Ruhe unsanft

                           "Die Bösen werden lachen und die Guten werden weinen...".

...wie man so sagt....

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der geneigte Leser mag nun glauben, den Machern dieser Web - Site ist nicht mal dieses Thema heilig. Richtig ist vielmehr, der Tod ist nicht umsonst. Er kostet nicht nur das Leben, nein er ist auch finanziell recht kostspielig. Eigentlich kann sich heute niemand mehr leisten, dahinzuscheiden. Das allerdings können sich die Sozialversicherungen nicht leisten, Bestattungsunternehmen wollen hohe Gewinne und deshalb sterben die Menschen trotzdem weiter...

Es war ein grauer Novembernachmittag. Meiner Herbstdepression versuchte ich gerade mit der 13. Flasche Bier den alkoholischen Endschlag zu verpassen. Es klingelte. "Was soll denn das? Ist das etwa die vermaledeite Hilde, die mir jetzt auf den Keks gehen will?" Ein Blick durch den Türspion offenbarte erschreckendes. Ein Mann in schwarzem Anzug, weißem Hemd und geschmackloser schwarzer Krawatte war gerade im Begriff, seinen Kaugummi auf meinem Klingelknopf endzulagern. Das lasse ich niemandem durchgehen, auch wenn ich mich wunderte, dass die Zeugen Jehovas jetzt derartige Umweltsünden begehen. Ich öffnete. "Guten Tag Frau Mümpfel! Ich freue mich, Sie noch rechtzeitig besuchen zu können! Mein Name ist Herr Keiser - aber ich arbeite nicht mehr für die Hamburg - Mannheimer." "Ich kaufe nichts und ich bin katholisch!" wollte ich diesem vermeintlichen Zeitungsabo´s aufschwatzenden Staubsaugervertreter Jehovas zuvorkommen. Schon stellte dieser seinen Fuß in meine Tür. "Sehen Sie Frau Mümpfel, ich komme vom Bestattungsinstitut "Pandoras Box GmbH" - Sie wissen schon, gleich neben dem Klärwerk und dem Altenheim Sankt Decubitus - und ich möchte - bevor es zu spät ist - mit Ihnen die Finanzierung Ihres Ablebens planen." Mir wurde ganz anders. Nicht nur, dass sich mein Unterkiefer fast ausrenkte und ich im Hals plötzlich ein Globus - Syndrom bekam. Worte fand ich keine mehr. Auch erinnerte ich mich dunkel, dass vor ein paar Tagen eine Metzgerei mit dem gleichen Firmennamen eröffnet hatte. Ganz perplex trat ich in meine Wohnung zurück und Herr Keiser, sein Aktenkoffer und sein Notebook machten es sich an meinem Tisch sichtlich gemütlich. "Gesetzt den Fall, Sie würden dahinscheiden..." begann Herr Keiser seinen Vortrag, "dann würden Ihre Ersparnisse bei den heutigen Preisen unserer Konkurrenzunternehmen sicher nur für einen Pappsarg oder eine ausgediente Keksdose als Urne ausreichen. (Apropos Keksdose - könnte ich vielleicht einen Kaffe und etwas Gebäck haben...) Wir aber können Ihnen ein Begräbnis bieten, das Sie nie mehr in Ihrem Tod vergessen werden." Mein Unterkiefer drohte sich gänzlich von mir zu lösen. "Im Übrigen erhalten Sie bei Vertragsabschluss eine kostenlose Salami. "Etwa aus eigener Produktion?" waren meine erste Worte, über die ich selbst sehr wundern musste. Ich nahm mir ernsthaft vor, nie wieder einen Tropfen Alkohol anzurühren. Herr Keiser nickte nur vielsagend. "Sicher werden Sie sich jetzt fragen, wie es uns möglich ist, Sie so preisgünstig unter die Erde zu bringen!?" setzte er seinen Vortrag fort. "Wir haben nämlich Erfahrung gesammelt bei der Endlagerung von Atommüll." Langsam regten sich in mir die wenigen Reste meines gesunden Menschenverstandes. "Na hören Sie mal! Wie können Sie Menschen mit Atommüll vergleichen???!!!" "Nun, wir haben auch