Zug der Autoschleuse im Bahnhof Mallnitz |
Häufig sind Urlaubserlebnisse Auslöser für
Nachbauten auf der Modelleisenbahn.
Bei mir war es, bedingt durch meine Vorliebe für Kärnten, die so genannte "Autoschleuse Tauernbahn", auf der Autotouristen per Bahn in den Süden transportiert werden. Anmerkung: zu dem Thema habe ich auch einen Artikel geschrieben, der
im Miba-Spezial Nr. 54
veröffentlicht wurde.
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Abfahrt in Böckstein, im Hintergrund der alte Lokschuppen |
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| Das Vorbild | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die
Idee geboren, den zunehmenden Automobil-Urlaubsverkehr auf dem Weg in den
Süden über die Bahn durch die Tauern zu bringen.
Die ersten Fahrzeuge waren Niederbordwagen. Ab 1966 wurden Saaks-z bzw. Saadkmms 702 (8-achsige Wagen der "Rollenden Landstraße" der Waggonfabrik SGP, Wien) für die Tauernschleuse umgebaut, um auch größere Fahrzeuge auf der Autoschleuse verladen zu können. Die Wagen erhielten einen Käfig-Aufbau, um Fahrgäste und Fahrzeuge
innerhalb des vorhandenen Lichtraumprofils zu halten und vor der Oberleitung
zu schützen. Während früher die Reisenden in ihren Autos
sitzenbleiben mussten bzw. konnten, führt man - seit dem schweren
Brand-Unfall auf der Standseilbahn in Kaprun - einen Personenwagen für
die Reisenden mit. Damit verzögert sich auch die Be- und Entladung
deutlich.
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Die Rola-Wagen des Typs Saaks-z wurden 1969
eingeführt, um Lkw's im "Huckepackverkehr" auf der Bahn zu transportieren.
Um das Lichtraumprofil einzuhalten, mussten die Wagen mit sehr kleinen
Rädern ausgestattet weden.
Anders als bei den heute verwendeten Rola-Fahrzeugen erforderten die Saaks-z einen Zwischenwagen zur Kupplung mit der Lok; solche Zwischenwagen werden auch bei der Rola verwendet. Die bei der Rola eingesetzten Loks tragen spezielle automatische Kupplungen, da ein Schiebebetrieb nicht zulässig ist. |
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Das war der typische Ausblick des Urlaubers auf dem Weg
nach Norden: Einfahrt in das Südportal des Tauerntunnels aus dem Auto
heraus.
Heute ist dies Vergangheit - aus Sicherheitsgründen dürfen die Passagiere nicht mehr im Auto sitzenbleiben. |
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| Zugbildung | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ein kompletter Zug besteht aus den Transportwagen selbst sowie jeweils
einem Rampen- und einem Auffahrtwagen, über die Zu- bzw. Abfahrt auf
bzw. von der Tauernschleuse erfolgt. Die Auffahrtwagen sorgen auch für
die Kuppelfähigkeit mit "normalen" Loks, da die Kupplungen zwischen
den Wagen tiefer als die Standard-Kupplung liegen.
Da die transportierten Kraftfahrzeuge nur vorwärts fahren dürfen, ist eine beidseitige Rampe erforderlich; ausserdem wird so der Übergang von der Rampe mit 120 cm Höhe auf die Saadkmms mit 55 cm Fahrbahnhöhe ermöglicht. In jüngster Zeit wurde anlässlich der Brandkatastrophe in der Standsteilbahn bei Kaprun das Transportverfahren geäändert; es werden jetzt noch 2 Doppelstockwagen für die Fahrgäste mitgeführt, die nicht mehr in den Autos sitzenbleiben dürfen. Wohnmobile und Wohnwagengespanne werden aus Sicherheitsgründen (meist Gasflaschen im Fahrzeug!) ebenfalls nicht mehr mitgenommen. |
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| Nachbau | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Als Basis dient das Liliput-Modell des Saaks-z bzw. Saadkmms
702 von Liliput.
