Dies ist der Bericht über unsere Kungsledentour 1999

Informationen über uns, die Ausrüstung und einen Vergleich zum West Highland Way gibt es hier bzw. am Schluss dieses Dokuments.

 

Eine umfangreiche Bildergalerie gibt es hier.

 
 

22.08./23.08.

Am 22. August 1999 reisten wir, Gunda und ich, per Scanrailticket für 480,- DM pro Person von Puttgarden über Kopenhagen und Göteborg nach Abisko, wo wie am späten Nachmittag des folgenden Tages ankamen, um gleich noch ein paar Kilometerchen bis zur ersten (und einzigen legalen) Zeltmöglichkeit im Abisko-Nationalpark. An diesem Plätzchen, das auch in der Fjällkartan (BD6: Abisko - Kebnekaise - Narvik) verzeichnet ist, gibt es auch eine nach vorne offene Schutzhütte mit Feuerstelle.

24.08.

Am nächsten Tag war das Wetter äußerst durchwachsen, vor allem die heftigen Winde machten uns zu schaffen. Nach einem schönem Weg durch Birkenwald entlang dem Abiskojaure erreichten wir die Abiskojaurehütte. An der Hütte war es dann so windig und kalt, dass wir uns entschlossen, noch weiter zu laufen, um in der Nähe der nicht geöffneten Kieronstugan, die auf der Karte gar nicht mehr soo weit weg aussah, unser Zelt aufzuschlagen.

Nach der Abiskojaurehütte ging es dann durch baumloses Gebiet leicht bergauf, an einem Bach gab es wunderbare Zeltplätze. Danach ging es steil nach oben. Als wir uns dann, schon mit den Kräften so ziemlich am Ende, hochgekämpft hatten, stellten wir fest, dass die besagte Hütte schwerer zu erreichen war als gedacht, weil sie auf der anderen Seite eines kleinen Tals lag. Da es dort auch nicht nach Wasser aussah und es scheinbar keinen geeigneten und windgeschützten Zeltplatz gab, machten wir uns unter Fluchen und Jammern wieder bergab zu den schönen Zeltplätzen ganz unten. Kaum war das Zelt (wir waren ganz allein da) aufgebaut, fing es fürchterlich an zu regnen, wovon wir allerdings nicht viel mitbekamen, weil wir sogleich in einen tiefen Schlaf verfielen.

Auf jeden Fall hatten wir unsere Lektion gelernt. Ich musste meiner Freundin hoch und heilig versprechen, zukünftig genauer auf die Karte zu sehen, bevor ich einen Zielpunkt ausrufe...

25.08.

Am nächsten morgen ging es dann halt wieder die alte Strecke bergauf bei bewölktem Himmel, starkem Wind und schweren Beinen. Ja ja, der dritte Tag. Oben im Fjäll dann kam endlich die Sonne kurz raus und wir konnten während unserer Rast am höchsten Punkt dieser Steigung einen phantastischen Blick übers Fjäll genießen. 

Dann ging es wieder ein Stückchen hinunter und der Wind blies uns einmal mehr volle Kanne ins Gesicht. Zelten war dann kaum möglich: zu steinig und zuviel Gestrüpp. Am Alesjaure waren es noch ca. 7 km bis zur Alesjaurehütte. Glücklicherweise ging von hier ein Boot(*). 1999 galt folgender Fahrplan:

Alesjaure Tourist Station

Outlet of Alesjaure (*)

Abfahrt: 9am, 2.30pm, 6pm

Abfahrt: 9.30am, 3pm, 6.30pm

Preis 90 Kronen pro Person, fuhr vom 01.07. bis 31.08.1999

Extratouren können zwischendurch von 8am bis 8pm geordert werden, man muss nur am Outlet eine Fahne hissen. Kosten dann: 540 Kr pro Tour, maximal 6 Personen

Wer will, kann natürlich auch zu Fuß weitergehen. Wir hatten allerdings den Eindruck, dass sehr viele Wanderer sehr glücklich über diese Möglichkeit waren und gerne bezahlten... Die Zeit bis zur Abfahrt nutzen wir, um uns ein wenig zu erfrischen. An der Alesjaurehütte kauften wir erst mal ein paar Bier und bauten das Zeltchen in der Nähe der Hütte auf.

26.08.

