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Anreise (45km)
Wir starten etwas spät von zu Haus und haben so nicht allzu viel Pufferzeit am Bahnhof. So sind wir dann ca. 15 Minuten vor Abfahrt des Zuges da. Ich kaufe mir noch schnell ein Stück Kuchen. Das Wetter ist heute sehr schön, nur noch etwas kühl. Die Ankunft des Zuges erfolgt ca. 5 Min verspätet. Eine Gruppe Frauen mit ihren Rädern steigt ebenfalls zu. Sie waren am Vorabend aus Berlin kommend gestrandet und hatten keinen Anschlusszug mehr erhalten.
Ansonsten ist die Zugfahrt „uneventful“. Bilderbuch Deutschland bei Sonnenschein. Ich kann es gar nicht abwarten und würde am liebsten schon in Hessen aussteigen und losfahren.
In Karlsruhe endet der Zug. Unser Anschlusszug sollte eigentlich am Bahnsteig gegenüber fahren, aber dort ist ein ICE angekündigt. Seltsam. Ich gehe in die Halle nach den Abfahrtzeiten schauen und siehe da unser Zug fährt heute von Gleis 8. Nun pressiert es aber. Ein älteres Paar, das auch den Zug nutzen will, quetscht sich samt Rädern noch mit in den Aufzug. Das dauert ... Dann mit dem nächsten Fahrstuhl wieder hoch auf Gleis 8. Hier wird der Zug gerade abgepfiffen. Wir sehen das Radabteil nicht und bleiben lieber zurück, denn der IRE ist ein Zug aus alten Silberling-Wagen. Unter einem Interregio-Express hatte ich mir etwas anderes vorgestellt.
Die Dame an der Info verweist uns auf eine S-Bahn vom Bahnhofvorplatz. Aber da müssten die beladenen Räder die Stufen der Straßenbahn hochgetragen werden. Also entscheiden wir uns für die nächste S-Bahn auf Gleis 8. Auch das ist eine Stadtbahn und wir müssen die Räder über die Stufen balancieren. Es gibt keine Klapptrittstufen bei diesem Wagentyp.
Beim Aussteigen in Rasstatt müssen wir die Räder auch noch die Stufen zum Bahnhoftunnel hinunter tragen - fängt gut an, diese Tour! Der hintere Ausgang des Tunnels ist dann zumindest ohne Stufe. Zunächst fahren wir dann zum Schloss. Danach irren etwas durch den Ort bis wir einen wunderschönen Radweg an der Murg finden. So erreichen wir die Rheinauen und bei Plittersdorf die erste Abzweigung Richtung nach Frankreich.
Hier stehen schon einige Radler und diskutieren. Aha – ein Schild weist darauf hin, dass die Fähre nicht in Betrieb ist. Das erspart uns einen Umweg zum Fähranleger und zurück – also geht’s es weiter geradeaus. Bald haben wir das Rheinufer erreicht und unterqueren eine Gitterbrücke. Hier müsste die nächste Möglichkeit sein, den Rhein zu queren doch ich habe keine Lust den richtigen Weg auf die Brücke zu suchen. Bei der nächsten möglichen Querung nahe Iffezheim landen wir auf einer breiten Straße mit viel LKW-Verkehr. Hier möchte meine Frau nicht fahren. Also fahren wir immer noch weiter geradeaus. In einer Baustelle verlieren wir den Weg und fahren einen kleinen Umweg, bis wir wieder auf den Rheindamm gelangen. Wir beobachten wie ein Motorboot verzweifelt auf einen Anhänger verladen werden soll, aber auch im dritten Anlauf wird es nichts. Überhaupt ist am und im Rhein viel los – Radfahrer, Fußgänger, Eiswagen, Boote, Frachtschiffe. Ist vielleicht auch kein Wunder, schließlich ist Sonntag heute und das Wetter wunderschön. Dann stehen wir unvermittelt am Fähranleger nach Drusenheim. Hier ist auch viel Betrieb. .. und alle wollen in Richtung Frankreich. Wir auch und mit dem Rad brauchen wir uns nicht einmal hinten anzustellen. So sind wir sehr schnell drüben und stellen verwundert fest, dass Fähre sogar kostenlos ist!
