ReiseBerichte
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Radtour Lauenburgische Seen
Unsere erste mehrtägige Fahrradtour
im Frühsommer 1996
Bericht über eine einwöchige Radtour im Bereich der Alten Salzstraße,
des Elbe-Lübeck-Kanals und der Lauenburgischen Seen
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Über ein Jahr hat es gedauert, bis aus der Idee einmal mit dem Fahrrad in den Urlaub zu Fahren - wenn auch nur für eine Woche - Wirklichkeit wurde. Angefangen hatte es mehr zufällig: Beim Kartenstudium fiehl mir der ELBE-Lübeck-Kanal auf und ich dachte, da kann man bestimmt gut mit dem Fahrrad entlang fahren. Dann folgte ein Artikel in der Zeitschrift Aktiv Radfahren über diese Strecke (als Wochendausflug). Zudem wurde vom einem Touristikverband mehrfach im Reiseteil unserer Lokalzeitung die Alte Salzstraße beworben. Als wir dann von der ITB96 eine Karte mit Radwegen im Herzogtum Lauenburg mitbrachten, war die Sache so gut wie entschieden. Ende Juni wollten wir zu unsere ersten mehrtägigen Radtour starten.
Eine kurzfristige Einladung zu einer Geburtstagsfeier verschob den Starttermin um einen Tag - dafür mußte die Reiseroute aber umgeplant werden. Die Hotels waren nämlich schon reserviert und durch die neue Route brauchte ich nur eine Reservierung zu ändern.
So geht es eines Sonntags morgen in aller Frühe per Rad zum Bahnhof. Es ist noch nichts vom Sommer zu spüren - die Luft ist kühl und der Himmel sehr grau. Mit dem Interregio wollen wir nach Hamburg fahren und von dort in Richtung Sachsenwald. Der IR wird pünktlich bereitgestellt, aber mit den Wagennummern stimmt etwas nicht! Der Zug steht in umgekehrter Richtung auf dem Bahnsteig fährt schließlich auch in die falschen Richtung ab.
Wo fahren wir denn jetzt hin? Sind wir auch im richtigen Zug? Nach 15 Minuten kommt endlich die Erleichterung: Wir sind auf der richtigen Strecke - aber mit einer halben Stunde Verspätung! Das einzige andere Radlerpaar im Zug macht sich große Sorgen um Ihren Anschlußzug. Wir wollen nur mit der S-Bahn weiter und so bleiben wir ganz cool. Das Umsteigen in Hamburg-Hauptbahnhof ist dank Rolltreppe und Fahrstuhl problemlos. Die nächste S-Bahn verkehrt aber nur bis HH-Bergedorf. Dort stellen wir fest, daß der nächste Zug nach Aumühle erst in einer halben Stunde fährt.
Also aufs Rad und gleich los. Leider haben wir nicht mit dem Ausbau der Bahnstrecke HH - Berlin gerechnet. Ein Bahnübergang nach dem anderen ist geschlossen und unsere Karte nicht detailliert genug, um den nächsten schnell zu finden.
Nach über einer Stunde erreichen wir auf einer kleinen vielbefahrenen staubigen Umleitung den Garten der Schmetterlinge in Aumühle. Froh ihn noch gefunden zu haben, stürzen wir uns ins schwülwarme Gewächshaus, in dem die bunten Gesellen umherflattern. Beim Hinausgehen erspähe ich eine Radwegekarte des Herzogtums Lauenburgs, die ich sofort käuflich erwerbe - damit wir nicht noch einmal so herumirren müssen.
Durch den Sachsenwald setzen wir unsere Reise fort. Wir haben natürlich den falschen Weg erwischt und befinden uns schließlich auf einer großen einsamen Betonpiste. Das Studium der neu erworbenen Karte ergibt, daß es sich um einem Truppenübungsplatz handeln muß. Also nichts wie weg hier! Doch kurz bevor wir das Gelände verlassen, kommt uns eine größere Gruppe Radler entgegen - der Übungsplatz ist scheinbar keiner mehr.
Im nächsten Dorf d.h. in Sahms entdeckt meine Frau auf dem Dach eines Bauernhauses ein Storchenpaar. Wir nutzen den Anblick zu einer kleinen Rast direkt vor der Feldsteinkirche aus dem Jahr 1811. Auf einem gekennzeichneten Radweg sollte es weitergehen zum Schloß Wotersen, dem Drehort der ZDF Serie Guldenburg. Die Ausschilderung ist jedoch so klein, daß wir sie übersehen haben. Wir sind schon 50 km gefahren, der Himmel hängt voll dunkler Wolken, die Strecke geht bergan und die Kondition meiner Frau geht zu ende und nun fahren wir einen Umweg nach dem anderen.