Die achtachsigen Wagen (2 vierachsige Drehgestelle) sind von Liliput in verschiedenen Ausführungen (DB, ÖBB, HUPAC) geliefert worden. Der von Fleischmann/Märklin lieferbare Saadkms 690 hat ein anderes (neueres) Vorbild, auch wenn dieser oft als Saadkmms 690 angeboten wird (die 2 "m" sind hier meines Wissens falsch!) Eigentlich hatte ich vor, die Käfigteile zu ätzen; allerdings
konnte ich mich bis heute nicht dazu durchringen, die zum Ätzen nötige
Ausstattung anzuschaffen.
Die Masse habe ich aus den mir zur Verfügung stehenden Fotos herausgemessen und in einem Excel-Arbeitsblatt umgerechnet. Zur Kontrolle habe ich auch immer die (wahrscheinlichen) Vorbildmasse mit ermittelt, um eine Plausibilitätskontrolle zu haben. Anschliessend wurde daraus mit Autosketch in eine Zeichung erstellt. |
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Im Profil ergab sich nebenstehender Querschnitt. Da die Autosketch-Version nur 2dimensionale Zeichnungsfunktionen besitzt, wurden die "schrägen" Maße daraus über die Bemaßungsfunktionen ermittelt. Auf deren Basis wiederum entstanden mehrere Ausdrucke für eine Sägeschablone. | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Erste Versuche mit dem Zurechtbiegen der oberen Streben aus Messing-U-Profil
ergaben, dass erstens ein scharfer Knick nicht möglich war und sich
zweitens die Schenkel des U-Profils beim Biegen verformten bzw. stellenweise
sogar rissen.
Also wurden die Knicke anhand einer Schablone an der Innenseite - in Bezug auf das U-Profil also der "Boden" des U's - mit einer Laubsäge und einem feinen Sägeblatt angesägt und anschliessend das Profil an diesen Stellen geknickt. Die langen seitlichen Streben (Messing-Flachmaterial 2x0,5 mm) wurden in die oberen Streben eingelötet. Oberhalb dieser Lötstelle wird in das U eine Aussparung gefräst. Während des Bauens hat sich herausgestellt, dass es zweckmässig ist, die oberen Holmteile erst an die Seitenholme zu löten und dann erst die oberen Holme zu knicken. Der Oberleitungsschutz besteht aus Messing-Winkelprofil 1x1 mm; hier wurden die Knickstellen eingefeilt, geknickt und verlötet. Die einzelnen Elemente - Schutzgitter und Streben - werden nun miteinander verlötet; besonders für diese Lötstellen kommt aufgrund der geringen Berührungsfläche eine andere Verbindungsart - sprich Kleben - nicht in Frage. Vor dem Weiterarbeiten ist es sinnvoll, nun die Lötstellen zu versäubern und Reste von Flußmittel zu entfernen. Die seitlichen Bretter sind aus dünnen Holzleisten zugeschnitten (Rührlöffel von McDonald) und angeklebt. Größere Überwindung kostet der nächste Arbeitsschritt: an den Wagen ist - dort wo jeweils ein Seitenholm am Wagenkasten befestigt ist - der seitliche Wulst zu entfernen. Ist dies vollbracht, wird der Käfig am Wagenkasten mit Sekundenkleber befestigt. Zweckmässig ist dazu eine Abstandslehre, die zwischen Käfig und Wagenkasten eingeschoben wird und so das korrekte Maß sicherstellt. Der Anstrich des Oberteils wurde mit Gunze - Sangyo- Farben erstellt,
das Braun stammt aus einem Alterungsset für Modelleisenbahnen, dass
u.a. bei Conrad erhältlich ist. Die Farben trocknen sehr schön
matt auf und decken hervorragend.
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Mit dem Sägen der feinen Messingprofile
hatte ich immer Schwierigkeiten; aber mit einer Laubsäge und ganz
feinen Sägeblättern für Metall geht die Sache recht gut.