Nun heißt es, das Hotel zu finden, doch ehe wir uns versehen sind wir schon am Ortsrand. Hier kann es nicht mehr sein. Dann versuchen wir’s halt in die andere Richtung. Aber hier befinden wir uns kurz darauf im Ortszentrum, wo das Hotel aber auch nicht zu finden ist. Also anrufen und siehe da, wir waren erst auf dem richtigen Weg und hätten das Hotel sicherlich gefunden, wären wir nur 200m weiter gefahren. Das Haus und das Zimmer sind hübsch, nur die Luft scheint mir nicht so gut zu sein. Hinter dem Hotel befindet sich ein großes Chemiewerk. Die Räder können wir unter dem Vordach einer Scheune abstellen – dort stehen schon einige andere Räder.
Nach dem Duschen ist dann ein leckeres mehrgängiges Abendessen angesagt. Dass es zum Cappuccino noch eine Praline gibt, begeistert mich besonders. Was der Spaß gekostet hat, werden wir erst morgen beim Check-Out erfahren.
Nach Straßburg (45km)
Nach dem Frühstück führt uns der erste Weg ins Ortszentrum zum Bäcker, Verpflegung für den Tag kaufen. Anschließend geht es in die Rheinauen, wo es immer wie schöne Ausblicke auf stille Gewässer gibt. Bei Gambsheim müssen wir zunächst in Richtung der Schleuse. Die Straße von dort ist gesperrt. Ein Auto kommt und der Fahrer fragt wohin wir wollen. Er sagt, wir sollten auf dem Deich fahren, da auf der Straße Autotests durchgeführt würden und es für uns gefährlich wäre. Notgedrungen, wenn auch widerwillig leisten wir Folge. Zunächst fährt es sich auch ganz gut. Wir müssen noch eine Gruppe Gänse aufscheuchen, doch dann ist fast kein Weg mehr auf dem Deich zu erkennen. Da hier auch eine Kurve ist, vermuten wir hier das beschriebene Ende der Teststrecke. Wir setzen also unseren Weg unten auf der Straße fort.
Etwas unwohl ist mir dabei schon, aber es kommt weder von vorn noch von hinten ein Fahrzeug und eine Alternative haben wir zZt. eh nicht. Nach ca. 20Minuten höre ich von hinten ein Fahrzeug und fahre sofort an den Straßenrand, doch es ist nur ein Handwerker mit seinem Kombi. Kurz darauf folgt auch das Ende der Sperrung. Im Wald von Wantzenau machen wir eine Rast und ein Schmetterling macht es sich auf meinem Lenker für bestimmt 10 Minuten gemütlich, genug Zeit für einige Fotos. Nun gelangen wir in den Wald von Robertsau und damit schön in Straßburger Einzugsgebiet. Der Wald ist nett mit einem Bachlauf, Picknickplätzen etc. Direkt daran schließt sich der Schlosspark von Robertsau (parc de Pourtalès) an. Über den ganzen Park sind moderne Skulpturen verteilt. Manche hätte ich ohne Hinweis des Reiserführers (Dumont direkt Straßburg) nicht gefunden z.B. die 137 Bronzezwerge (nur vielleicht 15cm hoch). Andere wie der „Kricketspieler“ (soll ein Hase sein) sind leicht zu entdecken.
Nun ist die Strecke bis ins Zentrum von Straßburg leicht zu finden und es sind meist Radwege vorhanden. Da es noch früh ist, fahren wir zunächst zum Europäischen Parlament, das für Straßburg viel zu groß scheint, insbesondere im direkten Kontrast zu einigen Siedlungshäusern nebenan. Wenige Meter weiter hat der Fernsehsender ARTE seinen Sitz in einem ebenfalls modernen Gebäude. Direkt vor diesen Bauwerken verläuft die Ill und Ausflugsboote mit Touristen ziehen an uns vorüber. Die Stadt macht einen angenehmen wenig großstädtischen ersten Eindruck auf mich. Durch den Parc de l`Orangerie – hier gibt es sogar Störche – fahren wir zum Bassin de Remparts - dem Hafen. Hier liegen ein paar Flusskreuzfahrtschiffe. Nun haben wir unser Ziel fast erreicht, doch mit einmal geht es mir nicht gut, aber nach einer Pause und einem kleinen Umweg erreichen wir unser von außen unscheinbares Hotel. Die Räder kommen ganz unten in die Tiefgarage . Nur mit unserem Gepäck ist der winzige Fahrstuhl schon voll, so dass wir die Treppe nehmen. Im Erdgeschoss endet der Fahrstuhl. In der Lobby gibt es einen geringfügig größeren in den wir gerade auch noch passen.