Bei dem trüben Wetter sieht das Schloß - eigentlich ist es nur ein Herrenhaus - eher trostlos aus. Wir ruhen ins im kleinen Schloßkaffee bei warmen Getränken aus. Wir sind die einzigen Gäste am späten Sonntag nachmittag und nach uns wird das Lokal geschlossen.
Langsam fahren wir wieder los - wir haben ein Zimmer am Rand von Mölln bestellt - und irgendwann erreichen wir dann Mölln am Elbe-Lübeck-Kanal. Jetzt müssen wir nur noch den Ort durchqueren - so dachten wir. Doch das kleine Hotel liegt weiter vom Ort entfernt als wir erwarteten und die Strecke geht recht steil bergauf - also auch noch schieben. Als nun auch noch leichter Nieselregen einsetze, ist die Stimmung auf dem Nullpunkt angelangt. Aber gegen 19 Uhr erreichen wir glücklich unser kleines nettes Hotel, das für die Strapazen entschädigte! Fast 70 km am ersten Tag ohne Training und mit City-Rädern mit 3 bzw. 5-Gängen schien uns mehr als reichlich.
Zu einem Stadtbummel und anschließend wieder den Berg hinauf zum Hotel sind wir aber nicht mehr aufgelegt. So bleibt nur eine Mahlzeit im leeren Hotelrestaurant und dann aufs Zimmer. - Unsere Räder stehen derweil trocken und bestens geparkt in einem Gartengeräteschuppen.
Am Morgen geht's wieder hinunter in den Ort, der Fahrtwind ist richtig kalt. Beim Rundgang durch den Ort müssen wir dann sogar die Regenjacken auspacken. Also schwingen wir uns auf die Räder und fahren durch die Wald- und Seenlandschaft des Hellbachtales in Richtung Zarrentin. Mittags erreichen wir die Landesgrenze von "Meck-Pom", wo wir einen Fotostop machen. In den nächsten kleinen Orten sehen wir mehrere Storchennester. Stolz wird uns erzählt, daß die Störche seit vielen Jahren regelmäßig wiederkommen. Leider gibt es keine Radwege mehr, deshalb beschließen wir einen Umweg durch kleine Dörfer zu fahren. Vielleicht ist dort weniger Verkehr! Unvermittelt stehen wir vor einer vielbefahrenen Bundesstraße. Unsere Karte ist hier zu ende, aber Angesicht des Tempos auf der Bundesstraße beschließen wir geradeaus auf einer kleinen Straße weiterzufahren. Durch ein Neubaugebiet gelangen wir tatsächlich direkt nach Zarrentin und stehen unvermittelt vor dem Schalsee. Da es erst früher Nachmittag ist, fahren wir noch ein Stück am ruhigen See entlang, bevor wir das Hotel aufsuchen.
Das Hotel ist ein schöner Neubau mit skandinavisch eingerichteten Zimmern. Die Räder finden auf dem Hof Platz. Auf der Hauptstraße kann man sich trotz einiger Neubauten und neu eingerichteter Läden noch gut vorstellen, wie es vor der "Wende" ausgesehen haben mag. Abends gibt es im Hotelrestaurant Bauernfrühstück - genau das Richtige für hungrige Radler.
Am Ostufer fahren wir den Schalsee entlang und plötzlich kreuzt ein Reh unseren Weg. Die Strecke ist schlecht und endet plötzlich im nichts, also müssen wir auf die Kopfsteinpflasterstraße ausweichen. Noch einmal suchen wir nach einem besseren Weg und schieben bald unsere Räder auf schmalen Wegen durch den Wald. Also entschließen wir uns besser wieder auf der Straße nach zu fahren. Als Highlight unterwegs besuchen wir eine kleine Ausstellung der Nationalparkverwaltung. Wir kommen durch winzige Orte mit z.T. verfallenen Reetdachhäuser, aber auch einige luxuriöse neue Einfamilienhäuser sehen wir. Die Attraktion für uns im nächsten Dorf ist ein rollender Supermarkt, so etwas haben wir Stadtmenschen schon lange nicht mehr gesehen.
Über eine Brücke gelangen wir bei Dutzow zurück in den Kreis Lauenburg. Bald treffen wir am Pfuhlsee ein paar Kanuten und beobachten wie sie eine sehr niedrige Brücke unterfahren. Auf unserem weiteren Weg sehen wir sie immer wieder draußen auf dem See. Wir beneiden sie ein bißchen, da sie immer den See und das Schliff sehen können, während wir meistens durch Wald fahren und uns über jeden Blick auf die Seen freuen. In Salem gibt es einem großen Campingplatz aber nur ein Hotel und das gemütliche Restaurant des Hotels hat heute als einziges im Ort geöffnet. So kommt es, das wir hier "unsere" Kanuten wiedersehen. Spezialität ist heute ein Süßwasserfisch aus einem der Seen.
