Kleine Schraubertipps

Eigentlich habe ich nicht viel zu  Schrauben und auch meine Zylinderkopfdichtungen, sowie mein Getriebe machen keinen Ärger, aber ohne ein bisschen Bastelei ist keiner glücklich, also sucht man nach Problemen, die meistens keine sind. Bis jetzt hat mich meine Kuh jedenfalls noch nie im Stich gelassen; weiter so.
Für aus den Tipps entstehende Schäden am Motorrad oder dadurch verursachte Unfälle und deren Folgen wird keine Haftung übernommen!

Zündkerzendeckel
Zündkerzenabdeckung schützenBei meiner zweiten Ausfahrt verabschiedete sich auf einer Holperstrecke mittlerer Kategorie zwischen Leonberg und Magstadt der Steuerbord-Zündkerzendeckel. Lösung: Zwei Löcher in jeden Deckel bohren, Mini-Kabelbinder hindurch und am Zündkabel befestigen und das Problem ist dauerhaft gelöst. Die Kerzen sind weiterhin ohne umständliche Fummelei zugänglich auch ohne die Kabelbänder zu entfernen.


 

Schalterbeleuchtung
Eine Möglichkeit, die Schalter von ABS, Warnblinkanlage und Griffheizung zu beleuchten, bietet
Wolfgang Sust an.

Problem Konstantfahrruckeln (KFR)

Ich hatte in der 2001er Saison Champion RC7YCC Zündkerzen eingebaut. Das Problem ist damit zwar nicht vollständig beseitigt, aber ich kann es inzwischen als marginal bezeichnen. Kleiner Tipp: Die Kerzen sind im gut sortierten Autozubehörhandel preiswerter zu beziehen als im Motorradfachhandel! Andere Kerzen (Brisk DOR14LGS) und was sonst noch so gehandelt wird habe ich noch nicht ausprobiert.

Zu der ganzen Diskussion muss ich sagen, dass auch manche Vierzylinder bei niedrigen Drehzahlen in hohen Gängen ruckeln. Dies gehört m.E. in einem gewissen Maß einfach zum Motorradfahren dazu. Ein richtiges, echtes Motorrad ist mit säuselnden, zweirädrigen Einbauküchen nicht zu vergleichen und letztendlich soll und will die RT diesen Fahrzeugen ja auch nicht das Wasser abgraben.

Nach der Saison 2001 mit Champion RC7YCC Zündkerzen habe ich in 2002er Saison mal NGK BCP7ET Kerzen anfangs bei Verwendung des original BMW-Luftfilters eingebaut. Später habe ich auf den K&N Luftfilter gewechselt. Die NGK hat im Gegensatz zur Champion Kerze drei Massenelektroden neben der Mittelelektrode. Champion verwendet nur eine Masseelektrode über der Mittelelektrode.

Mein erster Eindruck ist der, dass kein Unterschied bei warmer Maschine festzustellen ist. Bei kaltem Motor funktioniert die NGK aber doch ein Quäntchen besser. Wie mit der Champion Kerze ist jedoch auch mit der NGK das Konstantfahrruckeln nicht vollständig eliminiert. Aber es ist nicht störend und gehört irgendwie zum Boxer dazu.

K&N Luftfilter
Ich habe im Februar 2003 den viel gerühmten K&N Luftfilter eingebaut. Mein erster Eindruck ist, dass die Kuh in kaltem Zustand wesentlich besser läuft und bei warmem Motor und niedrigen Drehzahlen freier dreht und williger Gas annimmt. Das KFR ist nur noch spürbar wenn man sich wirklich darauf konzentriert. Die ganze Kuh hat an Agilität gewonnen.

Wenn man jetzt auch noch bedenkt, dass der K&N Luftfilter wieder verwendbar ist und nur alle 30.000 km gereinigt werden muss, so hat sich diese Investition m.E. schon gelohnt. Ob sich mein persönlicher und völlig subjektiver Eindruck mit wissenschaftlich fundierten Meßmethoden untermauern lässt vermag ich jedoch nicht zu sagen.

ZündkerzenAnimierte Zündkerze
Eines der meistdiskutierten Themen bei der 4V-RT sind die Zündkerzen, werden sie doch für ein vielgehasstes Phänomen verantwortlich gemacht: das Konstantfahrruckeln (KFR). Insbesondere R1100RT Fahrer fahren deshalb meistens mit Nicht-Standard-Zündkerzen. Bei jedem BMW-Treffen, bei Benzingesprächen und in den diversen Internet-Foren werden eine Unmenge von Tipps und Erfahrungen zu Zündkerzen und KFR ausgetauscht. Haben die Zündkerzen wirklich Einfluss auf das KFR? Grund genug mal näher auf diese kleinen aber doch sehr wichtigen Ausrüstungsteile aus Keramik und Metall einzugehen.

