon im Vorwege mit seinen Nachbarn verscherzen.
10. Sind Nymphensittiche geeignete Haustiere für Kinder?
Nymphensittiche sind keine Tiere, die sich gerne anfassen lassen. Ihre Zähmung erfordert sehr viel Geduld und Geschick. Zudem
ist eine Voliere nicht in
5 Minuten gereinigt, es können durchaus 2 Stunden dafür draufgehen, in der Euer Kind vielleicht lieber spielen möchte. Ein
Kind kann diese Verantwortung
und natürlich auch die oben angesprochenen Unterhaltungskosten nicht allein übernehmen.
Da Nymphensittiche eine recht hohe Lebenserwartung haben, muss gerade bei Kindern damit gerechnet werden, dass sie auf kurz
oder lang das Interesse an
dem gefiederten Haustier verlieren. Daher solltet Ihr Haustiere, die Ihr selbst mögt und um die Ihr Euch auch gerne
kümmern würdet, anschaffen, denn sonst verkümmern die Nymphensittiche mit Sicherheit irgendwann in ihrer Voliere oder
werden abgegeben, weil sich keiner mehr um sie kümmern mag. Wenn Ihr Euch für die Nymphensittiche begeistern könnt, dann
sicherlich auch Eure Kinder.
Wollt Ihr alles Vorstehende auf Euch nehmen?
Dann seid Ihr bereit für Eure ersten Nymphensittiche!
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Kauf eines Nymphensittichs
Nymphensittiche könnt Ihr in einer Zoohandlung, auf einer Börse, direkt beim Züchter oder im Tierheim erwerben.
Nachstehend findet Ihr einige Bemerkungen dazu.
Zoohandlungen
Leider wissen die Fachverkäufer oft gar nicht, wie Männchen und Weibchen bei einigen Farbschlägen zu unterscheiden oder
wie alt die Vögel wirklich sind. Sie geben daher meist inkorrekte Auskünfte, weil sie z. B. gehört haben, dass nur Hähne
große rote Wangenflecken und nur Hennen gebänderte Schwanzfedern besitzen, dies ist jedoch nicht korrekt, es hängt vom
Farbschlag ab. Deshalb werden oft Hennen als Hähne verkauft oder umgekehrt. Lest Euch daher am besten vorher die Seiten
Farben und Geschlecht sowie Verhalten durch, um gegebenenfalls selbst das Geschlecht zu bestimmen.
Ferner solltet Ihr wissen, dass die Vögel
in Zoohandlungen meistens sehr viel teurer als bei einem Züchter sind. Wildfarbene können somit zwischen 30 EUR bis 50 EUR
kosten, andere Farbschläge meistens sehr viel mehr.
Züchter
Ich denke es ist die beste Entscheidung, sich vom Züchter seine Nymphensittiche zu holen. Der Züchter kann Euch zudem
beraten und Tipps geben.
Ferner habt Ihr bei einem Züchter viel mehr Auswahl an Farbschlägen als in einer Zoohandlung und dieser ist ab 20 EUR
pro Vogel auch um einiges günstiger.
Die Preise variieren natürlich von Züchter zu Züchter und je nach Farbschlag.
Börsen
Von Börsen halte ich persönlich nicht sehr viel, da die Vögel dort in kleinen Käfigen zur Schau gestellt werden und man
nichts über deren vorherige
Haltung erfährt und es aufgrund des Stresses auch schnell zu Erkrankungen der Vögel kommen kann, die man ihnen zunächst
nicht ansieht. Daher sollte man lieber davon absehen auf Börsen Tiere zu kaufen.
Tierheim
Möchtet Ihr Nymphensittiche aus dem Tierheim aufnehmen, so beachtet dabei, dass man oftmals nicht viel über ihre
vorherige Haltung weiß und es sich auch um fehlgeprägte Vögel oder sehr scheue handeln kann.
Es bedarf oft sehr viel Geduld, damit gegenseitiges Vertrauen aufgebaut
werden kann.
Allerdings findet man gerade hier sehr viele liebenswerte und dankbare Geschöpfe, so dass ein Weg in ein Tierheim auch mit
einer guten Tat verbunden ist.
