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In
den Jahren 1880 bis 1885 wurde mit dem Bau der Eisenbahnbetriebswerkstatt
Oebisfelde begonnen. Neben einem 2-ständigen Lokschuppen umfasste dies eine
Drehscheibe, sowie Wasserturm und mehrere Nebengebäude. Der Aufbau fand noch
unter Leitung der "Magdeburger - Halberstädter Eisenbahngesellschaft"
statt, welche die bis dato den Bahnhof Oebisfelde erreichenden Strecken von (Spandau-
)Gardelegen - Oebisfelde - Hannover und Magdeburg - Oebisfelde besaß. Nach dem
Bau eines 3-ständigen Rechteckschuppens diente der erstgebaute 2-ständige
Rechteckschuppen zum Teil der Ausbesserung von Wagen. In einem Teil von ihm
wurde jedoch eine Brause- und Seltersfabrik installiert, welche die Eisenbahner
bis nach Lehrte und Stendal belieferte. Nach dem 2. Weltkrieg nutzten die
Eisenbahner den Schuppen als Kulturraum. Auf dem Fundament des 1. Lokschuppens
bestand zu Reichsbahn- Zeiten eine Wagenwäsche, die auch heute noch erkennbar
ist. Der 16 Lokomotiv-Stände umfassende Rundschuppen (später "L II")
wurde erst ab 1895 errichtet. In den Jahren 1910 - 1912 entstanden vor dem
Bahnbetriebswerk die ersten Wohnhäuser, sowie die Gaststätte "Zur
Erholung", später Betriebsgaststätte der Deutschen Reichsbahn. Ab 1914
erfolgt ein grundlegender Umbau des gesamten Betriebsgeländes. So wurden beide
Drehscheiben und Bekohlungskräne auf Elektro-Betrieb umgerüstet und an der östlichen Drehscheibe
entstand 1919 ein zweiter (Halb-) Rundschuppen ("L
I") mit einem 45m hohem Schornstein. Der neue Rundschuppen wurde 1922
nochmals auf nun 26 Stände erweitert. Vermutlich im selben Zeitraum entstand
auch en gesonderter Wasserturm. 1925 entstand ein neues
Verwaltungsgebäude (zuletzt Lokleitung) und ein Magazingebäude
(Betriebsstoffdepot) in ähnlicher
Bauweise zwischen dem alten und neuen Ringlokschuppen. Ebenfalls 1924/25 entstand der große Wasserturm mit einer Wasseraufbereitungs- und
Enteisungsanlage. Auf dem Gelände eines zugeschütteten Teiches südöstlich
vom neuen Rundschuppen (L II) entstand im Frühjahr 1925 eine Waggonausbesserungswerkstatt
mit einem 2-ständigen Rechteckschuppen, der auch heute noch existiert. Im Jahr
1936 verfügte das Bahnbetriebswerk Oebisfelde über ca. 170 Beschäftigte im
Maschinendienst, in der Wagenausbesserung und der Unterhaltung der maschinellen
Anlagen.
Bei einem Bombenangriff 1944 wurde der alte Wasserturm zerstört, kurz darauf
aber wieder aufgebaut. Zum Kriegsende
1945 waren im Bahnbetriebswerk 60 Lokführer und 60 Lokheizer beschäftigt.
Während der letzten Kriegsjahre waren insgesamt etwa 20 Lokomotiven der
Baureihen 55, 57, 74, 89, 93 und 94 in Oebisfelde beheimatet.
Die ersten Jahre nach dem Krieg waren
auch in Oebisfelde von dem Umstieg von Stein- auf Braunkohle gezeichnet.
