| Biologie, Verbreitung, Systematik und Spezielles | ![]() |
Diese euryhalinen (unabhängig vom Salzgehalt) Arten werden bis zu 1,5
cm lang und leben in Salzseen (auch in carbonat- und kaliumhaltigen) und in
Salinen, vor allem in den wärmeren Gebieten der Erde. Sie sind äußerst
anpassungsfähig, können noch bei lmg/1 Sauerstoff überleben und
vertragen starke Salzkonzentrationen. Dabei ändert sich die äußere
Gestalt der einzelnen Arten mit dem Salzgehalt ihres Lebensraumes. Im Allgemeinen
verändert sich mit steigender Salinität die Proportion zwischen dem
gliedmaßentragenden Vorderkörper (Thorax) und dem Hinterkörper
(Abdomen) und dessen Beborstung. Die Verlängerung des Körpers bei
steigendem Salzgehalt erklärt sich vielleicht aus der Tatsache, daß
die Tiere unabhängig von der sie umgebenden Salinität, die Salzkonzentration
der Hämolymphe immer stabil halten (homoiosmotisch). Das überschüssige
Salz wird über die Körperoberfläche, speziell über die Beine,
wieder abgegeben. Das diese Gestaltveränderung umweltabhängig ist
und nicht genetisch determiniert wird, konnte in Laborversuchen nachgewiesen
werden. Aus den Nachkommen eines Weibchens konnten bei unterschiedlichen Salzkonzentrationen
sämtliche in der Natur vorkommenden Typen nachgezogen werden.
Da Artemien, wie die anderen Arten der Kiemenfußkrebse auch, hämoglobinhaltige
Hämolymphen enthalten, weisen die Tiere in sauerstoffarmen Gewässern
mit etwas höherer Salinenkonzentration eine rötliche Farbe auf, da
sich ihr Hämoglobinanteil erhöht.
Die Fortpflanzung
Die Fortpflanzung von Artemia Salina ist sehr interessant. Es ist möglich,
eine Zucht von Artemia zu betreiben, indem man nur weibliche Tiere verwendet.
Diese pflanzen sich dann durch sogenannte Parthenogenese (Jungfernzeugung) fort.
D.h. die Nachkommen gehen aus unbefruchteten Eizellen hervor.
Befinden sich männliche und weibliche Tiere in einem Becken, kann man auch
die Paarung dieser Tiere beobachten. Dabei schwimmen die Männchen hinter
den Weibchen her und greifen mit ihren stark ausgeprägten Mandiblen sich
oberhalb am Brutsack fest. Artemia-Männchen besitzen zwei männliche
Geschlechtsorgane. Der Penis, der der Geschlechtsöffnung des Weibchens
am nächsten ist, wird eingeführt. In diesem Zustand können die
Tiere manchmal mehrere Tage verbringen. Am Ende trennt sich das Pärchen
heftig mit mehreren Schwanzschlägen und schwimmen dann in verschiedene
Richtungen.
Anfangs entwickeln die Weibchen sogenannte Subitaneier. Das sind
dünnschalige dotterarme Eier, die nicht abgelegt werden. Sie dienen der
schnellen Verbreitung der Art. Unter optimalen Bedingungen bringt das Weibchen
alle 4 - 5 Tage parthenogenetisch ca. 100 - 150 lebende Larven, sogenannte Nauplien,
hervor. Die Jungen kommen dabei direkt im Brutsack zur Welt und werden vier
Tage später ein erneutes mal geboren und in das Wasser entlassen. Diesen
Vorgang nennt man Viviparie.
Ca. nach der dritten Paarung, legen die Tiere dann Dauereier ab. Dieses dient
um den Fortbestand der Art zu sichern. Hierbei wird der Embryo im Gastrulastadium
von einer Schale umgeben und in die Umwelt entlassen. Verbessern sich die Umweltbedingungen
wieder, schlüpft aus der 0,2 -0,3 mm großen Cyste ein Prenauplius
und daraus der Nauplius. Der Fachbegriff in der Biologie dazu nennt sich Anabiose.
Verbreitung weltweit
Die bekannteste Art ist Artemia Salina, die häufigste ist Artemia Gracilis, weil sie weltweit kommerziell vermarktet wird. Auf allen Kontinenten außer in der Antarktis konnten inzwischen Artemias nachgewiesen werden. Unterschiede zwischen den Arten gibt es kaum. Weniger Segmente, kleine Farbnuancen, Größen- und Altersunterschiede sind die einzigen abweichenden Merkmale.
Liste aller bekannten Artemia Arten und Unterarten:
- Artemia salina (zu erst beschrieben von Carl v. Linné, schwed. Naturwissenschaftler, 1758)(Vorkommen: Europa Lybien, Ägypten (Traditionelles Aquariumfutter)
Artemia salina pacifica (Entdeckt von G.O. Sars (1903)
Artemia tunisiana (Europa, Nord Afrika) (Anne Fausto-Sterling, amerikanische Biowissenschaftlerin fand 1978 diese Art)
- Artemia franciscana (Nordamerika, Karibik, Pazifische Inseln, Australien, Argentinien) (Kellogg, 1906)
Artemia franciscana monica (Californien, Mono Lake) (Gefunden von dem Forscher Verrill, 1869)
Artemia gracilis (Nord- und Südamerika) (Gefunden von Verrill, 1869)
Artemia nyos (künstl. erzeugte hybride Art, Sea Monkeys) gezüchtet in den "New York Ocean Science" Laboratories
(Sea Monkeys - NICHT WISSENSCHAFTLICH ANERKANNT !)- Artemia persimilis (Argentinien) (Gefunden von Piccinelli und Prosdocimi 1968)
- Artemia urmiana (Iran) (Gefunden von Gunther, 1900)
- Artemia parthenogenetica (Europa, Afrika, Asien, Australien) (Gefunden von Claudio Barigozzi 1974)
Artemia tibetiana (Tibet, China) (Gefunden von T.J. Zhang, B. Sorgeloos 1998)
- Artemia sinica (Zentral Asien, China) (Gefunden von C. Yaneng 1989)
Hier die Verbreitung einiger Arten noch mal grafisch aufgearbeitet: (Artemia
species wird in den Bildern aufgeführt, dort wo eine Art entdeckt, aber
nicht näher bestimmt wurde !)