Das Zimmer ist sehr modern eingerichtet und hat einen Langen Flur mit einigen Treppenstufen. Der Flur draußen als auch der im Zimmer sind recht dunkel. Direkt unter unserem Zimmer verkehrt die Straßenbahn.
Nachdem Duschen ist ein ersten Stadtrundgang angesagt. Bis zum Münster ist es vielleicht ein Kilometer. Wir halten die Augen nach einem Restaurant offen, doch die Auswahl ist zu groß. Wir landen schließlich bei einem Chinesen, doch das Essen ist anders als in Deutschland gewohnt – halt französisch. Wir sitzen draußen und es ziehen dunkle Wolken auf, aber der Regen bleibt aus. So ziehen wir später noch durch die Stadt und sehen uns die hell angestrahlten Gebäude an.
In Straßburg (0km)
Das Frühstücksbüffet ist sehr gut, nur die Raumhöhe ist nicht groß, so dass ich an einigen Stellen aufpassen muss, mir nicht den Kopf zu stoßen.
Dann ziehen wir durch die Stadt. Etwas Shopping in der Gran Rue, durch Petite France, Picknicken an der Ill, genießen die Aussicht von der Terrasse Panoramique du Barrage Vauban, bummeln über ins Place Kleber ins quirlige Shoppingsviertel.
Auch heute können wir draußen zu Abend essen, diesmal vegetarisch.
Nach Obernay (43 km)
Nachdem wir einige Ausfallstraßen überwunden haben und in einem Park gelandet sind gelangen wir zunächst entlang der Ill zum Kanal de la Bruche. Dieser erweist sich als Kleinod für Radfahrer und Wanderer. Schiffbar ist er nicht mehr, die Schleusen sind zerstört. Dafür führt ein guter befestigter Weg über viele Kilometer am Kanal entlang und wird nie langweilig. Wir sehen Schwäne, Kühe und Pferde, in der Entfernung mal ein Dorf, grüßen freundlich die anderen Radfahrer. Zweimal verlassen wir den Weg. Das erste Mal, um etwas fürs Picknick zu kaufen, denn wir haben am Kanal keinen Ort passiert, das zweite Mal ist der Weg gesperrt und wir müssen einen großen Umweg durch ein Industriegebiet fahren. Da wird uns erst wirklich klar, wie beschaulich wir es heute bisher hatten.
In Avolsheim verlässt der Weg den Kanal und führt nach Molsheim. Auch hier sehen wir wieder Störche diesmal auf einer Weide. Molsheim ist durch Bugatti bekannt und wir sehen im Ortszentrum tatsächlich einen solchen, denn in Kürze findet hier ein Bugatti-Treffen statt.
Leider ist die schönste Strecke vorbei, die Ausschilderung wird spärlicher und die Landschaft profaner. Durch die Weinberge gelangen wir nach Obernay und beziehen gleich unser Zimmer. Ich bin überwältig vom Ausblick auf die Dächer der Altstadt. Die Räder parken wieder einmal in der Tiefgarage.
Nach Scherwiller (27 km)
Heute ist Markttag in Obernay und wir schauen uns ausgiebig auf diesem um, bevor wir aufbrechen. Da wir nur eine sehr kurze Strecke geplant haben, können wir uns Zeit lassen.
