Die Entstehungsgeschichte von Schlosspark und Schlossgarten
Terrassenförmig zieht sich der Garten auf der Südseite entlang des Schlosses.
Die erste umfassende Gestaltung im Sinne frühaufklärerischer Naturbegeisterung erfuhr der Garten durch Graf Heinrich Carl von Solms-Wildenfels und seiner Frau Albertine Charlotte von Bylandt-Plasterkamp zu Anfang des 18. Jahrhunderts.
In Gewächshäusern wurden exotische Früchte gepflanzt, eine Kastanienallee lädt zu romantischen Spaziergängen ein.
Das Gartenideal der Zeit stellte der Englische Langschaftsgarten dar. Weg von der geometrischen Formstrenge des Barockgartens sollten sich Garten und Park nun möglichst naturnah präsentieren.
Ein Spalier exotischer Feigenbäume waren sicher eine einzigartige Attraktion im kühlen Erzgebirge. Die Pflanzung von Maulbeerbäumen sollte die Haltung von Seidenraupen ermöglichen. Die empfindlichen Gewächse und die Seidenraupen waren dem rauen Klima jedoch nicht gewachsen und der Versuch zur Zucht musste eingestellt werden.
Die Parkanlage mit Teich, die sich auf der steilabfallenden Nordseite des Schlosses befindet und durch den Härtensdorfer Bach begrenzt wird, erfuhr, durch Friedrich Magnus I. veranlasst ab 1772 erneut Veränderungen.
Nach englischer Manier bekam der Park eine sentimentale Gestaltung mit Teehaus, Standbildern und Grabmalen.
Im Schlossteich wurde eine verträumte Insel angelegt, die bis heute den Teich schmückt und dem Wassergeflügel als Zufluchts- und Brutstätte dient.
Kahnpartien und Spaziergänge in der Abenddämmerung waren ein beliebter Zeitvertreib der gräflichen Familie und ihrer Gäste.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden zudem der verglaste Wintergarten an der Südseite des Schlosses angebaut.
Der sogenannte "Schwesternsitz" s. u., ein Pavillion an der Westflanke des Schlosses, ist rekonstruiert worden und lädt heute wieder zur kontemplativen Betrachtung der Umgebung ein.
Quelle: Infotafel im Schloss
Der Schlosspark und Schlossgarten gestern und heute
Der idyllisch gelegene Park
mit seinen alten Ahorn-, Eichen- und Kastanienbäumen lädt die Besucher zu einem Spaziergang rundum den ca. 3,5 ha großen Schlossteich, der im Volksmund auch Herrenteich genannt wird, ein. Der auf der Nordseite am Fuße des Schlossberges gelegene Teich ist 350 Meter lang und bis zu 5 Meter tief. In seiner max. Breite misst er ca. 150 Meter. Auf dem Teich tummeln sich Scharen von Stockenten, Höckerschwäne mit ihren Jungen und anderes Wassergeflügel. In den Sommermonaten schimmert eine riesige Wasserfontäne silbern im Sonnenschein. Besucher können eine Gondelfahrt auf dem Teich unternehmen oder auf einer der zahlreichen Bänke verweilen, die Natur genießen und sich erholen.
In der Mitte des Teiches befindet sich eine kleine Insel. Die, wie der Teich selbst auch, im 17. Jh. angelegt wurde. Diese Insel erlangte 1759 Berühmtheit. In dem Jahr weilte der preußische Major und Dichter Ewald von Kleist, der einer Einladung der Gräfin Albertine Charlotte zu Solms-Wildenfels folgte, auf Schloss Wildenfels. Auf der kleinen Insel, mit dem damaligen kleinen Holzhäuschen, fand Kleist seinen schöpferischen Arbeitsplatz. Hier entstand, von der Idylle des Parkes inspiriert, sein Werk Fischeridyll - "Irin".
