Der Montezuma-Zwergflußkrebs (Cambarellus montezumae)

Abgesehen von meinen Augenfleckbuntbarschen ist der kleine Montezuma-Krebs der Bewohner meiner mittlerweile zwölf Aquarien, der am meisten Spaß macht. Er ist ein idealer Pflegling für kleinste Artenbecken ab 10 Litern bis hin zum großen Gesellschaftbecken. Normalerweise kann man aus folgenden Gründen keine Krebse im Gesellschaftsbecken halten: Der Montezuma-Zwergflußkrebs kommt mit tropischen Wassertemperaturen zurecht, frißt keine Pflanzen und stellt aufgrund seiner geringen Größe keinen Fischen nach. Diese Eigenschaften und sein interessantes Verhalten machen ihn zu einem idealen Bewohner eines Gesellschaftsbeckens. Gewöhnungsbedürftig ist vielleicht sein Aussehen. Die vielen Beine und Fühler, sowie die Verwandtschaft zu den Insekten (Insekten haben sich aus Krebsen entwickelt) sind für den einen oder anderen Betrachter abstoßend. Ich jedoch finde die kleinen Kobolde, wenn sie in ihren Wasserpflanzen wie in Bäumen hängen, und mich mit den schwarzen Knopfaugen ansehen einfach nur süß.

In Zoogeschäften werden Zwergflußkrebse nicht angeboten. Normalerweise findet man neben Amanogarnelen nur selten andere Garnelenarten (Ringelhand, Macrobrachium, Bienengarnelen, Fächergarnelen) und äußerst selten Krebse. Wenn es Krebse gibt, dann ist es der Marmorkrebs aus Florida, oder der Kubakrebs, vielleicht auch mal eine Procambarus Art.

Cambarellus (Cambarellus) montezumae (Saussure, 1857)
Größe bis 4 cm

Haltungsbedingungen

Temperatur: breites Spektrum von 15 - 30 °C
Härte:fühlen sich sowohl in Weichwasser als auch im Münchner Leitungswasser (16°GH) wohl
PH Wert:ich halte sie sowohl bei 6,4 als auch bei 8,2

Fazit: Der Montezuma Zwergflußkrebs stellt keine Ansprüche an die Wasserwerte.

Wie sollte nun die Ausstattung des Beckens aussehen? Die natürliche Umgebung der mexikanischen Heimat (Sümpfe, Tümpel, Straßengräben) mit dicken Schlammschichten auf dem Boden wollen wir vermutlich nicht nachahmen. Stattdessen stellt sich die Frage: Kies oder Sand. Beides funktioniert sehr gut. Im groben Kies finden frisch geschlüpfte Jungtiere Schutz vor Räubern, im Sand fällt es den ausgewachsenen Krebsen leichter, sich nach einer Häutung zu verstecken. Sie können sich dann unter Wurzeln oder Steinen regelrecht eingraben.

Die Krebse klettern sehr gerne. Das Aquarium sollte also gut bepflanzt sein. Eine reichliche Bepflanzung dient den Tieren auch als Versteck vor Artgenossen und größeren Fischen. Meine 20 Liter Artenbecken, in denen ich die Jungtiere aufziehe sind völlig zugewuchert mit Nixkraut (Najas sp.), einer schnellwachsenden Pflanze die nicht eingepflanzt werden muß und sich häufig verzweigt und dadurch ein dichtes Netzwerk bildet. Leider brechen die Stängel der Pflanzen leicht ab und sie ist deshalb nur selten im Handel zu finden.

Wichtig sind viele Versteckmöglichkeiten. Nachdem sich ein Krebs gehäutet hat, ist er ohne harten Panzer völlig hilflos und muß sich verstecken. Auch eiertragende Weibchen verstecken sich oft tagelang. Ideale Verstecke sind Wurzeln, Tonhöhlen, Bambus und reichliche Bepflanzung. Bambus sollte einen Innendurchmesser von 2 cm haben.