Durch die Weinberge geht es zunächst nach Gertwiller, wo uns ein Hexenhäuschen (La Maison du Pain épices) überrascht. Auch Itterwiller gefällt uns gut. Dambach-La-Villé ist für seine gut erhaltenen Stadttore bekannt. Da wir Dambach nicht auf der geplanten Route verlassen, kommen wir aber direkt bei unserem Hotel vorbei - auch gut. Das Hotel ist ausgebucht, aber wir haben reserviert. Wir erhalten ein Behindertengerechtes Zimmer im Erdgeschoß. Unsere Räder müssen im Garten übernachten, würden aber mit einer Plane abgedeckt, verspricht man uns. Im nächsten Jahr würde aber ein Schuppen für Fahrräder gebaut. Da es erst früher Nachmittag ist ziehen wir zu Fuß los, mit dem Ziel eine der Burgen zu besuchen. Die Sonne ist inzwischen weitgehend verschwunden. Wir laufen durch die Weinberge und sehen ein wenig bei der Ernte zu. Auf den Wirtschaftswegen lässt es sich gut gehen, doch der letzte Teil des Weges scheint anspruchsvoller zu sein. So verzichten wir - nur mit Turnschuhen ausgestattet - doch lieber auf die Burg, aber die Wanderung ist auch so nett und zum Abschluß gelangen wir auch noch ins Ortszentrum von Scherwiller. Auch dieses ist, wie eigentlich alle Orte hier, hübsch zurecht gemacht.
Zum Abendessen gibt’s die Halbpension vom unserem Hotel. Besonders in Erinnerung geblieben, ist der mir Pilzcappuccino. Gewöhnungsbedürftig würde ich sagen.
Regen und ein gelbes Trikot (36km)
Heute soll es durch einige der schönsten und bekanntesten Orte gehen, doch kaum sind wir zum startklar , beginnt es zu regnen. Wir warten zunächst ab, aber es gibt keine deutliche Besserung. Also packen wir uns regenfest ein und losg geht es. Der ausgeschilderte Weg ist schön. Immer in der Ebene mit Blick auf die Vogesen, doch heute ist der Blick auf Haute Koenigsbourg getrübt. Bei einer Pause in Bergheim bleibt es zumindest trocken, so dass wir auf einer Sitzbank auf der Stadtmauer unser Gebäck verspeisen können. In Ribeauvillé regnet es wieder stark. Wir setzen uns draußen in ein Cafe unter die Markise in die Nähe unserer Räder. Zwei weitere Radler sind schon hier, aber jeder bleibt für sich. Später machen wir noch eine Runde durch den Ort, bevor es weiter geht. Nicht ganz steigungsfrei geht es durch die Weinberge. In den Regensachen ist das durchaus schweißtreibend.
So erreichen wir denn auch bald das Städtchen Riquewihr durchs obere Stadtor. Der Ort ist wirklich sehr hübsch, doch es ist auch viel Tourismus hier und die Läden komplett darauf eingestellt.
Ich dränge zur Weiterfahrt, für die wir die Autostraße wählen. Bis auf eine Situation ist der Verkehr auch OK, aber ein Autofahrer schneidet mich fast. Dafür werde ich von meiner Frau gescholten, da ich zu sehr mitten auf der Strasse fahren würde, was ich aber absichtlich tue um nicht in den Straßengraben gedrängt zu werden.
Bald geht es wieder auf einen netten Radweg und nach einem kürzeren Anstieg erreichen wir endlich unser Tagesziel Kaysersberg. Ich bin ehrlich überrascht, dass auch hier so viele Touristen zu finden sind. Vielleicht liegt es auch daran, dass es Freitagabend ist und daher viele Besucher über das Wochenende hier sind. Der Ort überrascht mich ebenfalls durch Größe und Schönheit. Unser modernes Hotel liegt am Ortsrand und die Räder kommen in die Garage unter unserem Zimmer.
Eine nette Begebenheit ereignet sich noch beim Abendessen im Ort. Zwei nicht mehr jugendliche Herren setzen sich neben uns und der Ältere fängt ein Gespräch mit uns an, indem er fragt, wie wir unterwegs wären. Zu Fuß? Mit dem Auto? Ach mit dem Fahrrad. Er sei früher auch viel mit dem Rad gefahren. Nun soll meine Frau seine damaligen Jahreskilometer raten. Sie steigert die Werte in 1000km-Schritten. Schließlich erfahren wir es weit über 30000km gewesen wären und er in den fünfziger Jahren bei der Tour de France im gelben Trikot gefahren wäre. Der Herr ist also eine lokale Berühmtheit, aber woher sollten wir das wissen?
