Peter Popp's Modellbahnwelt

Die Brennerbahn


Vorbild

Vieles ist über die Brennerstrecke geschrieben worden, ich möchte mich daher auf meine persönlichen Eindrücke beschränken. Wer mehr über die Brennerbahn lesen will, dem empfehle ich die Sonderhefte des Eisenbahnjournals bzw. Eisenbahnkuriers, die zum 125jährigen Jubiläum der Brennerbahn erschienen sind.

Mein erster Kontakt zur Brennerstrecke war der rein touristische Effekt der Alpenüberquerung Richtung Süden. Dies zudem zu einem Zeitpunkt, da Modellbahn bei mir kein Thema war. Häufige Aufenthalte in Südtirol haben mich besonders in Bezug auf die landschaftliche Schönheit beeindruckt. Gerade auf der italienischen Seite vom Brenner bis Bozen, wo Landstrasse, Autobahn, Eisenbahn und Fluß mehr oder weniger parallel laufen, wechseln weite Ausblicke auf die mächtigen Gipfel der Dolomiten (aus einem solchen Foto wurde auch die "Kugel" neben der Seitenüberschrift gemacht) mit beengenden Hängen und Felsmauern. Während die Autobahn häufig auf Stelzen laufend deutlich künstlich in die Landschaft gesetzt ist, folgt die Eisenbahnlinie wie natürlich gewachsen den Windungen des Eisacks, durchquert Tunnel und Lawinenverbauungen und wechselt auch des öfteren die Uferseite; durch das Schotterbett der Gleise wird dieser Eindruck noch verstärkt, und wärend ich dies schreibe fürchte ich mich vor einem Brenner-Basistunnel, der dies alles Vergangenheit werden lassen kann (nebenbei wurde kürzlich ein 8 km langes Tunnelstück ab Sterzing eröffnet, wodurch einiges von der Aussicht verloren gegangen ist, aber der Gütertransport durch größeres Lichtraumprofil profitiert) . Da Eisen- und Autobahn auf der österreichischen Seite auf wesentlich verschiedenen Trassen führen, ist dieser Eindruck dort von der Autobahn her nicht zu gewinnen.
Spätere Besuche in Südtirol ließen mich schon gezielt die Besonderheiten der Brenner-Eisenbahn-Strecke beachten.


Grödner Bahn

Schon ein eigenes Anlagenthema wäre die frühere Schmalspurbahn, die in Klausen beginnend über ein Kehrviadukt hinauf zum Grödner Tal (mit den bekannten Orten St. Ullrich, St. Christina, Wolkenstein) führt. 
Dem Bau gingen langwierige Diskussionen über den Streckenbeginn- zur Debatte standen Bozen, Waidbruck, Klausen und Brixen - voraus, die von den unterschiedlichsten Interessen geprägt waren: So hatte jeder der genannten Orte die Befürchtung, er könne benachteiligt werden, wenn die Strecke woanders begänne.

Für die Grödener war der Anschluss sowohl wegen des Transports der bekannten Schnitzererein wichtig, ausserdem begann zu der Zeit (vor dem 1. Weltkrieg) auch schon der Tourismus einzusetzen. Die Brixener favorisierten eine Linie quer durch das Gebirge, die jedoch wesentlich teurer und schwieriger geworden wäre. 

Nachdem diese unterschiedlichen Bestrebungen lange die Realisierung der Bahnlinie blockierten, brachte der 1 Weltkrieg die Entscheidung: aus strategischen Gründen zur Versorgung der sogenannten "Dolomitenfront" wurde die Bahn in der Spurweite 750 mm in kürzester Zeit von ca. 6000 russischen Kriegsgefangenen erstellt. Von der Endhaltestelle in Plan leiteten Seilbahnen Material und Menschen weiter an die Front in den Bergen.

Mit der Niederlage Österreichs fiel Südtirol und damit auch die Grödner Bahn an Italien bzw. die FS. Schon bald versuchte man, die Transportleistungen durch Busse zu übernehmen, und 1960 wurde die Bahnline schließlich eingestellt. Die Trasse wurde teilweise für eine neue Straße ins Grödner Tal (von der Autobahnausfahrt Klausen her) verwendet, teilweise ist sie noch heute sichtbar. Am Bahnhof Klausen hat man als Andenken eine Schmalspur-Dampflock aufgestellt, die allerdings nie auf der Grödner Bahn hier gefahren ist (und wegen der anderen Spurweite von 96cm auch nie hätte fahren können) , sondern aus Sizilien stammt ( siehe obenstehendes Foto - Anmerkung: bei meiner letzten Bahnhofsdurchfahrt in Klausen im März 2001 hatte ich den Eindruck, dass jetzt eine andere Lok dort steht. Möglicherweise handelt es sich bei der Aufnahme oben, die bereits um 1980 gemacht wurde, um die Lok, die jetzt in St. Ulrich steht).