Geschichte:
Genetische Distanz und Evolution von Artemia
Wissenschaftliche Systematik
Systematik von Artemia:
| Stamm: | Arthropoda (Gliederfüßer) |
| Klasse: | Crustacea (Krebse) |
| Unterklasse: | Anostraca (Kiemenfußkrebse) |
| Familie: | Artemiidae |
| Gattung: | Artemia |
Die Verwandtschaft zu anderen Kebsen vom gleichen Baum
Bilder vom Elektronenmikroskop
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Von der Cyste bis zum erwachsenem Tier
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Männchen |
Weibchen |
Nehmen die Salzkrebse ihre Umgebung wahr ?
Ein Salinenkrebs verfügt über keine derartigen Ausdrucksmittel, außerdem
kann man behaupten, daß er ganz bestimmt keinen Wert auf mehr Beschäftigung
mit ihm als Füttern und Wasserwechsel legt und sich sicher nicht nach menschlicher
Beachtung sehnt. Es fällt außerdem schwer zu sagen, inwiefern die
Krebse unsere Anwesenheit nun tatsächlich wahrnehmen. Selbst wenn man einen
Gegenstand direkt ins Wasser hält, zeigen sie keine sonderliche Reaktion,
das zwangsläufige Hin- oder Wegschwimmen als Flucht oder Neugier interpretieren
zu wollen, ginge zu weit. Es stellt sich allgemein die quälende Frage,
wie die Salzkrebschen ihre Umwelt wahrnehmen und ob sie in irgendeiner Weise
fähig sind, bestimmte Dinge und Umstände zu erkennen. Ob ihnen in
irgendeiner Form ihre Artgenossen wirklich bewußt sind ? Wenn sie durch
das Wasser schwimmen, hauptsächlich, aber durchaus nicht ausschließlich
in Rückenlage, stoßen sie manchmal auf eines der anderen Tiere, wobei
diese daraufhin blitzschnell auseinanderfahren. Solche Zusammenstöße
geschehen nicht hin und wieder, wie man es annehmen könnte, es vergeht
keine einzige Minute, ohne daß so etwas passiert.
Über die Ursachen kann man nur Vermutungen anstellen. Mangelhaftes Sehen
kommt ebenso in Frage wie unterentwickelte Intelligenz, sofern man in diesem
Fall von so einer Eigenschaft überhaupt sprechen kann. Manchmal verharrt
ein Individuum darin, minutenlang mit dem Kopf gegen die Wand zu schwimmen,
ein anderes Mal wirbelt es Nahrungspartikel zur Mundöffnung und schleudert
dabei rücksichtslos kleinere Kollegen mit herum. Des weiteren verbringt
das Salzkrebschen viel Zeit damit, den Dreck, der sich bei selbst oftmaligem
Wasserwechsel zwangsläufig ansammelt, bäuchlings zu durchwühlen,
manchmal nehmen sie auch so viel sie davon tragen können mit nach oben
und bearbeiten den Abfall mit ihren Beinen, wobei sie wohl verwertbare Nahrungspartikel
aussortieren.
So ist es auch naheliegend, daß Artemias keine Geschmacksinn haben.
Industrielle Produktion
Schon seit 1949 werden dehydrierte Artemia-Cysten als Futter für Zierfische angeboten und erlangten seitdem immer größere Bedeutung bei der Aufzucht vor allem kleinerer Fischlarven in der Aquakultur. Der Kilopreis für Artemia-Cysten stieg seit 1950 von 5 auf 50 US-Dollar. Heute werden Spitzenpreise bis zu 150 US-Dollar (Cysten aus Thailand und Vietnam) erzielt. Seit dem Anfang der Achtziger Jahre die Monopolstellung der USA aufgebrochen wurde und auch andere Länder wie z.B. China, Brasilien, Australien oder Iran ihre Artemia-Ressourcen entdeckten, stabilisiert sich der Preis und die internationale Forschung über Artemia wird verstärkt. Seit 1970 forscht die Universität Gent über Artemia. 1978 wurde das Artemia Reference Center (ACR) eingerichtet. Die jährlich weltweit abgefischte Menge der Cysten schwankt stark, liegt aber allein in den USA zwischen 2000 und 4000 Tonnen. Oft erfolgt die Koordination der Fangboote per Flugzeug aus der Luft. Von der weltweiten Produktion werden nur ca. 20 % zur Ernährung von Fischlarven benutzt, mit den restlichen 80 % werden andere, für die Aquakultur bedeutende Meeresoranismen, wie Crustaceen oder Molluscen ernährt. Eine kommerzielle Fischfarm hat einen Bedarf von ca. 50 - 100 kg Artemia-Nauplien pro Tag. Die teilweise erheblichen Populationsschwankungen könnten erste Anzeichen für eine Überfischung sein. Sie könnten aber auch mit wechselnden Umweltparametern zusammenhängen. Deswegen sind Forschungen über Dynamik der einzelnen Populationen untereinander bzw. die Einführung allochthoner (unabhängig entstandene) Artemiaarten in Lebensräume anderer Populationen. Diverse Untersuchungen, auch zur genetischen Separation verschiedener Populationen, werden von der Universität Gent bereits durchgeführt.