Colmar (15km)
Heute haben wir nur eine sehr kurze Strecke nach Colmar zu fahren. So sind wir schon am späten Vormittag da. Zunächst ist es nebelig aber in Colmar angekommen haben wir auch schon wieder Sonnenschein. Wir müssen warten bis unser Zimmer im IBIS-Hotel fertig ist. Wir nutzen die Zeit für einen kleinen Imbiss. Dann beziehen wir uns Zimmer und bummeln anschließend durch die Stadt. Gegenüber Straßburg ist Colmar doch deutlich kleiner aber auch hier sind sehr viele Touristen unterwegs. Bald haben wir die wichtigsten Bauwerke gesehen und haben nun Zeit die Menschen zu beobachten. Die Suche nach einem passenden Lokal fürs Abendessen dauert einige Zeit und natürlich wählen wir das Lokal, das wir zuerst entdeckt hatten. Hier sitzen wir noch bis 21Uhr draußen.
Noch mehr Regen (25km)
Wieder beginnt es zu Regnen als wir starten wollen, doch wir lassen uns davon nicht beeindrucken. Dafür irren zunächst etwas herum, bis wir den richtigen Weg aus der Stadt gefunden haben. Der Feldweg auf den wir stoßen verzweigt plötzlich, was ich auf meiner Karte nicht nachvollziehen kann: Glücklicherweise begegnen wir gerade hier einem Spaziergänger, der uns die Richtung bestätigt. Die Strecke entlang eines Flüsschens ist dann ganz nett. Nachdem wir dieses Wässerchen verlassen haben wird es grau und feucht. Wir haben keine Verpflegung eingekauft und würden heute am Sonntag gern eine Pause in einem Gasthof machen, doch wir sehen keinen. Schließlich landen wir im Ortskern von Rouffach und es schüttet nur so aus den Wolken.
Gegenüber unserem trockenen Unterstand scheint ein Lokal zu sein, doch dort muss man draußen sitzen, wo uns der Sinn heute eher nach einem warmen Plätzchen steht. Der Regen hält unvermindert weitere 2 Stunden an. Wir sind ratlos. Bei dem Regen will meine Frau nicht weiterfahren. Wir schieben ein Stück durch den Ort, schauen kurz ins Museum im Rathaus – angenehm warm und trocken hier! Dann rufe ich ein Hotel aus unserem Reiseführer an – und sie haben noch Zimmer frei. Den Weg zum Hotel können Sie mir nicht beschreiben also suchen wir noch ein bisschen. Das Hotel sieht nett aus, doch das Restaurant wäre geschlossen sagt meine Frau. Zum Glück bezieht sich dies nur auf das Sterne-Restaurant. Die Brasserie wäre geöffnet, erfahre ich an der Rezeption. Ich erhalte drei Zimmerschlüssel und darf mir die Zimmer selbst ansehen, um mir eins aussuchen. Ich wähle die mittlere Kategorie - und meine Frau ist mit der Wahl auch zufrieden. Das ursprünglich gebuchte Hotel wird telefonisch abgesagt – ich mag diese Art der offenen Reservierung bis 18Uhr. Das Hotel hat auch ein Schwimmbad aber wir können uns nicht aufraffen, wir hatten genug Wasser heute. Zum Abendessen gibt’s dann Pizza in der Brasserie.
Zurück nach Deutschland (66km)
Am Morgen regnet es noch immer. So gehe ich im Geiste schon mal die Alternativen durch:
Nach dem guten Frühstück beraten wir uns und ich bin froh, dass meine Frau ebenfalls zur Variante d) tendiert.
