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Suhl 2006
oder: Was haben wir dem Regengott getan?

Nachdem ja die Sternfahrt 2005 für Thomas und mich wegen eines Motorplatzers flachfiel, wurde in diesem Jahr ein neuer Anlauf unternommen. Auserwähltes Fahrzeug war wieder der rote Franzose, der uns ja schon zweimal erfolgreich durch den Thüringer Wald befördert hatte. Da ich mir einen Platz in Richys Beiwagen reserviert hatte, musste auch nur die die S 51 von Thomas zerteilt und eingepackt werden. Dies geschah wie auch das Einkaufen der Utensilien am Mittwoch, sodass am Donnerstag pünktlich um 8.30 Uhr aufgebrochen werden konnte.

Die Wettervorhersage für dieses Wochenende war schon seit Tagen nicht besonders erfreulich gewesen. Die Regenwahrscheinlichkeit schwankte zwischen 70 und 90 Prozent. Trotzdem begannen wir dann am Donnerstag voller Vorfreude unsere Tour. Sie führte uns wie jedes Jahr zunächst nach Linthe, wo ein anständiges Frühstück eingenommen wurde. Weiter ging es dann kurz nach 10 über die A9 gen Süden. Mit lautem Jubeln passierten wir die Abfahrt Droyßig, vor der uns im letzten Jahr der Caddy verreckt war. Ab Eisenberg ging es dann über die B7 durch Jena und auf die B87, die uns über Bad Berka (wo es sehr schöne Zimmer zu mieten gibt) und Stadtilm bis kurz vor Ilmenau führte, wo wir uns dann für die letzten paar Kilometer bis Suhl nochmal auf die Autobahn begaben.

Kurz vor zwei kamen wir im Regen an und wurden sogleich von den Anwesenden begrüßt. Um eine verfrühte Flucht der Quackse zu verhindern, platzierte ich mein Auto direkt hinter ihrem VW-Bus. Noch bevor das eigene Bier ausgepackt war, bekam ich von den Quacksen und Moonster die ersten Flaschen bzw. Dosen in die Hand gedrückt. Mir schwante Übles für das bevorstehende Wochenende. Die Erinnerung an 2004 packte mich, wo ich aufgrund fehlender Aufzeichnungen keinen anständigen Bericht zustande bachte. Das sollte mir in diesem Jahr nicht passieren, weshalb ich mir einen Block nahm und fleißig das Erlebte zu notieren gedachte. Leider schreibt es sich irgendwann auf durchtnässtem Papier nicht mehr allzu gut. Wir verbrachten die weitere Zeit damit, den Pavillon und das Zelt von Nachtfalke und Moonster mit zusätzlichen Planen gegen Wind und Regen abzudichten.

Nachdem Schwalbenvirus mir den "Orden für sicheres Auftreten bei vollständiger Ahnungslosigkeit" verliehen hatte, trudelte dann irgendwann auch Richy mit der ES ein und schlug sein Zelt direkt neben unserem auf. Auch Scary und Moe trafen ein und verkündeten, dass neben dem Kasten Astra, den sie mir wegen einer "kleinen Gefälligkeit" mitgebracht hatten, noch eine weitere Überraschung auf mich warten würde. Neben dem Kasten überreichte man mir ein gerahmtes Foto der "Eppendorfer Grill-Station", vor der die Simsons von Scary und Moe geparkt waren. Mit größmöglicher Rührung - die wohl nur eingeweihte Dittsche-Fans verstehen werden - nahm ich dieses Präsent entgegen und gab den Astra-Kasten zur Plünderung frei. Im Anschluss drehten Richy, Scary und ich im ES-Gespann noch eine Runde über den Platz. Den Rest des Abends verbrachten wir vorrangig im zuvor abgeplanten Pavillon, da der Regen doch langsam zu nerven begann. Auch der Grill wurde nach drinnen verlegt, was auch die Kälte ein wenig minderte. Doch nicht nur der Grill produzierte Rauchschwaden. Meine Feststellung, dass ich meinen Atem sehen könne, wurde von Rossi mit den Worten "Das ist in Suhl doch normal" kommentiert. Allerdings berichtete Koppy am nächsten Tag, er habe Postkarten aus Suhl gesehen, auf denen die Sonne geschienen hätte. Mysteriös. Rossi war es auch, der uns wie jedes Jahr mit seiner einzigartigen Lache "erfreute". Die Nennung des Wortes "Oberfußmeister" reichte aus. Auch Moonster sorgte selbst schlafend noch für Unterhaltung, was ich aber aus Angst vor seinem guten Anwalt nicht weiter ausführen möchte. So endete der Donnerstag für mich gegen 2 Uhr nachts.