Der Spazierweg auf dem Teichdamm führt entlang des Härtensdorfer Baches, der den Teich speist, hin zum Geflügelhaus, dem gegenüber ein Wehr liegt. Der "Elefantenrüssel", der alten Kastanie, war die Attraktion des Wildenfelser Parks und für Fotografen ein begehrtes Motiv. Er fiel leider, am 18. August 2011, eim Unwetter zum Opfer.
Umwandert man den Teich weiter in Richtung Teichkrone, so befindet sich auf einer kleinen Anhöhe ein Ziegengehege.
Von der Teichkrone aus erblickt man in der Tiefe, die ehemalige Teichmühle. Diese war noch bis 1975 in Betrieb.
Verlässt man den Rundweg um den Teich am Ende der Staumauer, führt ein Weg bergauf, durch dichtes Laubwerk zum "Schwesternsitz", der hoch oben auf einem Felsen thront und von dem aus man eine eindrucksvolle Aussicht ins Schönauer Tal genießen kann.
In Weiterführung des Spazierweges bergauf, vorbei an der Stehle - Dieses Denkmal wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Grafen Friedrich Magnus II. im Besitz von Wildenfels anno 1851 von seinem Sohn gestiftet - gelangt man in den Schlossgarten, der auf der Südseite des Schlosses liegt. Der Schlossgarten mit seinen zahlreichen Blumenbeeten und Rosenstöcken, Bäumen und Sträuchern lädt zum Verweilen ein, um besonders die Schönheit der Natur, den Blick auf das Wildenfelser Zwischengebirge und den Duft der Rosen genießen zu können.
Eine Gußtafel, am Hohen Fels auf der Nordseite des Schlosses, unterhalb des Kornhauses, zeugt vom schaurigen Schicksal einer Prinzessin, die sich aus Liebeskummer mit ihrem Pferd von diesem Felsvorsprung in den Tod gestürzt haben soll. Nach neusten Erkenntnissen stimmt diese Geschichte nicht. Es ist nur eine romantische Legende. Die Gräfin, um die es sich gehandelt haben soll, war Caroline zu Solms-Wildenfels, Tochter von Graf Friedrich Magnus II. und starb am 14. Januar 1839 im Alter von 34 Jahren an einer Lungenkrankheit auf dem Schloss in Sannerz/Hessen, wo sie auch begraben ist.
Der wasserspeiende Brunnen, der sich im Schlossgarten unterhalb des Kornhauses befindet, wurde zum Gedenken an die erste Gemahlin, Auguste Caroline, des Schlossherren Graf Friedrich Magnus II. zu Solms-Wildenfels, errichtet. Die Gräfin zu Erbach-Erbach wurde 1783 geboren und starb am 11. Juni 1833 in Wildenfels. Die Brunnenwand wird dem Klassizismus zugeordnet. Die verwitterte Inschrift gibt jedoch Rätsel auf. Noch erkennbar ist der Nameszug "Auguste", in griechischen Buchstaben.
Wenn man aber den Rundweg am Abzweig um den Teich fortsetzt, gelangt man zum italienischen Spezialitäten Restaurant "Al Parco". Hier kann man seinen Appetit, etwa auf Eis oder Spagetti, im Sommer auch auf der angebauten und überdachten Veranda stillen. Die Boutique neben der Gaststätte lädt zum Kauf italienischer Damengaderobe ein.
Die großflächige Wiese, zwischen dem östlichen Parkzugang und der Gaststätte, mit einer massiven Tanzfläche und zwei Verkaufskioske, wird alljährlichen zum Parkfest von den Schaustellern zum Aufstellen ihrer Fahrgeschäfte genutzt.
Öffnungszeiten - Bootsverleih:
Aus Verwaltungs- und Sicherheitstechnischen Gründen findet bis auf Weiteres kein Gondelbetrieb mehr statt.
Ansprechpartner:
Stadtverwaltung Wildenfels - Telefon: 03 76 03 - 55 93 30