Was sonst noch zu beachten ist
Beobachtet die Nymphensittiche, die Euch gefallen, sehr genau. Am besten an verschiedenen Tagen und Zeiten, so dass Ihr
sehen könnt, wie sie sich verhalten. Sitzen sie ständig aufgeplustert in einer Ecke und schlafen, könnte dies ein Zeichen
dafür sein, dass sie krank sind. Solltet Ihr Euch nicht sicher sein, solltet Ihr die Nymphensittiche lieber nicht mitnehmen,
aber kauft auch keinen anderen Vogel aus diesem Bestand, er könnte sich ebenfalls angesteckt haben!
Vor dem Kauf
Lasst Euch Euren auserkorenen Nymphensittich bzw. Eure Nymphensittiche vor dem Kauf auf alle Fälle genau zeigen.
Hierbei achtet Ihr auf folgendes:
* Sind die Augen klar, glänzend und ohne Ausfluss?
* Ist das Gefieder sauber, glatt, gepflegt und vollständig?
* Ist die Kloake sauber?
* Ist der Schnabel nicht zu lang?
* Sind die Krallen nicht zu lang, haben sie die richtige Stellung?
Nach dem Kauf/Eingangscheck beim Tierarzt
Grundsätzlich ist es nicht verkehrt jeden Neuankömmling beim Tierarzt vorzustellen und diesen auf eventuelle Krankheiten
hin untersuchen zu lassen. Vögel verstecken Krankheiten meist sehr lange und gerade Neulinge in der Vogelhaltung wissen mit
so manchem Verhalten zunächst nichts anzufangen. Völlig stressfrei ist es, zu Beginn eine Kotprobe beim Tierarzt abzugeben.
Dieser wird den Kot auf eventuelle Parasiten untersuchen. Am besten legt Ihr nachts etwas weißes Papier auf den Käfigboden
oder etwas Frischhaltefolie und sammelt die Häufchen dann zeitnah mit einem alten Teelöffel o.ä. auf und gebt sie in eine
Filmdose oder eine Gefriertüte. Sammelt reichlich Kot und an verschiedenen Tageszeiten, denn Wurmeier und auch Kokzidien werden
nicht mit jedem Kothäufchen ausgeschieden! Achtet auch auf den Geruch und die Konsistenz der Häufchen,
einige Parasiten, wie z. B. Giardien, verursachen übelriechenden grünen Durchfall. Bei positivem Befund wird der Tierarzt eine
entsprechende Behandlung in die Wege leiten.
Sollte Euer Neuankömmling schon von Anfang an auffällig sein, apathisch dasitzen oder vielleicht sogar Durchfall haben,
erbrechen und schlecht fressen, geht bitte umgehend zu einem vogelkundigen Tierarzt und wartet nicht länger ab!
Ein weiterer bzw. weitere Nymphensittich/e zieht/ziehen ein
Wichtig beim Zusammenführen neuer Vögel ist, dass diese nicht sofort zu den Altvögeln gesetzt werden, sondern zuvor
tierärztlich untersucht werden! Leider wird dies oft vergessen und schon muss man alle Vögel einer Wurmkur oder gar anderen
Behandlungen unterziehen. Dies bereitet nicht nur Euch, sondern auch Euren alten Nymphensittichen sehr viel Stress, den Ihr durch
eine vorherige Untersuchung vermeiden könnt.
Bitte haltet Eure neuen Vögel nach Möglichkeit bis zum Abschluss aller Untersuchungen in einem separatem Raum. Falls Euch dies
nicht möglich ist, sollte zumindest jeglicher direkter Kontakt zwischen den Neuankömmlingen und den Altvögeln vermieden werden!
Sind alle Befunde negativ, könnt Ihr den Käfig mit Euren Neuankömmlingen neben die Voliere mit Euren Altvögeln
stellen. So können sich die Vögel schon einmal sehen und aus der Ferne kennenlernen.
Können Eure Nymphensittiche es vor Neugierde nicht mehr aushalten sich näher kennenzulernen, öffnet Ihr am besten erst einmal
die Tür der alten Nymphensittiche, so dass diese die Neuankömmlinge begrüßen können. Sodann könnt Ihr auch die Käfigtür der
neuen Nymphensittiche öffnen. Ihr braucht hiervor keine Scheu haben. In der Regel heften sich die Neuankömmlinge an die Altvögel
und orientieren sich auch an ihnen. Wenn Ihr Glück habt, dann gehen die neuen auch schon von alleine mit den alten in die
Voliere und erkunden diese.
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