FunktionAufbau der Zündkerze, Bild: Michael Panitzki
Aufgabe der Zündkerze ist, die von der Zündspule erzeugte Hochspannung in den Verbrennungsraum einzuleiten und das verdichtete Kraftstoff-Luft-Gemisch durch den zwischen der Mittelelektrode und der Masseelektrode erzeugten elektrischen Funken zu entzünden. Die von der Zündspule aufgebaute Spannung erzeugt zwischen der Mittelelektrode und der Masseelektrode ein elektrisches Feld. Das elektrische Feld ionisiert die Luft bis sie soweit leitfähig ist, dass die Durchschlagsspannung erreicht ist. Die Kerze "zündet". Der Lichtbogen schlägt auf der gegenüberliegenden Seite, d.h. der Masseelektrode ein. Dieses Grundfunktionsprinzip ist bei allen Zündkerzen und allen Herstellern identisch.

 

 

 

Mehrmasseelektroden
Im Normalfall springt der Zündfunke von der Mittel- auf die Masseelektrode über und entflammt hierbei das Kraftstoff-/Luftgemisch. Bei jedem Zündvorgang werden Moleküle vom Elektrodenwerkstoff abgelöst. Dieses Phänomen bezeichnet man als Funkenerosion. Dies führt langfristig zu Werkstoffabtrag und somit zu einer Vergrößerung des Elektrodenabstandes. Diese Vergrößerung ist jedoch nur in gewissen Grenzen zulässig, da die erforderliche Zündspannung, die wesentlich vom Elektrodenabstand abhängt, sonst zu stark ansteigt und es zu Zündaussetzern kommt. Kann nun infolge von Funkenerosion der Zündfunke nicht überspringen, fließt die Zündspannung gewöhnlich über den durch den Ruß leitend gewordenen Isolator ungenutzt ab, und das vom Kolben angesaugte Kraftstoff-/Luftgemisch wird beim nächsten Takt unverbrannt durch die Auslassventile gestoßen. Zündaussetzer sind bei modernen Motoren aber keinesfalls akzeptabel, da sie zu erhöhten Emissionen, reduzierter Motorenleistung und Katalysatorschäden führen.

MehrmasselektrodeUm die Lebensdauer einer Zündkerze zu verlängern und sicheres "zünden" zu gewährleisten, wird einfach die Werkstoffquantität verändert, indem 2, 3 oder mehr Masseelektroden verwendet werden. Hiermit wird die Lebensdauer und die einwandfreie Funktion der Zündkerze und die Betriebssicherheit des Motors über einen langen Zeitraum gewährleistet.

Im Vergleich zu einer Elektrode richten mehrere Maßelektroden das elektrische Feld auch örtlich präziser aus, welches sich bei Anlegen der Zündspannung aufbaut. Der erzeugte Lichtbogen schlägt dann entsprechend präziser auf der gegenüberliegenden Seite ein und es kommt zu einer besseren Zündung des Kraftstoff-Luft-Gemischs.

 

Bosch Platinzündkerze, Bild: Bosch


Platinzündkerzen
Platinelektrode, Bild: Bosch
Eine weitere Möglichkeit die Zündsicherheit der Kerze zu erhöhen ist der Einsatz höherwertigerer Materialien. So werden bei Zündkerzen zunehmend Werkstoffe mit größerer Erosionsfestigkeit verwendet. Am gebräuchlichsten ist hierbei Platin oder Silber. Fast alle namhaften Zündkerzenhersteller bauen inzwischen Platinkerzen.




Gleitfunkenkerzen

Um eine sichere Durchbrennung bei modernen Benzinsorten und scharfen Emissionsvorschriften zu erreichen muss die Zündenergie gesteigert werden. Um die Zündenergie in das Benzingemisch zu transformieren wird eine größere und schattenfreie Funkenoberfläche benötigt. Gleitfunken-Zündkerzen haben nahezu eine doppelt so große Funken-Oberfläche ohne eine viel höhere Zündspannung zu benötigen.

Der Funken gleitet zunächst über den Isolator und springt dann zur Masse-Elektrode über. "Gleitfunken" kann man sehr schön im Deutschen Museum in München bei der Hochspannungsvorführung beobachten. Die beiden Elektroden sind dort so ausgeführt, dass sie zuerst dicht beieinander liegen und nach oben hin (jede Elektrode gebogen) immer weiter auseinander gehen.

