
| Die Stadt Wildenfels und ihre Geschichte | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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- Anno 1233 wurde Wildenfels erstmals urkundlich erwähnt -
Ortsbeschreibung Wildenfels, das alte Weberstädtchen, erhebt sich in seiner Naturschönheit in einem kessel- förmigen Tale. Selbst auf einem Berge liegend, ist es von allen Seiten von Höhenzügen umgrenzt. Wie sein Name besagt, ist es auf einem Fels erbaut, der an vielen Stellen der oberen Stadt zu Tage tritt. Auf dem Felsen selbst liegt das uralte Schloss, seit 1602 bewohnt von dem Geschlecht der Grafen zu Solms-Wildenfels. Zwischen dem Schloss und der Schule liegt die "obere Stadt" mit den Gebäuden des ehemaligen Amtsgerichts, der Kirche und der Pfarre.
Das Tal unmittelbar unterhalb des Schlosses grenzt an die Fluren des Ortes Schönau. Dieser Ortsteil führt im Volksmunde die Bezeichnung "Tempel". Vom Tempel aus führt eine steile Straße, im Volksmunde "Leihkaufgasse" genannt, zum Marktplatz der oberen Stadt. Zum südlichen Teil führt die Lindenstraße, heute heißt sie Lindenallee - "Lange Tränke" - hinab. Im Tal teilt sich der Weg nach den im Volksmunde bezeichneten Ortsteilen "Weinleithe" und "Goldecke". Im nördlichen Tale liegt unmittelbar an Härtensdorf der Ortsteil "Friedrichstal", der diesen Namen seinem Gründer, dem Grafen Johann Friedrich Solms, zu verdanken hat. Dieser Ortsteil bildete bis 1836 eine eigene politische Gemeinde. Im gleichen Jahre wurde er mit der Stadt Wildenfels verschmolzen. Wildenfels zählte im Jahre 1840 2100 Einwohner, die Einwohnerzahl stieg im Laufe der Jahre bis weit über 3000, ist jedoch seit 1870 zurückgegangen, erreichte 1919 den Bestand von 2289 Einwohnern und ist bis zum Jahr 2005 auf 1680 gesunken. ![]() Dieses, um 1860 entstandene Foto zeigt den Blick vom Marktplatz auf das östliche Stadttor, mit der darüber liegenden Diakonats- wohnung.
1863 wurde das alte, 1716 erbaute Diakonat samt Torbogen, der die jetzige Poststraße im Bereich der heutigen Hausgrundstücke Nr. 4 und 6 überspannte, weggerissen. Das direkt an das Diakonat anstos- sende, also auch auf der Stadt- mauer stehende Kantorat und drei weitere Bürgerhäuser links hinter dem Stadttor, wurden 1866 im Zuge des Kirchen-Neubaus (1867- 1869) angekauft und abgebrochen. Mehrere Gebäude, rechts vom Stadttor, fielen am 20/21. Juni 1899 einer Feuersbrunst zum Opfer. Darunter auch das Haus (mit Erker) meiner Vorfahren. ![]() Dieses Foto vom August 2002, mit der gleichen Blickrichtung, wie im oberen Bild, zeigt den Standort-Bereich des ehemaligen Stadtores und die beiden dort im Jahr 1899 entstandenen Wohnhäuser mit Klinkerfassade.
![]() Das Foto zeigt die Einweihung des nachgestalteten Stadttors anläßlich des Schlossfests 2001. Es wird bei besonderen Anlässen, wie zur Rosenschau, zum Weihnachts- markt oder zum Schlossfest, in der Nähe des ehemaligen Stadttors aufgestellt.
Ritter und Knappen, Gaukler und Fußvolk zogen durch das Stadttor hinauf zum Schloss, wo die Ritters- leut ihr Lager aufgeschlagen hatten. Wildenfels im Wandel der Zeit Über den Ursprung von Wildenfels fehlen sichere Angaben. Der Überlieferung nach ist das Schloss Wildenfels von einem römischen Patrizier im fünften Jahrhundert erbaut worden. Der Ort selbst entwickelte sich im Zuge der deutschen Ostexpansion bei der Besiedelung des Westerzgebirges im Verlaufe des 12. Jahrhunderts.