Am vierten Tag dann lachte uns die Sonne ununterbrochen an. Die ersten Rentiere kreuzten unseren Weg und der Wind hielt sich endlich mal zurück. Nach der Alesjaurehütte ging es zunächst durchs wunderschöne Alesvaggi. 

Am Ende des Tals ging es dann wieder steil rauf bis zur Tjäktjahütte, kurz vorm höchsten Punkt des Kungsleden, dem Tjäktjapass.

In der Nähe der Hütte, hinter der Brücke, stellten wir sichtgeschützt unser Zelt auf und waren auch hier abends mutterseelen alleine. Dort genossen wir noch ein wenig die Ruhe, bevor wir entschliefen.

27.08.

Der Tag fing an wie der vorige aufhörte. Es folgte der Aufstieg zum Tjäktjapass. Nach kurzem Aufenthalt bewölkte sich der Himmel wieder und wir stiegen hinab ins ewig lange Tjäktjavagge. Nachdem wir am Nachmittag dann endlich die Sälkahütte erreichten, die wir schon lange vorher hinter jedem Hügel vermutet hatten, kauften wir noch ein wenig Knäckebrot ein, um dann noch etwa einen Kilometer zu gehen. Wir kamen an einem wunderschönen riesigen Areal, geeignet für hunderte Zelte, an, wo wir, hm?, die einzigen waren. 

28.08.

Zunächst ging es heute weiter durchs karge Tjäktjavaggi, entlang des Tjäktjajakke, welches allerdings gegen Ende ein wenig bunter wurde. 

Das Wetter war wieder einmal durchwachsen, aber glücklicherweise auch mal wieder kein Regen am Tag. Wir ließen die Abzweigung zum Kebnekaise hinter uns, passierten die Singihütte und zelteten nach ca. 3 km an einem süßen Bächlein.

 

29.08.

Der zweite hundertprozentige Sonnentag begann. Heute ging es in die BD 8 hinein. Bis zur Kaitumjaure wurde die Landschaft immer abwechslungsreicher, auch deshalb, weil es endlich wieder mal unter die Baumgrenze ging. 

Vor der Kaitumjaurehütte stand noch ein Schild:

Achtung! Boote werden von allen Seen vom 20.09. bis 20.06. entfernt. Keine Überquerungen möglich!

In der Kaitumjaurehütte kauften wir nachmittags ein wenig ein. Hier ein kleines Beispiel, was das in den STF-Hütten so kostete:

Spiritus 1 Liter

Schokolade 200 gr

Trekkingfood (1 Portion)

Spaghetti 500g

Dosenfleisch mit Gemüse 450g

37 SEK, ca. 8,50 DM

28 SEK, ca. 6,40 DM

54 SEK, ca. 12,40 DM

18 SEK, ca. 4,10 DM

40 SEK, ca. 9,20 DM

1 Deutsche Mark = 4.3664 Schwedische Krone
1 Schwedische Krone (SEK) = 0.2290 Deutsche Mark (DEM)
Stand 01/2000

Nach der Kaitumjaurehütte schien immer noch die Sonne und es wurde zunächst immer bunter: 

Dann ging es wieder bergauf, die Füße schmerzten und am Ende beim supersteilen Abstieg zur Teusajaurehütte meldeten sich lautstark auch noch die Knie.

Für diejenigen, die dann verständlicherweise zu schlapp zum rudern sind, gibt es einen Fahrdienst für 50 SK. Wir fuhren am späten Nachmittag noch rüber und zelteten direkt am Ufer des Teusajaure als einzige.

30.08.

Heute gab es eine der schwersten Etappe des gesamten Kungsleden. Der Aufstieg nach dem Teusajaure von 500m auf über 940m gegen einen eiskalten Sturm war extrem hart. Dabei hatten wir kurz nach dem Aufbruch noch bestes Wetter und schönste Aussichten: 

Dann wurde es wegen dem Gegenwind eisig, oben hatten wir jedoch einen selten genialen Ausblick auf die Gipfel des Sarek: 

Der Abstieg nach Vakkotavare zog sich und war so steil, dass die Füße und Knie jaulten.

