Peter Popp's Modellbahnwelt


Bauanleitung für einfaches Häuschen

zum Vorbild:

An vielen Bahnhöfen - ist ein einfaches, gemauertes Häuschen zu finden, das als Lagerraum für die von Bahnarbeitern benötigten Werkzeuge, Farben, Gasflaschen usw. dient. Die Bauweise ist meist ähnlich: einfach verputztes Mauerwerk, nur Erdgeschoß mit Dach (meist aus Wellblech oder Eternit-Deckung), schlichte Türe, Kamin (oft sogar mehrere). Die Türen sind häufig aus Stahlblech: einfach, aber stabil.

Das hier beschriebene Häuschen ist dieser Bauweise nachempfunden, ohne sich in Größe und Ausgestaltung genau an ein bestimmtes Vorbild zu halten.

Material:

Gebaut wurde das Häuschen aus 1mm starkem Karton. Türe und Fenster stammen aus der Bastelkiste (Reste von Faller- oder Kibribausätzen), das Dach ist eine Wellblechimitation von Kibri (Bauplatte), die mit passender Firstabdeckung geliefert wird.

Dachrinnen stammen ebenfalls aus der Bastelkiste, als Fallrohr wird ein Messingdraht mit 1,5 mm Durchmesser verwendet.

Bau:

Rohbau: Nach dem Aufzeichnen von Umriß und Fenstern Wandteile aus 1mm-Karton mit scharfem Messer und Stahllineal zuschneiden. Das Einschneiden der Fensteröffnungen ist etwas kniffelig, eventuell erst etwas kleiner schneiden und dann nachschneiden bzw. feilen. Ein Tip: Karton läßt sich gut feilen, wenn die Kante vorher mit Sekundenkleber oder mit Clou-Schnellschliffgrund getränkt wurde; nach dem Aushärten läßt es sich wie Holz behandeln!

Fenstermaße wurden bewußt nicht angegeben, da sich diese nach den vorhandenen Teilen richten (Beachte dazu auch die allgemeinen Hinweise zum Hausbau). übrigens gibt es von Kibri Beutel mit verschiedenen Bausatzteilen, die sich gut für solche Eigenbauten eignen! Natürlich kann man auch selbst Fenster machen, z.B. aus PS-Profilen, Messingätzteilen oder auch auf eine durchsichtige Kunststoffscheibe die Fensterrahmen und -kreuze aufmalen (mit entsprechenden Farbdruckern könnte man die Fensterrahmen sogar auf  Folie aufdrucken!).

Die Seitenteile - 2 mal Längsseite ("Traufseite") mit je 4 Fenstern, eine Giebelseite mit Türe und eine Giebelseite ohne Fensteröffnung ( hier könnte je nach vorhandenem Material noch ein kleines Fenster eingesetzt werden) werden mit Hartkleber stumpf aneinander geklebt.


 

Ein ca. 3mm breiter Streifen aus dünnem Karton (z.B. Rückwand eines Kalenders) wird als Sockel am unteren Rand der Mauern rundum angeklebt. Die dabei nach oben weisende Seite sollte schief geschnitten werden, im Vorbild ist ein überstehender Sockel auch an der Oberseite nach außen abfallend damit kein Wasser stehen bleibt!

Ebenfalls aus dünnem Karton wurden ca. 2 mm tiefe Fensterbretter geschnitten und nach dem Einkleben der Fenster angebracht.

Anstrich: Um unregelmäßigen Verputz nachzubilden, habe ich Nitrospachtel aus der Tube (Feinspachtel für Autos) auf den Wänden aufgetragen. Damit können auch die Ecken mit den Klebefugen verschönert werden.

Der Wandanstrich besteht aus weißer Dispersions-Wandfarbe, die mit etwas braun und schwarz (ganz wenig!) eingefärbt wurde. Ich vermeide dabei das vollständige Verrühren der Abtönfarben, da so ein fleckiger, alt aussehender Anstrich erzielt wird. Der Sockel wird grau gestrichen.

Das Dach wurde grau mit grünen und braunen Abtönungen gestrichen, ich habe einige grüne bzw. braune Tupfer auf das Dach gemacht und anschließend mit grau überstrichen um ebenfalls eine fleckige Wirkung zu erzeugen.

Das Fensterglas klebe ich als letztes ein, da es so nicht verschmiert werden kann. Ich habe Streifen aus dem durchsichtigen Material verwendet, mit dem die Krägen von Herrenhemden in der Verpackung stabilisiert werden, als Kleber den normalen Polystyrol- Bastelkleber. Ich habe bei diesem Werk bewußt nicht darauf geachtet, die Fenster nicht mit Kleber zu verschmieren um den Eindruck ungeputzter Fenster nicht zu verwischen.
 