unter Gleichstrom

Die FS-Fahrleitung wirkt nicht nur bizarr ("wie selbstgebastelt"), sondern wird auch mit einem anderen Stromsystem betrieben: Italien verwendet 3000 Volt Gleichstrom (im Gegensatz zu den 15000 V Wechselspannung, die in den meisten europäischen Ländern üblich ist).
ls Folge ist bei Zügen von und nach Italien ein Lokwechsel erforderlich (was zu längeren Grenzaufenthalten führt - erst durch moderne Mehrsystemlokomotiven wird es in Zukunft wieder so einfach laufen wie vor Jahrzehnten mit Dampfloks...). Zeitweise war es sogar noch komplizierter, da man um 1930 mit Drehstrom auf der italienischen Seite des Brenners fuhr; u.a. aufgrund der erforderlichen 2 Fahrdrähte konnte sich das Drehstromsystem nicht durchsetzen, auch war die Fahrstufenregelung wesentlich aufwendiger (es gab ja noch keine Halbleiter)..

Einige Fotos der Brennerstrecke findet der sehr geehrte Leser auf meiner Seite "Ausflug nach Meran" bzw. unter "Bozen-Trip".


Nachbau

Die faszinierende Kombination aus Landschaft und Technik verführen den naiven Modellbahnfreund dazu, dies im Modell nachbauen zu wollen. Um dies nicht schon im Ansatz scheitern zu lassen, sind erhebliche Kompromisse er forderlich (siehe auch Umsetzung im Modell).
Möglich ist nur eine reduzierte Gestaltung, die bei mir zu folgenden grundlegenden Anforderungen führte: 2gleisige Hauptstrecke parallel mit (stark verkleinertem) Fluß und nur teilweise bzw. angeschnitten dargestellter Landstrasse. 
Beim MEC Schlanders wurden Teile der Brennerbahn realisiert ( MEC Schlanders).

Problematisch ist, daß Modellbahnartikel nach Vorbild der FS Seltenheitswert besitzen. Dies betrifft sowohl Fahrzeuge, als auch Zubehör und leider auch Literatur. Kleinserienmodelle mag ich mir nicht leisten.

Die Lichtsignale (siehe Basteltip "Lichtsignale der FS") baue ich jetzt selber, auch die Oberleitung zumindest teilweise, da bis auf die Standardmasten (Rohrmasten) von Sommerfeld (wobei die Isolatoren deutlich zu groß sind) hier in Deutschland praktisch nichts zu bekommen ist. 
Auch mit Gebäuden ist es schwierig, hier gibt es nur wenig passendes, z.B. die Burg Branzoll (das Original steht oberhalb von Klausen am Weg zu Kloster Säben) von Kibri (Burgen dürfen nicht fehlen, da diese Bauwerke für Südtirol typisch sind ). 
Die Tölzer Stadthäuser, die ebenfalls von Kibri angeboten werden, kommen in ihrer Architektur lt. Kibri-Katalog auch in dieser Gegend vor - allerdings sind die Proportionen doch ziemlich mißglückt und die Häuser eher putzig als vorbildgerecht.
Eine südtiroler Besonderheit ist neben Speck und "Rotem" die Zweisprachigkeit: auf allen mehr oder weniger offiziellen Schildern sind italienische und deutsche Aufschrift gleichzeitig zu finden, auf Bahnhofsschildern entsprechend deutscher und italienischer Ortsname (z.b. Klausen/Chiusa, Brenner/Brennero). Besonders amüsant ist dies, wenn sich auch noch Schreibfehler finden wie an diesem Schild, das ich vor vielen Jahren in Klausen gefunden und natürlich sofort fotografiert habe:

Anlaß für Rangierbetrieb ist die Darstellung des Lokwechsels, wie er z.B. im Bahnhof Brenner vorgenommen wird:
Die Fahrleitung ist in der Mitte des Bahnsteigs getrennt, wobei zwischen dem FS- bzw. ÖBB-Abschnitt ein kurzes stromloses Stück Fahrleitung liegt. Die aus Richtung Österreich kommende Zuglok bügelt vor der ersten Trennstelle ab und fährt mit Schwung bis zum Halt. Dann wird die Lok abgekuppelt und mit einer Rangierlok auf ein Parallelgleis geschoben, bis sie wieder unter dem "österreichischen" Fahrdraht steht und aus eigener Kraft zurückfahren kann. Die FS-Lok fährt aus eigener Kraft an den Zug (in der Gegenrichtung wird entsprechend umgekehrt verfahren). Bilder dazu gibt es von einem Tagestrip nach Bozen.
Mehr zum Nachbau siehe meine Anlagenseite.


Verfasser: Peter Popp
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Modellbahnen im Internet: 
http://www.der-moba.de
Seite erstellt von Peter Popp, Sommerstr. 16, D-85521 Riemerling. Letzte Änderung 22.05.2003