F&E Schwerpunkte: Mikrosystemtechnik
Die in den letzten Jahren durchgeführten Projekte basieren in der Regel auf dem Aufbau von spezifischen Prozesslinien (Sensorik, UV-Liga, biohybride Systeme, Polymerelektronik), der Vernetzung mit anderen Hochschulen, Instituten und Unternehmen, die auf dem Gebiet miniaturisierter Systeme tätig sind (länderübergreifendes Aus- und Weiterbildungsnetzwerk "proMST") oder der Abbildung der verwendeten komplexen Anlagen und Abläufe in einer virtuellen Umgeben (Kompetenz-zentrum "CCIDT"). Im Folgenden sind einige der bearbeiteten F&E-Themen kurz dargestellt:Sensorik
Die Aufgabe, die sich zunächst nach der Inbetriebnahme des Reinraumes und der mikrotechnischen Infrastruktur im Jahre 1999 stellte, war die effiziente Einführung von Einzelprozessen und Prozessketten für die Herstellung mikrotechnischer Komponenten und - eng damit verbunden - der Etablierung eines attraktiven Lehrangebotes. Im Bereich Sensorik wurde als Standardprozess die Herstellung mikromechanscher Strukturen in Volumenmikromechanik eingeführt. Der Standardprozess umfasst alle Schritte, die für die Entwicklung typischer mikromechanischer Sensoren, wie z.B. Drucksensoren, Beschleunigungssensoren, Temperatursensoren u.a., notwendig sind. Im Einzelnen sind dies:- Mechanisches Design und FEM-Analyse (IDEAS)
- Simulation des Ätzprofils für anisotropes nasschemisches Ätzen (Ätzsimulator SIMODE)
- Maskendesign mit Ausgabe in CIF oder GDSII zur Weiterverarbeitung in einem Maskshop
- Maskierung (Siliziumoxid oder Siliziumnitrid)
- Doppelseitige Lithografie
- Isotropes nasschemisches Ätzen
- Anisotropes nasschemisches Ätzen (KOH)
- Trockenätzen (RIE)
- Dotierung
- Metallisierung (Sputtern, Bedampfen: Alu, Au, Ti, .)
- Anodisches Bonden
- Vereinzeln (Dicing)
- Die-Bonding
- Wire-Bonding (Ball-Wedge, Wedge-Wedge; Alu, Gold)
- Mechanische Strukturanalyse (REM, AFM, Profilometrie)
- Elektrische Analyse (Waferprober)
- Analyse wichtiger Sensorparameter (für Druck und Beschleunigung)
- das nasschemisches, anisotropes Ätzen von Quarzresonatoren,
- der Aufbau stressminimierter Drucksensoren auf Keramiksubstraten,
- die Entwicklung miniaturisierter Sensorgehäuse auf Basis von LTCC,
- die Prozessentwicklung zur Herstellung von Druck- und Beschleunigungssensoren,
- die Prozessentwicklung im Bereich polymerer Mikrostrukturen,
- Versuche zum nasschemischen Ätzen,
- Versuche zum nasschemischen Ätzen von Membranstrukturen,
- Versuche zur Herstellung dünner Siliziumoxid- und Nitridmembranen für sensorische Anwendungen.
Biotechnologie
Mit der Berufung von Prof. Dr. med. Karl-Herbert Schäfer wurde der Fachbereich IMST in Richtung Biotechnologie erweitert. Schwerpunkt seiner Arbeit ist
- die Isolierung von neuronalen Stammzellen aus dem Darm
- die histologische und die Zellkulturuntersuchung enterischer Nervenzellen,
- die Entwicklung von Modellen zur Simulierung von Schleimhautbarrieren,
- die Untersuchung des Einflusses der Mikroumgebung auf die Entwicklung, sprich Überleben und Differerenzierung von enterischen Neuronen und Gliazellen in Kultur,
- der Interaktion von Zellen mit unterschiedlichen Oberflächen
- die 2-dimensionale Gelelektrophorese
- die Proteomanalyse.
Intelligente Kleidung
Zu einem sehr wichtigen Anwendungsfeld im Bereich der Mikrosystemtechnik entwickelt sich das Thema "Smart Textiles" oder "Intelligente Kleidung". Hierbei geht es um die Integration von mikrotechnischen Komponenten, wie z.B. Sensoren oder elektronischen Hilfen integriert in die Bekleidung oder in technische Textilien.
