Artikel Schwarzwälder Bote 29.09.07

Links ist der Originalartikel verlinkt, der im Schwarzwälder Boten und in ähnlicher Weise im Südkurier erschienen ist. Der Artikel zeigt auch, dass es nicht einfach ist, die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation zu verstehen, die für die Mediation grundlegend sind. Das liegt weniger daran, dass diese Regeln prinzipiell kompliziert wären; vielmehr sind wir in der Regel nicht gewohnt, nach solchen Regeln zu kommunizieren.
Aus diesem Grund haben wir die aus unserer Sicht missverständlichen Formulierungen des Artikels in der Tabelle unten mit einem Kommentar versehen.

Wortlaut im Schwarzwälder Boten

Kommentar

Donaueschingen. "Man lernt, sich in den anderen hineinzuversetzen und versteht die Klassenkameraden anders": Mit diesen Worten resümiert Christoph Lienhard aus einer zehnten Klasse des Fürstenberg-Gymnasiums seine Fortbildung als Streitschlichter (Mediator).

Mit 22 Mitschülern besuchte er eine Fortbildung im Mistelbrunn für die Schülermediatoren. Sie vermitteln seit drei Jahren am FG zwischen Schülern, die in einen Konflikt geraten sind, den sie selbst nicht mehr lösen können. Dadurch soll eine Steigerung und Festsetzung des Streits vermieden werden.

 Auf der Fortbildung haben die Schülermediatoren gelernt, ihr Interesse sprachlich durchzusetzen, ohne andere zu bewerten oder gar zu kränken.

Es sollte gelernt werden, 

1. das Verhalten anderer zu beobachten ohne es sofort zu bewerten

2. Bewusstsein für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu entwickeln und diese zu formulieren

3. auf dieser Basis kraftvolle und echte Bitten an den anderen zu formulieren, ohne diesen zu beleidigen, zu bedrohen oder durch Forderungen zwingen zu wollen.

Dazu wurden Vorwürfe und Beleidigungen in "Sollte-Sätze" (zum Beispiel "Du solltest dich nicht vordrängeln") und danach in eine Bitte ("Bitte stell' dich hinten an") umformuliert.

Beispiel:

Schüler stehen Schlange in der Mensa. Einer geht vorbei und schiebt sich vorne irgendwo dazwischen.

Mögliche Reaktionen: 

- Ärger und Beleidigung:
„Du Ar..., verpiss dich nach hinten!“

- Forderungen:
"Du solltest dich nicht vordrängeln."
"Du solltest Warteschlangen respektieren"
"Du solltest auch an die anderen denken."

Daraus ergibt sich die Frage: Welches Bedürfnis steckt hinter der Beschimpfung genauso wie hinter den „sollte“-Sätzen?

- Wahrnehmung und Formulierung der Gefühle:
Hunger; Erschöpfung; Enttäuschung über verlängerte Wartezeit; Niedergeschlagenheit wegen mangelnden Respekts

- Formulierung der Bedürfnisse:
Hunger stillen, mich erholen (Grundbedürfnisse); Wunsch nach Respekt; Wunsch nach Gleichberechtigung

- Formulierung einer kraftvollen Bitte:
Bitte halte dich an die Regeln und stelle dich so wie die anderen hinten an, damit ich nicht unnötig länger auf das Essen warten muss.

Grundsätzlich erfolgt die Streitschlichtung in drei Phasen: wenn zwei Streithähne in die Mediation kommen, werden zunächst die Regeln des Verfahrens geklärt und Vertraulichkeit vereinbart. Danach erzählt jeder den Streitfall aus seiner Sichtweise und versetzt sich dann in den Blickwinkel des anderen, indem er die Auseinandersetzung aus der Perspektive des Gegenübers schildert. Im Anschluss an das Gespräch wird eine Vereinbarung zwischen beiden Parteien getroffen. Die Schüler werden von den Lehrern, Kupffer, Klingmann und Schlentner augebildet, die Ihrerseits eine mehrmonatige Ausbildung durchliefen.

29.09.2007 - aktualisiert am 29.09.2007 14:04

Diese Aufgabe übernehmen die Mediatoren, indem sie die unterschielichen Sichtweisen der Streitenden und auch die damit verbundenen Gefühle "spiegeln". Das heißt, dass sie die Aussagen in eigenen Worten wiederholen und in eine gewaltfreie Ausdrucksweise übersetzen.

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