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Die Himmelsscheibe von Nebra

 

… ist eine bronzene Metallplatte, ca. 3600 Jahren alt, mit Goldapplikationen, die offenbar astronomische Phänomene darstellt. Sie gilt als sehr alte konkrete Himmelsdarstellung. Gefunden wurde sie im Sommer 1999 von Raubgräbern in einer Steinkammer auf dem Mittelberg nahe der heutigen Kleinstadt Nebra in Sachsen Anhalt. Seit 2002 gehört sie zum Bestand des Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle.

Der Fundort liegt innerhalb einer älteren, ringförmigen Wallanlage auf dem Gipfel des 252 Meter hohen Mittelbergs. Die Wallanlage war nach astronomischen Prinzipien ausgerichtet: Die Sonne verschwand bei der Sommersonnenwende hinter dem Brocken.

Die Himmelsscheibe von Nebra hat einen Durchmesser von etwa 32 cm, eine Masse von gut 2 kg und eine (variable) Dicke von einigen Millimetern. Sie besteht aus Bronze. Ihr tiefes Grün (Malachit) ist nicht die ursprüngliche Farbe, sondern das Ergebnis der fast viertausendjährigen Bodenlagerung.

Die Plättchen stellen Sterne dar. Es gibt 32 Sterne, einer ist abgefallen, zwei sind auf Röntgenaufnahmen erkennbar. Die Gruppe der sieben kleinen Plättchen sind der Sternenhaufen der Plejaden. Die große Scheibe wird mittlerweile als Vollmond interpretiert, die Sichel als zunehmender Mond. Die abgebildete Konstellation zunehmender Mond und Plejaden markierte in der Bronzezeit den 10. März, die der Plejaden mit dem Vollmond den 17. Oktober, jeweils am Westhimmel kurz vor Untergang des Siebengestirns. Damit könnte die Himmelsscheibe als Erinnerungshilfe für die Bestimmung des bäuerlichen Jahrs von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte gedient haben.

 

Die später hinzugefügten Horizontbögen überstreichen jeweils einen Winkel von 82 Grad, ebenso wie Sonnenauf- und untergang zwischen Winter- und Sommersonnenwende am Horizont auf dem Breitengrad des Fundorts. Wurde die Scheibe waagerecht so auf dem Mittelberg positioniert, dass die gedachte Linie vom oberen Ende des linken Bogens zum unteren Ende des rechten Bogens auf die Spitze des etwa 80 km entfernten Brocken zeigt, konnte die Scheibe als Kalender zur Verfolgung des Sonnenjahrs genutzt werden. Vom Mittelberg aus gesehen geht die Sonne zur Sommersonnenwende hinter dem Brocken unter.
Für die Vermutung, dass der rechte Bogen der westliche, den Sonnenuntergang markierende sei,

 

 spricht seine Nähe zur geneigten Mondsichel, die in der erwähnten Konstellation von der untergehenden Sonne erleuchtet ist.
 

Als letzte Ergänzung kam ein weiterer goldener Bogen mit zwei annähernd parallelen Längsrillen hinzu, der als Sonnenbarke, wie man sie aus ägyptischen oder minoischen Abbildungen her kennt, interpretiert wird. Oberhalb der Plejaden (in Meridianstellung) befindet sich ein heller bogenförmiger Teil der Milchstraße, der der Darstellung auf der Bronzescheibe sehr ähnlich ist.

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Der gefiederte und unterteilte Bogen (links) erlaubt eine Deutung als heller Milchstraßenbogen oberhalb der Plejaden.  

Insgesamt zeigt die Scheibe vier zeitliche Horizonte. Das hat zur Konsequenz, daß sie lange 'in Betrieb' war. Damit wird klar, daß sie weit vor -1600 gefertigt wurde. Die ihr zugrundeliegenden astronomischen Beobachtungen müssen in die Jungsteinzeit zurückgehen.

 
 
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