Der Morgen ist wie die vorherigen wieder kühl. Mit 5 Schichten bekleidet - d.h. Unterhemd, T-Shirt, Poloshirt, Sweatshirt und Windjacke - ist es gerade gut auszuhalten und das Ende Juni. Durch Wald und Feld geht es heute morgen in Richtung Ratzeburg, daß wir heute aber nur streifen wollen, nachdem wir im MiniMal unser Proviant aufgefüllt haben, fahren wir am Seeufer entlang bis zum Schiffsanleger Rothenhusen am Nordufer des Ratzeburger Sees. Zeit für ein Mittagspicknik.
Da die Schiffe Richtung Lübeck keine Fahrräder mitnehmen, müssen wir an einer viel befahrenen Straße (B207) entlang Richtung Lübeck.
Anmerkung: Im Dezember 2006 erreichte mich eine Email mit dem Hinweis, dass die Schiff von Rothenhusen nach Lübeck
Räder mitnehmen und dieses im Sommer auch reichlich genutzt wird.
Die Aussicht auf 10 km im dichten Autoverkehr läßt uns nach einer Alternative suchen, und wir finden Sie - und was für eine. Nach wenigen Kilometern verlassen wir in Kleingrönau die Straße und fahren durch einen Wald zur Wakenitz. Der Fluß bietet einen herrlichen Anblick. Eine echte Naturlandschaft - mal ist er so breit wie ein See dann wieder schmaler. Durch Kleingarten- und Parkanlagen am Wasser entlang fahren wir fast bis ins Zentrum von Lübeck. Einen schöneren Weg in eine Großstadt kann man sich kaum vorstellen.
Einmal quer durch die Innenstadt und wir stehen vor unserem Hotel direkt am Holstentor. Das Zimmer im Ringhotel ist sehr schön und modern mit Minibar und allem - aber nicht sehr groß. Nur wohin mit unseren Rädern? An der Rezeption bietet man uns an, die Räder in den Putzraum zu stellen. So tragen wir die Räder in den ersten Stock und stellen sie im Raum für die Putzgeräte, der gleichzeitig Umkleideraum ist, ab und begeben uns auf einen Stadtbummel ins historische Lübeck.
Abends findet das Halbfinalspiel EM-Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft statt. Nach dem Sieg der deutschen Mannschaft hören wir bis in die Nacht die Fans im Freudentaumel durch die Lübecker City fahren.
Meine Frau pocht auf einen fahrradfreien Tag und somit nehmen wir den Doppeldeckerbus nach Travemünde. Dort beschließen wir, gleich den Anschlußbus nach Brodten zunehmen - soweit reicht unser Fahrschein gerade noch. Dort laufen wir am Steilufer entlang Richtung Timmendorfer Strand. In Niendorf wärmen wir uns mit einem Capucchino auf, dann geht's zu Fuß zurück nach Travemünde. Inzwischen in die Sonne herausgekommen und wir können im Kurpark der vorzüglichen Tanzkapelle lauschen - nur wenige Paare finden sich an diesem sonnigen Nachmittag auf dem OpenAir-Tanzfläche ein.
Am Abend speisen wir in Lübeck im sehr gut besuchten Block House.
Heute fahren wir bei Sonnenschein entlang der Wakenitz wieder aus der Stadt heraus. Jetzt wollen wir endlich etwas vom Elbe-Lübeck-Kanal sehen und entscheiden uns für den weiteren Weg am Kanal entlang. Die Binnenschiffer sind durch viele Schleusen genauso schnell oder sogar langsamer als wir. Beim Sonnenschein wird's uns richtig warm.
In Ratzeburg gibt ein radlerfreundliches Hotel. Die Räder finden dort in der großen Tiefgarage Platz, das Zimmer ist mit einem Himmelbett ausgestattet, wunderbar! Der Stadtkern ist eher modern, da fanden wir Mölln hübscher, aber der Blick über den See auf den Dom ist sehr reizvoll und der Dom sehenswert.
Für das Abendessen finden wir ein kleines Lokal, das in der Einrichtung etwas an eine Berghütte erinnert und die Portionen dort sind riesig!
