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Sonnenverehrung, Sonnenkult
Geschichtliches und Kulturelles
Die Sommersonn(en)wende ist zugleich
der Beginn der Jahreszeit Sommer und wird seit jeher von den Menschen
als mystischer Tag betrachtet, oft begleitet von religiösen Feierlichkeiten.
Je größer der Unterschied zwischen dem harten Winter und dem warmen Sommer,
desto festlicher hat man auch diesen Tag gefeiert. Hoch im Norden, wo in der
sommerlichen Jahreszeit die Nächte gar nicht mehr dunkel werden (man spricht
auch von den Weißen Nächten), sind Sonnenwendfeiern
wesentlich wichtiger, als z.B. am Mittelmeer.
Die Sonnenwendfeste haben vor allem in den germanischen, nordischen und
keltischen Religionen einen festen Platz.
Seit der Christianisierung Europas werden diese
Feiern oft mit dem 24. Juni, dem Tag Johannes des Täufers, verbunden, und einige
der Sonnenwendbräuche, die sich bis heute erhalten haben, wie die
Johannisfeuer, sind nach ihm benannt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die
wiederentdeckten altgermanischen Sonnenwendfeiern offizielle Feiertage und
in die Nazi-Symbolik von Volk, Blut und Boden integriert. Dies schadet ihrem
Ruf teilweise bis heute. Die Esoterik und Astrologie beruft sich auch auf so manche heidnische Tradition und feiert die
Sonnenwende als Sonnenkult.
Das Sommerwetter und die noch frühlingshafte Wachstumsstimmung in der
Natur ist ideal für Freiluftveranstaltungen aller Art. So ist die
Sonnenwende oft nur ein willkommener Vorwand, aber kein eigentlicher Grund
der zahlreichen Feste und Feiern in dieser Jahreszeit.
Eratosthenes benutzte eine
Sommersonnenwende, um den Erdumfang zu bestimmen.
William Shakespeares Komödie A Midsummer
Night's Dream (dt. Ein Sommernachtstraum) handelt während
einer Sommersonnenwende. Im Nibelungenlied werden die Sonnwendfeiern
ebenfalls erwähnt
Zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende (lat.:
Solstitium), auch Mittsommernacht genannt, um den 21. Juni herum, steht die Sonne scheinbar direkt senkrecht über dem nördlichen Wendekreis der Erde.
Die Nacht der Sommersonnenwende ist
aus diesem Grund die kürzeste im Jahr; ab diesem Zeitpunkt werden die Nächte
wieder länger und die Tage wieder kürzer bis zur Wintersonnenwende.
Astronomisch betrachtet handelt es
sich dabei um die Umkehr der Deklinationsbewegung. Im Jahr 2003 war die Sommersonnenwende um 21:10 Uhr
MESZ, 2004 war sie wegen des Schalttages schon um 02:57 Uhr MESZ.
Hinweis: alle Angaben sind auf die nördliche Erdhalbkugel bezogen. Von der Südhalbkugel aus betrachtet sind
Sommersonnenwende und Wintersonnenwende genau vertauscht, da dort Sommer ist, wenn auf der Nordhalbkugel Winter ist.
Siehe auch: Sonnenwende, Tagundnachtgleiche, Wendekreis, Externsteine (dort findet die größte
unorganisierte SSW-Feier in Deutschland statt), Stonehenge, Ales Stenar.
Sonnenverehrung oder Sonnenkult
beschreibt einen
Kult oder eine
Religion, dessen zentrales
Motiv der Orientierung oder Anbetung die
Sonne ist. Dabei repräsentiert das physische Zentralgestirn unseres
Planetensystems die oberste
Gottheit oder die höchste Kraft der jeweiligen
Kosmologie
Mayas
Ein Sonnenkult war bei den Mayas
Staatsreligion.
Kelten und Germanen
Bei den
Kelten waren es die
Druiden, die großes Astronomisches Wissen besaßen und wahrscheinlich die
Sonne genau beobachteten.
Sonnenwendtage sind die größten Feiertage in dieser Mythologie.
Neuzeit
In der Esoterik hat auch die Sonne
eine große Bedeutung. Zum einen durch zahlreiche Versuche, alte Sonnenkulte
wiederzubeleben. Auch sehen manche Esoteriker
Jesus als Personifizierung der (geistigen) Sonnenenergie, des
sogenannten Sonnenstrahls. Desweiteren wurden einige Sonnensekten gegründet
Altes Ägypten
Die Sonne war lange Zeit im alten
Ägypten oberste Gottheit und trug abwechselnd verschieden Bezeichnungen.