Dampfmangel und damit einhergehende Zuglaufstörungen waren die Folge. 1949
wurde eine Lehrwerkstatt im Werkstattanbau des alten Ringlokschuppen 2
eingerichtet, die bereits 1956 wieder aufgelöst wurde. 1954 wurden hier bis zu
70 Lehrlinge vorrangig für den Bedarf im Bw Oebisfelde ausgebildet. An die Stelle der Lehrwerkstatt trat ab 1962 eine
Zentralwerkstatt des Vorrichtungsbaus. Der gesamte Personalbestand des
Bahnbetriebswerkes umfasste 1954 ca. 390 Beschäftigte.
Im selben Jahr (am 15. Juli) begann mit D 133 Köln - Magdeburg der
Interzonenzugverkehr via Oebisfelde. Bespannt wurden diese Züge von Lokomotiven
der Baureihe 03 und später 118. Ab 1958 kam in Verbindung mit zwei zyl.
Kohlebunkern ein Dampfkran an der Lokbekohlung zum Einsatz, welcher nach einem
Auffahrunfall 1961 durch einen EDK 6 ersetzt wurde. 1963 wurde im alten
Wasserturm aus den Anfangsjahren des Bahnbetriebswerkes, wo sich bis 1958 eine
Wasseraufbereitungs- und Enteisungsanlage befand, die chemische Reinigung für
Arbeitsbekleidung der RBD Magdeburg eingerichtet.
In den Jahren 1947-1949 waren 30-40 Lokomotiven der Baureihen 50, 55, 57, 74,
93, 94 und 89 in Oebisfelde zu Hause. Hinzu kamen 1949/50 noch 20 Lokomotiven
der Baureihe 50, die in der Kolonne 22 für Transporte in die Sowjetunion bis
1953 bereitstanden. Der Rangierdienst wurde mit Lokomotiven der Baureihen 55, 89
und 94 bewältigt. Ab 1963 beheimatete Oebisfelde auch die Baureihen 38 und 41,
die Baureihe 22 kam ab 1964 hinzu. Im Jahr 1964 gelangte zudem die erste
Diesellok in Form einer V15 in das Bahnbetriebswerk.
Ab 1968 begann die Ausbildung von Oebisfelder Lokführern auf Magdeburger
Lokomotiven der Baureihe V200 (später 120/220), welche vorwiegend im schweren
Güterverkehr Verwendung fanden. 12 Lokführer aus Oebisfelde besetzten dabei
planmäßig 3 Lokomotiven (später Ersatz durch Baureihe 132). In den 70er
Jahren unterhielt man im Bw Oebisfelde auch Magdeburger 41er und Haldenslebener
110er (bis 1974/75). Ab 1975 begann man mit der Zuführung der Baureihe 118 die
Reko-03er zu ersetzen, so dass zum Jahresende 1977 bereits 8 Lokomotiven der
Baureihe 118 den letzten 3 03ern gegenüberstanden. Erste 118 des Bw Oebisfelde
war 118 078. 1981 gelangte mit 119 004 die erste Lok dieser Baureihe zum
Bahnbetriebswerk Oebisfelde, wo sie letztendlich bis 1984 die Baureihe 41
ablöste. Die letzten Lokomotiven der Baureihe 50 verschwanden bereits 1982 aus
den Oebisfelder Bestandslisten.
1990
erreichten die Loks des Bw Oebisfelde die größten Entfernungen von ihrer
Heimatdienststelle. Wendebahnhöfe waren u.a. Hannover/Seelze, Frankfurt/Oder,
Neustrelitz und Saßnitz. Dabei beförderten Oebisfelder "U-Boote"
nicht nur Güterzüge, teils auch in Doppeltraktion, sondern auch zahlreiche
Eil- und D-Züge (später IR-Züge) auf den Relationen Hannover - Stendal -
Berlin, Wolfsburg - Stendal - Potsdam und Braunschweig - Magdeburg. Verbunden mit dem rapidem Absinken des Güterverkehrs
in den folgenden Jahren sank der
Bedarf an Oebisfelder Lokomotiven stetig. Der verbliebene Ringlokschuppen
erhielt im August 1990 eine neue Drehscheibe, die auch heute noch in Betrieb
ist. 1991 erneuerte man den Schuppenteil über der Achssenke (Gleis 23 - 26). Am 31.12.1994
verlagerte man zudem die chemische Reinigung für Arbeitsbekleidung nach
Wolfsburg.