Nach einer kurzen und viel zu kalten Nacht erwachte ich gegen am Freitag gegen 7 Uhr. Da ich aber auf das tolle Wetter ausserhalb des Zeltes keine große Lust hatte und auch nicht sonderlich scharf auf ein Frühstück war (ich erinnere an die Vielzahl von Bierpräsenten), beschloss ich, noch ein weilchen liegen zu bleiben und mich an den Geräuschen zu erfreuen, die von draußen an mein Ohr drangen. Dazu gehörten diverse Drucklufthörner und Trompeten, die in anderen Ecken des Platzes den Weckruf darstellten, wie auch Startversuche diverser Mopeds. Was ich allerdings nicht mehr hörte, war der Regen. Der hatte über Nacht offensichtlich aufgehört. Erst als Richy mit den Worten "mal sehen, ob wir den Admin auch wach kriegen" vor dem Zelt stand, kam ich dann heraus, bevor er noch auf dumme Weck-Ideen gekommen wäre.

Gemeinsam erspähten wir dann sogar ein paar Flecken blauen Himmels, was die Hoffnung auf einen relativ trockenen Tag erhöhte. Ab 9.30 Uhr begann man sich dann für die Abfahrt zum Museum zu sammeln, die für 10 Uhr angesetzt war. Richy nutzte die Zeit, um mit mir im Beiwagen ein paar Runden über den Parkplatz zu drehen, was auch filmisch dokumentiert wurde. Dann ging es pünklich los. Grobe Schätzungen sprechen von etwa 60 Fahrzeugen, die sich in einer großen Zweitaktwolke ihren Weg durch Suhl bahnten. So dauerte es manchmal dann auch mal mehr als eine Ampelphase, bis alle die Kreuzung passiert hatten. Trotzdem kamen alle gesund am Museum ein, wo wir zunächst die Halle der Firma MZA besuchten. Dort führte man uns einen Film über die AWO vor und zeigte auch die Lager von Ersatzteilen. Da wir das Museum schon mehrfach besucht hatten, beschlossen Richy, Thomas und ich, die Zeit zum Einkaufen zu nutzen. So wurde der Suhler Marktkauf geplündert und der Rückweg zum Zeltlager angetreten. Dort suchte gerade ein Reporter vom "Freien Wort" Suhl nach vielen Mopeds und Menschen, die dort sein sollten.

Richy und ich hatten eigentlich vor, noch eine kleine Tour mit dem Gespann zu machen, was aber durch den nun wieder einsetzenden Regen buchstäblich ins Wasser fiel. Selbst im Pavillon kam das Wasser nun auch von unten. Der lehmige und steinige Boden unter dem Gras war völlig gesättigt, wodurch das Wasser sich nun allerorts sammelte. Schon bald konnte man kleine Boote aus Plastikdosen auf den entstehenden Kanälen fahren lassen. Auch ein behelfsmäßiger Pegel aus Plastikbesteck wurde gebastelt um im Pavillon errichtet. Trotz all dieser Umstände war die Laune aber noch relativ gut und man vertrieb sich die Zeit damit, diverse Wortspiele zum Thema "Wasser" zu machen. So kam es dann auch, dass der Nachfalke mich aufforderte, mit seinem Laptop einen Beitrag im Schwalbennest zu verfassen. Dieser wurde sogleich als "aktuelle Wasserstandsmeldung" überschrieben.

