Wird die Politik die Massenarbeitslosigkeit halbieren?

Die Arbeitslosenzahlen sind derzeit die höchsten seit der Wiedervereinigung. Unzählige Menchen in den neuen Ländern haben nach der Wende bis heute keine Arbeit mehr gefunden. Der Arbeitsmarkt ist ein Kernstück des kapitalistischen Wirtschaftssystems, welches die Arbeit als eine Ware behandelt, wo Angebot und Nachfrage eine ähnliche Rolle spielen, wie bei jeder anderen Ware.

Die Massenarbeitslosigkeit ruiniert die Renten- und Sozialkassen und bedeutet eine einkommensmäßige Unterbewertung der tätigen und eine Vergeudung der brachliegenden Arbeitskräfte. Das, was die Politik zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit verspricht, ist keine Lösung für einen Umsturz dramatischen Ausmaßes. Täglich gehen weiterhin Hunderte von Arbeitsplätzen verloren. Damit sanieren sich die Firmen und der Staat hat die Kosten.

Die Hoffnung der Politik auf Wachstum ist ebenso trügerisch wie die Agenda 2010. Wachstum könnte möglicherweise Investitionen schaffen, die jedoch nur in weitere Rationalisierungsmaßnahmen fließen würden. Bei der Großindustrie gibt es in den Fabrikhallen kaum noch Menschen. Die Roboter arbeiten Tag und Nacht ohne Pause. Durch die Automation steigen bei den Global Playern Produktivität und Kapitalanhäufung ins Unermeßliche. Gleichzeitig werden die kleineren, arbeitsintensiven Industrien ebenso verschwinden wie bereits die Tante-Emma-Läden.

Die von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen sind zu Recht mutlos und sehen keine Perspektive. Sie können sich nur noch selbst helfen, indem sie aus ihrer unverschuldeten Isolation ausbrechen und gemeinsam mit anderen Arbeitslosen eine Kooperative gründen.

Jeder von ihnen hat sich früher mit seinem Beruf identifiziert und verfügt über spezielle Fähigkeiten. Diese könnte er in ein gemeinsames Netzwerk einbringen und anderen Arbeitslosen zur Verfügung stellen. Für seine Leistungen würde er statt Geld, Gutschriften erhalten, die ihn berechtigen, die Dienste anderer Mitglieder der Kooperative für sich in Anspruch zu nehmen. So würde außerhalb der freien Wirtschaft eine Vereinigung der Arbeitslosen entstehen, die durch Tauschhandel allen Gewinn brächte.

Wichtig ist, daß dieses Unternehmen ausschließlich von den Arbeitlosen selbst, ohne Einfluß des Staates oder sonstiger Organisationen, betrieben werden sollte. Nur das Selbstbewußtsein und die Arbeitsfreude, die Verbundenheit mit Schicksalsgenossen und die eigene Kreativität könnten ein Arbeitslosen-Netzwerk zum Erfolg führen.