ein schwarzer tag für rumpelstilzchen

ein schwarzer tag für rumpelstilzchen

aber er ist noch nicht geplatzt! es besteht noch kein anlass, die sektkorken knallen zu lassen! ob frau suckale heute abend in ihr kissen heult? :00019: i don't think so. vielmehr wird jetzt umso mehr genetzwerkt, gefaxt und gedroht. all die freunde in der justiz und im reichstag, all die wasserträger in transnet und presse kriegen jetzt ihre einberufungsbefehle. suckales propagandastrategie: das vaterland ist in gefahr! die deutsche wirtschaft wird zusammenbrechen! ausgehungerte kunden werden sich vor leeren supermarktregalen um die letzte banane prügeln! und das ist nur die propagandafront. ein eilantrag in karlsruhe ist sehr wahrscheinlich und könnte uns wieder ausbremsen. was aber noch viel gefährlicher ist: ein noch so mickriges kompromissangebot der bahn wäre schwer abzulehnen. die gdl betont ja immer wieder ihre staatsbürgerliche und wirtschaftspolitische zuverlässigkeit. weselsky sieht die gewerkschaft ausdrücklich nicht als speerspitze gegen den börsengang, schell kokettiert im stern-interview mit seiner cdu-mitgliedschaft. ich kann nachvollziehen, dass man sich gegen den vorwurf, ein rasender irrer zu sein, mit möglichst gesetzestreuem auftreten und bürgerlich-behäbigem pfeifenrauchen zu wehren sucht. aber darin steckt eben auch das risiko. die forderung der lokführer ist gleichzeitig harmlos und rebellisch: harmlos, weil sie sich nach den gar nicht so guten alten zeiten der tarifpartnerschaft zurücksehnt, nach dem sozialstaat der 70er und 80er, als die gewerkschaften im vorauseilenden gehorsam ihre linken fraktionen kaltstellten und die entgarantierten, unterbezahlten, leiharbeiter und arbeitslosen schmählich (bis heute) im stich liessen. besonders die steinalte gdl ist anfällig für diesen egoismus von privilegierten facharbeitern, der sich meiner meinung nach in der schnellen preisgabe der zugführer zeigt. wenn transnet oder dgb uns an dieser stelle angreifen, hat das im gegensatz zu den vielen anderen vorwürfen tatsächlich etwas substanz, sie lassen aber geflissentlich die tatsache unter den tisch fallen, dass die grossen gewerkschaften nicht einmal die interessen ihrer "edelsten" mitglieder zu verteidigen in der lage sind. der kalte wind der globalisierung wird noch ganz andere privilegien zum einsturz bringen und hat damit schon lange begonnen: was ist schon die alte deutsche handwerkerehre in zeiten der leiharbeit wert? das ist der grund, warum suckale und konsorten immer wieder ihre verachtung für unseren beruf ausdrücken, stichwort: fährt doch eh alles automatisch. unsere typische reaktion ist dann der empörte hinweis auf unser profundes fachwissen (das wir gar nicht mehr so haben - verglichen mit den lokführern vor 10, 20, 30 jahren) und unsere altehrwürdige tradition (von der man sich letzten endes nichts kaufen kann). das einzige, was uns rettet, ist die objektive unmöglichkeit, uns bei laufendem betrieb kurzfristig zu ersetzen und der hohe organisationsgrad der lokführer. dass die lokführeraus- und fortbildung in den letzten jahren immer mehr auf volkshochschulniveau ohne nennenswerten widerstand der gewerkschaften gedrückt wurde (7-monats-kinder etc.) zeigt aber, wohin die reise geht: billig-lokfahrer für eine billig-bahn, die den mitarbeitern und kunden teuer zu stehen kommt. wenn das eba nicht wäre, und wenn nicht noch viele altgediente und einige übermotivierte neueisenbahner für ein gewisses minimalniveau sorgen würden, hätten wir jedes wochenende ein neues brühl, eschede, usw. das festhalten an traditionen ist in einer weltwirtschaft, die alles althergebrachte umstürzt, bestenfalls harmlos, schlimmstenfalls reaktionär. der dgb hat in den letzten jahren bewiesen, dass er die mühsam errungenen zugeständnisse des kapitals nicht verteidigen kann und hat oft geholfen, sie mit abzubauen (z.b. agenda 2010). die sehnsucht nach der trügerischen idylle der flächentarifverträge und einheitsgewerkschaften, der mitbestimmung und nicht zu vergessen der vielen br- und aufsichtsratsposten nimmt uns die waffen aus der hand, genau in einer zeit, wo ein gnadenloser klassenkampf von oben geführt wird, eine unaufhörliche massenenteignung (ausverkauf der öffentlichen reichtümer wie bahn, strom, wasser, bildung, usw.), politische entrechtung, und (obwohl es nicht exakt hierhin gehört) ein ewiger weltkrieg um die letzten ressourcen. es ist nicht der moment, um den kopf in den sand zu stecken und sich über ein ausnahmsweise mal nettes gerichtsurteil zu freuen. das zeigt nur, dass wir noch nicht begriffen haben, dass die ausübung unserer (streik-)rechte keiner erlaubnis bedarf! warum ist aber die forderung der lokführer trotzdem brisant? weil in dieser alternativlosen globalisierung jede noch so kleine forderung potentiell zum sprengsatz werden kann. unser wunsch nach mehr geld, weniger arbeit und vor allem einem eigenen tarifvertrag ist ja nichts revolutionär neues, hängt aber mit 1000 forderungen hierzulande zusammen. die ganze neoliberale scheisse, die uns seit jahren eingeflösst wurde, kommt da mit einem schlag hoch, vom börsengang bis zur rente mit 67. die presse sollte sich nicht fragen, warum schell (um den es gar nicht geht) so zickig ist, sondern warum es eigentlich nicht überall knallt: in den arbeitsämtern, schulen, unis, leiharbeitsfirmen, knästen, grossbetrieben und wo sonst der rotstift regiert und die zivilisation abgewickelt wird. warum lassen die leute sich mit diesen phrasen von standort, vaterland, sozialem frieden und der hetze gegen alle möglichen in- oder ausländischen konkurrenten abspeisen? es ist eben leichter, gegen florida-rolf als gegen hartmut mehdorn zu kämpfen, der sich sehr wohl zu wehren weiss. der kampf gegen sozial schwächere bringt zwar keinen cent mehr aufs konto, aber man kann sich da so schön abreagieren! und es ist ja deutsche tradition, nach unten zu treten und nach oben zu buckeln... wenn es jemals in diesem land besser werden soll, muss diese tradition zu grabe getragen werden. wie schon georg büchner 1834 im hessischen landboten sagte: friede den hütten! krieg den palästen!