Vakkotavare hat jedoch wiederum Anschluss an die Zivilisation. Busse nach Gallivare, mit Stop in Kebnats, wo es mit der Fähre (direkter Anschluss) weiter nach Saltoluokta, wo der Kungsleden weitergeht, fahren täglich. 1999 gab es folgende Verbindung von Vakkotavare nach Kebnats (Uhrzeit ist Abfahrt in Vakko, Linie 93, 28 sk/person):

14.00 Uhr

17.10 Uhr

17.07. - 15.08.99

14.06. - 26.09.99

Abends waren wir dann an der Saltoluokta Fjällstation, wo man gegen eine Gebühr sein Zelt aufschlagen kann. Hier gibt es sogar Duschen und Kochgelegenheiten.

31.08.

Einen Ruhetag gönnten wir uns in der Fjällstation am See. Dann ging es weiter Richtung Sitojaure. Bei Sonnenschein stiegen wir zunächst auf durch bunteste Landschaft von 370 auf 720 Meter. Oben im baumlosen Fjäll bewölkte es sich stark und zur Abwechslung kam tosender Gegenwind auf. Die Etappe zog sich immer länger. Sie beeindruckte durch Weite und Rentiere. Die 20 km dieser Etappe ließen uns abends in der Sitojaurehütte selig schlummern, während draußen ein Sturm tobte.

01.09.

Morgens ließen wir uns für 90 SK über den Sitojaure schippern. Man kann natürlich auch hier rudern, nur die Entfernung ist ziemlich lang.

Folgende Bootsverbindungen gab es von der Sitojaure Hütte aus über den See (und dann wieder zurück):

9.00 Uhr

17.00 Uhr

Schon kurze Zeit nach der Ankunft auf der anderen Seeseite begann es wie verrückt zu regnen (übrigens der erste Regentag auf unserer Tour!!).

Dann stiegen wir in die Regenwolken auf; die Sichtweite lag oben bei ca. 10m. Eine Orientierung war nur noch aufgrund der regelmäßig errichteten Steinhaufen möglich. Auf der anderen Seite stiegen wir dann wieder nach Aktse (13 km) hinunter. Hier warteten wir in der Hütte zunächst das Ende des Regens ab. Auch hier gibt es einen Bootsfahrdienst über den Laitaure, man kann sich bei Bedarf auch in den Sarek fahren lassen. Folgende für die Überfahrt Richtung Kungsleden:

Abfahrt 9 Uhr und 17 Uhr von Mitte Juni bis 31.8., ansonsten auf Anfrage, Preis 100 SK/Person

Da wir überhaupt keine Lust hatten schon wieder ein Nacht in der Hütte zu verbringen, ließen wir uns um fünf Uhr bei starkem Wellengang noch rüberfahren. Nebenbei hat man zur rechten einen tollen Blick aufs Tor zum Sarek, dem Rapadelta samt Skierfe.

Wir waren gut unterwegs, außerdem war das Wetter wieder besser, der Weg war wunderschön. Bald erreichten wir am späteren Abend den Sarek und stellten unser Zelt ganz einsam einfach irgendwo in den Wald.

02.09.

Die vorletzte Etappe heute war mit 20 km noch einmal sehr anstrengend. Zunächst genossen wir noch die Sicht auf den Sarek bei gutem Wetter. 

Auf der Hälfte kochten wir in der Rittakhütte auf die Schnelle noch ein paar Nudeln, dann fing es furchtbar an zu regnen. Der Abstieg zur Partehütte war sehr steinig-glitschig und anstrengend. In der Hütte dann gab uns der nette Hüttenwirt einen ganzen Achterraum für uns alleine und unterhielt sich gerne mit uns.

03.09./04.09.

Die letzte Etappe von Parte nach Kvikkjokk ließ sich trotz teils extrem schlechten Wegs ganz gut bewältigen. Abends saßen wir bereits im Bus nach Jokkmokk (schöne Jugendherberge) , wo wir dann noch am nächsten Tag das gute Samenmuseeum besuchten und eine weniger gute Pizza aßen. Abends ging es mit dem Bus nach Murjek, von da gleich weiter mit dem Zug nach Stockholm.

05.09./06.09.

In Stockholm kamen wir morgens an, strahlender Sonnenschein, kurze Klamotten, besuchten Nachmittags die Museumsinsel mit dem faszinierenden Wasa-Museum und ließen den Abend gemütlich auf der urigen Dreimaster - Jugendherberge Af-Chapman ausklingen. 