Wildenfels muss einer der ersten Rittersitze sein und von altersher Stadtrechte besitzen. In einem Lehnbrief vom Jahre 1455 wird Wildenfels bereits mit "Städtlein" bezeichnet. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Stadtrechte bis in den Anfang des 13. Jahrhunderts zurückgreifen. In den Jahren 1521, 1589, 1636, 1706 wurde die Stadt von grösseren Brandunglücken betroffen. 1632 und 1641 wütete die Pest so stark, dass im nächsten Jahr nur 4, im darauffolgenden 8 und im dritten Jahr danach nur 2 Leichen aus dem entvölkerten Städtchen zu beerdigen waren. Die an der Seuche verstorbenen wurden auf einer Wiese, im Volksmund "Pestacker" genannt, in der Nähe der "Ernstmühle" begraben, weil der erst 1620 angelegte Friedhof zu klein war, um die vielen Toten aufzunehmen.
Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in Wildenfels nach Kupfer und Blei gegraben, doch war die Ausbeute sehr gering. Erwähnt werden möchte hier der Marmorbruch, der zur Zeit nichtmehr ausgebeutet wird. Dieser schwarze Marmor fand zur Ausgestaltung vieler repräsentativer Gebäude, u.a. für den Hauptaltar der Sophienkirche in Dresden, für die Eingangshalle der Gemäldegalerie, in der Begräbniskapelle des Freiberger Domes, in der katholischen Hofkirche, im Mausoleum des Grafen Ernst von Schaumburg-Holstein in Stadthagen Verwendung, ebenso sind Altar und Taufstein der jetzigen Wildenfelser Kirche aus diesem Material hergestellt.
Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Wildenfels ein neuer Handwerklicher Produktionszweig, die Pfefferkuchenbäckerei. Sie gewann zunehmend an Bedeutung und brachte damals dem Ort die Bezeichnung "Pfefferkuchenstadt" ein. Dabei war diese Gewerbe "zufällig" hierher gelangt.
Die früher stark im Städtchen vertretene Strumpfwirkerei, Handweberei und mechanische Weberei, Schiffchenstickerei, Bürstenfabrikation, Segeltuchweberei, Knopffabrikation sowie die Aluminium- und Nickelindustrie ist im Laufe der DDR-Jahre teils und seit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung 1989 völlig verschwunden.
Die Herrschaft zu Wildenfels bis 1602 Einen ersten Anhaltspunkt findet man in einer 1119 ausgefertigten thüringschen Urkunde, in der die Brüder Christian und Anargk genannt werden. Es ist jedoch unbekannt, ob sie sich v. Wilden oder v. Wildenfels bezeichneten. Sicher dagegen erscheint es, dass Wildenfels, ebenso wie Stein, zeitweise ein Bestandteil der Reichsgrafschaft Hartenstein war, solang dieses den Burggrafen von Meißen gehörte. Anderseits steht durch noch vorhandene Einladungen zu den Reichstagen, von Kaiser Rudolf II., die Reichsstandschaft von Wildenfels fest, dessen Herren als Graue oder auch Graven bezeichnet wurden und einen Sitz auf der Grafenbank hatten. Später wussten die Kurfürsten Moritz, August und ihre Nachfolger die Landeshoheit zu gewinnen. Durch Übernahme eines Beitrages zu den Landessteuern haben denn auch die Grafen zu Solms 1706 nach jahrhundertelangen Prozessen beim Reichskammergericht vergleichsweise diese Landeshoheit anerkannt. Auch wurde Wildenfels dem Amte Zwickau insoweit einbezirkt, als dieses zur Mittelbehörde für die Verschickung der jedoch versiegelt zu übersendenden königlichen Reskripte an den Standesherren und vorkommendenfalls auch zur kommisarischen Behörde gemacht wurde. 1356 wurde das Schloss ein königl. böhmisches Lehn; es wurde damals von Hanns und Heinrich v. Wildenfels dem Kaiser Karl IV. (als König von Böhmen) freiwillig angetragen. Bis 1400 wechsel die Namen Heinrich, Hanns und Anargk beständig. 1401 verkauft Wenzel v. Wildenfels das Dorf Grün (Kalkgrün, welches seitdem die Herrschaft in zwei gesonderte Stücke teilt) und das Dorf Oelsnitz an das Grünhainer Kloster. Um 1407 wurde Anargk v. Wildenfels von Heinrich Weymar, dem probst zu St. Moritz von Naumburg vom Banne losgesprochen, wogegen Anargk auf alle Rechte verzichtete, die er gegenüber dem Klösterlein Zelle hatte. Das ist der 1. Abschnitt in der Geschichte der Wildenfelser Schlossherrschaft.
