Eingewöhnung und Zähmung
Bevor Eure neuen Mitbewohner einziehen, sollte ihre Behausung bereits fertig eingerichtet und mit Futter und Wasser
ausgestattet sein. Eine bei der obersten Sitzstange angebrachte Kolbenhirse erleichtert den kleinen Kobolden
ihren Einzug. So können sie dort schon etwas fressen, ohne sich großartig in ihrem neuen Heim bewegen zu müssen.
Die Neuankömmlinginge sind da
Meistens bekommt man seine gefiederten Freunde in einer Pappbox mit nach Hause. Hierin ist es dunkel und die Vögel können sich nicht erschrecken
und dabei verletzen. Transportiert man sie in einer eigenen Transportbox, sollte man diese möglichst etwas abdecken. Ist man
zu Hause angekommen, öffnet man vorsichtig eine Seite der Box und hält sie an die Käfigtür. Eine Transportbox kann man evtl. öffnen
und auf den Volierenboden stellen. Bei meinen hat es etwas gedauert bis sie in ihre neue Behausung gehüpft sind, deshalb wartet etwas ab
und klopft oder schüttelt die Kleinen auf keinen Fall aus der Box.
Sitzen die Vögel dann in ihrer Behausung, solltet Ihr sie erst einmal in Ruhe und am besten alleine lassen, damit sie sich
umsehen können. Wenn sie sich ab jetzt ein paar Stunden gar nicht bewegen, ist dies nichts ungewöhnliches,
sie prägen sich nämlich erst einmal ihre Umgebung ein. Mein Elmo war z. B. in der Zoohandlung sehr lebendig, daheim gab er am ersten
Tag gar keinen Laut von sich. Erst am zweiten Tag fing er an zu zwitschern.
In der Nacht solltet Ihr zunächst ein kleines Lämpchen anlassen, so dass sich die kleinen Vögel in ihrer fremden Umgebung
orientieren können. Viele Vögel erschrecken sich nämlich nachts, flattern im Käfig herum und verletzen sich dabei. Ein kleines
Licht, wie z. B. ein Nachtlicht für die Steckdose, soll dies verhindern. Achtet auch auf fremde Lichtquellen wie Autoscheinwerfer.
Zieht lieber die Vorhänge oder Jalousien zu, so dass keine aufblitzenden Lichter in das Zimmer dringen. Auch kleine Fliegen oder
Nachtschmetterlinge können Eure Vögel in der Nacht erschrecken. Nicht immer muss es einen Grund für den Night-Fright geben, denn
Eure Nymphensittiche können auch schlecht geschlafen haben und sich erschreckt haben. Wenn sie dann einmal von der Stange gefallen
sind, hilft ihnen das kleine Orientierungslicht sich wieder zu beruhigen und auf ihre Stange zurück zu finden.
Die ersten Tage
In den ersten Tagen solltet Ihr Euch in dem Zimmer, wo Eure Nymphensittiche leben, langsam fortbewegen, damit sie sich
an Euch und Eure Stimme gewöhnen können.
Haben sie sich schon etwas an die Abläufe und Geräusche gewöhnt, könnt Ihr etwas dichter an sie herangehen,
leise mit ihnen reden und sie beobachten. Jeder Nymphensittich reagiert hierauf anders. Sollten sie sich in einer Ecke
verstecken oder sogar panisch herumflattern, wenn Ihr Euch nähert, solltet Ihr ihnen noch etwas Zeit geben und Euch entfernen.
Am zweiten Tag müssen jedoch das Wasser erneuert sowie die leeren Hülsen aus dem Futternapf entfernt werden.
Geht dabei langsam und nicht hektisch vor und passt auf, dass Eure Nymphensittiche nicht aus der Käfigtür entwischen können, wenn
die Behausung über keine Futterklappen verfügt.
Wenn Eure Nymphensittiche keine große Scheu mehr vor Euch haben und auch neugierig zu Euch ans Gitter kommen, könnt Ihr
versuchen ihnen etwas Kolbenhirse durch das Gitter zu reichen. Wenn sie immer wieder zu Euch kommen, wenn Ihr etwas zu
futtern habt, könnt Ihr ihnen durch die Käfig- bzw. Volierentür etwas Kolbenhirse reichen. Achtet aber darauf, wie sie reagieren.
Haben sie Angst und fauchen, so nehmt Ihr Eure Hand wieder aus dem Käfig und redet leise mit ihnen, so dass sie merken, dass von
Euch keine Gefahr ausgeht. Wiederholt diese Schritte immer wieder.
Haben Eure Nymphensittiche dann begriffen, dass von Eurer Hand nichts gefährliches ausgeht, könnt Ihr diese bzw. einen Finger
vorsichtig vor ihren Bauch halten. Vielleicht trauen sie sich schon aufzusteigen. Sitzen sie dann auf Eurer Hand,
könnt Ihr die Kleinen erst einmal ganz doll loben! Setzt sie wieder auf ihren Sitzast und gebt ihnen etwas Kolbenhirse zur
Belohnung. Sollten Eure Nymphensittich einmal keine Lust haben auf Eure Hand zu kommen oder plötzlich wieder Angst vor ihr
haben, so zwingt sie nicht dazu aufzusteigen, sondern lasst sie in Ruhe. Sind sie müde oder mögen gerade nicht zu Euch kommen,
solltet Ihr dies akzeptieren und es einfach ein anderes Mal erneut versuchen.
Der erste Freiflug
Nach einer Woche ist es dann soweit. Die kleinen Neuankömmlinge dürfen das erste Mal im Zimmer fliegen!