Zum Teil wurde sie als rechtes Auge des Himmelsherrn angesehen (Sonnenauge),
oder als selbständiger Weltkörper.
Es gab die Vorstellung, dass die
Sonne eine linsenförmige Scheibe war. Andere meinten, die Sonne sei eine
rote, glühende Scheibe, die in einer
Sonnenbarke (ein großes Schiff) den Himmel befuhr. Sie spiegelte aber
auch den Lebenszyklus eines Ägypters auf die Länge des Tages wider: Die
Sonne wurde als Kind am Morgen geboren (Chepre),
war am Mittag im besten Mannesalter (Ra)
und starb dann am Abend als Greis (Atum).
Diese Vorstellung vom täglichen Leben
der Sonne wurde später dahingehend modifiziert, dass sie zu jeder einzelnen
Stunde, wo sie am Tag sichtbar war, eine andere Gestalt annahm, wie zum
Beispiel: Vom Kind über den Mann mit
Widder- und
Falkenkopf bis hin zum Greis in Affen-, Löwen- und auch wieder Widder
und Falkenform.
Eine leicht andere Ausprägung war,
dass der Sonnengott in einem Gewaltigem Sonnenschiff (Sonnenbarke) über den
Himmel fuhr, um sich wieder zu erneuern.
(aus
Wikipedia, der freien Enzyklopädie)
Die Sonne hatte bei den Altägyptern
„nur“ den Rang eines allmächtigen Gottes. Gleichwohl dürften aufmerksamen
Wüstenbewohnern nicht entgangen sein, dass dann und wann einmal bei
niedrigem Sonnenstand Flecken mit bloßem Auge sichtbar waren, möglicher
Weise wurde diese Beobachtung als Fehler abgetan oder unterdrückt, da ja das
Antlitz des höchsten Gottes vollkommen sein musste und ein Gott mit Flecken
war alles andere als vollwertig. Das ist vermutlich der Hauptgrund, weshalb
sich in alten Inschriften, Hieroglyphen oder auf Papyrii keinerlei Hinweise
auf Fleckenbeobachtungen finden lassen.
Die ersten Ansätze für eine tiefer gehende kultische Sonnenverehrung lassen
sich in der 3. Dynastie (ca. 2600-2570 v. u. Z.) finden. Zentrum war die
Hauptstadt des 13. unterägyptischen Gaues: On oder Heliopolis am Beginn des
Nildeltas gelegen. Dieser Ort wurde zu einem der bedeutendsten Kultstätten
des ganzen Reiches. Gleich unter mehreren Namen verehrte man hier die Sonne:
Atum, Chepri und Re-Harachte. Es soll hier einst eine Nachbildung des Hügel
aus Sand gegeben haben, über dem die Sonne nach einer der Götterlehren zum
ersten Mal aufgestiegen war sowie unzählige Obelisken mit zahlreichen, dem
Sonnengott huldigenden Gravuren.
Da der Sonnengott als der mächstigsten im alten Ägypten galt, wählten ihn
die Könige des spätestens des Mittleren Reiches durch Ergänzung ihres
Eigennamens in der Verbindung mit Amun oder Re zu ihren Schutzgott. Mit dem
Bau der Cheops-Pyramide und der damit verbundene Bau der großen Sphinx, das
aus einem einzigen Felsen gehauene Bild des Sonnengottes in Gestalt eines
liegenden Löwen mit dem menschlichen Kopf des Königs begann in der 4.
Dynastie (ca. 2570 – 2450 v. u. Z.) die Hauptphase der Sonnenreligion. Schon
in der 3. Dynastie war er immer stärker geworden und nun verdrängte der
Sonnengott Re den Falkengott Horus in der Staatsreligion. Mit Userkaf kam zu
Beginn der 5. Dynastie (2450 bis 2300 v.u.Z.) zum ersten Mal ein besonders
eng mit dem Sonnengott verbundenes Königshaus auf dem ägyptischen Thron. Mit
einer Unterbrechung durch Amenophis IV. oder Echnaton, der mit der
Vielgötterreligion brach und an seine Stelle die Sonnenscheibe Aton setzte
und damit eine Revolution sondergleichen auslöste, die ihn schlussendlich
dann auch wieder stürzte, war der Sonnenkult bis in die ägyptische Spätzeit
hinein der beherrschende Staatskult, der freilich durch verschiedene,
vornehmlich von außen kommende Einflüsse, sich im Laufe der Jahrhunderte
mehr und mehr wandelte, besonders in den so genannten Zwischenzeiten, die
von der Priesterschaft als schwere Prüfung für ihren Glauben angesehen
wurden.