Ich fotografiere das Hotel noch von draußen, dabei fällt mir das Schloss im Hintergrund auf. Ich kombiniere. Ein Logis de France mit Schwimmbad und mit einem Schlosshotel dahinter, davon habe ich schon gelesen. Kann es sein, dass Martin Würfl genau hier in diesem Hotel war. Die Recherche zu Hause ergibt, dass es genau so ist. Hier sein Reisebericht.
Als wir schließlich starten, regnet es nur noch leicht. Vorher haben wir an der Rezeption gebeten, dass gebuchte Logis de France zu stornieren, ob es geklappt hat erfahren wir leider nicht, da die Dame inzwischen bereits Feierabend gemacht hat.
Im nächsten Dorf kaufen wir noch ein paar Hörnchen und setzen dann den Weg in Richtung Rhein-Radweg über ruhige Strassen zwischen Maisfeldern fort.
Wir kommen gut voran mit einem Schnitt von mehr als 18km/h. Der Rheinradweg in Richtung Breisach ist sehr gut ausgebaut, doch im nächsten Ort verlieren wir diesen und landen auf einer recht viel befahrenen Straße. Mit Hilfe meiner Karte finden wir aber schnell auf den Radweg zurück. Kilometerweit begleiten uns dabei Maisfelder.
In Vogelgrun verfahren wir uns noch einmal, bevor wir auf die Rheinbrücke bei Breisach gelangen. In der Schleuse befindet sich gerade ein Kreuzfahrtschiff. Auf der deutschen Seite begeben wir uns gleich wieder auf den Dammweg am Rhein, diesmal in südlicher Richtung. Auf der Schotteroberfläche sind wir bei etwas Gegenwind nicht mehr ganz so flott. Nach ca. 10km verlassen wir den Uferweg in Richtung Oberrimsingen. Dabei stellen wir fest, dass die Rheinauen fast vollständig überflutet sind, unser Weg ist glücklicherweise aber nicht überspült. In Oberrimsingen ist dann endlich mal Zeit für eine Pause. Wir stellen die Räder auf dem Hof eines Gasthofs ab und gehen in den Gastraum, hoffend auch kurz vor 15Uhr noch etwas zu essen zu bekommen. Es gibt ausschließlich noch den heutigen Mittagstisch, nämlich Wildschweinbraten mit Rotkohl und dazu eine Suppe, was uns doch zu heftig ist. Wir ordern nur die Suppe und sind mit der Wahl durchaus zufrieden Die Wirtschaft scheint ein Familienbetrieb von Großmutter, Tochter und Enkelin zu sein, so schätzen wir die drei anwesenden Damen jedenfalls ein.
Nach ca. 45min Pause setzen wir unsere Fahrt entlang des Tunibergs fort. Bald folgt die erste Ausschilderung in Richtung Freiburg. Zwischendurch bestelle ich über HRS noch ein Hotel in Freiburg. Wir wollen nicht entlang der Bundesstrasse31 fahren, doch auf der gewählten Strecke ab Opfingen ist auch viel Autoverkehr. Dafür geht nun z.T. durch den Wald, außerdem hat es wieder begonnen leicht zu regnen, doch meine Frau fährt weiter ohne Regenjacke. Nachdem wir Freiburg erreicht haben wird es kompliziert. Wir haben nur die Adresse und den Namen des Hotels und die Infos dieses wäre in Freiburg-West ca. 2 km vom Hbf entfernt. Die ersten Radler die ich anspreche, kennen diese Adresse auch nicht, doch bald finden wir einen freundlichen Herrn, der einen Stadtplan mit sich führt. Gemeinsam mit einem weiteren Radler tüfteln wir über unserer Route. Ich versuche mir den Stadtplan einzuprägen, doch Brücken und Unterführungen verhindern, dass wir auf der Ideallinie bleiben. Zwischenzeitlich schaffe ich es auch noch, meine Frau abzuhängen. Nachdem wir uns wieder gefunden haben erreichen wir die gesuchte Strasse, nur um diese in der falschen Richtung entlang zu fahren. Also noch mal zurück. Das Hotel ist ein großer 7-stöckiger Klotz. Wie konnten wir den nur übersehen? Die Räder parken wieder einmal in der TG und mit dem Aufzug erreichen wir direkt unser Zimmer im 7.OG. mit schönem Ausblick.