Zuvor sollet Ihr jedoch alle gefährlichen Sachen aus dem Vogelzimmer entfernt haben, so dass sie sich nicht
verletzen oder etwas schädliches anknabbern können. Zudem solltet Ihr Euch für dieses Ereignis Zeit nehmen,
da es unter Umständen sein kann, dass der Freiflug etwas länger andauern wird.
Nachdem Ihr die Käfig- bzw. Volierentür aufgemacht habt, entfernt Ihr Euch ein wenig von der Behausung, so dass Eure
Nymphensittiche von allein herauskommen können und sich auch trauen.
Falls sie bereits auf die Hand oder ein Stöckchen gehen, könnt Ihr Eure Nymphensittiche auch so aus
ihrer Behausung holen.
Während des Freifluges solltet Ihr das Zimmer nur dann verlassen, wenn es wirklich vogelsicher ist. Es kann immer etwas ungeahntes
passieren, also bleibt immer bei ihnen oder setzt sie wieder rein, wenn Ihr das Zimmer für längere Zeit verlassen müsst!
Sollten Eure Nymphensittiche nach dem Ausflug nicht von selbst in ihre Behausung zurückkehren, so jagt sie bitte nicht
durch das Zimmer oder fangt sie mit der Hand ein. Eure Nymphensittiche würden Euch dies ganz sicher übel nehmen und in Zukunft
Angst vor Euch und Euren Händen haben!
Lassen sich die kleinen Kobolde gar nicht reinbewegen, wartet einfach bis sie Hunger haben. Reicht ihnen
etwas Kolbehirse, aber lasst sie nicht zu lange daran futtern, sie sollen ja nicht satt werden und draußen übernachten. Versucht
sie auf Eure Hand oder einen Stock zu locken und tragt sie sodann zur Behausung. Sollte Euch dies nicht gelingen, wartet
einfach bei geöffneter Käfig- bzw. Volierentür. Als Lockmittel könnt Ihr innen neben der Tür Kolbenhirse aufhängen.
Sitzen sie wieder drinnen, könnt Ihr die Tür schließen.
Sollten sie auch nach langer Wartezeit nicht in ihr Heim zurückkehren, lasst über Nacht einfach ein kleines Licht zur Orientierung
an. Es ist nicht schlimm, wenn Eure Kleinen die Nacht außerhalb des Käfigs/der Voliere übernachten, wenn Ihr alles abgesichert habt.
Vielleicht sind sie am nächsten Morgen dann ja schon freiwillig in ihr Heim zurückgekehrt.
In den nächsten Wochen
... übt Ihr immer wieder das auf die Hand steigen, vielleicht ja auch schon außerhalb ihrer Behausung. Dabei könnt Ihr
dann mit dem Zeigefinger versuchen sich dem Köpfchen zu nähern, aber bitte stets von vorn, so dass Eure Nymphensittiche Euch
sehen können. Weichen sie zurück oder fauchen, weicht Ihr mit Eurem Finger auch zurück! Ihr müsst wirklich viel Geduld haben.
Elmo und Poldi waren von Anfang an sehr zutraulich und hatten kaum Scheu, aber es gibt auch Nymphensittiche die sofort wegfliegen
und Angst haben. Hier müsst Ihr sehr einfühlsam sein und viel mit ihnen reden und sie belohnen, wenn sie auf die Hand gekommen sind.
Senken Eure Nymphensittiche das Köpfchen, ist dies eine Aufforderung zum Kraueln. Ihr könnt dann ganz vorsichtig die Federspitzen
berühren und ein wenig über sie streichen. Meine lieben es am meisten im Nacken oder unter dem Schnabel gestreichelt zu werden.
Genießen Eure Nymphensittiche das Kraueln, werden sie das Köpfchen von ganz allein hin- und herdrehen.
Für die Zukunft
Möchtet Ihr, dass Eure Nymphensittiche zahm bleiben, solltet Ihr ihnen immer wieder einige Minuten widmen und sich mit ihnen
beschäftigen, z. B. mit ihnen reden, sie auf Euren Fingern Treppchen steigen lassen, ihnen etwas vorpfeifen, sie belohnen.
Wie weit Ihr bei der Zähmung gehen wollt, ist Eure Entscheidung. Es kann ebenso schön sein nicht handzahmen Vögeln beim Kraueln,
Spielen und Putzen zuzusehen. Sollten Eure Nymphensittiche also nicht zahm werden, verliert nicht gleich die Geduld, denn jeder
Vogel hat einen individuellen Charakter. Wiederholt also immer wieder die ersten Schritte und seid geduldig mit Euren kleinen
Kobolden!
Ein kleiner Tipp
Lockt und belohnt Eure Nymphensittiche immer mit ihrem Lieblingsfressi. Dieses bekommen sie nur, wenn sie z. B. zu Euch gekommen
sind, es aus Eurer Hand fressen oder auf Eure Hand steigen.
Liebe geht auch bei Nymphensittichen durch den Magen.
Übungsstunden solltet Ihr am besten mittags oder abends einlegen. Zu diesen Uhrzeiten lernen Eure Nymphensittiche auch am
ehesten Melodien nachzupfeifen. In freier Natur sind dies die Stunden in denen Nymphensittiche zusammen sitzen und vor sich
hinbrabbeln.
Clickertraining
Habt Ihr und Eure Vögel Spass am Training gefunden und wollt gerne mehr trainieren und Euren Nymphensittichen etwas beibringen?
Dann könnte das Clickertraining für Euch und Eure Vögel das richtige Training sein. Auch für scheue Nymphensittichen eignet
sich dieses Training, da man hiermit Ängste abbauen und Vertrauen aufbauen kann.
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