Durch die Schließung des
Bahnbetriebswerkes Salzwedel 1993 bekam Oebisfelde weitere 219er neu
zugeteilt, was nicht mit dem tatsächlichen Bedarf übereinstimmte. Im Jahr
1993/94 war Oebisfelde somit das Bahnbetriebswerk, das den größten 219-Bestand
aufzuweisen hatte (ca. 40 Stück).
Am 16.
Februar 1995
wurde Oebisfelde als Einsatzstelle dem Betriebshof Stendal zugeteilt. Ab 1. Mai
1995 verlagerte man schrittweise die Fahrzeugunterhaltung nach Stendal. Die Aufgaben der Einsatzstelle lagen
fortan hauptsächlich in der Bespannung von Baustoffzügen und Bauzügen zum Bau der
Schnellfahrstrecke. In den Jahren 1996-1998 wurden noch 2
Lokomotiven der Baureihe 202, eine Lokomotive der Baureihe 219, sowie bis zu 6
Lokomotiven der Baureihe 346 von der Einsatzstelle Oebisfelde aus eingesetzt.
Je nach Bedarf waren auch noch 2 Magdeburger 232er im Bw anzutreffen. Die
Tankanlage wurde noch bis 1998 von Triebwagen der Baureihe 772 planmäßig
genutzt, die die Strecke
nach Salzwedel befuhren. Im Mai 1998 wurde die Lok-Einsatzstelle komplett aufgelöst.
Die Personaleinsatzstelle mit ihren verbliebenen 30 Lokführern bezog zeitgleich
das ehemalige DRK-Gebäude am Bahnhof. Im Juni 1998 fand zum Abschied
vom Bahnbetriebswerk noch einmal eine Abschiedsfeier mit kleiner Fahrzeugausstellung, Fotoausstellung, Führungen usw. statt. Damit
war das Kapitel "Bahnbetriebswerk Oebisfelde" nach gut 110 Jahren
beendet.
In der ehemaligen Wagenwerkstatt befindet sich seit 1996 der Metallrecycling-
und Metallverarbeitungsbetrieb "MTB
- Metallbau & Recycling GmbH", in dem bis 1999 auch ausgesonderte Schienenfahrzeuge zerlegt
wurden (hauptsächlich Güterwagen).
Seit 2000 ist die "Lappwaldbahn GmbH" im ehemaligen Bahnbetriebswerk
ansässig. Sie nutzt den Ringlokschuppen ("L I") sowie die Nebengleise
des Bw-Geländes zum Warten und Abstellen ihrer Fahrzeuge. Die
Tankanlage samt Kraftstoffbunker wurde Ende 2000 demontiert. Abgesehen vom
scheinbar "üblichen" Vandalismus hat es inzwischen auch mehrmals in
Nebengebäuden des ehemaligen Bahnbetriebswerkes gebrannt, so dass sich das Gelände
insgesamt in
einem ziemlich desolaten Zustand befindet. Der Bereich um den Kohlenbunker
gleicht inzwischen mehr einem Birken-Wäldchen. Gegenüber sämtlichen
Stellwerken des Bahnhofes wurde jedoch keines der alten Bahngebäude abgerissen (vom
großen Schornstein hinter dem Ringlokschuppen einmal abgesehen). Das kleine Beamten-Wohnhaus aus den Anfangsjahren
des Bahnbetriebswerkes wurde 2001 verkauft, steht aber weiterhin leer. Auch
die ehemalige Betriebsgaststätte befindet sich inzwischen in Privatbesitz. Im
Spätsommer 2003 setzte man die inzwischen durch Vandalismus beschädigte Drehscheibe wieder instand. 

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