Bukanier Ring

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Historisches

Seiteninhalt:

- Die Jugendbewegung

- Meißnerformel

- Bündische Jugend

- Wandervogel

- Pfadfinderbewegung

 

Die Jugendbewegung

ist eine pädagogische, geistige und kulturelle Erneuerungsbewegung, die um 1900 entstand. Sie gehört als geistesgeschichtliche Erscheinung den kulturkritischen Bewegungen der Jahrhundertwende an. Innere Bezüge bestehen besonders zwischen Burschenschaften, dem Sturm und Drang und der Frühromantik. In der Absicht, aus eigener Kraft eine wahrhaftige Lebensgestaltung zu finden, bildeten sich Jugendgruppen, die durch Wanderfahrten, Lagerleben und Heimabende, Pflege des Volkstanzes und Volksliedes, des Laienspiels und die Bevorzugung jugendlicher, natürlicher Kleidung das Erlebnis der Einfachheit und Naturverbundenheit und eine auf Freundschaft gegründete Gemeinschaft suchten. Der Beginn der Jugendbewegung kann mit der Gründung von Wandergruppen durch H. Hoffmann 1896 in Steglitz angesetzt werden. Seit 1901 verbreiteten sie sich als Wandervogel in mehreren Bünden und Gruppen in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland. Eine programmatische Grundlage der Jugendbewegung wurde 1913 auf dem Meißnertreffen erarbeitet (Meißnerformel). Nach dem 1. Weltkrieg nahm die schon vorher erkennbare Zersplitterung der Jugendbewegung zu. Die heimkehrenden Kriegsteilnehmer schufen eigene Älterenbünde. Während sich bei den einen eine Reorganisation auf der Linie größerer Straffheit und Herausstellung des Nationalen vollzog, führte das Kriegserlebnis bei den anderen zu sozialkritischer, religiöser, oft pazifistischer Einstellung. 1921 wurde der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände gegründet; Kerngruppen der bündischen Jugend schlossen sich 1926 zum Bund der Wandervögel und Pfadfinder (1927 Deutsche Freischar) zusammen. Im Dritten Reich wurden die Vereinigungen der Jugendbewegung 1933 verboten. Trotz verschiedener Neugründungen nach 1945 gilt die Jugendbewegung als geistiges Ereignis als abgeschlossen. Entscheidende Impulse wirken jedoch in der Jugendbewegung und in der Volksbildung fort. Ein Archiv der deutschen Jugendbewegung befindet sich auf der Burg Ludwigstein.

 

Meißnerformel

Die Freideutsche Jugend will nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein. Alle Veranstaltungen der Freideutschen Jugend sind alkohol- und nikotinfrei.

Diese programmatische Erklärung der Freideutschen Jugend wurde 1913 auf dem Hohen Meißner verkündet.

 

Bündische Jugend

Sammelbezeichnung für die politisch und konfessionell nicht festgelegten Bünde der freien Jugendbewegung, die von keinem zweckbestimmten Altersverband abhängig sind, sondern im Geist der Meißnerformel als eigenständige Selbsterziehungsgemeinschaften ihr Leben gestalten wollen. Der um 1923 aufgekommene Begriff unterschied die Bünde der Jugendbewegung von den großen Jugendpflegeverbänden aller Richtungen im Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände, in dem die Bündische Jugend trotz ihrer geringen Zahl die aktivste Gruppe bildete. Sie wurde daher auch 1933 als erste von der NSDAP verboten. Nach 1945 übernahmen die wieder- und neuentstehenden Bünde der freien Jugendbewegung erneut die Bezeichnung.

 

Wandervogel

Die erste Gruppenbildung der später über den Wandervogel hinauswachsenden deutschen Jugendbewegung. Der Wandervogel entstand seit 1896 aus einer Schülerwandergruppe am Steglitzer Gymnasium unter H. Hoffmann und später Karl Fischer. Er wurde zu einer über das ganze Deutsche Reich verbreiteten und in die deutschsprachigen Nachbarländer ausstrahlenden Bewegung. Der Wandervogel bildete einen eigenen Lebensstil aus ( Volkstanz, Volksmusik, Führerauslese, Kleidung, Lagerleben Fahrten) und setzte sich für eine unabhängig von der alten Generation entwickelte Selbsterziehung und Selbstgestaltung in jugendlichen Gemeinschaften ein ("Jugendkultur"). Im Lauf der Entwicklung entstanden auch Mädchengruppen. Seit 1904 bildeten sich verschiedene Bünde, die sich 1912/13 im Wandervogel e.V. vereinigten. Im Laufe des 1. Weltkrieges entstanden Gruppen eines Feldwandervogels. Nach dem Krieg kam es zu einem allgemeinen Verfall der alten Wandervogelbünde, von denen bis zur Auflösung nur die an der alten Tradition orientierte Vereinigung des Jungwandervogels und des 1921 neu gegründeten Nerother Wandervogels Bestand hatten. Die Kriegsheimkehrer schlossen sich 1919 im "Kronacher Bund der alten Wandervögel" und der "Vereinigung Jugendburg Ludwigstein" zusammen. 1926 vereinigten sich verschiedene Bünde mit Pfadfindergruppen zum "Bund der Wandervögel und Pfadfinder" (1927 Deutsche Freischar). Die Wandervogelbünde wurden 1933 im Dritten Reich verboten und aufgelöst. Nach dem 2. Weltkrieg enstanden alte und neue Wandervogelgruppen erneut.

 

Pfadfinderbewegung

Die Pfadfinderbewegung ist eine internationale Jugendbewegung, die nach unabhängigen, freiheitlichen Gesichtspunkten zu Gemeinschaftsgeist und naturgemäßer Lebensführung erziehen will. Zu ihren ethischen Regeln gehören besonders die Verpflichtung zur täglichen "guten Tat". Abzeichen ist die je nach Vereinigung unterschiedlich geformte Pfadfinderlilie, bei den Pfadfinderinnen das Kleeblatt. Gegliedert sind die Pfadfinder nach Altergruppen (z.B. Wichtel, Wölflinge, Pfadfinderstufe, Ranger, Rover). Die Arbeit vollzieht sich weitgehend in koedukativen Gruppen. Die Pfadfinderbewegung wurde 1907 in Großbritannien von Sir Robert Baden-Powell gegründet. Girl Guides seit 1910. In Deutschland gibt es Pfadfinder seit 1909 (Begründer A.Lion und M. Bayer). Zum Teil bildeten sie seit 1919 in mehreren Bünden einen Teil der Bündischen Jugend in der Deutschen Jugendbewegung. Sie wurden im Dritten Reich verboten und aufgelöst. Seit 1946 entstanden in West-Deutschland erneut Pfadfinderverbände und Pfadfinderbünde. Die drei bedeutendsten Pfadfinderverbände sind der "Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder" (BdP), die "Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg" (DPSG) und der "Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder" (VCP). Diese bilden den "Ring deutscher Pfadfinder-Verbände" (RDP). Der RDP ist Mitglied im "Deutschen Bundesjugendring" und im Weltpfadfinderbund.