Gerne klettern die Krebse am Mattenfilter herum, suchen dort aber im Gegensatz zu Garnelen nicht nach Futter. Bisher ist erst einmal ein Krebs über den Mattenfilter auf die Rückseite zum Motor geklettert. Offene Becken sollten funktionieren, wenn es mindestens 2-3 cm Rand gibt ohne irgendwelche Pflanzen an denen die Krebse hinausklettern können. Wenn sie (z. B. durch Pflanzen) die Möglichkeit haben klettern die Krebse schon mal auf den Quersteg oder auf den Innenfilter und sitzen dort auf dem Trockenen. Vertrocknet ist mir aber bisher keiner.

Vergesellschaftung

Meine Cambarellus montezumae sind abolut friedlich, soweit man das von einem Krebs sagen kann. Wenn sich zwei Krebse in einem Aquarium begegnen, dann verhalten sie sich natürlich artgemäß, d. h. anders als es zwei Fische würden. Drohend werden die Scheren erhoben. Eine Krebs läßt sich nicht so ohne weiteres von einem Artgenossen oder einem Fisch berühren. Wütend versuchen sie den Störenfried zu verscheuchen. Zu richtigen Auseinandersetzungen kommt es sehr selten. Folge solcher sehr seltenen Kämpfe sind dann fehlende Scheren oder Beine, die jedoch bei der nächsten Häutung nachwachsen. Als Bodenbewohner treffen die Krebse sehr häufig auf meine Panzerwelse. Diese Begegnungen verlaufen immer harmlos: Der Krebs ist entrüstet über die Aufdringlichkeit des Welses und droht. Dieser weicht aus und das nächste Zusammentreffen verläuft wieder ähnlich.

Nun wird berichtet, daß die Krebse deckellose Schnecken fressen. Dies kann ich nicht bestätigen. In den Krebsbecken hatte ich 1cm große Apfelschnecken, Turmdeckelschnecken, Physa marmorata und 1-2 mm große Tellerschnecken. Die Apfelschnecken wurden nicht belästigt. Ich könnte mir vorstellen, daß von frisch geschlüpften Apfelschnecken vielleicht die eine oder andere verspeist wird. Es sollte jedoch genügend übrig bleiben. Anfänglich versuchten die Krebse an den Turmdeckelschnecken herumzulutschen. Diese haben jedoch einen Deckel und ein stabiles Gehäuse und sind dadurch sehr gut geschützt. Die Tellerschnecken sind verschwunden weil die Krebse den Nachwuchs auffressen. In den neuen Aufzuchtbecken habe ich noch erwachsene Tellerschnecken. Diese werden nicht gefressen. Aber der Nachwuchs kommt nicht hoch. Ähnich ist es mit den Quell/Blasenschnecken (Physa marmorata). Diese wurden im Laufe der Monate immer weniger, weil die Krebs vermutlich den Laich gefressen haben.

Es liegt in der Natur der Krebse, daß sie verendete Fische fressen. Das machen die Schnecken ja auch. Und ab und zu erwischen sie auch mal einen kranken oder einen unaufmerksamen Fisch. Durch die geringe Größe ist der Zwergflußkrebs aber keine Gefahr für gesunde Fische. Selbst überzüchtete Guppy-Männchen entkommen mit Leichtigkeit.

Bisher haben wir gelernt, daß die Zwergflußkrebse keine Gefahr für Fische sind. Wie aber sieht es anders herum aus? Die Krebse sind durch einen Panzer geschützt. Dieses äußere Skelett kann jedoch nicht wachsen. Dadurch sind die Krebse (wie auch die Garnelen) gezwungen, sich in gewissen Zeitabständen zu häuten. Bei der Häutung platzt der Panzer hinter dem Kopf auf und der Krebs steigt wie aus einer Ritterrüstung heraus. Der neue Panzer des "Butterkrebses" ist jedoch weich und bietet keinen Schutz vor Räubern. Erst im Laufe der nächsten Stunden härtet der neue Panzer aus. Hierzu wird ein Chitinvorrat im Magen aufgelöst. Manche Fische können regelrecht riechen, daß der Krebs nun eine schmackhafte Beute ist. Der alte Panzer, die Exuvie (rechts), wird von den Krebsen gefressen. Unter dem Mikroskop sieht man, daß die Exuvie ein guter Nährboden für Pantoffeltierchen ist.