Nach dem üblichen Programm machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Der Bus kommt gerade und wir kaufen ein 24h Ticket für 7,50€. Im Hbf machen wir eine Reservierung für die Rückfahrt am nächsten Tag. Danach bummeln wir durch die Innenstadt und suchen ein Speiselokal. Im Hotelrestaurant unserer Wahl ist leider alles belegt, so nehmen wir ein uriges Lokal zwei Häuser weiter, das gut besucht ist. Spezialität sind hier Röstis die wir – in verschiedenen Varianten auch wählen. Die Portion meiner Frau ist etwas klein und etwas Süßes passt bei mir auch immer noch in den Magen, also gönnen wir uns auch noch je ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte- über den günstigen Preis sind wir überrascht. Soviel kostet es zu Hause schon fast beim Bäcker. Anschließend geht es mit dem Bus ins Hotel zurück.
1. Abreisetag (ca.50km)
In dem Glauben um 13Uhr mit dem Zug zu fahren, lassen wir uns viel Zeit und warten mit dem Frühstück bis die Busladungen das Hotel verlassen haben. Dann essen wir erst einmal in Ruhe. Um 11Uhr sind wir trotz allem abreisebereit. So fahren wir mit den Rädern ins Zentrum, bummeln über den Markt am Münster und kaufen Reiseproviant. Beim dem heute wieder ganz angenehmen Wetter mit viel Sonnenschein, habe ich eigentlich keine Lust schon nach Hause zu fahren. Gegen 12:30 erreichen den Hbf. Eine erste Meldung über einen Zugausfall macht mich noch nicht skeptisch, als jedoch wenige Minuten vor der geplanten Ankunft ein ICE Richtung Norden abgekündigt wird und ein Busersatzverkehr angedroht wird, ahne ich schon was uns droht. Auf Nachfrage erfahre ich dann, dass auch unser IC den Bahnhof Freiburg heute nicht anfährt und wir den Bus nehmen sollen. Meine Frage nach unseren Fahrrädern sorgt für ein paar Stirnfalten beim Bahnbeamten. Der Computer bietet uns eine Alternative über Köln und Bremen an- Ankunft erst nach Mitternacht. Da wollen wir uns nicht antun. Ich reserviere daraufhin einen IC für den nächsten Tag sicherheitshalber zu etwas früherer Tageszeit.
Nun stehen wir vor der Entscheidung zurück zum Hotel oder auf Rad und ins Ungewisse. Nach einigem hin und her und Kartenstudium entscheiden wir uns für letzteres. Eine Entscheidung die noch einmal kurz in Frage gestellt wird, als wir ganz in der Nähe des Hotels landen. Dann finden wir aber gut aus der Stadt hinaus auch wenn die Gegend zunächst nicht sehr prosaisch ist entlang von diversen Plattenbausiedlung. Dass es inzwischen wieder zu regnen beginnt, trägt da auch nicht zur Steigerung der Stimmung bei, doch zum Glück ist’s nur von kurzer Dauer. Wir fahren nach der lokalen Ausschilderung der Radwege und haben uns einfach den entferntesten Ort in unsere Richtung – Norden- gesucht – Riegel am Kaiserstuhl. An zwei Abzweigungen werden wir von der Beschilderung allein gelassen finden aber auf den korrekten Weg zurück, wenn auch vielleicht nicht auf der kürzesten Route. Außerhalb der Stadt ist es auch wieder ganz nett, obwohl auch hier rechts und links wieder nur Mais steht. Gegen 15Uhr auf einem Friedhof eine Pause, wir haben schließlich noch nichts zu Mittag gegessen, aber Proviant für 6h Zugreise dabei. Dabei haben wir einen Ausblick auf den Kaiserstuhl und die Sendeanlagen auf dem Totenkopf.