Hauptmerkmal dieser Zwischenzeiten war, dass in dieser Phase die
Reichseinigung verloren ging, mal durch der Zerfall der staatlichen Ordnung
und der Ausrufung kleiner Fürstentümer (2154-1991 v. u. Z.), mal durch den
Einfall der Hyksos (1650-1550 v. u. Z.). Nach dieser Phase kam es jeweils zu
Erneuerungen des Reichseinheit und einer Erneuerung des Glaubens.
Verschiedene Sonnengötter
Die Hauptgötter Ägyptens waren Amun und Re. Re ist das ägyptische Wort für
Sonne in seiner koptischen Form, die auch die Griechen mit der Nebenform
„Ra“ übernahmen.
Für den ehrfurchtsvoll zum Himmel schauenden Ägypter war das Gewaltigste
dort die Sonne, dessen Hitze Schrecken, aber auch Segen hervorbringen
konnte, weshalb sie in der Gedankenwelt der Nilbewohner fester verankert
war, als in andere Kulturkreisen.
So trat sie denn auch in den verschiedensten Formen hervor: Teils wurde sie
als Auge des Himmelsherrn angesehen (Sonnenauge), teils als selbständiger
Weltkörper. So gab es die Vorstellung, dass die Sonne eine Linsen förmige
Scheibe war, die eine leichte Abplattung aufwies war (ähnlich einem
Rotationsellipsoid). Wahrscheinlich fand hier die auch in Wüstengebieten
nicht unübliche Beobachtung, dass die Sonne bei horizontnaher Stellung durch
die Refraktion der Erdatmosphäre gestaucht erscheint, Eingang in die
Religion.
Andere meinten, die Sonne sei eine rote, glühende Scheibe, die ein einem
großen Schiff, der Sonnenbarke, den Himmel befuhr. Sie spiegelte aber auch
den Lebenszyklus eines Ägypters, komprimiert auf die Länge eines Tages
wieder: Die Sonne wurde als Kind am Morgen geboren (Chepre), war am Mittag
im besten Mannesalter (Re) und starb dann am Abend als Greis (Atum). Diese
Vorstellung vom täglichen Lebend er Sonne wurde im ptolemäisch-römisch
Zeitalter dann dahingehend modifiziert, dass sie für jede einzelne Stunde,
wo sie am Tage sichtbar war, eine andere Gestalt annahm, vom Kind über den
Mann mit Widder- und Falkenkopf bis hin zum Greis in Affen- Löwen-, aber
auch wieder Widder- und Falkenform.
Die bedeutendste Vorstellung über die Sonne war jedoch folgende: Sie wurde
mit dem Falkengott Horus gleichgesetzt, der als höchster Himmelsgott über
den Lauf der Sonne wachte, die wiederum einmal von einem Skarabäus, einem
Mistkäfer, über den Himmel geschoben wurde und dabei vom Horus quasi
überwacht wurde. Eine leicht andere Ausprägung dieser Idee besagte, dass der
Sonnengott in einem gewaltigen Sonnenschiff, der sog. Sonnenbarke über den
Himmel fuhr und während der Nachstunden über den Fluss der Unterwelt fahren
musste, um sich zu erneuern.
Die Vorstellungen waren vielschichtig, wie alle religiösen Formen im alten
Ägypten und oft genug gab es feine Nuancen zwischen ihnen, abhängig von den
jeweiligen Lokalgöttern.
Sonnenheiligtümer
Kultstätten der Sonnengötter waren die Sonnenheiligtümer, die, im Gegensatz
zu anderen religiösen Zentren des Landes eine völlig andersartige, nämlich
offene Bauweise aufwiesen. Sie stellen den irdischen Wohnsitz der
Sonnengötter dar, und ließen dies durch großzügig gestaltete Innenhöfe und
Kultanlagen überdeutlich erkennen. Eine der bekanntesten Bauwerke dieser Art
befand sich in On oder Heliopolis. Hiervon ist heute jedoch kaum mehr etwas
vorhanden. Alle Tempelanlagen, Stelen, Denkmäler und sonstigen Gebäude
wurden seit der hellenistischen Epoche geschliffen, abgetragen als
Steinbrüche und für neue Bauten in Arabien verwendet.
