Silvester/Neujahr
am Säntis
vom 29.12.2009 bis 02.01.2010
Zum Jahreswechsel 2009/2010 hat es uns in die Ostschweiz verschlagen. Untergebracht waren wir in einem wirklich romantischen Berghotel auf der Schwägalp auf ca. 1300 m Höhe und am Fuße des Berges Säntis gelegen

Nach einer außerordentlich ruhigen und erholsamen Nacht ging's am ersten Morgen mit der Schwebeseilbahn in eine Höhe von ca. 2.500 m hinauf zum Panoramarestaurant auf den Säntis. Nach einem kräftigen Frühstück marschierten wir zur Wetterstation am alten Gipfel, der mit viel Eis und Schnee bedeckt war. Ein tolles Panorama bot sich uns, als ein paar Sonnenstrahlen durch die dicken Schneewolken hervorschauten und den Schnee zum Glitzern brachten. Tief beeindruckt von der Größe und Weite der verschneiten Berglandschaft ging es gegen Mittag per Schwebebahn wieder hinunter zur Schwägalp.

Per Bus ging's dann nach Stein zu einer Schaukäserei. Hier wurden wir in die Geheimnisse der Herstellung des Schweizer Käses eingeweiht. Interessant für uns war, dass der hochwertigste und schmackhafteste Käse aus dem Appenzeller Land (der Appenzeller Extra) nicht exportiert wird. Da wir aber die Möglichkeit hatten, diese Spezialität hier zu erwerben, ließen auch wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen.

Nach der Rückkehr zum Hotel unternahmen wir dann noch eine Fackelwanderung entlang des Laternliweges. Der Weg führte uns zu einer kleinen Finnhütte, vor der wir mit einem Kessel Glühwein begrüßt wurden. Das kam gerade recht, da wir wegen des Dauerregens völlig durchnässt waren. Der Regen war auch der Grund, dass wir den längeren Rundweg bis zum Hotel nicht weitergingen, sondern den kürzeren Hinweg zurück zum Hotel einschlugen.
Der Abend klang in fröhlicher Runde bei einem typisch schweizerischen Käsefondue aus.

In der Nacht war auf der Schwägalp jede Menge Schnee gefallen. Für uns ein tolles Bild, die Alp im durchgehenden weißen Kleid zu sehen.
Nach dem Frühstück fuhren wir dann ins Tal nach Urnäsch. Auf dem Weg hatte sich leider der Schnee immer mehr in Regen verwandelt. In Urnäsch sollten wir einen uralten Appenzeller Brauch - die
Silvesterchläuse - hautnah miterleben. "Junge Burschen ", die Chläuse, ziehen in traditionellen Kostümen gruppenweise durch die Dörfer und Höfe und treiben so das alte Jahr aus. Vor den Häusern stellen sie sich im Kreis auf, schellen und rollen nach einem bestimmten harmonischen Ritual und stimmen ihre eindrücklichen "Zäuerli" = wortloser Jodelgesang an. Die Hausbesitzer geben den Chläusen mit Strohhalmen einen Schlu8ck Weiß- oder Glühwein und mit einem Sag Dank oder den Wünschen für ein gutes Neues Jahr verabschieden sich die Chläuse und ziehen weiter.

Es gibt 3 Arten von Silvesterchläus in Gruppen von sechs Männern

1. Die Schöne besteht aus sechs in farbigen Samt gekleideten Männern, teils in Frauenkleidung und einer gewaltigen radförmigen Haube oder teils mit rechteckigen Hüten und auf dem Rücken und Brust je eine Chlausenschelle. In den Hüten werden kunstvoll Szenen aus dem dörflichen Leben dargestellt. Sie sind sehr elegant.

2. Die Schö-Wueschte - Natur - oder Waldchläus tragen Kostüme teils aus Naturmaterialien wie Tannenreisig, Stechlauf oder Buchenlaub. Diese sind verziert mit Ornamenten aus Beeren, Tannzapfenschuppen, Moos oder Schneckenhäuschen. Mäntel und Hüte sind dekorativ gestaltet und nicht selten werden hier Wald- oder Tierszenen, gelegentlich aus selber geschnitzten Figuren dargestellt.

3. Die Wüeschte - sehen wild und furchterregend aus. Sie tragen Hörner, Felle mit Tierzähnen, Knochen und haben stechende Augen. Ihre Angst einflößenden Gesichtslarven sind aus bemaltem Papiermaché. Ihre Kostüme sind teils aus Heu, Stroh, Wacholderbüschen, Stechlauf und anderen Naturmaterialien. Sie tragen teilweise Schellen an einem Strick über der Schulter oder einen knorrigen Stecken in der Hand.

Im Zentrum von Urnäsch hatten sich schon viele Leute versammelt. Für uns ein Zeichen, dass hier bald die Chläuse ihrer Tradition nachgehen und wir dies hautnah miterleben dürfen. Egal welche der 3 Gruppen dem Chlausen vor den Häusern ihrer Tradition nachgingen, alle brachten den Bewohnern gute Wünsche für das neue Jahr oder wollten das Böse vertreiben. Es war eine tolle Stimmung und ein Heidenspektakel.

Danach machten wir noch einen Abstecher nach Appenzell. Der Dorfkern besteht aus aufwändig bemalten Holzhäuern mit geschwungenen Giebeln und Steinbauten aus dem 16. Jahrhundert, wie das Rathaus, das Schloss und die Pfarrkirche. Außerdem gab es hier sehr viele hübsche Cafés mit einem riesigen Angebot von leckeren süßen Sünden.

Zur Silvesterparty im Berghotel war ein festliches Silvesterbankett vorbereitet. Eröffnet wurde die Silvesterfeier mit einem Aperitif. In außerordentlich fröhlicher Runde, Live-Musik, einem tollen Essen und Trinken ging das Jahr 2009 stimmungsvoll zu Ende. Als Schmankerl gab es noch eine kleine Überraschung. Eine Gruppe "Die Schöne" aus Urnäsch bot noch einmal ihren Silvesterbrauch dar. Sie vertrieben damit das alte Jahr und alle bösen Geister und machten Platz für alle guten Wünsche im neuen Jahr. Eine für uns neue aber besonders liebevolle Geste.

Prosit Neujahr 2010
Nach dem späteren Aufstehen erwartete uns ein Brunch.

Danach ging es mit dem Bus nach St. Gallen. Es war Feiertag, die Straßen waren leer und die Geschäfte geschlossen. In dieser Situation wirkt jede noch so schöne Stadt etwas trist und leblos. Auch der Niesel tat sein Übriges. Trotzdem haben wir den Reiz der Altstadt mit seinen Kunstvollen Erkern oder den beeindruckenden Klosterplatz und die wunderschöne Kathedrale bewundern und genießen können.

Nach dem letzten Abendessen in der Schweiz haben wir, wie an jedem Abend, noch einmal die Erlebnisse des Tages in gemütlicher Runde bei einem Gläschen Bier und Schnaps Revue passieren lassen. Etwas skeptisch blickten wir der morgigen Heimreise entgegen, weil seit Stunden und die ganze Nacht hindurch Schneechaos herrschte. Aber außer ein paar Stau`s auf der Autobahn ging alles gut - und so können wir sagen
"Das war ein gelungener Jahreswechsel !!!"