Garnelen und Krebse stellen einen großen Bestandteil der Nahrung von vielen Fischen dar. Meist gilt die Regel: "Wenn es ins Maul paßt, dann wird es gefressen". Die Krebse sollten also eher mit kleineren Fischen vergesellschaftet werden. Die üblichen Lebendgebärenden, Salmler, Panzerwelse, Saugwelse, und kleineren Buntbarsche stellen keine Gefahr dar. Kritisch wird es z. B. bei Skalaren. Hierbei ist es von Vorteil wenn die Skalare von klein auf mit den Krebsen aufwachsen. Wenn ein erwachsener Skalar zum ersten Mal im Leben einen kleinen Krebs sieht, dann betrachtet er ihn vermutlich als Futter.

Geschlechtsunterschiede

Der eindeutige Geschlechtsunterschied liegt in dem fehlenden ersten Paar Schwimmbeine (Pleopoden) der Weibchen. Die Männchen brauchen diese Beine (Gonopoden) zur Befruchtung des Weibchens. Die Beine sind auch gut von der Seite zu sehen. Sie ragen vom Hinterkörper bis zwischen die Schreitbeine hinein.

Wenn man die Möglichkeit hat, ein Tier von unten zu betrachten, sieht man noch weitere Geschlechtsmerkmale (die Gonoporen und das Annulus Ventralis).

Ich höre immer wieder, daß die Geschlechter auch anhand der Farbe zu unterscheiden sind. Jedoch ändert sich die Farbe der Tiere besonders vor und nach Häutungen stark. Angeblich sind die Scheren der Männchen heller. Weibchen sind generell dunkler und haben dunkle Scheren. Bei eiertragenden Weibchen sind die Streifen auf dem Rücken besonders kontrastreich. Bei Männchen sind die Seiten des Körpers heller als bei den Weibchen. Weibchen sollen auch etwas größer werden.

Verhalten

Die Krebse sind tag- und nachtaktiv. Was machen sie die ganzen Tag? Meist sind sie doch irgendwo versteckt. Alte Tiere noch mehr als Jungtiere. Wenn man 10 Tiere hat, sieht man - von den Fütterungszeiten abgesehen - normalerweise 4 Tiere. Von diesen 4 Tieren laufen zwei am Boden herum, meist an der Scheibe entlang. In den Ecken versuchen sie erfolglos an der glatten Scheibe hochzuklettern. Die anderen beiden klettern irgendwo herum. In den Pflanzen, oder am Mattenfilter. Oft hängen sie auch einfach in den Pflanzen und lassen ihre Scheren hängen. Wenn zwei Tiere aufeinandertreffen wird gedroht und einer geht aus dem Weg.

Pflege

Krebse sind Allesfresser. Sie ernähren sich vom Lebendfutter, Frostfutter, Flockenfutter, Futtertabletten für die Fische. Aber auch an das Gemüse für den Antennenwels gehen sie. Eine ausgewogene Ernährung besteht aus: Mückenlarven, Artemia, Tubifex, Muschelfleisch, Futtertabletten, Spinat, Salat, Rosenkohl, Blumenkohl, Gurken, Zuchini.

Nur wenn den Krebsen überhaupt kein Gemüse gefüttert wird naschen sie von weichen Pflanzen. Glücklicherweise sind es meist die schnellwachsenden Pflanzen, von denen man sowieso genügend hat wie Hornkraut oder Wasserlinsen (Lemna).

Zucht

Die Paarung bei den Krebsen ist eigentlich mehr eine Vergewaltigung. Das Männchen packt das Weibchen und dreht es auch den Rücken. Mit seinen Scheren hält es die Scheren des Weibchens fest. Mit den Gonopoden werden die Spermien übertragen.

