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St. Ottokirche WechselburgBeschreibung von Bärbel Rößler |
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| Äußere Erscheinung Weithin sichtbar grüßt der Turm der St. Otto Kirche in das umliegende Muldenland, frisch gestrichen und an den Sonnabenden und Sonntagen, sowie den kirchlichen Feiertagen hell angestrahlt, ist der imposante Turm einem Leuchtturm vergleichbar. Die St. Otto Kirche mit ihren steil nach oben strebenden Dächern steht direkt am Markt des kleinen Ortes Wechselburg. Sie bildet mit den umliegenden Häusern ein geschlossenes Ensemble eines Kleinstadtmarktes des 18. Jahrhunderts. |
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| Der Name der Kirche Unsere Kirche heißt St. Otto Kirche- ein ungewöhnlicher Name in Sachsen. Der Heilige Otto war Bischof in Bamberg und bekannt geworden als Pommern-Missionar.1189, nur 50 Jahre nach seinem Tod, wurde er heilig gesprochen. Als Graf Dedo von Wettin Anfang des 12. Jahrhunderts Siedler suchte, die hierher kamen, um ihm nahe des kleinen Sorbendorfes Zschillen ein Kloster und eine Kirche als Grablege für seine Familie zu bauen, da kamen auch Franken her, die aus der Gegend stammten, in der Otto Bischof gewesen war. Otto wurde sehr verehrt und war bei allen Franken wohlbekannt. Und so wurde, als die heutige Basilika gebaut war (1168) eine kleine Kirche außerhalb der Klostermauern für die Siedler gebaut, die den Namen St. Otto Kirche erhielt. Es liegt auf der Hand, daß die Franken diesen Namen durchgesetzt haben. |
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| Bau der heutigen Kirche 1604 fiel die alte St Otto Kirche einem Brand zum Opfer. Nur die Außenmauern blieben stehen. Ein provisorisches Dach wurde darauf gesetzt. Über 130 Jahre dauerte es, bis ein Neubau in Angriff genommen werden konnte. Der 30-jährige Krieg ließ keinen Neubau zu. Deutschland war 100 Jahre in seiner Entwicklung zurück geworfen, alles war verwüstet und zerstört. So kam es erst 1730 zur Grundsteinlegung der barocken St. Otto Kirche. Unterstützt wurde das Vorhaben in besonderer Weise von Graf Franz Heinrich von Schönburg. Am 20. Oktober 1737 war es soweit : Die neuerbaute St. Otto Kirche konnte geweiht werden. |
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| Baustil Unsere St. Otto Kirche ist im Stil des Barocks erbaut. Nach dem Elend und der vielen Zerstörung des 30- jährigen Krieges sehnen sich die Menschen danach : "Einen Blick in den Himmel" zu werfen. Die Last des Alltags lässt sie nach Leichtigkeit, Lust und Fröhlichkeit suchen. Und so betreten wir, wenn wir in unsere Kirche kommen einen einzigen himmlischen Festsaal. Der Kirchenraum ist nicht mehr in Haupt- und Seitenschiffe untergliedert. Die große Raumeinheit soll ein Abbild des Schöpfungsganzen sein und die Welt in ihrer Fülle zeigen. Man meinte die Schöpfung in ihren Naturgesetzen zu verstehen und sie im Kleinen nachbilden zu können. Dieses Vorhaben wurde durch die Entwicklung der Mathematik begünstigt. Leibnitz und Newton hatten die Differential- und Integralrechnung erfunden, so dass Architekten Kurven berechnen konnten. Unsere St. Otto Kirche ist sehr schlicht gehalten, nicht zu vergleichen mit den prunkvollen überladenen Barockkirchen Süddeutschlands. Unsrer Kirche ist eine Kirche des protestantischen Barocks im Gegensatz zu den katholischen Barockkirchen Süddeutschlands. Nicht Macht , sondern evangelischer Glaube soll in Einfachheit gezeigt werden. Außerdem fehlte den Baumeistern Geld um z. B. Marmor zu verwenden. So wurde das Holz marmoriert gezeichnet, so dass man meinen könnte, es wäre Marmor. Auch etwas Gold glänzt an den Emporen. Diese schlichte Form des Barocks wird auch Bauernbarock genannt. |
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| Altarraum Zuerst wird unser Blick auf den Altar gelenkt (In barocken Schlössern auf den Thron). Hier entdecken wir wieder etwas Typisches der Barockzeit : Die Lebensfreude kommt im gesamten Krchenraum zum Ausdruck, auf dem Altarbild ist aber der sterbende Christus am Kreuz abgebildet. Himmel und Hölle stehen sich einander gegenüber. Es werden auch die dunklen Seiten des Lebens nicht verschwiegen, Jesus leidet am Kreuz. Die Menschen, die in die Kirche kamen, hatten viel Leid im Krieg und danach erfahren. Hier brauchten sie ihr Leid nicht zu verdrängen, sie konnten Trost finden bei ihren Verlusten und Bedrängnissen in dem Leiden und Sterben Jesu Christi. Das Altarbild " Die Kreuzigung" gemalt von Louis Castelli nach einem Bild von C. W. E. Dietrich spricht uns an. Das Original ist in der Kirche zu Elstra. Die Beleuchtung der Kirche geschieht nicht wie in romanischen und gotischen Kirchen durch Kerzenlicht, sondern durch die hohen durchsichtigen Fenster kommt das Tageslicht herein. Man wollte etwas sehen und aus den Gesangbüchern mitsingen können. Besonders wichtig ist in den protestantischen Barockkirchen der Ort der Kanzel. Oft rückt sie in den Mittelpunkt, weil Gotteswort in den Mittelpunkt gerückt wurde. Bei uns befindet sich die Kanzel auf der rechten Seite hoch oben an der 1. Empore. |