Kurz darauf, als durch Streitigkeiten mit der Papstkirche die Veräußerung der Herrschaft Wildenfels veranlasst wurde, ging die Besitzung 1410 an Conrad von Tettau über und nicht viel später an das Pflugksche Geschlecht. Der Enkel von Nicol Pflugk, ebenfalls Nicol genannt, verkaufte das Lehn 1454 wieder an seinen Stammvetter Heinrich Voigt v. Weyda mit den Dörfern Hartmannsdorf, Oertensdorff (Ortmannsdorf) und Reinsdorf. Dieses Lehn kam dann 1480 an die drei Brüder Heinrich von Weida. 1507 starb der Älteste in Zwickau. 1510 kaufte Heinrich der jüngere von Weida und Wildenfels seinem Bruder Heinrich dem mittleren die Hälfte von Wildenfels ab. Durch einen Vertrag übergab er aber 1533, nebst allen Mitbelehnten, Wildenfels an den kurfürstl. Rat, Grafen Hanns Heinrich v. Schwarzburg, der es jedoch schon 1536 wieder an Anargk v. Wildenfels, Herrn zu Ronneburg und Schönkirchen, verkaufte. Sämtliche Besitzer von Conrad v. Tettau an bis auf den Schwarzburger scheinen es aber nur "unterpfändlich" besessen zu haben, oder die v. Wildenfels müssen sich immer noch gewisse Besitzrechte in der Herrschaft vorbehalten haben; denn 1450 wird Heinrich v. Wildenfels Besitzer des Schlosses genannt, 1451 verkaufte er an einen Nic Reinhold einige Zinsen und Güter in Reinsdorf; 1508 verklagten auch die v. Wildenfels die Schlemaer Gerichte wegen Verweigerung des Bergzehnten. Eine berühmte Persönlichkeit war Anargk. 1535 wurde er vom Herzog Georg mit den 3 Vorwerken zu Oelsnitz samt allen Rechten über das Dorf, dem Gute Steinhübel usw. belehnt. Er leistet dem Kurfürsten Johann dem Beständigen während der Reformation viele Dienste. Besonders tätig war er auch bei den Kirchen-Visitationen im Erzgebirge. 1536 brachte er Wildenfels, Ronneburg und Schönkirchen wieder an seine Familie. Bei einer Kirchenrevision starb er und liegt, nebst einem seiner Nachfolger, in Härtensdorf begraben. Sein Sohn Heinrich, Herr zu Wildenfels, Ronneburg und Schönkirchen, auch auf Oelsnitz, starb 1558 und dieser hinterließ einen nur 3-jährigen Sohn Anargk Friedrich. In der Folgezeit musste die Herrschaft schlimme Jahre durchleben. Streitigkeiten entstanden genug wegen Reichs- und Landesabgaben, die ihr manchen Schaden zufügten. Am 26. Februar 1602 starb Anargk Friedrich v. Wildenfels als der letzte dieses Stammes plötzlich in Prag im Alter von 47 Jahren und wurde in der Kirche zu Härtensdorf begraben. Nun konnte Kurfürst August sein schon 1585 gegebenes Versprechen einlösen, um die Besitzungen an die Grafen zu Solms zu geben. Sieben Brüder und Vettern: Otto, Fredrich, Albrecht Otto, Wolfgang, Heinrich Wilhelm, Friedrich Magnus, Hanns Georg, alle Grafen zu Solms, Herren zu Münzenberg und Sonnewalde, waren die Besitzer der Herrschaft Wildenfels. Außerdem wurden noch 8 Grafen zu Solms mit belehnt. Zusammenfassend die überlieferten Lehnsinhaber der Herrschaft Wildenfels
[ Quelle: Aus den Festschriften zum Heimatfest in Wildenfels 1925, 1963 und 1983 ]
Mit Ende des 2. Weltkrieges und dem Vormarsch der amerikanischen Truppen und der Roten Armee verliess die gräfliche Familie Wildenfels. Der gesamte herrschaftliche Besitz wurde im Zuge der Bodenreform verstaatlicht.