Endlag... - ähm Bestattungen in alten Salzbergwerken im Angebot. Ebenso bestatten wir Ihr Altöl oder wahlweise auch Sie selbst auf hoher See." Ich fand das äußerst makaber. Daher weiß ich auch nicht mehr, was mich bewog, diesem obskuren Menschen eine Tasse Kaffee und die Restbestände von Hildes Weihnachtsplätzchen zu servieren. Während dessen bootete Herr Keiser sein Notebook und bat mich, neben ihm Platz zu nehmen. "Sehen Sie..." fuhr er mit seinem Vortrag fort, "einen Toten zu entsorgen ist bei den heutigen Umweltschutzbestimmungen wahrlich keine einfache Aufgabe mehr. Da sind die Goldzähne, auf welche die Erben ganz scharf sind, ebenso die Ringe, die nicht mehr von den Fingern der Leiche abgehen wollen. Denken Sie auch an das viele Amalgam in den Zähnen und wie das die Friedhofserde vergiften könnte - keine Blume würde mehr auf dem Grab wachsen!" Das stimmte mich nun doch nachdenklich. "Und was gedenken Sie dagegen zu unternehmen?" fragte ich ernsthaft interessiert. Mit Hilfe der Präsentationen auf seinem Notebookmonitor erklärte er mir folgendes: "Sehen Sie Frau Mümpfel, wir leben (und sterben) in einer Zeit des Recyclings. Das kann natürlich auch an den Leichen nicht spurlos vorübergehen. Künstliche Hüftgelenke sind aus wertvollem Edelstahl, die Chirurgen wollen endlich ihre Skalpelle, Pinzetten und Klemmen wiederhaben, die sie vor langer Zeit bei irgend einer OP des damals noch Lebenden in seinem Körper vergessen haben. (So was kann doch mal passieren...) Silikon zersetzt sich in 100 Jahren nicht. Bei Lolo Ferrari hatten wir ganz schön zu tun... Und dann die Herzschrittmacher! Die können doch tatsächlich Ihren Handyempfang stören, wenn Sie sich in der Nähe eines Friedhofes aufhalten." Ich war entsetzt. Nie hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, welches (Umwelt)problem man auch nach dem Leben noch sein kann. Nun wollte ich aber Gewissheit, was irgendwann mal auf mich zukommt und was mich das kostet. "Ich sagte doch, wir sind konkurrenzlos günstig nur 999,97 Euro inklusive aller Formalitäten." versicherte mir Herr Keiser. "Feuerbestattungen sind sogar noch 23,59 Euro günstiger zu haben!" "Wie stellen Sie denn das an? Wie schaffen Sie das nur?" Meine Neugier war nun wieder geweckt. Herr Keiser strahlte. "Das Zauberwort heißt intelligentes Recycling. Im einzelnen bedeutet das: Gewinnung von Edelmetallen aller Art - wir sind ganz scharf auf Ihre Goldzähne, Gewinnung von Aktivkohle aus Ihren Knochen, Feuerbestattungen in einem Heizkraftwerk, Belieferung unserer Metzgerei." "Was meinen Sie? Doch nicht etwa...???!!!" Eine Antwort bekam ich nicht mehr. Herr Keiser kippte mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Stuhl und mir wurde schwarz vor Augen. Dann war nichts mehr...

Später...

Hilde Steinbäschels penetrant säuselnde Stimme umkreist meinen Kopf und dringt schließlich doch noch in mein Bewusstsein durch. "Sonja!!! Du warst wieder total betrunken! Und sieh mal, was hast Du angestellt?" Noch immer benommen blickte ich in Richtung Tisch. Und da auf dem Fußboden lag ein Mann in schwarzem Anzug, weißem Hemd... Ich ahnte, dass ich jetzt ein großes (Umwelt)problem hatte.

Auszug aus dem Autopsiebericht:

...Die vermutliche Todesursache stellt eine akute Lebensmittelvergiftung dar, die verursacht wurde durch überlagerte Weihnachtskekse, welche in großer Zahl im gastroenteralen Bereich vorgefunden wurden...


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