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Mitte 2005 entstand in geselliger Kneipenrunde die Idee einer Ausstellung aller ostdeutschen Bonsaigruppen, der ersten nach der
Wende.
Nach dem Zusammenbruch der Bonsaiarbeitskreise des Kulturbunds hatte sich seit Mitte der 90er eine neue junge Szene entwickelt und durch regionale Ausstellungen auf sich aufmerksam gemacht.
Organisatorisch herrschte ein Vakuum, der Bonsai Club Deutschland e.V. kam im Osten nicht vor, hatte die Entwicklung im Osten schlichtweg verschlafen.
Um eine Ausstellung solcher Dimension so stemmen, bedarf es einer Organisationsform, Geld und ein Motto , welches als Zugpferd wirkt.
Durch Zufall wurde ich auf die erste Präsentation von anlässlich der III. Internationalen Gartenausstellung in Dresden 1907 aufmerksam.
"100 Jahre Bonsai Sachsen", das wäre ein Zugpferd. "100 Jahre Bonsai Sachsen???", meine Jörg Frahnow, "100 Jahre Bonsai Deutschland!!!".
Das wird der erhoffte Paukenschlag, das war uns sofort klar, auch dass wir damit gesamtdeutsche Dimensionen heraufbeschwören.
Wir ahnten jedoch nicht, welches Echo schon dei Ankündigung der Veranstaltung auslösen sollte.
Dann ging alles schnell, ein Finanzkonzept wurde erarbeitet, mit der Orangerie in Pillnitz wurde ein bezahlbarer und würdiger Veranstaltungsort gefunden, ein Lokaltermin wurde vereinbart und alle
ostdeutschen Bonsaigruppen eingeladen.
An einem trüben Novembertag 2005 bei Schneeregen traf man sich in Pillnitz und alle Bonsaigruppen hatten Vertreter geschickt (siehe Bilder unten).
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Das Konzept u.a. über einen 5 stelligen Etat war Offensichtlich so überzeugend, dass es einstimmig angenommen wurde.
Nun begann die eigentliche Arbeit, Arbeitsgruppen wurden gebildet, die Equipement, Rahmenprogramm, Sonderausstellung,
Werbung/Internet und Baumanmeldung organisieren bzw. vorbereiten.
Als Oragnsationsform wurde eine GbR gegründet. Die Finanzierung basiert auf Einnahmen aus Händlerstandvermietung, Sponsoren-/ Werbegelder
und Eintrittsgelder. Da Besucherzahlen nicht planbar sind, wurde zur Füllung dieser Risikolücke die Auflage eines Sonderheftes zur Ausstellung, welches kplt. aus Werbung
finanziert wird, beschlossen.
Im Ergebnis entstand durch die Autoren Herbert Obermayer, Jörg Frahnow und Thomas Pallmer ein Werk, über das die BonsaiArt schrieb:
"Dieses Heft ist vor allem dank seines ersten Teils höchst interessant und wichtig. Es ist ein meines Wissens nach erster konkreter Versuch einer Verortung von Bonsai in deutscher und europäischer Geschichte."(Michael Exner)
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Die Vorbereitungsphase lief reibungslos. Die Händlerstande waren binnen Kurzem Vermietet, für das Rahmenprogramm konnten mit u.a. Jürgen Zaar, Jörg Derlin, Uli Ernst, Vaclav Nowak und Reiner Göbel nahmhafte Gestalter gewonnen werden
und die Baumanmeldung verlief reibungslos.
Nicht voraussehbar waren die Randerscheinungen rund um "100 Jahre Bonsai Deutschland in Ost und West.
In diversen Foren wurde u.a die Frage aufgeworfen, ob die Ossis sowas überhaupt dürfen.
Es wurde mit Austritt aus dem BCD gedroht, wenn der Club sich mit nur einem Euro an der Veranstaltung beteiligt.
Zwischenzeitlich wurde erwogen, die Jahreshautversammlung des BCD e.V in Pillnitz abzuhalten,
dann wieder verworfen, weil Dresden ja soooo weit wäre.
Kurz, der Club verschenkte eine Chance, endlich im Osten anzukommen.
Auch im Osten drohte Ungemach, denn der ehemalige Chef der Bonsai-Kulturbundgruppen und jetzige Leiter
der Botanischen Sammlungen Pirna-Zuschendorf (7 km von Pillnitz entfernt), hatte zur Gegenveranstaltung unter fast gleichem Namen geblasen und unterlief, dank seiner Beziehungen zu den Medien,
unser Werbekonzept.
Das führte zu Schlagzeilen wie "Bonsaikrieg in Sachsen" (Filmbeitrag von MDR-Sachsenspiegel) und gipfelte letzlich nach Kritik von führenden Bonsaivertretern an dem Zustand der Zuschendorfer Bonsaisammlung in einem Hausverbot für mich (siehe auch Presse).
Das änderte nichts am Erfolg der Veranstaltung.
"100 Jahre Bonsai Deutschland" wurde ein Bonsaifest und eine der erfolgreichsten Bonsaiveranstaltungen der letzten Jahre mit internationaler Beteiligung und Beachtung.
3 Tage war Pillnitz fest in der Hand von Bonsaianern. Tags tarf man sich in der Ausstellung und Abends in den Biergärten.
Es begann Donnerstag mit dem Aufbau von Ausstellung und Sonderausstellung zur Geschichte von Bonsai in Deutschland und Bühnebereich.
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Insgesamt waren über 30 Bonsaifreunde bei Aufbau und Absicherung der Veranstaltung, tw. über die gesamten Ausstellungstage im Einsatz.
Ohne solch eine Truppe, die mit derart Elan und eifer am Werk war, wäre ein solches Evant nicht zu realisieren.
Die Sonderausstellung zeigte historische Dokumente zur Geschichte von Bonsai in Deutschland, wie die erste deutschprachige Erwähnung von Bonsai 1692 durch Georg Meister (Bild).
In der Ausstellung waren hochklassige Bäume zu sehen, u.a. historische Bäume, wie der ursprünglich von Wolf D. Schudde stamende Logo-Baum der Baumschule Enger.
Im nonstop moderierten Rahmenprogramm traten als Gestalter auf Jürgen zaar, Vaclav Nowak (Tschechien), Reiner Göbel (Kanada), Piotr Cerniachowski (Polen), Jörg Derlin, Uli Ernst, David Holz und Jörg Flade.
Zeitweise zeigten bis zu 6 Gestalter gleichzeitig vor fast immer dichtgefüllten Zuschauerreihen ihr Können.
Die Besucher ströhmten, v.a. Samstag herrschte tw. vor Andrang Ausnahmezustand in der Ausstellung und auch die Händler machten gute Geschäfte.
Auch für die organisierenden Arbeitskreise war "100 Jahre Bonsai Deutschland" ein Erfolg.
Alle Kosten wurden gedeckt gedeckt und dabei ein umfangreiches Equipement finanziert, welches für künftige veranstaltungen zur Verfügung steht.
Für die ostdeutschen Bonsaigruppen war es eine Initialzündung für weiter gemeinsame Aktivitäten und ein noch engeren organisatorisches Zusammrücken, welches letzlich in der Gründung des
Mitteldeutschen Bonsai Regionalverbund im Herbst 2007 mündete.
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