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| Altar Der barocke Baustil veranschaulicht das neue Weltbild des Menschen, beachtet aber auch die Tradition. So ist unser Altar z.B. wie eine Wand, ähnlich einem Lettner gestaltet. Neben dem Bild des Gekreuzigten ist der Altar durch 3 allegorische Figuren Sinnbild der lutherischen Kirchenlehre. Figur: : Der Glaube Figur : Die Hoffnung Figur : Die Liebe |
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| Taufstein Der Taufstein aus der ersten St. Otto Kirche ist nicht mehr vorhanden. Mit dem Neubau kam ein Taufständer hinein. Dieser ist ein Lesepult mit einem abnehmbaren oberen Teil, darunter befindet sich die Taufschale. In den 50-iger Jahren gefiel dieser farbig bemalte barocke Taufständer offensichtlich der Gemeinde nicht mehr und nach der vorübergehenden Aufstellung eines Taufsteins aus Zement hatte die Gemeinde das Glück einen Taufstein aus Porphyr von 1650 aus dem Museum zu bekommen. Dieser hatte früher einmal in der Petri Kirche zu Rochlitz gestanden. Im Besitz unserer Gemeinde befindet sich noch eine alte Taufschüssel, messinggetrieben und vergoldet. Solche Taufschüsseln sind in Sachsen nicht all zu häufig. Das plastische Mittelstück, bei uns ist " Mariä Verkündigung " dargestellt, wurde durch Schlagen auf eine unterlegte Form erzielt und danach wurde von oben das Bild eingetrieben. Die Inschrift wurde eingepresst oder mit Stahlstempeln eingeschlagen. Die Handwerker nannte man Beckenschläger. 1373 wird erstmals so ein Beckenschläger in Nürnberg erwähnt. Unsrer Taufschüssel stammt aus vorreformatorischer Zeit und ist mindestens 500 Jahre alt. Die Inschrift auf dem Schüsselrand hat den Wissenschaftlern Rätsel aufgegeben. Jetzt ist man der Meinung, das sie " Hilf uns" bedeutet. |
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| Die evangelischen Beichtstühle Rechts und links im Altarraum sind Beichtstühle zu sehen. Nicht mehr häufig sind sie in evangelischen Kirchen anzutreffen. Später wurde dort keine Beichte mehr abgenommen, sondern sie dienten als Plätze der Kirchvorsteher |
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| Die Decke Sie zieht unseren Blick an, nicht durch farbintensive Gemälde, sondern durch einen sehr zart und filigran gestalteten Stuck. Besonders schön in der Schönburgischen Grafenloge. An der Decke im Kirchenschiff finden wir auch "das Gottesauge", ein Dreieck von dem Strahlen ausgehen, ein Zeichen der Dreieinigkeit und das Christusmonogramm I H S . |
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| Die Bänke Man kann sich in diesem hohen Kirchenraum mit 2 Emporen und 600 Sitzplätzen wohlfühlen und unwillkürlich kommen die Gedanken, wie viele Menschen und Generationen werden hier zu Gott gebetet und Gott gedankt haben! Unseren Bänken sieht man ihr Alter an, es sind noch die Originalbänke. Sie können Namen und Orte darauf geschrieben finden. Die "Stühle" wurden gekauft. Das war bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts so. Jede Familie hatte ihren festen Platz, oft mit einem kleinen Holzkasten versehen, in dem Gesangbuch und Brille aufbewahrt wurden. Einige Gottesdienstbesucher suchen immer mal wieder den Platz auf, auf dem ihre Vorfahren gesessen haben. |
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| Sprüche In unserer Kirche sind viele Sprüche zu entdecken. Einige Beispiele : Über dem Altar steht auf Hebräisch "Jahwe" (Gott), über der Orgel auch auf Hebräisch " Halleluja". Über der Figur Liebe ist ein lateinischer Spruch. Mihi omnis Iesus - Mein alles ist Jesus . An der Orgelempore kann man unter anderem lesen: Sic lauda al auda, darunter übersetzt: Alles was Odem, hat lobe den Herrn, oder: Virtute artificis : Tu auf meinen Mund zum Lobe dein. |
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| Orgel Einen ganz neuen Stellenwert bekam in den evangelischen Kirchen die Musik. Ganz besonders Johann Sebastian Bach ließ den evangelischen Glauben zu Musik werden. Anstelle der prunkvollen Ausgestaltung der Kirchen des kath. Barocks nahm im protestantischen Barock die Musik eine bedeutende Stellung ein und es wurden große Orgeln oft unter beratender Beteiligung Bachs gebaut. Unsere Schrammorgel 1780/1781 von Johann Jacob Schramm aus Mülsen, einem Silbermannschüler, erbaut, ist das Wertvollste in unserer Kirche. Sie besteht aus 1679 Zinn - und 202 Holzpfeifen. Durch die Restaurierung der Orgel 1989 durch die Firma Eule können die ursprüngliche Klarheit und Reinheit der Töne und sämtlicher Tonreihen wieder voll zur Geltung kommen. Noch manches andere Interessantes ist in unserer Kirche zu entdecken. Sie lädt in der Hektik und Unruhe unserer Zeit zum Stillewerden und zu einem Gebet ein. Lassen Sie sich in unserer St. Otto Kirche mitnehmen in einen himmlischen Festsaal, in dem man in die Dynamik des Lebens einbezogen wird und Gott ganz nahe kommen kann. |
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