Haus in perspektivischer Ansicht Ausgestaltung:

Zur weiteren Ausgestaltung: Mit Heki-Flor - passend zurechtgeschnitten bzw. -gerupft - wurde ein Bewuchs der Wand dargestellt. Damit können auch nicht so gut gelungene Eckpartien kaschiert werden. Das Fallrohr der Regenrinne läuft auf einer Seite nicht in den Boden, sondern in eine Tonne, wofür ein ölfaß aus einer Bastelpackung mit Kisten und Fässern verwendet wurde.

Auf nebenstehendem Bild wurde schon mal der Standplatz festgelegt, ganz fertig ist das Häuschen noch nicht: es fehlen noch Kamin, Dachrinne und Fallrohre. Werkzeuge und Fahrrad erwecken jedoch schon den Anschein geschäftigen Treibens...

Fertig- viel Spaß beim Nachbau!

Noch einige Ergänzungen: Vorhänge haben in einem solchen Schuppen nichts zu suchen, aber ein Schild "Betreten verboten" an oder neben der Eingangstüre entspricht sicher dem Vorbild. Zu beachten ist auch, daß das Häuschen in der Regel an einer Stelle steht, die mit einem Lastwagen oder einem entsprechenden Bahn-Arbeitsfahrzeug erreichbar ist, also nicht im Gemüsegarten des Bahnhofsvorstehers! Wenn es gleichzeitig als Aufenthaltsraum oder sogar Schlafstätte für Arbeiter genutzt wird, sollte ein Kamin - z.B. aus einem Strohhalm - vorhanden sein. Typische Bahnwerkzeuge - z.B. an der Wand neben der Türe eine Schaufel - sind passende Ausstattungsteile, eventuell ein Gittermast, Kabeltrommeln usw.. Wer sogar eine Inneneinrichtung einbauen will, sollte an Werkbänke, Schweißgasflaschen und nicht zu letzt an die Kiste Bier denken!

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Allgemeine Hinweise zum Hausbau

Es gibt einige allgemeine Richtlinien, die beim Bau eines Häuschens beachtet werden sollten:

Material: erlaubt ist, was vorrätig ist ;-). Karton, Balsaholz, PS-Platten - jeder hat seine persönlichen Vorlieben bzw. ein Material, in dem er die meisten Erfahrungen gesammelt hat. Auch geätze Messingteile sind möglich. Eine andere Variante - von mir schon mehrfach erprobt - ist, das Gebäude aus einem Styropor- oder Styrodurklotz zuzuschneiden bzw. Sägen, die Fenster und Türen mit einem Scharfen Messer ausschneiden und mit einem Brei aus Sand und Dispersionsfarbe den Verputz aufzubringen. Sehr einfach und wirkungsvoll, auch z.B. für Trafohäuschen oder ähnliches geeignet, da hier keine Fenster erforderlich sind.

Dach: es gibt zahlreiche Dachformen, wobei je nach Gegend bestimmte Formen vorherrschen. In der Regel orientiert man sich beim Bauen auch an regional spezifischen Materialien und Dachneigungen, wobei diese Dinge auch zeitlichen Moden unterworfen sind. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, sollten nach Möglichkeit historische Aufnahmen - wenn nicht sogar ein Besuch der Gegend. die nachempfunden wird - vorliegen.

Fenster: Denken Sie beim Einbau von Fenstern immer daran, wie das Haus in der Wirklichkeit aussehen sollte bzw. könnte! Wenn Sie z.B. ein Einfamilienhaus mit einer Terassentüre planen, sollte die Oberkante der Fenster in einer Linie mit der OK der Terassentüre liegen. Die Fensterunterkante liegt bei "echten" Häusern in der Regel zwischen 100 und 110 cm. Außerdem richten sich Fenstergrößen nach dem Raum, der dahinter liegt. Neben der Haustüre ist oft die Toilette mit einem kleinen und hoch gelegenen (Sichtschutz) Fenster. Denken Sie auch daran, daß Fenster in der Regel in einheitlichem Stil und Ausführung eingebaut sind. Auch hier gelten wieder regionale und historische Unterschiede!

Verputz: gute Ergebnisse habe ich erzielt mit einer Mischung aus weißer Dispersionsfarbe mit feinem Quarzsand, den Brei mit einem kleinen Spachtel auftragen (Rauhputz). Moltofillbrei oder Nitrospachtel (für Autos) ergibt feinen Putz.

Maßstab: die meisten Hersteller verwenden sozusagen einen "dynamischen" Maßstab, wobei nur das Erdgeschoß maßstabsgetreu, die obergeschosse jedoch verdichtet dargestellt werden. Dies ist angesichts der Tatsache daß das Hauptaugenmerk einer Modellbahnanlage ja bei der Bahn liegt, durchaus vertretbar, muß jedoch beim Selbstbau von Häusern berücksichtigt werden! Bei einer Mischung von (vollständig) selbstgebauten Häusern und Bausätzen sollten immer einige Bausätze vorliegen, um Eigenkonstruktionen an die Maße anzupassen. Unterschiedliche Maßstäbe nebeneinander verwendet fallen wesentlich mehr ins Auge als ein einzelstehendes Gebäude, das zu klein oder zu groß ist.
 


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