Mikrostrukturierung mit UV-LIGA (UV-Lithografie, Galvanik, Abformung)
Das UV-LIGA-Verfahren dient zur Herstellung von Mikrokomponenten aus Metallen und Legierungen sowie aus Kunststoffen. Die wesentlichen Prozessschritte sind
- UV-Lithografie
- Galvanoformung von Metallen/Legierungen
- Abformung von Kunststoffen (z.B. mittels Heißprägen oder Spritzgießen).
Am FH-Standort Zweibrücken konnte im Rahmen eines BMBF-Projekts eine UV-LIGA-Prozesslinie aufgebaut und optimiert werden. Die erzeugten Kunststoffstrukturen sind 10 bis 50 µm hoch mit Strukturbreiten zwischen 20 und 50 µm. Als Kunststoffe für das Heißprägen werden PMMA und Polycarbonat eingesetzt. Bisherige Anwendungen sind
- "Mikrolunge"
- "CE-Chip"
- Galvanischen Herstellung von Mikrokomponenten aus Nickel-Legierungen, insbesondere für Mikrozahnräder eines Mikrogetriebes.
Polymerelektronik
In den vergangenen Jahren wurde eine vollständige Prozesslinie zur Herstellung von organischen Leuchtdioden (OLEDs) aufgebaut, die aus folgenden Komponenten besteht:
- Vorbereitung der ITO-Substrate (Sägen, nasschemische Strukturierung, Substratreinigung erfolgen im Reinraum)
- Glovebox mit integriertem Spin-Coater und integrierter Aufdampfanlage (Aufbringen der organischen Verbindungen, Aufdampfen der Metallkathode und Verkleben erfolgt unter Stickstoffatmosphäre),

Glovebox mit integriertem Spincoater, Hotplate und integrierter Aufdampfanlage zur Herstellung von OLEDs
pro-MST
Das aktuelle, vom BMBF-geförderte Projekt pro-MST - "Aus- und Weiterbildungsnetzwerk für Prozesstechnologien der Mikrosystemtechnik" - verfolgt eine systematische Vernetzung der MST in der Region durch ein Konzept der gemeinsamen akademischen Aus- und Weiterbildung sowie der Unterstützung des technischen Nachwuchses durch Schulprojekte und Workshops für Lehrer in Kooperation mit den Landesinstituten LPM (Saarland) und IFB (Rheinland-Pfalz).
Hinzu kommt ein themenspezifischer Technologietransfer durch kommerzielle Seminare und Laborkurse. Aktiv beteiligt sind zur Zeit
- die FH Kaiserslautern,
- die Universität des Saarlands,
- die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), Saarbrücken,
- die FH-Aachen,
- die Firma HYDAC (Saarbrücken),
- die Firma thinXXS (Zweibrücken),
- die Firma mikroglas technik (Mainz),
- das Festo-Lernzentrum,
- das Fraunhofer-Institut FhG-IBMT (St. Ingbert),
- das IMM (Mainz) sowie
- 6 Schulen der Region (Gymnasien und Berufsbildungszentren aus dem Saarland und Zweibrücken).
CCIDT
Das CCIDT entwickelt u.a. virtuelle Maschinen, die in Form eines "Blended Learning"-Konzeptes eine multimedial gestützte, virtuelle Trainingsumgebung für Studierende der Mikrosystemtechnik bzw. Schulungsteilnehmer schafft.
Diese eLearning-Umgebung bildet den Reinraum und die zugehörigen Geräte der MST weitgehend naturgetreu ab und ermöglicht so eine ausgesprochen effiziente Vorbereitung der Schulungsteilnehmer, da sie erheblich schneller mit der Bedienung der komplexen Maschinen zurecht kommen, als konventionell vorbereitete Studierende und damit auch in zeitlich kompakten Lerneinheiten im realen Reinraum der FH echte "Hands-on"-Erfahrung gewinnen können. Die dem realen Laborbetrieb vorgeschaltete eLearning Komponente ist zudem inherent sicher für Mensch und Maschine, so dass Bedienungsfehler in diesem Lernstadium ohne negative Konsequenzen bleiben.

