Manches aus der Rockersymbolik wird gerade von den Ereignissen eingeholt. Aber das meiste hat noch immer Wert für die Ewigkeit. Wir erklären es allen, die’s bis jetzt verschlafen haben |
| Ford war aller
Laster Anfang. Im Zuge der Fließbandproduktion des T-Modells wurden Autos
so erschwinglich, daß keiner es mehr nötig hatte, Motorrad zu fahren. Dem
Zweirad blieb gerademal ein Prozent aller Verkehrsteilnehmer treu. Die
tragen seitdem das Einprozenterpatch … (siehe auch Hollister und der 1%-Mythos) Klingt logisch, stimmt aber nicht! Im Suff und am Lagerfeuer, wenn’s Moped schon schläft und der Biker bald auch,
entstehen Latrinenparolen.Die meisten von uns wissen, was es mit dem Einprozentertum wirklich auf sich hat: Weil 1947 im kleinen amerikanischen Städtchen Hollister eine Horde wildgewordener Biker allzu heftig aufgeräumt hatte, litt das Image der Motorradfahrer gewaltig. Zur deren Ehrenrettung, und um die Wogen zu glätten, verkündete die American Motorcycle Association, sowas wie ein ADAC für Motorradfahrer: Nur ein Prozent aller Biker würde zu Ausschreitungen dieser Art neigen. Das veranlaßte die Outlawbiker, seitdem voller Stolz ein rautenförmiges „1%“-Patch zu tragen. Es war Provokation. Aber mit dem unerträglichen Zeitgeist ist sie leicht zu erklären. Nur wer eine Ahnung von der damaligen Miefigkeit und Biederkeit hat, wird verstehen welcher Druck vonnöten war, um aus der Gesellschaft und ihren Beschränkungen auszubrechen. „1%“ stand für das Bekenntnis zum Außenseiterdasein. Das gilt auch noch für unsere Gegenwart. Aber etwas hat die Bedeutung sich verschoben. Von Einprozentern weiß nun jeder: Das sind die „Bösen“. Was aber nicht heißt, daß Einprozenter gleich kriminell sein müssen, und erst recht nicht, daß sie damit auf ein Prozent krimineller Biker hinweisen wollten – wie einer unserer Leser mal in einer etwas naiven Anfrage vermutete. Zum Lachen? Unwissenheit bringt manchmal dicke Lippen ein. In Deutschland geht das Einprozenterpatch überall durch. In den USA
nicht. Wer dort „1%“ trägt, kann in den Südstaaten schon mal von einem
Redneck aus dem Sattel geschossen werden. Er muß sein Patch verteidigen
können, denn Anspruch darauf erheben wirklich nur die ganz Harten. Sie
tragen „Onepercenter“ sogar als Titel im Namen, wie bei uns die
Promovierten ihren „Doktor“. Hierzulande gibt es noch keinen
Gebietsanspruch auf die Raute, auch freie Biker können sich unbehelligt
damit schmücken. Nur wenn ganze MCs sich als Einprozenter verstehen, das
Zeichen womöglich in ihrem Colour tragen, läßt das schon auf eine härtere
Gangart in der Clubpolitik schließen. Überhaupt waren die Hells Angels prägend in der Mystik von Zahlen
und Symbolen. Wir lernen dabei allerdings, daß nicht alles stimmt, was
Hunter Thompson über die Hells Angels geschrieben hat. Die Vergabe von
flügelförmigen roten Abzeichen für Cunnilingus mit menstruierenden Frauen
können wir getrost ins Reich der Latrinenparolen verweisen. Das gilt natürlich nur für Neuzugänge, denn mit alteingesessenen
und angesehenen MCs hat man sich über die Farbkombination arrangiert. Die
Knight Riders tragen seit nunmehr 30 Jahren Rot und Weiß im Colour, dazu
noch die römischen Ziffern LXIX. Sie stehen für das Gründungsjahr des
Clubs: 1969.
Die Mannheimer Bones beanspruchten dafür die „13“. Deren Namen und
Farbe werden gerade von der Wirklichkeit eingeholt. Logisch ist und war es
trotzdem: Dreizehnter Buchstabe im Alphabet und dreizehn Buchstaben
insgesamt für „Bones Mannheim“. Die „13“ steht freilich überhaupt für den
dreizehnten Buchstaben, und das schon länger. Wer sie trägt bekundet seine
Vorliebe für … Marihuana. Easy Rider läßt grüßen, Kifferszenen waren nie
so glaubwürdig wie in diesem Film! Nur kennt diese Bedeutung inzwischen
auch jeder Wachtmeister, weshalb es sich nicht empfiehlt, entsprechende
Mittelchen gleichzeitig in der Kuttentasche aufzubewahren, auf der die
„13“ genäht ist. Zu guter letzt: Witziche Comics zum Thema |
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{Onkel - Speiche} |