Neben diesem Hauptsonnenheiligtum gab es noch eine ganze Reihe weiterer
Nebenheiligtümer, die aber nie die Bedeutung der Anlagen in Heliopolis
erreichen sollten.
Nach der Sonne orientiert
scheinen auf den ersten Blick viele Gebäude und Tempel. Wie unterschiedlich
hierüber jedoch die Auffassungen selbst fachkundiger Ägyptologen sein können
demonstriert folgendes Beispiel: So meinte 1894 Sir Norman Lockyer den
Beweis für eine Ausrichtung bestimmter religiöser Bauwerke auf die Richtung
der Sonnenwende gefunden zu haben. Danach waren diese Einrichtungen mal nach
dem Ort der Wintersonnenwende, andere wiederum nach der Sommersonnenwende
ausgerichtet. Drei der von Lockyer untersuchten Tempel standen in Karnak,
von denen zwei Amun-Re gewidmet und nach dem Ort des Unterganges zum
Zeitpunkt der Sommersonnenwende ausgerichtet sein sollten. Der dritte Tempel
wiederum war demnach zum Ort des Unterganges zum Zeitpunkt der
Wintersonnenwende orientiert. Schon 1973 hielt Gerald Hawkins dem entgegen,
dass auch die beiden erstgenannten Tempel zur Wintersonnenwende hin
ausgerichtet seien und führte als Beweis Luftmesskarten an, anhand derer er
errechnete, dass zur Wintersonnenwende des Jahres 1480 v. u. Z. die Sonne in
das Innere der Anlage hineinschien, mit einer Abweichung von lediglich +/-
0,2°. Inwieweit hierbei allerdings die Präzessionsbewegung der Erdachse
berücksichtig worden ist, darüber schweigen sich die Quellen indes aus. Ein
Hinweis jedoch ist bedeutsam: Viele Bauwerke wurden zum Nil hin
ausgerichtet, was insofern Sinn macht, als dass der Fluss die
Hauptlebensader des Landes darstellte und auch Mittelpunkt des Weltbildes
der alten Ägypter war, weswegen eine Orientierung sowohl nach dem Nil als
auch zu den Sonnenwendpunkten hin möglich ist.
Astronomisches in den Pyramidentexten
Die Ägypter verfügten über ausgeprägte Jenseitsvorstellungen, was durch in
viele Texten und letztlich durch die oft üppigen Grabbeigaben bestens
dokumentiert ist. Sie sollten das Leben des Toten in der jenseitigen Welt
begleiten, ihn die Prüfungen von dem Gott der Unterwelt, Osiris, bestehen
lassen und Gegenstände, die im diesseitigen Leben wichtig für den
betroffenen wichtig waren, sollten in der Unterwelt ihre Bedeutung nicht
verlieren. Helfen auf dem Weg durch die Unterwelt sollten auch verschiedene
Totensprüche und Totentexte. In früheren Dynastien war diese Art der
Totenverehrung eher den Königen vorbehalten und werden Pyramidentexte
genannt. Erst später konnten auch niedere Gesellschaftsschichten Texte an
ihren Grabstätten anbringen lassen.
Bereits im Jahr 1881 meinte der deutsche Ägyptologe Heinrich Brugsch
Hinweise auf astronomische Texte in den Pyramidentexten gefunden zu haben.
In Texten aus dem 3. Jahrtausend v. u. Z. extrahierte er Beziehungen zum
Sternbild Orion (noch heute glauben vor allem Esoteriker und Ufologen daran,
dass das Pyramidenfeld in Gizeh ein Abbild dieses Sternbildes auf Erden
darstellt, geflissentlich ignorierend, dass man da vor allem auf
wissenschaftlicher Seite ganz anderer Auffassung ist). Bedeutung hatte der
Orion vor allem durch die Beziehung zum und die Versinnbildlichung mit dem
Totengott Osiris.
In einem Relief des Ramesseums, dem monumentalen Totenhaus Ramses II.,
entstanden etwa 1250 v. u. Z., also rund 1000 Jahre nach den
Pyramidentexten, sollen ebenfalls hieroglyphische Inschriften auf diese
Verbindung hinweisen. Hier begegnet man auf der Vorstellung, dass der
Totengott Osiris (Orion) mit seiner Frau Isis (Sirius, gleichzeitig Sothis)
mit einem gigantischen Schiff über den Himmel fährt. Das wird nun
dahingehend interpretiert, dass auch der Totengott der Erneuerung bedurfte
(Zeit der Nichtsichtbarkeit des Sternbildes Orion) und schließlich
wiedergeboren wurde (heliakischer Aufgang). Außerdem werden figürliche
Darstellungen in diesem Relief als Sothis und die Planeten Merkur, Venus,
Mars, Jupiter und Saturn interpretiert.