Auch weiterhin bleibt der Weg nett. Die Strecke von Buchheim nach Nimburg war so nicht in der BikeLine-karte eingezeichnet, ist aber sehr hübsch. Das letzte Stück führt dann bis Riegel entlang der Bahntrasse und einen Triebwagen einer Privatbahn bekommen wir so auch zu sehen. In Riegel gibt’s ein großes Hotel, aber es ist noch viel zu früh, da das Wetter außerdem angenehm ist und sogar sonnig ist. Am Ortsrand fällt uns noch eine große Brauerei auf, dann müssen wir uns ein neues Ziel suchen. Lahr ist noch nicht ausgeschildert. So wird es Herbolzheim. Es geht vorbei an einer Burgruine (Ruine Lichteneck). Wir sammeln noch ein paar Äpfel am Wegesrand und düsen dann in flottem Tempo weiter. Zwischenzeitlich habe ich ein Zimmer in Offenburg reserviert und das ist auch gut so, da wir seit Riegel kein Hotel mehr gesehen haben, was aber auch mit der Radwegführung über Nebenstrassen und Feldwege zu tun haben kann. Außerdem haben wir ab Offenburg eine direkte Zugverbindung und müssen nicht mit weiterem Ungemach wegen Zugausfall oder Verspätung rechnen.
Nun sind wir parallel zur Bahnlinie Freiburg Offenburg unterwegs und ich steuere den Bahnhof Herbolzheim an: Ein Blick auf den Fahrplan zeigt, dass wir noch fast eine halbe Stunde bis zum nächsten Zug warten müssten. Also weiter, der nächste Bahnhof ist nicht weit nur ca. 5km. Nun behalte ich immer die Uhr im Auge und im nächsten Ort suche ich unter Zeitdruck den Bahnhof. Kurz nachdem wir auf dem Bahnsteig angekommen sind, läuft der Doppelstockzug auch schon ein. Der Steuerwagen mit dem Radabteil steht am anderen Ende des Bahnsteigs und wir müssen daher rennen. Aber der Zugführer hat uns gesehen und wartet. So sind wir wenige Minuten später in Offenburg.
In Offenburg starten wir natürlich wieder in die falsche Richtung, was wir erst am Ende der Straße bemerken. Das gebuchte Hotel ist in der Innenstadt nur wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt. Der Empfang im Hotel ist eher unterkühlt, der Herr kämpft mit einem PC-Problem und störe ich wohl nur. Zum Glück habe ich die gute Idee mir das Zimmer zunächst anzusehen, bevor wir unser Gepäck hinauf schleppen. Schon der Flur im 4. OG sieht nicht überzeugend aus, leere alte Regale stehen dort. Das Zimmer entpuppt sich als Raucherzimmer eingerichtet mit Möbel aus den 80ziger Jahren und auch das Badezimmer sieht entsprechend gelitten aus. Meiner Frau wird das nicht gefallen denke ich und so Frage ich den Herrn an der Rezeption nach einem Nichtraucherzimmer. Das hätte ich aber nicht vorbestellt. Vergessen murmele ich. Aber oh Wunder, ich erhalte einen anderen Zimmerschlüssel, diesmal für den dritten Stock. Und siehe da, hier sieht schon der Flur freundlicher aus, es stehen hier mit Büchern gefüllt Schränke und die Zimmereinrichtung ist bestimmt 15 Jahre jünger. Ist doch ganz nett hier. Warum nicht gleich so? Die Räder dürfen wir noch in der Garage im Hof unterstellen.
Wir bummeln am Abend noch durch die kleine Fußgängerzone und zum Abschluß gehen wir noch in das hübsche Hotel Sonne und essen eine Kleinigkeit. Dabei sind wir allein in einem sehr schönen Speisesaal eingerichtet im Stil der fünfziger Jahre. Ein schöner Abschluß!
2. Abreisetag
Noch einmal Frühstücksbuffet, das ganz gut ist. Dann gehen wir nochmals in die Fußgängerzone, denn unser Zug fährt erst um 11Uhr. Beim Check-Out stelle ich fest, dass der Herr vom gestrigen Abend wohl der Geschäftsführer sein muss. Dann holen wir unsere Räder und beladen diese für den kurzen Weg zum Bahnhof. Der Intercity-Zug ist pünktlich und so gelangen wir erstaunlicherweise auch pünktlich Heim.
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