Heute erwartet uns wieder eine etwas längere Etappe und schon am Morgen regnet es. Wir zögern unsere Abfahrt hinaus, in der Hoffnung, daß es zu regen aufhört. Berauschend ist das Wetter jedoch nicht als wir starten und schon vor Mölln machen wir im Wald eine Regenpause. Die nächste in der Möllner Einkaufsstraße wird zum Einkaufen von Lebensmitteln (Kuchen) genutzt! Nach 1 km der nächste Regenstop - Zeit den Kuchen zu verspeisen. Endlich kommen wir dann einige Kilometer am Kanal entlang voran und heute am Samstag begegnen wir sogar einigen anderen Radlern, die wohl auf Wochenendtour sind. In der nähe von Güster rutscht meine Frau vom feuchten Pedal ab, was zu einer ausgiebigen Pause wegen einem verknacksten Fuß führt. Außerdem bekomme ich was zuhören, da ich diese rutschigen Pedale direkt vor unserer Abreise neu montiert hatte - ich hielt die alten für zu abgenutzt und deshalb rutschig!
Endlich kommen wir zur Fähre in Siebeneichen, aber der Anblick ist sehr bedrohlich - nicht durch die Fähre, die ruhig am Ufer liegt, sondern durch die schwarzen Wolken am Himmel. Schon bald müssen wir unter den nächsten Bäumen Schutz suchen. Nach dem der Regen etwas nachgelassen hat, hoffen wir auf ein trockenes Plätzchen im Gasthof in Siebeneichen. Dort treffen wir auf einen Vater mit seinen zwei Söhnen, die auch mit Ihren Rädern unterwegs sind. Sie teilen uns mit, daß der Gasthof erst um 17 Uhr öffnet. Traurig ziehen wir weiter und schlagen unser Domizil für die nächste halbe Stunde - oder war es sogar eine ganze Stunde? - im Buswartehäuschen auf. Hier saßen wir zumindest trocken und hatten einen Ausblick auf die Steinkirche von Siebeneichen.
Bei weiterhin sehr dunklem Himmel erreichen wir Büchen. Da wir dem Wetter nicht mehr trauen, schieben wir unsere Räder zum Bahnhof und tragen sie zum Bahnsteig hinauf. Noch bevor wir Fahrkarten lösen können, läuft der Triebwagen ein. Da ich keine Lust habe, eine ganze Stunde auf den nächsten Zug zu warten, ich verlade ich schnell die Räder durch die breiten Türen des Zuges. Ehe wir uns versahen befanden wir uns im fahrenden Zug. Kaum nachdem wir die Fahrräder richtig verstaut waren und ich mich - vergeblich - um Fahrkarten bemüht hatte, erreichten wir schon Lauenburg unser heutiges Etappenziel. Nun mußten wir noch unser Hotel in der Oberstadt finden, daß zum Glück sehr schön war. Dann machten wir uns zu Fuß auf in die Altstadt, denn ein Abendessen hatten wir nach diesem feuchten Tag verdient.
Am nächsten Morgen sieht das Wetter noch nicht viel besser aus und schon in der Unterstadt erwischt uns der erste Schauer. Auf der Elbbrücke werfen wir einen letzten Blick zurück nach Lauenburg, dann erreichen wir schnell das heimische Niedersachsen am anderen Elbufer. Am Elbeseitenkanal entlang fahren wir zum Schiffshebewerk in Scharnebeck und von dort weiter Richtung Lüneburg. Kurz vor Lüneburg ziehen plötzlich dunkle Wolken auf und noch ehe wir in unsere Regenkleidung geschlüpft sind, beginnt es zu schütten. Zum Glück ist der Regen nach einigen Minuten vorbei und wir können weiterfahren. Nach 2 km erreichen wir das Ortseingangsschild von Lüneburg. In einem Wäldchen ziehen wir trockene Kleidung an, bevor wir weiter nach Lüneburg hinein fahren. Wir kommen am Kloster Lünen vorbei und landen schließlich am Möwenpick-Hotel.
Wir beschließen, uns hier bei Capucchino und Kuchen aufzuwärmen und auf unseren Zug zu warten. Anschließend fahren wir - bei leichtem Nieselregen - zum Bahnhof, von wo uns der IR problemlos zurück nach Hannover bringt und nach weiteren 9 km per Rad kommen wir wohlbehalten zu Hause an.
Trotz aller Widrigkeiten des Wetters haben wir gesagt, so etwas können wir noch mal machen!
Radwandern Lauenburgische Seen von Gerhart Eckert im Stöppel Verlag
Rad-und Wanderkarte Kreis Herzogtum Lauenburg CH. Schultchen Verlag (1:50000)
Eine gute Wahl - entlang dem Kanal; aktiv Radfahren Nr. 6/1994 / Bielefelder Verlagsanstalt
WDR Tourtip: Die alte Salzstraße
Beschreibung Radtour Alte Salzstrasße
Pauschalreise: 4-Tage-Radtour Alte Salzstraße
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