Die Inschriften am Ramesseum lassen aber auch andere Deutungen zu: So sehen
manche Ägyptologen darin ein Abbild der Himmelsregion um die Sternbilder
Orion, Hase, Großer Hund und Taube, von den Ägyptern, wenn die vorgenommenen
Übersetzungen richtig sind, Binsengeflecht genannt. Auch die zirkumpolaren
Sterne sollen hier verewigt sein, was jedoch schwierig zu deuten ist, da die
Schriftzeichen hier nicht genau identifiziert werden können. Die Bedeutung
steht und fällt, wie wir gesehen haben, mit der Interpretation: Sehen wir in
diesen Hieroglyphen Symbole astronomischen Wissens, lässt das möglicher
Weise Rückschlüsse auf einen hohen Kenntnisstand zu, im umgekehrten Fall
wäre die altägyptische Astronomie schlicht bedeutungslos
Der Tierkreis von Dendera
Ungeachtet dessen darf als gesichert
gelten, dass es in den Tempeln ägyptische Priester gab, die der Sternenkunde
mächtig waren, sich mehr oder minder gut am Sternenhimmel auskannten.
Skulpturen, Stelen und Wandmalereien in Tempeln, an den Decken von Gräbern
und schließlich das Kalendersystem lassen auf gewisse Kenntnisse schließen.
Sie teilten den Himmel in 36 Dekangestirne auf zu jeweils 10°, wobei ein
Dekan (abgeleitet aus dem Griechischen Deka – zehn) ein Sternbild bzw. ein
Teil davon umfassen konnte. Sie waren eher Sternfelder, bei deren Aufgang
man in der Nacht zu allen Jahreszeiten die Zahl der vergangenen Stunden
bestimmen konnte. Freilich war die Länge der Stunden der jeweiligen
Jahreszeit angepasst, so dass in der Nacht immer die gleiche Anzahl an
Stunden verging, die dann im Sommer kürzer und im Winter länger waren.
Hintergrund ist, dass man die Tageslänge zu 24 Stunden in zwei gleich lange
Teile zu je 12 Stunden für die Nacht und für den Tag aufteilte.
Für die Überwachung der in der Nacht vergehenden Zeit saßen so genannte
Dekanbeobachter an herausragenden Orten und beobachteten einen Sternhimmel,
wie ihn nur Wüstenbewohner kennen, mit kristallklaren, trockenen Nächten.
Die Dekangestirne wurden später teilweise von den Griechen übernommen und in
ihre Tierkreis- oder Ekliptiksternbilder integriert und wurden auch bis zu
einem gewissen Grad Bestandteil der griechischen Astrologie.
Eine sehr schöne Darstellung des in Dekanen aufgeteilten Himmels befindet
sich im Vorraum zum Hathor-Tempel in Dendera, etwa 60 km nördlich von Kairo
am Rande der Wüste gelegen. Diese auch als Tierkreis von Dendera bekannte
Inschrift unter dem Dach eines Tempels wurde 1837 bei der Expedition
Napoleons nach Ägypten entdeckt, abgebaut und nach Frankreich verschifft.
Dort stürzten sich die Wissenschaftler förmlich auf das nur 1,5m
durchmessende Teil, untersuchten es und stellten zunächst sehr
widersprüchliche Theorien über sein Alter an. Anhand einiger Positionen der
Sternbilder zueinander meinten einige, die Abbildung seit um 4000 v.u.Z.
entstanden, andere meinten Vergleiche mit Sternkarten von Eudoxus ziehen zu
können und datierten es auf 1300 v.u.Z. Der bekannte französische Übersetzer
der Schriften des Ptolemäus ins Französische, Abbé Halma, meinte gar, der
Tierkreis stammte aus der Zeit um 364 v.u.Z und führte als Beweis die
Erwähnung von Mond- und Sonnenfinsternissen aus dieser Dekade an, die er aus
den Zeichen und Bildern herauszulesen glaubte.