Genealogie der gräflichen Herrschaft von Solms.
Die heutige Verwaltung von Schloss Wildenfels
Der Eigentümer des Schlosses ist heute die "Gemeinnützige GmbH Schloss Wildenfels". Der Schlosspark und der Herrenteich sowie ein Großteil des Grund und Bodens befindet sich heute in der Obhut der Stadt Wildenfels. Eigens zur Erhaltung und Verwaltung des Schlosses wurde am 20. März 1998 ein Förderverein "Freundeskreis Schloss Wildenfels e.V." gegründet. Dieser gemeinnützige Verein wirkt im Sinne der Erhaltung des Schlosses Wildenfels als Kulturdekmal sowie dessen Förderung als kulturelle Einrichtung.
Gezielte Öffentlichkeitsarbeit, vielfältige Veranstaltungsangebote, Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden sollen dazu beitragen, Schloss Wildenfels zu einem attraktiven Anziehungspunkt in der Tourismusregion Westsachsen werden zu lassen.
Kulturelle Attraktionen und Sehenswertes auf Schloss Wildenfels
Das Museum "Wildenfelser Zwischengebirge" demonstriert den "Lebensraum Steinbruch". Vom
Schloss aus geht ein ca. 4,5 km langer Naturlehrpfad in das "Museum in der Landschaft".
Neben vielen anderen Veranstaltungen gestalten die Stadt Wildenfels und der Freundeskreis
Schloss Wildenfels e.V. im Hof und in den Räumen die Rosenschau bzw. das Schlossfest im jährlichen Wechsel.
Zu "Ostern auf Schloss Wildenfels" erhalten Sie Einblick in das Schaffen von Kunsthandwerkern
und Volkskünstlern.
Im August jeden Jahres öffnet die Kultour Z. GmbH Zwickau das Schloss für eine "Nacht der
Weltenbummler", ein vielfältiges Programm mit dem romantischen Flair ausgewählter Regionen.
Im klassizistisch gestalteten Saal gastieren regelmäßig Chöre und bekannte Gesangs- und
Instrumentalisten. Ebenso finden hier von der Bibliothek organisierte Buchvorstellungen und Buchlesungen statt.
Das Schloss Wildenfels gehört zum Museumsverbund Zwickau Land und zeigt eine Reihe
ständiger und variierender Ausstellungen.
In der neuen Galerie für zeitgenössiche Kunst präsentieren bekannte Künstler des westsäch-
sischen Kulturaumes eine Auswahl ihrer Werke.
Um das bodenständige Pfefferkuchenhandwerk zu würdigen, wurde eine ständige Ausstellung
im Schloss eingerichtet.
Der Schlossgarten und der Park mit Schlossteich laden zum Bummeln und zur Bootsfahrt ein.
Für Besucher und Interessenten findet in den Sommermonaten (März bis Oktober) an jedem letzten Samstag eines Monats ein "Tag der offenen Tür" auf Schloss Wildenfels statt.
An den Samstagen werden in der Regel Führungen von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr zu jeder vollen Stunde durchgeführt, oder nach Voranmeldung beim Freundeskreis, auch ausserhalb der genannten Zeiten. |
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