An der Stelle mit dem geringsten Abstand wird die Durchschlagspannung als erstes erreicht - Zündung! Einen bereits gezündeten Lichtbogen aufrecht zu erhalten braucht eine deutlich geringere Spannung, als die Durchschlagspannung. Oder: bei gleicher Spannung könnte man den Elektrodenabstand vergrößern. Genau das ist durch die Form der Elektroden im Deutschen Museum gegeben: der Lichtbogen wandert die Elektrode entlang, bis er so lang ist, dass die Spannung zum aufrecht erhalten des Bogen nicht mehr ausreicht.

Die Gleitelektroden sind bei Gleitfunkenkerzen ebenfalls gebogen, so dass der Lichtbogen wandert, bevor er wieder erlischt. Das zündet das Benzin-Luft-Gemisch weniger punktuell.

Standardelektrode, Bild: Bosch

ChampionChampion RC7YCC, Bild: Champion
Bei der Champion RC7YCC Zündkerze handelt es sich um eine Kerze konventioneller Bauart, d.h. mit einer Maßelektrode über der Mittelelektrode. Die Kerzen sind bei einzelnen BMW Zubehörhändlern oder wesentlich preiswerter im gut sortierten Kfz-Zubehörhandel.

 

Ich habe die Champions in der 2002er Saison mit dem Standardluftfilter gefahren. Meine Erfahrungen mit dieser Kerze sind gut und ich kann sie ohne Einschränkung weiter empfehlen. Diese Kerzen sind eine preiswerte Lösung des Problems. Auch wenn das KFR nicht vollständig beseitigt ist, so ist es mit den Champion Kerzen doch so gering, dass es nicht mehr als störend empfunden wird.

NGK Mehrmasseelektrode, Bild: NGK

NGK
Die NGK-Kerze hat im Gegensatz zur Bosch- und zur Champion-Kerze nicht nur eine Massenelektrode sondern drei, eine sog. Mehrmasseelektrode. Welchen Vorteil hat dies? Im Vergleich zu einer Elektrode richten mehrere Maßelektroden das elektrische Feld örtlich präziser aus, welches sich bei Anlegen der Zündspannung aufbaut. Der erzeugte Lichtbogen schlägt dann entsprechend präziser auf der gegenüberliegenden Seite ein und es kommt zu einer besseren Zündung des Kraftstoff-Luft-Gemischs.

 

 

 

Bosch FR6DP PlatinzündkerzeBosch Platin-Zündkerze, Bild: Bosch
Die in vielen Benzingesprächen und verschiedenen Foren viel gelobte Bosch FR6DP ist eine moderne Platinkerze. Sie verfügt über eine Masseelektrode über der Mittelelektrode. Sie ist u.a. bei Wunderlich und natürlich auch über jeden Bosch-Dienst um die Ecke zu beziehen. Ich habe die Platin-Bosch bis jetzt noch nicht ausprobiert. Aber wie gesagt, man hört nur Gutes.

 



Weitere Hersteller
Darüber hinaus gibt es weitere, vornehmlich amerikanische Hersteller, die Kerzen für die 1100er Kuh anbieten:

  • Autolite 3923
  • Brisk DR14ZC
  • Brisk DR14LGS
  • Golden Lodge GL2HLD

Aufgrund der sehr strengen US-Abgasvorschriften, insbesondere in Kalifornien scheint das KFR in den USA ein noch größeres Problem zu sein als hierzulande. Die Autolite 3923 wird in US-Internet-Foren als Heilmittel für das KFR gehandelt. Die Autolite ist eine Kerze herkömmlicher Bauart. Erfahrungen liegen mir nicht vor. Nichtsdestotrotz ist ihr Zündverhalten offensichtlich wesentlich besser als das der Original Bosch Kerze.

Bei der Brisk DR14ZC, DR14LGS und der Golden Lodge GL2HLD handelt es sich um sog. Gleitfunkenkerzen. Die Brisk DR14ZC taucht auch in deutschen BMW Foren gelegentlich als Tipp auf. Der Bezug erfolgt über RMF Deutschland GbR. Die Brisk Info-Hotline empfahl mir die verbesserte Brisk DR14LGS. Ich werde die Brisk Gleitfunkenkerzen vielleicht mal ausprobieren.

Golden Lodge Gleitfunkenkerzen sind u.a. bei Silent-Hektik zu beziehen. Mit diesen Kerzen habe ich bisher keine Erfahrungen sammeln können, weder eigene noch von Dritten.

Öltemperatur bei FID
1 Balken = ca. 35 - 50 °C
2 Balken = ca. 51 - 65 °C
3 Balken = ca. 66 - 72 °C
4 Balken = ca. 73 - 80 °C
5 Balken = ca. 81 - 110 °C
6 Balken = ca. 111 - 140 °C (dieser Wert ist im normalen Fahrbetrieb maximal erreichbar)
7 Balken = ca. 141°C - 155 °C
8 Balken = >156 °C.


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