Der Tierkreis enthält nicht nur eine bildliche Illustration der Dekane,
sondern auch der in römischer Zeit im Gebrauch befindlichen Sternbilder wie
Widder, Stier, Löwe, Jungfrau, Waage und Skorpion. Teile bekannter
Sternbilder waren zu anderen Konfigurationen geordnet oder erhielten einfach
nur andere Namen: So wurde aus einem Teil des Drachens das Nilpferd, der
Große Bär zum Stierschenkel, die Fische wie der Wassermann zweigeteilt, der
Schlangenträger wurde zum Bogenschützen in Zentaurengestalt, der Steinbock
zum im Orient weit verbreiteten Ziegenfisch, die Jungfrau zur Frau, die eine
Weizenähre trägt und der Krebs zum Skarabäus, einem Käfer.
Weitere Symbole im Tierkreis werden als Planeten (Merkur, Venus, Mars,
Jupiter und Saturn) bzw. als Vollmond gedeutet. Manch andere allerdings sind
mehr als umstritten und gelten auch eher als Spekulation, die in der
Ägyptologie ohnehin weit verbreitet ist, weil die weitschweifigen
Darstellungen der Ägypter eindeutige Zuordnungen und Beweise nicht zulassen.
Einer These zufolge, gibt ein in der Brust des Nilpferdes zu erkennendes
Zeichen die Position des ekliptikalen Nordpols zu jener Zeit an. Zusammen
mit anderen Punkten am Rande des Tierkreises sollen die Äquinoktialpunkte
und Solstitien und sogar deren Bewegungen aufgrund der Präzession verborgen
sein. Dass die alten Ägypter zwar die Auf- und Untergangspunkte zu
verschiedenen Jahreszeiten beobachtet und moglicher Weise auch aufgezeichnet
haben, mag ja noch angehen, dass sie aber Kenntnis von der Präzession der
Erdachse gehabt haben sollen, darf als eher unwahrscheinlich gelten., zumal
die zugrunde liegenden mathematischen Fähigkeiten nicht vorhanden waren.
Allerdings haben archäologische Untersuchungen gezeigt, dass die
Sternbildfiguren keineswegs ägyptischen Ursprungs waren, sondern auf
Einflüsse der Babylonier zurückzuführen waren. Die Sternbilder wurden
lediglich der ägyptischen Vorstellungswelt angepasst. Und die im Kreis
enthaltenen Tierkreis- oder Ekliptiksternbilder sind wohl eher ein
adaptiertes Erzeugnis, ebenfalls aus dem Zweistromland zwischen Euphrat und
Tigris.
Möglicher Weise entstand der Tierkreis von Dendera auch gar nicht in
Ägypten, sondern wurde quasi importiert, vielleicht aus Mesopotamien, und
beim Bau des Hathor-Tempels verwendet. Man hat den Tempel und seine
Inneneinrichtungen auf das Jahr 30 v.u.Z. zurück datiert. Der britische
Astronom Sir Norman Lockyer meinte gar, der Tempel selbst stünde auf einer
Isis-Kultstätte und wurde später aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen
überbaut. Demnach wäre er etwa im Jahr 700 v. u. Z. entstanden. Er hatte
eines der Bilder dahingehend interpretiert, dass ein Falke, der auf einer
Stange aus Papyrus sitzt, Sirius darstellte. Wie sich dann zeigen sollte,
war das eine Fehlinterpretation. Der Versuch Lockyers, seine These durch die
Berechnung der Ausrichtung de Hathor-Tempels auf einen Stern, zu retten,
scheiterte kläglich, so dass seinen Überlegungen heutzutage eher mit großer
Skepsis begegnet wird.
Auch hat sich die Bedeutung der Dekane im Laufe der Zeit stark gewandelt von
einer Möglichkeit, die Zeit bei Nacht zu bestimmen, bis hin zu
astrologischen Sichtweisen, wobei jeweils drei Dekane ein Tierkreiszeichen
bildeten und über das Schicksal der Menschen bestimmten.
Doch nicht nur die Bedeutung der Dekane war einem Wandel unterworfen, auch
das Prinzip der Zeitmessung mit ihnen wurde nicht immer beibehalten. Aus den
Gräbern Ramses VI, VII und IX aus dem 12. vorchristlichen Jahrhundert sind
Bilder bekannt, die 24 sitzende Männer zeigen. Zusammen mit den neben ihnen
gezeichneten Sternen kann man sich die Stundenzählung per Nacht etwas so
vorstellen: Die Männer, zumeist wohl Priesterastronomen oder ihre Helfer,
mussten bestimmte Positionen einnehmen, so dass man die Zeit ablesen konnte,
wenn ein Stern in bestimmter Position zu seinem Körper stand. Wie unsicher
diese Methode war, kann sich jeder denken.
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