Bonsai

Die Auseinandersetzung mit Bonsai hat in Sachsen eine lange Tradition. Diese resultierte insbesondere aus der Liebe sächsischer Kurfürsten zur ostasiatischen Kultur und insbesondere auch Gartenkultur.

Die warscheinlich erste Beschreibung von Bonsai in Europa lieferte der Deutsche Andreas Cleyers 1863, der im Auftrag der Niederländischen Ostindien-Kompanie Japan bereiste, in einem seiner Briefe an Auftraggeber und Gelehrte:
"So ... angesehen ich kleine baüme, di in große töpfe geplantzt waren, und von zwanzig, dreißig, biß vierzigerleÿ arten blumen trugen, das eine lust anzusehen war"

Der spätere Dresdner Hofgärtner George Meister, ein Begleiter Cleyers, beschreibt später 1692 in dem Buch "Der Orientalisch-Indianische Kunst- und Lustgärtner" die Kultur von Bonsai.
Er schreibt u.a. : "In den großen runden Steinen und Klippen haben sie einen Fuß tief runde oder länglichte Löcher, welche sie mit Erde füllen und hernach ihrer Art kleine Bäumgen hineinpflanzen, welche zum Teil Früchte, die meisten aber allerhand Art schöne und wohlriechende Blumen tragen, wie auch allerhand Zwiebelgewächse, welche ziemlich rar und angenehm zu sehen sind, ...".

Auch Hofgärtner J.H. Seidel zeigte an den Zwergbäumen Interesse und verfasste 1803 in seinem Buch "Der Frühlings- und Sommergärtner" einen Abschnitt "Von der chinesischen Zwergbaumzucht oder Obstorangerie". Bereits die Umschlagseite des Buches ziert die Abbildung eines Chinesen, welcher einen Bonsai trägt. Seidel verfügte schon zu der Zeit über Wissen und Erfahrung zur Kultivierung von Zwergbäumen, die ihren Ausdruck in der Kultivierung von Zwergobstgehölzen in der Orangerie des Sächsischen Hofes fanden.

Anlässlich der III. Internationalen Gartenbauausstellung 1907 in Dresden fand auch eine Zwergbaumausstellung statt, vermutlich die erste in Deutschland. Bereits damals wurden offensichtlich viele Besucher von Bonsaivirus infiziert, denn es begann in der folge ein reger handel mit Bonsai, die aus Japan oder China meist über England nach Deutschland gelangten.

In den 70-er Jahren begann der Dresdner Gärtner Wilhelm Elsner, eine Bonsai-
sammlung aufzubauen.
Bonsai als wurde zunächst als "Kunst des Klassenfeindes" von der damaligen Staatsführung kritisch betrachtet. Erst als sich der gartenbesessene damalige Ministerpräsident Stoph für Bonsai zu interessieren begann, wurde Bonsai in der damaligen DDR hoffähig. Auch witterte man im devisenschwachen Land neue Exportchancen. Im Jahre 1982 begann im VEG Saatzucht Zierpflanzen Erfurt mit der "Produktion" von Bonsai. 1984 kamen die Pflanzen ins neugegründete VEG Saatgut Zierpflanzen Dresden.

Während in Westdeutschland v.a. Importe aus Ostasien die damalige Bonsaiszene bestimmten, wurde hier, aus der Not geboren, der konsequente Versuch gemacht, einheimische Arten mit ostasiatischen Techniken zu gestalten. Es wurde ein Konzept entwickelt, welches neben der Gestaltung auch die Präsentation mittels eigens dafür entworfener Schalen, Präsentationstischen und Ausstellungsequipement umfasste.
Dieses Herangehen wurde als "Dresdner Bonsaiweg" bekannt und kann als einer der ersten Versuche gesehen werden, einen eigenständige europäische Bonsaikultur zu entwickeln.

1987 wurde eine Forschungsstelle Bonsai in Pirna geschaffen und seit 1988 haben die Bonsais ihre Heimat im Park Zuschendorf. 1994 kam die Sammlung Elsner hinzu. Heute ist die Bonsaisammlung als Teil der Botanischen Sammlungen Zuschendorf dem Botanischem Garten der TU Dresden zugeordnet und führt leider ein Schattendasein hinter den bedeutenderen Kamelien- und Azaleensammlungen.

Zur sächsischen Bonsaitradition gehören nicht zuletzt die vielen begeisterten Hobbybonsaianer. Angeregt insbesondere durch Elsner und seine bekannten Bonsaibücher, bildeten sich in den 80er Jahren im Rahmen des Kulturbundes zahlreiche Bonsaigruppen, die sich mit der politischen Wende weitgehend auflösten. Erst seit Mitte der 90er Jahre gründeten sich Bonsaiarbeitskreise neu, wie die Bonsaifreunde Mittelsachsen e.V. und die
Bonsaifreunde Ostsachsen Südbrandenburg.
Diese sind bestrebt, die Tradition auf qualitativem hohem Niveau fortzusetzen.
2007 meldete sich die Ostdeutsche Bonsaiszene mit der Ausstellung
"100 Jahre Bonsai Deutschland" in Dresden-Pillnitz eindrucksvoll zurück.
Diese erste Bonsaiausstellung von internationalem Rang im Osten Deutschlands war ein Gemeinschaftswerk aller mitteldeutschen Bonsaiarbeitskreise, welche sich folgerichtig zum Mitteldeutschen Bonsai Regionalverband e.V. zusammenschlossen, mit dem Ziel, den Bonsaigedanken im Einzugsgebiet weiter zu befördern. 2009 richtete der MBR e.V. die Bundesausstellung des Bonsai Club Deutschland e.V. in Erfurt aus.

Quellen: Brief A. Cleyer an S. Scheffer zwanzigster.Dezember.1683:
Kongelige Bibliotek København; Handskriftafdelingen (Ny kgl. Saml. 358, 2o)
www.kamelienschloss.de,Gärtnerisch Botanischer Brief 141 (M. Riedel), 2000/4



 

Bonsaiausstellung
"100 Jahre Bonsai
Deutschland"
Dresden Pillnitz 2007

 

Sonderpublikation
"100 Jahre Bonsai
Deutschland"


Titelbild aus Seidels
"Der Frühlings- und Sommergärtner"

 

Bonsaiinfoblatt
des Kulturbundes der DDR
Heft:
1 2 3 4 5

 

Bonsaiausstellungen
in der DDR

 

Bonsaiinfoheft des
VEG Saatzucht Zierpflanzen
Dresden


Ausstellung der Bonsaifreunde
Ostsachsen Südbrandenburg,
2005 Schloss Branitz/Cottbus

 

Bonsaiausstellung
"Bonsai-Faszinationen"
Bundesausstellung des
des BCD e.V
Erfurt 2009

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