Am nächsten Tag abends um zehn Uhr ging es dann wieder nach Hause.

infos

Über uns, über die Ausrüstung und ein Vergleich zum West-Highland-Way (Schottland)

 

Nachdem uns die West-Highland-Way Tour im vorigen Jahr von der Faszination eines Trekking-Urlaubes voll überzeugt hatte, beschlossen wir also, dieses Jahr den nördlichen Kungsleden zu laufen.

Abgesehen von der Tatsache, dass sowohl der WHW als auch der Kungsleden durch landschaftlich eindrucksvolle Gebiete verlaufen, ist der Kungsleden in Bezug auf konditionelle, wetterabhängige und organisatorische Faktoren eine Anforderungsstufe höher einzuordnen.

Während man am WHW nahezu an jedem Etappenende ein- und aussteigen kann, sowie Pubs und kleine Shops vorhanden sind, es in den Sommermonaten wohl kaum schneit, und man "schlimmstenfalls" von tagelangem Regen heimgesucht wird, gibt es unterwegs am Kungsleden nur in folgenden Hütten Verpflegungsmöglichkeiten:

Abisko - Alesjaure(35km) - Sälka(25km) - Kaitumjaure(25km) - Saltoluokta(24km bis Vakkotavare, dann Bus und Boot) - Aktse(33km) - Kvikkjokk(40km)

Zu kaufen gibt es das Notwendigste: Knäckebrot, Cola, Bier, Spaghetti, Soßen, Trekkingfood (schmackhaft!), Schokolade, Klopapier, Spiritus, Dosenfleisch, Käse, u.a., allerdings zu verschärften Tankstellenpreisen und auch nur in den Sommermonaten (Meist Mitte Juni - Mitte September).

Zum Wetter:

Das Wetter kann sehr ungemütlich werden. Es kann orkanartig stürmen, wie aus Kübeln regnen und auch schneien. Aus diesem Grund: Dicke Mütze, Handschuhe, lange Unterhose, Halstuch einpacken, sowie genügend Verpflegung für ein bis zwei Zelttage zwischen den Hütten mit Verpflegungsmöglichkeit immer dabei haben!

Unser Wetter Ende August war eher sehr stürmisch als regnerisch, vor allem das Gehen im Fjäll gegen dröhnenden und kalten Wind war teilweise recht nervig.

Zur wichtigsten Ausrüstung:

Ich vermute, die kältesten Nächte waren so an die Null Grad. Mein Daunenschlafsack, der bis Minus 5 Grad ausgelegt ist, aber schon 5 Jahre alt und mehrfach benutzt ist, war für mich verfrorenen Typen in Verbindung mit Baumwollinlet und langer Unterhose auch in den kältesten Nächten ausreichend. Meine Freundin schlief in einem tausendmal benutzten, über 15 Jahre altem Daunenschlafsack bestens.

Beim Kochen ist ein Spirituskocher erste Wahl: Er funktioniert immer und Spiritus gibt es in jeder Hütte mit Verpflegungsmöglichkeit zu kaufen; Wasser gibt es im Überfluss in Bächen und Seen.

Jeder von uns hatte einen Trekkingstock, der das Gehen, vor allem bei den häufig steinigen Wegen, unglaublich Erleichtert hat. Schon nach kürzester Zeit konnte ich mir ein Gehen ohne Stock überhaupt nicht mehr vorstellen. Beim nächsten Mal sind vielleicht sogar zwei Stöcke pro Person angesagt.

Kartenmaterial kann in Abisko bzw Kvikkjokk erworben werden. Besser ist es aber, sich die Karten (Fjällkartan BD 6, BD 8 und BD 10 je 24,80 DM) vorher im Buchhandel zu bestellen, um sich schon im Vorfeld einen Eindruck über die Strecke machen zu können.

Eine ganz gute Einführung ist auch das Kungsledenbuch von Rüdiger Lohf aus dem Stein-Verlag (22 DM).

Zu uns:

Nachdem wir, wie bereits erwähnt, im vorigen Jahr die 150km des West Highland Ways abgelaufen waren, trauten wir uns nun auch den Kungsleden zu. Der konditionelle Anspruch war teilweise enorm, meine Freundin war am Ende einer Etappe nicht nur einmal mit den Nerven und den Kräften so ziemlich am Ende.

Jedoch nach kurzer Zeit im Zelt und einer warmen Mahlzeit war die Welt wieder in Ordnung und alles vergessen. Am nächsten Tag ging es mit Vorfreude auf die nächsten Kilometer wieder auf die Piste.