Gegen Nachmittag wurde dann begonnen, Entwässerungsgräben über den Platz und sogar durch die Zelte zu ziehen, was die Wassermassen jedoch auch nur unwesentlich bändigte. Da die Arbeit mit dem Spaten auf dem steinigen Untergrund zunehmend schwerder wurde, kamen später auch Mopeds zum Einsatz, welche den Schlamm mittels durchdrehender Hinterräder aus dem Weg räumen sollten. Bei einer solchen Aktion wurde auch der nicht gerade günstig aussehende Wagen vom Schwalbenvirus durch Richy "umdekoriert", was aber sofort gebeichtet und verziehen wurde. Auch der Weg wurde immer mehr zur Schlammgrube, was natürlich die ideale Spielwiese für mitgebrachte Enduros war. Wirklich trocken war am Abend wohl niemand mehr.

Gegrillt wurde dann wieder beim Falken im Pavillon. Auch andere machten dann Gebrauch von dieser Grillmöglichkeit ohne Regen. Dazu gehörten Simmiopi (der tagsüber mal schnell nach Hause gefahren war, um zu Duschen und ein paar Ersatzteile zu tauschen), Schwalbenvirus und auch Moe. Aus dem Zelt heraus konnte man beobachten, wie die Quackse sich anschickten, ihre Habseligkeit zu verpacken. Allerdings brachen sie nicht sofort auf, sondern blieben noch bis kurz vor Mitternacht. Angesichts des Wetters konnte man auch niemandem verdenken, zum Aufbruch zu drängen. Wir jedoch waren fest entschlossen, noch eine Nacht durchzuhalten und erst am Samstag vormittag zu verschwinden. Nach dem Grillen saßen wir noch ein Weilchen bei den Berlinern mit im großen Zelt, wo auch immer etwas los war. Allerdings hielt es uns nach diesem Tag auch nicht lange auf den Beinen und so ließ ich mich nicht lange nach dem Aufbruch der Quackse in den Schlafsack fallen.

Es gab jedoch auch Leute, die die Nacht aktiver verbrachten. Dazu gehörten Experten, die noch spät in der Nacht und am frühen Morgen nichts besseres zu tun hatten, als ihre Motoren laut rumbrüllen zu lassen. Auch kamen einige Spaßvögel auf die Idee, über Nacht einige Mopeds zu verstecken oder umzuparken. So war bei einigen nach dem Aufstehen die Sorge groß, dass Fahrzeuge gestohlen wurden. Allerdings fanden sich nach und nach alle Zweiräder wieder an. Auch wunderte ich mich, warum die meisten Bierkästen in der Nähe leer waren. Dies klärte sich allerdings auch, nachdem Richy etwas aus dem Beiwagen nehmen wollte. Dieser war fein säuberlich mit Leergut vollgestapelt, welches dann natürlich diverse Dinge, die im Beiwagen lagen vollgetropft hatte. Das sind Dinge, die meines Erachtens nach bei allem Spaß auf einem Treffen nicht sein müssen.

Nichtsdestotrotz wurde dann mit dem Abbau und Einladen begonnen. Gegen 9:30 rollten wir vom Platz. Als blinder Passagier saß eine Schnecke auf dem linken Außenspiegel, die auch die kompletten 350km dort blieb. Wie sie das geschafft hat, wird ihr Geheimnis bleiben. Ein Geheimnis blieb auch, wo ein paar Leute wie Phillipp, Alfred oder Negerkalle in diesem Jahr geblieben waren, deren Anwesenheit in den letzten Jahren immer wieder eine große Freude war. Auch die Absagen von TALOON, Myke und SwallowKing trübten ein wenig die Stimmung. Doch trotz alledem war auch das überaus feuchte Treffen 2006 eine große Freude. Schwalbenmonas Feststellung, dass man als Simsonfahrer ein kleiner Masochist sein muss, scheint einen wahren Kern zu haben.

Nächstes Jahr sind wir wieder da. Mit Pumpen, Schlauchboot und Taucheranzügen.

Letztes Update: 28.05.2006