Das Weibchen trägt die Eier und später die geschlüpften Larven an der Unterseite des Hinterkörpers. Dabei werden die Eier nicht mit den Schwimmbeinen festgehalten, sonders sie haften an diesen. In regelmäßigen Abständen bewegt sie die Beine, damit die Eier/Larven mit Sauerstoff versorgt werden. Nach einer Tragezeit von ca. 30 Tagen (je nach Temperatur) werden fertig entwickelte kleine Krebse entlassen. Die Eltern stellen den Jungtieren nicht nach. Allerdings sind diese ein schmackhafter Imbiß für die anderen Aquarienbewohner.

Die kleinen Krebse wachsen in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Größenunterschiede von 200% unter Geschwistern sind keine Seltenheit. Bereits nach drei Monaten bei einer Größe von ca. 2 cm sind die ersten Jungtiere schon wieder geschlechtsreif.

Cambarellus Arten

Am leichtesten bekommt man Cambarellus shuffeldti. Diese Art ist die friedlichste, lebt aber auch recht versteckt.

Ich habe meine als Cambarellus montezumae chapalanus von Werner Krafczyk bekommen. Nach Studium des Artenschlüssels von James W. Fetzner Jr. muß ich aber sagen, daß es vermutlich Cambarellus montezumae ist. Die Art ist aktiver. Besonders Jungtiere sind fast immer zu sehen. Dadurch sind sie für das Aquarium viel attraktiver.

Eine sehr farbige Art, die etwas größer wird und die ich leider bisher nicht bekommen konnte ist Cambarellus patzcuarensis.

Eine Übersicht der Arten gibt es hier. Ich bin immer daran interessiert, andere Cambarellus Arten zu bekommen! (ropo@ropo.de)

Kleine Aufzuchtbecken

Dies ist ein Versuch, ein Aufzuchtbecken mit vielen Versteckmöglichkeiten einzurichten. Dazu verwende ich Aquarienmörtel von Zajac. Im Mörtel gibt es Höhlen durch Ton- und Plastikröhrchen. Der Filter ist ein Stück Schaumstoff mit Luftheber. Die kleinen 10 Liter Becken haben sich leider nicht als ideal herausgestellt. Besser geeignet sind 20 Liter Becken mit Mattenfilter und Pumpe. Durch den Luftheber wird sehr viel CO2 ausgetrieben. Das Ergebnis war ein PH Wert von 8,4. Ein Weibchen mit Eiern, das ich in das Becken gesetzt hatte, überstand das klaglos, aber die Larven kamen nicht durch. In Becken mit Mattenfiltern habe ich bei gleichem Wasser einen neutralen PH Wert.

Hier sind zwei dieser 20 Liter Becken. Sie kommen ohne Beleuchtung aus und stehen am Fensterbrett. Links ist ein Krebsaufzuchtbecken mit vielen Versteckplätzen durch in Schaumstoff geschnittene Höhlen. Der Schaumstoff muß natürlich beschwert werden (sonst schwimmt er). Die Wurzeln der Pflanzen wachsen gut durch den Schaumstoff durch. Das Becken ist auf dem Foto nur leicht bepflanzt. Mittlerweise ist alles mit Nixkraut zugewuchert. Rechts ist ein Garnelenbecken. Vallisnerien und Amazonasschwertpflanzen sind eigentlich ein Witz für ein 20 Liter Becken. Ebenso verstehe ich es, wenn jemand meinen blauen oder roten Kies furchtbar findet.

Links

Brigham Young University
ditto. Artenschlüssel
Arbeitsgemeinschaft Wirbellose Tiere
Jürgen Böhm
Das hier sind vermutlich keine Cambarellus
Enrique

Noch mehr Fotos

Ein Krebs beim Klettern mit Reflektion
Mein gemütliches Arbeitszimmer mit Krebsbecken links und Aufzuchtbecken am Fensterbrett
Ein Gewirr von Augen, Antennen und Mundwerkzeugen
Kampf um die Futtertablette mit den Panzerwelsen
Die Form des Rostrums (hier der Exuvie) wird zur Artenbestimmung verwendet
Unteransicht Weibchen beim Fressen einer Futtertablette
Weibchen mit recht weit entwickelten Eiern
Aus den zweifarbigen Eiern schlüpfen in den nächsten Tagen die Larven
Gerne hängen sie einfach so rum
Männchen von unten und der Seite


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