Beachten sollte man dabei folgende Punkte:
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Hier der Modellnachbau im Zwischenstadium - eine Hälfte des Schutzkäfigs ist provisorische aufgesetzt, das untere Seitenbrett fehlt ebenfalls noch. Vorne zieht eine 1043, die lange Standard-Zuglok für die Tauernschleuse war (so ist das natürlich verkehrt, da hier Rampen- und Auffahrtwagen fehlen). |
Als Foto-Motiv wurde hier ein Diorama verwendet, das mit "Scenery Kit" von Woodland Scenics gebaut wurde (in Deutschland über Noch erhältlich). | ||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Käfig - Aufbau ist jetzt praktisch komplett, es
fehlt noch die Beschriftung und die Abdeckbleche der Ladefläche (im
Bild nicht sichtbar).
Für einen ganzen Zug brauche ich noch 17 Stück davon... |
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| Beschriftung | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wird als Ausgangsbasis die ÖBB-Version des Liliputmodells verwendet,
rate ich dazu, die Beschriftung zu belassen. Ansonsten kann diese mit "Decals"
vorgenommen werden. Es gibt Firmen, die solche Decals individuell anfertigen;
die Decal-Folien sind im Fachhandel erhältlich, allerdings benötigt
man dazu spezielle Drucker, die auch weiß bzw. helle Farben deckend
drucken können.
Auf das Oberteil ("Käfig") gehören Warnaufschriften und Hinweisschilder
(Hochspannungszeichen). Der "Blitz" findet sich z.B. in der Decal-Serie
von TL-Decals ("österreichische Warnschilder".
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| Rampen- und Überfahrtswagen | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Zur Vervollständigung eines Zugs sind an jedem Ende ein Rampenwagen
sowie ein Überfahrtswagen (mit elektrisch betätigten Seitenklappen),
über den die Autos auf die Tauernschleuse auffahren können.
Die Rampenwagen wurden an die stationären Auffahrten in Böckstein
und Mallnitz angepasst. Die Höhe dieser Rampen liegt jeweils bei 120
cm über SOK. In beiden Endbahnhöfen gibt es je eine Zu- und Abfahrtsrampe.
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An diesem Rampenwagen wurde die Bremsschlauchhalterung geändert und der Durchbruch in der Seitenwand "nachgerüstet". ![]() |
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Wenn man von der vollständigen Vorbildkombination ausgeht - 18 Transportwagen, 2 Rampen und 2 Auffahrtwagen - erreicht man in H0 die stattliche Länge von ca. 3,40 m! |
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| Gebäude | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Leider ist auch die Auswahl an in die Gegend passenden Gebäuden
spärlich. Einziges meines Erachtens wirklich passendes Bahnhofsgebäude
ist "Flirsch" von Pola, allerdings leider nicht mehr im Lieferprogramm.
Daneben ist noch das Kassenhäuschen mit Überdachung vorzusehen. Dafür eignet sich die Überdachung aus der Pola-Grenzstation. |
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| Materialliste | |||||||||||||||||||||||||||||||||
MB: diese Artikel erhalten Sie in gut sortierten Modellbauläden HA: Handelsübliche Produkte, in der Regel hat der Modellbahner sowas in der BK=Bastelkiste auf Vorrat. Ich empfehle Klebstoffe von Greven, Farben von Gunze-Sangyo. Alle Artikel sind z.B. bei Conrad erhältlich. |
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| Literaturverzeichnis | |||||||||||||||||||||||||||||||||
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dieses Thema findet sich in Miba-Spezial Nr. 54: Kombinierter Ladungsverkehr Daten zu den Rola-Fahrzeugen finden sich in:
Zur Tauern-Bahn:
Bahnprofil Heft 17 "Die Tauernbahn", agentur für design und kommunikation
GmbH, Berlin www.eisenbahn.de
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| Links | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| http://www.boeckstein.at/tauernschleuse.htm
www.oebb.at http://www.eisenbahnen.at/gebirgsstrecken/tauernbahn.htm Einige Fotos meiner letzten Tauern-Bahnfahrt habe ich auf
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Homepage |
Peter.Popp@t-online.de |
http://www.der-moba.de |